21.05.2013 05:51 Merkliste 0

Wieder einmal nahe dran an der „Skandalrepublik“

OLIVER PINK (Die Presse)

Buwog, Staatsbürgerschaften, Telekom, Inserate – der U-Ausschuss zu allem und jedem hat begonnen. Der Diplomatenpass ist da noch das geringste Problem.

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Zur Abrundung der Ereignisse der vergangenen Wochen und Monate fehlt jetzt eigentlich nur noch die Meldung, dass auch Nikolaus Pelinka im Besitz eines Diplomatenpasses ist.

Auch unter dem Eindruck des nun beginnenden Untersuchungsausschusses steht Österreich derzeit beinahe wieder in jenem Zwielicht, in dem es Anfang der 1980er-Jahre nach Ende der sozialdemokratischen (damals noch sozialistischen) Alleinherrschaft gestanden war, als der Begriff von der „Skandalrepublik“ die Runde machte.

In (grober) Abwandlung eines Karl-Kraus-Zitats könnte man sagen: Wenn die Sonne einer politischen Hochkultur niedergeht, dann kommen auch die Untaten der Zwerge aus dem Schatten ans Licht. So werden nun im U-Ausschuss vor allem die mutmaßlichen Malversationen der schwarz-blauen Ära verhandelt. Allerdings ist auch die dubiose Inseratenvergabe der derzeitigen sozialdemokratischen Regierungsspitze bereits Gegenstand der Untersuchungen.

Der Fokus liegt jedoch (noch) auf den aufklärungswürdigen Machenschaften schwarzer, blauer und oranger Verantwortungsträger: Politiker, die gegen Parteispenden Staatsbürgerschaften versprochen haben (zumindest hat dies ein Gericht in erster Instanz so festgestellt). Politiker, die sich Jahre nach ihrer Regierungszeit vom staatsnahen Telekom-Unternehmen bezahlen ließen – oder vom Rüstungskonzern, dem sie einst einen Milliardenauftrag verschafft haben. Freunde von Politikern, die von deren Privatisierungen finanziell profitiert haben (sofern die Politiker nicht selbst davon profitiert haben). Wobei es sich meist um dieselben Politiker handelt, die immer noch mit einem Diplomatenpass um die Welt reisen.

Nun ist nichts dagegen einzuwenden, wenn Verantwortungsträger, die im Dienste der Republik – und zwar aktiv – unterwegs sind, über einen Diplomatenpass verfügen, der es ihnen ermöglicht, möglichst zügig und unkompliziert von A nach B zu kommen. Aber ein Waffenlobbyist, dessen einzige Legitimation es ist, der Ehemann einer ehemaligen Ministerin zu sein?

Auch der Sinn eines Diplomatenpasses für Minister a.D. an sich darf stark angezweifelt werden. Da müssen deren Inhaber gar nicht Hubert Gorbach, Ernst Strasser oder Karl-Heinz Grasser heißen. Doch das wird nun ohnehin abgestellt. Allerdings wäre das wohl nicht passiert, würden Diplomatenpassinhaber nicht Hubert Gorbach, Ernst Strasser oder Karl-Heinz Grasser heißen.


Doch der Diplomatenpass scheint noch das geringste Problem zu sein. Die Vorwürfe in den U-Ausschuss-Untersuchungsgegenständen Buwog, Telekom, Blaulichtfunk, Staatsbürgerschaften, Glücksspielgesetzlockerung (Novomatic) und Inseratenvergabe wiegen weit schwerer. Man könnte zu diesen Fallen von mutmaßlichem politischen Missbrauch auch noch den politischen Selbstbedienungsladen ORF hinzuzählen.

Auf die Frage nach dem Warum sind eigentlich nur zwei Antworten möglich: Entweder werden nur solche Menschen Politiker, die es von Grund auf darauf abgesehen haben, jene Möglichkeiten, die sich ihnen in einer solchen Position bieten, für ihre persönlichen Zwecke auszunutzen. Oder sie, die als Idealisten begonnen haben, werden vom System peu à peu korrumpiert. Weil schließlich machen es ja alle so, warum also nicht auch ich irgendwann.

Wiewohl: Es sind nicht alle so. Dennoch ist es erstaunlich, dass sich angesichts der zu befürchtenden Aufdeckung – meist eben erst dann, wenn man selbst nicht mehr an der Macht ist beziehungsweise nicht mehr die Macht hat, es zu verhindern – immer wieder Politiker trauen, es mit dem Rechtsstaat, der auch für sie, gerade für sie, gilt, nicht so genau zu nehmen. Aus diesem Grund sollte man auch annehmen, dass sich Politiker etwa bei Rüstungskäufen, bei denen die Medien und die Öffentlichkeit aus gutem Grund dreimal so genau hinsehen, strikt an die Regeln halten. Dazu gab es bereits einen U-Ausschuss. Die „smoking gun“ wurde zwar nicht gefunden, aber erhebliche Zweifel blieben.

Übrigens: Nikolaus Pelinka hat keinen Diplomatenpass. Noch nicht.

 

E-Mails an: oliver.pink@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.01.2012)

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12 Kommentare

Schön langsam kommt einem das große Kotzen über diesen Staat,

wenn man das alles über den Klüngel von Politikern, Bankstern und Wirtschaft liest, hört und sieht.

Gibt es in diesem Staatapparat überhaupt Leute mit Anstand und Moral?

Warum wird immer nur Herr Grasser erwähnt?

Herr Androsch ist so lange nicht mehr Minister und hat auch einen Diplomatenpass, wie so viele andere abgehalfterte Politiker, aber davon wird nicht gesprochen.

Antworten Gast: Luzifer
13.01.2012 17:08
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Re: Warum wird immer nur Herr Grasser erwähnt?

... Die aufgedeckten Mißstände stammen eindeutig aus den letzten 5 Jahren, wo die Roten die Regierungsspitzen stellten und die Mehrheit im NR hatten...

Auch wäre Zeit genug gewesen, die Mißstände abzustellen!

Das nebenbei!

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was heißt nahe?

das Internet und die damit verbundene Möglichkeit der schnellen und einfachen Information bringt alles an den Tag.
Früher war das zu mühsam und langsam.
Daher sind viele Skandale (zB. vor 15 oder 30 Jahren) gar nicht publik geworden.
Ein Glück für die damas tätigen Politiker, die keinen Deut bessere Menschen waren.


Gast: LegendIn
13.01.2012 12:23
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Der Fisch beginnt beim Kopf zu stinken: die "sieben Millionen für den Werner" werden gerade diskret erledigt!


http://kurier.at/nachrichten/4480904-ostermayer-im-fokus-der-ermittler.php

Gast: Vorteile
13.01.2012 12:21
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Nein ,der Diplomatenpass

ist keineswegs das geringste ,mit der Einstellung,
die sich dahinter versteckt,ist er das grösste.Pippifax ist das sicher nicht. Genau diese
Einstellung und Handhabung erklärt die Skandale,
meinen doch die Herrschaften,was kann uns denn
schon passieren ? Diese Passarie zieht sich schon über Jahrzehnte ,ist niemandem aufgefallen, also
worüber reden Sie !

die üblich unschuldsvermuteten

verdächtigten haben den diplomatenpass quasi als sahnehäubchen am mehrgängigen selbstbedienungsmenu der republik betrachtet.
da die zahl der leute, die aus reinem karriere- und machtstreben in die politik gehen, progressiv ansteigt, haben die untersuchungsausschüsse eine blühende zukunft vor sich.
das krone tv hat heute einen - entlarvenden -pandi beitrag zum sauschädelessen des c. konrad gebracht. u.a. auch ein treffen der diplomatenpassinhaber- und innen.
ein beitrag, der entlarvt, wie unsere
"skandalrepublik" tickt.
dass die spitzen der republik nichts dabei finden, sich noch weiter öffentlich mit einem grafen mp abzugeben, mag man dem bp mit seniler bettflucht verzeihen, und dem bundeskanzler, dass er halt ein bisserl naiv ist, wenn es um sein öffentliches auftreten geht. dasselbe gilt für die fr. prammer.
allzu gerne würde ich nun wissen, wie viele seiner gäste der herr des giebelkreuzes mit der servierten hauptmahlzeit gleichschätzt.

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Re: die üblich unschuldsvermuteten

In der Krone steht irgend was wahres ich beneide sie für ihre naivität.

Gast: Martin_S
12.01.2012 19:41
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Tja,

Pinki, bist wohl noch immer SEHR enttäuscht, dass keine "rauchende Colts" gefunden wurden, gell??? Daher fleissig weiter "Herbeischreiben", vielleicht hilfts ja (Deinem angeknacksten Selbstwertgefühl)...

Na ja, ...

... bei sichtbar werden des ersten Rauches wurde der Ausschuss ja abgewürgt. Bevor der Colt auch noch auftauchen konnte.

Über die Hintergründe der EADS-Spende iHv EUR 5.000.000.- an die SPÖ-Vorfeldorganisation RAPID sollte eben nichts an die Öffentlichkeit dringen.

Re: Tja,

wessen büttel sind denn Sie, guter mann?

Antworten Antworten Gast: luzifer
13.01.2012 17:10
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Re: Re: Tja,

Bezahlt wurden - das weiiß man - vor allem rote Büttel!

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