Die Ratingagenturen und die Beschwichtiger

Christian Ultsch (Die Presse)

Es hilft nicht viel, den Überbringer der Nachricht zu prügeln. Frankreich hat nicht nur die höchste Bonitätsnote verloren, sondern auch Einfluss in der EU. Das Gewicht verschiebt sich Richtung Berlin.

Drucken Versenden AAA
Schriftgröße
Kommentieren

Nach der Zeugnisverteilung waren die Beschwichtiger, Trostspender und empörten Realitätsverweigerer am Wort. Die schlechteren Noten seien ungerechtfertigt, verlautete in waldorfpädagogischem Einklang aus den Staatskanzleien zwischen Wien, Paris und Rom. In der harten Beurteilung seien weder die allenthalben eingeleiteten Reformen gebührend gewürdigt worden noch die jüngste Entspannung an den Anleihenmärkten.

Die Schuld suchten die Regierenden erwartungsgemäß nicht bei sich selbst und den von ihnen aufgetürmten Schulden, sondern bei den anderen, in erster Linie beim Überbringer der unerquicklichen Nachricht. Ewald Nowotny, der Gouverneur der Oesterreichischen Nationalbank, unterstellte der US-Ratingagentur Standard&Poor's kaum verhohlen politische Absichten. Er führte den Seitenhieb nicht aus. Doch es schwang die beliebte Vorstellung mit, dass da draußen jenseits des Atlantiks eine böse Macht sei, die sich gegen Europa verschworen habe.

„Es sind nicht die Ratingagenturen, die Frankreichs Politik diktieren“, gab der französische Finanzminister Baroin trotzig zu Protokoll. Das kann man sich ausgiebig einreden. Aber natürlich müssen Staaten politisch darauf reagieren, wenn sie für ihre Schulden höhere Zinsen zahlen. Und dazu waren Frankreich und auch Österreich gezwungen, bevor ihnen Standard&Poor's das dritte A nahm. De facto waren sie im Vergleich zu Deutschland schon vor dem Downgrading heruntergestuft. Diese Wirklichkeit hat nun einer der drei Ratingriesen in Großbuchstaben gegossen. Die anderen zwei, Moody's und Fitch, sehen noch nicht so schwarz und führen Österreich und Frankreich noch als Triple-A-Länder; auch das kann sich rasch ändern.

Welche finanziellen Folgen der – teilweise – Bonitätsverlust hat, wird sich bei den nächsten Auktionen von Staatsanleihen zeigen. Frankreich könnte sich dabei zum Totengräber der Eurozone entwickeln. Denn Paris ist nach Berlin wichtigster Bürge für den Euro-Rettungsschirm. Es wäre also nicht verwunderlich, wenn nach Frankreich ausgerechnet jener Fonds heruntergestuft würde, mit dem die EU den Euro vor dem Absaufen bewahren will. Zu verhindern wird das möglicherweise nur sein, wenn Deutschland, Europas letzter Triple-A-Gigant, Geld zuschießt.

Berlin wird dafür einen Preis verlangen. Schon jetzt schwingt die deutsche Kanzlerin Merkel in der Eurokrise den Dirigentenstab. Frankreichs Präsident Sarkozy durfte zuletzt nur noch ihre Noten umblättern und hin und wieder die große Pauke schlagen. Ihn könnte der Verlust des Top-Ratings bei der Präsidentenwahl im Frühling entscheidend schwächen. Wobei ein Sieg der ausgabefreudigen Sozialisten vermutlich schnell zu einem weiteren Downgrading führen würde.

In Europa verschiebt sich jedenfalls das Gewicht zugunsten Deutschlands, das wirtschaftlich vor Kraft strotzt. Doch das könnte letztlich irrelevant sein, weil Europa als Folge der Eurokrise im globalen Maßstab insgesamt an Bedeutung verliert. Ob dafür auch Ratingagenturen verantwortlich sind?

christian.ultsch@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.01.2012)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web

56 Kommentare
 
12

gut geschrieben, herr ultsch!

faellt einem wenig dagegenn ein.

wer unseren wirtschaftspolitischen beschwichtigungshofrat nowotny in der zib 2 nervoes zappeln gesehen hat, weiss, wie ernst es offenbar wirklich ist.

letztlich hoffen all die beteiligten versager darauf, dass deutschland an ende die zeche zahlt. die haben doch auch fuer den ruinierten osten genug geld gehabt! muessen halt den "soli" permanent machen, diese unverbesserlichen malocher!!!

deutschland waere wohl besser dran, die dmark wieder einzufuehren, um nicht auch noch mit dem euro-minderleister-verein abzusaufen.

zahlen muessten sie ja so oder so weiterhin...

Fakten beachten

Es würde allen Beteiligten guttun, weniger ideologisch verbrämte Phrasen zu dreschen und mehr auf die trockenen Fakten zu achten.

Und Faktum ist, dass sich die Staatsausgaben IN DEN LETZTEN 5-6 Jahren drastisch erhöht haben. Das hat nichts, nothing, nada mit Kreisky, der SPÖ-Alleinregierung-Schuldenpolitik, usw. zu tun.

Unsere jetzige Krise ist von den politischen Entscheidungsträgern der letzten Jahre verursacht worden. Von einer großen Koalition. Das Hindreschen von Rot auf Schwarz und vice versa ist insofern völlig absurd, als beide gleichbeteiligt den Karren in den Dreck manövriert haben.

Re: Fakten beachten

5-6 jahren....
quatsch..von 2000 bis 2006 waren sie rückläufig...erst gusenfaymann haben die alte...nach mir die sintflut...politik wieder aufgenommen

Re: Re: Fakten beachten

Wir haben jetzt Beginn 2012. Von 2006 bis jetzt sind es exakt die von mir angesprochenen 5-6 Jahre.

??

Re: Re: Re: Fakten beachten

das budget 2007 stammt noch von schüssel-grasser...2012 ist noch in den windeln...bleiben 4 jahre!! wobei die wirkliche gelsverbrennung erst mit failmann begann

Gast: b754
15.01.2012 18:06
0

und wer macht die große kohle?

alles nur blödes gesudere von einer krise die ausser in den medien nirgends stattfindet

Re: und wer macht die große kohle?

das echo in deiner geldbörse kommt noch

Verkäufer

"Denn die einen sind im Dunkeln
Und die andern sind im Licht.
Und man siehet die im Lichte
Die im Dunkeln sieht man nicht". (B.B. 1930sic!)
Verkauf ist gestattet; aber nicht für dumm!!!

"Wir müssen jetzt zupacken"

Diese Satz der Politiker zeigt, dass sie die Bedeutung des Geldes bislang nicht wirklich erfassen konnten. Money does'nt matter. Oder wie Stuart Mill einst meinte:
„...Kurz: es kann, wenn man der Sache auf den Grund geht, in der Wirtschaft der Gesellschaft nichts Bedeutungsloseres geben als Geld; außer insofern es ein Mittel zur Ersparnis von Zeit und Arbeit ist. Es stellt sich als ein Mechanismus dar, dasjenige in Ruhe und Bequemlichkeit zu tun, was auch ohne es gleichfalls, wenn auch weniger ruhig und bequem, getan würde; und wie viele Mechanismen übt auch dieser seinen besonderen Einfluss nur in Fällen der Unordnung aus. Die Einführung des Geldes greift keineswegs in den Verlauf irgendeines der (...) Wertgesetze störend ein.“
Geld war besonders für Linke ja immer genug da. Dass mit genug Geld auch genug Schulden vebunden sind, wollte oder konnte man sehen.

Gast: Andreas Hofer
15.01.2012 15:49
0

Giftpfeil des Neoliberalismus

Ratingagenturen sind ein Giftpfeil des Neoliberalismus. Mit diesen unseriösen Bewertungen und ihren volkswirtschaftlich ruinösen Empfehlungen zerstören sie nicht nur die wirtschaftliche Entwicklung der europäischen Länder, sondern stellen auch sicher, dass die als Gläubiger auftretenden Großbanken noch mehr an uns verdienen.
Ratingagenturen gehörten verboten, denn sie sind Werkzeuge mit denen Großkapitalisten das demokratische Gefüge unserer Gesellschaft nachhaltig zerstören. Wirtschaftspolitik muss von gewählten Politikern gemacht werden, die die Interessen des Volkes vertreten und nicht von Lobbyisten des Großkapitals gesteuert werden. Das Beispiel USA ist abschreckend genug.

Gast: aufklärer99
15.01.2012 13:25
1

was s&p wirklich will

"we believe that a reform process based on a pillar of fiscal austerity alone risks becoming self-defeating, as domestic demand falls in line with consumers’ rising concerns about job security and disposable incomes, eroding national tax revenues."

http://www.standardandpoors.com/ratings/articles/en/us/?articleType=HTML&assetID=1245327305715

Also brav sparen, gell? -.-'

Re: was s&p wirklich will

Stichwort "alone" - aber Ihre SPÖ-Parteikollegen verfügen gottseidank über eine ähnlich selektive Wahrnehmung.


Die Tage geben bestimmte Hinweise für die Zukunft her!

In einigen Jahren werden Deutschland und die Türkei Europa neue gestallten! Das sind zwei Staaten, die unser Jahrhundert bestimmen werden! Keiner von diesen kann alleine vorgehen, da sie auf Grund des gegenseitigen Einwohnerwechsels miteinander gebunden sind! Nicht nur das! Die meisten binationale Ehen sind zwischen den Deutschen und Türken geschlossen! Die Kinder dieser Ehen werden die Zukunft bauen!

klientelpolitik statt information!

"Die Schuld suchten die Regierenden erwartungsgemäß nicht bei sich selbst und den von ihnen aufgetürmten Schulden.."

selbst S&P gibt als hauptgrund für die rückstufung die situation bei unseren nachbarn italien und ungarn an! und bei den durch die finanz- und wirtschaftskrise verursachten schulden.

doch schuld ist natürlich an all dem die regierung...!

ich kann die reaktion von diePresse ja noch soweit verstehen, als sie ihr wohlgesonnene interessensgruppen vor einer höheren beteiligung an der aufarbeitung der misere schützen will.
doch was darüber hinausgeht riecht schon sehr nach einem nachlaufen hinter einer 'stimmung': hauptsache unqualifiziert sudern --> das steigert den wohlfühl-faktor der nörgler!

Antworten Gast: 1. Parteiloser
15.01.2012 11:49
5

Re: klientelpolitik statt information!

Das Märchen mit der Ursächlichkeit der Problem in HU und I glauben Sie wohl doch selber nicht. So naiv können Sie doch nicht sein!

Die Provokation der Regierung gegenüber den Kreditgebern war exzessiv:

2008 - 2011
Diese Regierung schraubt in 3 Jahren die offizielle Staatsverschuldung von 180 Mrd. Euro auf 220 Mrd. Euro. Das obwohl besonders 2011 die Staatseinnahmen (Steuererhöhungen) sprudeln wie noch nie. In nur 3 Jahren haben die Typen die Schulden um satte 22% nach oben getrieben!

Ende 2011
Die Regierung beschließt ein Bundesbudget, welches für 2011 eine Neuverschuldung des Bunde um irre 9.177 Mio. Euro vorsieht. Die haben sich also Staatsausgaben von irren 44.000.- Euro pro Haushalt (gesamte Ausgaben 158.000 Mio. Euro!) genehmigt.

Kurz danach startet die Diskussion über die "Schuldenbremse" und kranke Debatten über neue Steuern. Das obwohl geplant war den offiziellen Schuldenstand auf irre 270 Mrd. bis 2016 zu treiben.

Anfang 2012
Die Regierung versucht verzweifelt 2.000 Mio. zu finden, um die Bonitätsbewertung zu halten und nur 7.000 Mio. Euro neue Schulden zu machen.

Da geht es doch nicht um Nörgler, da geht es um Fakten. Fakten, welche ein Totalversagen der Regierung(en) deutlich aufzeigen.

Re: Re: klientelpolitik statt information!

"2008 - 2011
Diese Regierung schraubt in 3 Jahren die offizielle Staatsverschuldung von 180 Mrd. Euro auf 220 Mrd. Euro. Das obwohl besonders 2011 die Staatseinnahmen (Steuererhöhungen) sprudeln wie noch nie. In nur 3 Jahren haben die Typen die Schulden um satte 22% nach oben getrieben!
"

unsinn!
wenn sie nur mal kurz ihren fanatismus beiseite lassen, dann könnten sie ja nachdenken, wer "die typen" tatsächlich sind.

Antworten Antworten Antworten Gast: 1. Parteiloser
15.01.2012 14:54
1

Die Typen sind doch genauso bekannt wie der wirtschaftliche Sachverhalt!

1) Da haben wir die grausigen Typen im Nationalrat, welche die Gesetze zur Verteilung in die Taschen der Interessensgruppen gemacht haben. Über die Gesetzestexte wurde abgestimmt ohne die gelesen zu haben!

Die Liste der grausigen Typen ist online verfügbar:

http://www.parlament.gv.at/WWER/NR/

Da können Sie erkennen, dass es kein Fanatismus ist, die Österreicher eher viel Phantasie brauchen um eine Demokratie erkennen zu können.

2) Die Empfänger der staatlichen Umverteilungen sind auch bekannt und im Dunstkreis von Neugebauer, Haberzettel, Muhm, und deren Ruhegenießer zu identifizieren. Menschen, welche kaum einen Beitrag für die Gesellschaft leisten, die Österreicher aber für vermeintliche Rechte ausrauben. Das sind lauter Asoziale, und damit auch grausige Typen. Der RH Einkommensbericht gibt darüber auch deutlich Auskunft.

http://www.rechnungshof.gv.at/berichte/ansicht/detail/einkommensbericht-20111.html

3) Die ganz grausigen Typen, das sind dann die korrupten Typen, welche im Dunstkreis der Parteien, also den geschützten Bereichen deren Unwesen treiben. Geht ja nur um 3.000 bis 6.000 Mio. Euro pro Jahr an direkten Schaden (Poster- und Amterlschacher gar nicht dabei!).

http://www.ti-austria.at/ueber-uns.html

Ja, Österreich hat viele, sehr viele, sehr grausige Typen, welche die Zwangsabgaben für eigene Zwecke verwenden. Noch grausiger ist aber, das diese Typen auch die Kinder Österreichs ausrauben.

Ungarn und Italiener sind kaum beteiligt!

Re: Die Typen sind doch genauso bekannt wie der wirtschaftliche Sachverhalt!

leider gelingt es den grausigen typen, jeweils vor der wahl den sandstreuer anzuwerfen und so - neben ihrer beguenstigungs-stammklientele -auch noch maximal das potential der politisch uninteressierten, naiven oder schlichtweg mit echter arbeit uebeerlasteten mitbuerger von sich einzunehmen.

und ueber allem schweben bundespraesident und kardinal, salbungsvolle ansprachen zu wichtigen feiertagen inklusive.

dass es bald weniger zu feiern geben wird, braucht offenbar noch zeit um durchzusickern...

Re: Die Typen sind doch genauso bekannt wie der wirtschaftliche Sachverhalt!

wie immer voll verbitterung und um ablenkung bemüht!

SIE SELBST nehmen bezug auf 50 mrd schuldenerhöhung in 3 jahren.
und gleich darauf behaupten sie, diese zusätzlichen 50 mrd seien von grauslichen totalversagern rausgeschmissen worden für leute, "welche kaum einen Beitrag für die Gesellschaft leisten".
das ist doch ein unsinn hoch drei! und ein hohn für all jene, die dank staatlich finanzierter kurzarbeit ihren arbeitsplatz erhalten und mittlerweile wieder voll ausfüllen können. ein hohn für all jene unternehmen, die knapp an den abgrund geraten waren, deren steuerausfälle einen teil dieser 30 mrd. ausmachen, und mittlerweile wieder florieren.

arroganz? unvermögen? hass?

egal. ersparen sie sich ihre antwort, ich würde sie ignorieren.
denn dies ist der moment, wo ich im realen leben aufstehe und das gespräch wegen sinnlosigkeit abbreche.

Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: 1. Parteiloser
16.01.2012 13:20
0

Das Ausblenden von Fakten nutzt doch nichts!

Die fehlenden Staatseinnahmen können doch nicht der Grund für die 40 Mrd. an neuen Schulden gewesen sein. Um das zu erkennen genügt ein Blick auf die Daten des BMF:

Die Staatseinnahmenentwicklung:
2008: 136.656
2009: 133.969
2010: 137.792
2011: 143.369
2012: 148.437

Auch die Kosten für die Kurzarbeit können die 40 Mrd. Euro überhaupt nicht erklären. Die Staatlichkeit hat diese Art ja gewählt, weil es für den Staat viel billiger war als den Menschen den Versicherungsschutz der Arbeitslosenversicherung auszuzahlen. Dieses Zwangsabgaben von über 5 Mrd. Euro kassiert doch auch der der Staat zu mehr als 50% ab, weil weniger als de Hälfte an die Bedürftigen ausbezahlt werden.

Es war tatsächlich so, dass grausige Typen, welche keine Leistung für die Gesellschaft erbrachten, die Budgets ausgeraubt haben. Die fehlende 40 Mrd. Euro (also 13,4 Mrd. pro Jahr) lassen sich auch leicht erklären. Alleine 10 Mrd. Euro pro Jahr betragen die Zuschüsse zu den irren Ruhegenüssen, der Korruptionsschaden (im Dunstkreis der Parteien) der beträgt zwischen 3.000 und 6.000 Mio. Euro pro Jahr. Alleine durch diese 2 Punkte haben wir die 40 Mrd. Euro gefunden!

Ich würde meinen, dass das Verbr.echen der Parteien aber nicht nur bei 13 Mrd. Euro pro Jahr liegt, es liegt eher bei 50 Mrd. Euro pro Jahr. Förderungen, Verwaltungswahnsinn, Bildung, Posterl- und Amterlschacher, ausgegliederte Bereiche, etc. etc. Da kommt eine gewaltige Belastung für die Österreicher ohne brauchbare Gegenleistung.

Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: Kmpf
15.01.2012 21:16
0

Re: Re: Die Typen sind doch genauso bekannt wie der wirtschaftliche Sachverhalt!

bitte, bitte tun Sie`s !!!!!!!!!!!

keine Boten!

"Es hilft nicht viel, den Überbringer der Nachricht zu prügeln." - Das Gefasel, bei den Rating-Agenturen handle es sich um Boten, die eine schlechte Nachricht überbringen und dafür geprügelt werden, ist schön langsam unerträglich. Ein Bote ist dadurch definiert, dass er eine nicht von ihm selbst stammende Nachricht überbringt. Die Rating-Agenturen verfassen die von ihnen überbrachten Nachrichten aber selbst, sind also schon von der sprachlichen Logik her keine "Boten". Daher können sie auch völlig zurecht wegen des Inhalts ihrer Nachrichten kritisiert werden!

Antworten Gast: wirklich mühsam ...
15.01.2012 11:59
4

Re: keine Boten!

Also nochmal zum Mitdenken: Ein Bote ist dadurch definiert, dass er eine nicht von ihm selbst stammende Nachricht überbringt. Die Meteorologen verfassen die von ihnen überbrachten Wettervorhersagen aber selbst, sind also schon von der sprachlichen Logik her keine "Boten". Daher können sie auch völlig zurecht wegen des Inhalts ihrer Vorhersagen kritisiert werden!

Endlich wissen wir, wer für einen schneearmen Winter oder einen verregneten Sommer verantwortlich ist.

Es ist nicht zu glauben ...

Re: Re: keine Boten!

Schön, dass Sie die Rating-Agenturen mit Metereologen vergleichen, die von der Wettersituation berichten, für das Wetter aber selbstverständlich nicht zuständig sind. Dennoch ist der Vergleich falsch, denn die Rating-Agenturen berichten nicht nur vom "Wirtschaftswetter", sondern sie "machen" mit ihren "Berichten" auch das "Wetter". Für einfache Gemüter, wie Sie eines zu sein scheinen, ist der Gedanke, dass die Beobachtung auch das Beobachtete beeinflusst und verändert, vielleicht ein bisschen kompliziert. Wenn Sie sich aber etwas Zeit für diesen Gedankengang nehmen, geht Ihnen sicher auch noch ein Licht auf!

Antworten Antworten Antworten Gast: wirklich mühsam
15.01.2012 22:34
2

Re: Re: keine Boten!

Das gewählte Beispiel ist Ihnen zu einfach und ein umlegen auf reales zu kompliziert? Ich helfe Ihnen.

Es ist richtig, die Vorhersage eines Meteorologen beeinflusst die Wolken nicht, die Vorhersage eines Wirtschaftswissenschafters hingegen hat eine gewisse Rückwirkung auf die Wirtschaft. Dies gilt für das WIFO genauso wie für die Ratingagenturen. Trotzdem, selbst die „optimistischste“ Vorhersage des WIFO kann die Konjunktur nur sehr begrenzt anfeuern – wenn die Konjunktur zurückgeht, dann geht die Wirtschaftsleistung zurück. Und da der Vorhersageanteil deutlich über dem der Rückwirkung liegt kann durchaus berechtigt vom „Boten“ gesprochen werden.

Nicht anders ist es bei den Ratingagenturen. Die Zinssätze, die Österreich für einen Kredit bezahlen muss, sind schon seit einiger Zeit deutlich höher als die, die die BRD zu zahlen hat. Die Anleger können nämlich auch selber wirtschaftliche Daten lesen und Fakten interpretieren. Aktuell hechelt also die Agentur den Anlegern nur hinterher, aber trotzdem sehen einfachere Gemüter in der Herabstufung einen Inhalt, für den die Agenturen „völlig zurecht kritisiert werden können“. Können sie natürlich, aber eben nur mit überzeugenderen Fakten! Die Anleger sind ja schon etwas skeptisch geworden, ob Österreich das ausgeborgte Geld auch wieder zurückzahlen (kann, will). Für diese Lage in Österreich können die Agenturen nichts, so wenig wie der Meteorologe für den regnerischen Sommer. Weil sie nur die Boten sind.

Einfach genug?

Re: Re: Re: keine Boten!

Wissen Sie was? Wir lassen die langweilige Diskussion! Ich nehme zur Kenntnis, Sie sind ein kreuzbraver "Presse"-Leser, der die in diesem Blatt vorgesetzte Kost wacker hinunterschluckt und daher über den Fleischhacker'schen-Schellhorn'schen-Ortner'schen Tellerrand nicht hinausragt, für den die den Märkten "hinterherhechelnden" Rating-Agenturen (wozu gibt es sie dann eigentlich?) objektive Größen, interesselose Seismographen sind. Ich weiß, Sie werden sich jetzt bekreuzigen, aber vielleicht wagen Sie einen Blick in den heutigen "Standard", dort befindet sich ein unsere Diskussion betreffender Kommentar von Peter Moeschl mit dem Titel "Warum Ratingagenturen immer recht haben". Sapere aude!

 
12

Top-News

AnmeldenAnmelden