25.05.2012 23:16 | Meine Presse Merkliste 0

Von der Machtgeilheit

Leitartikel von RAINER NOWAK (Die Presse)

Heinz-Christian Strache listet Bösartigkeiten auf, Herbert Tumpel kann nicht genug Steuern fordern und Christoph Leitl spricht ins Leere. Es ist an der Zeit, dass die Truppe namens Regierung etwas vorlegt.

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Es schlägt die Stunde der Maulhelden. Während Werner Faymann und Michael Spindelegger im verschlossenen Kämmerlein beraten, wie sie ein Sparpaket simulieren können, um an der Steuerschraube drehen zu können, haben Heinz-Christian Strache und andere Größen der Nebensaison ihren Auftritt. Strache schwenkte beim Neujahrstreffen schon zur Begrüßung die rot-weiß-rote Fahne so begeistert, als wäre es die schwarz-rot-goldene. Seine, also Herbert Kickls Rede enthielt lustige Passagen. Nein, Strache gab keine Inhalte preis, sondern meinte etwa: „Mut statt Wut, das muss unsere Antwort auf das Versagen der Mächtigen sein. Von Enttäuschung, von blinder Wut, von Abwendung von der Politik profitieren nur jene...“

An dieser Stelle mussten die FP-Zeltfestbesucher aber keinen Schock erleiden, weil sie eine Eigenwarnung Straches hörten. Er meinte damit die, „die uns das alles eingebrockt haben und so weitermachen, wie sie wollen“. Also laut Strache Banken, Spekulanten und lüsterne Finanzhaie. Die sind sicher auch an Budgetdefiziten und der großen Koalition Schuld.

Gegen die und alle anderen treten er und „die mutigen Idealisten, wie wir sie alle sind“, jedenfalls an, so Strache. Und er listete die sechs schlimmsten Bösartigkeiten auf, die ihm einfielen: Gier, Egoismus, EU-Hörigkeit, Korruption, Bestechlichkeit, Machtgeilheit. Hatte er die auch im Sinn, als er sagte: „Wir wollen die bestimmende Kraft in unserem Heimatland Österreich werden“?

Vor Strache sorgten die Sozialpartner für die Unterhaltung: Christoph Leitl machte etwa seinen ÖVP-internen Stellenwert öffentlich. Kaum hatte er vor neuen Steuern gewarnt, sprach sich der Landwirtschaftsminister für eine Steuer auf Umwidmungen aus. Leitl hatte Glück, es hätte auch der Wiener ÖVP-Parteichef sein können.

Auch Herbert Tumpel, das alte Schlachtross der Arbeiterkammer, wollte es noch einmal wissen: Gemeinsam mit dem Gewerkschaftschef trat er vor die Medien und forderte 5,4Milliarden Euro aus neuen Steuern für Besserverdiener, Erben, Unternehmer und andere Klassenfeinde. Warum so kompliziert? In dieser Logik wäre es doch viel einfacher, Reichensteuern gesetzlich ans Defizit zu koppeln: Wenn die Regierung zu viel ausgibt, gleichen die Steuerzahler das Budget einfach automatisch aus.

Vielleicht hatten sich Tumpel und Co. versprochen, als sie meinten, die Steuern sollten der Beseitigung der Staatsschulden dienen. Diese Zweckwidmung für neue Steuern müsste nämlich einbetoniert werden – das Verhindern neuer Schulden ginge dann nur via Einsparungen. Interessant, dass die Sozialpartner, deren Erfolge bei Lohnverhandlungen unbestritten sind, kein Papier zur notwendigen Kostenreduktion der Republik vorlegen können und wollen. Der Verdacht liegt nahe, dass Kompetenz und – Zitat Strache – „Machtgeilheit“ der Sozialpartner nicht miteinander korrelieren.

rainer.nowak@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.01.2012)

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13 Kommentare
0 1

„Mut statt Wut, das muss unsere Antwort auf das Versagen der Mächtigen sein."


wenn das nächste mal eine leberkäsesemmel fliegt, dann werde ich mutiger sein und nicht mehr meine bodyguards zum verprügeln vorschieben!

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Von der Machtgeilheit

Sehr geehrter Herr Novak!

Offenbar schlägt nicht nur die Stunde der Maulhelden, sondern auch die der Schmierfinken. Als redaktioneller Leiter der Presse hätte ich mir mehr von Ihnen erwartet als eine billige Verhöhnung der Politiker. Stattdessen könnten auch Sie einmal über die Veruntreuung der anvertrauten Gelder durch die Regierung reflektieren.
Formal ist zwar in unserem Lande die Regierung dem Parlament verantwortlich, dort sitzen aber die politischen Parteien und die Politikerkaste, die nur an ihre eigene Versorgung denkt. Daher kann die Regierung dem Parlament nur vorlegen, was den politischen Parteien und der Politikerkaste genehm ist. Längst schon haben sich die politisch organisierten Sozialpartner in ihre Positionen per Verfassungsgesetz einbetoniert! (Daher wäre eine Zustimmung einer Oppositionspartei zur Schuldenbremse an eine gleichzeitige Aufhebung aller Verfassungsbestimmungen zu koppeln, damit endlich die notwendigen Reformen Platz greifen können.)
In der Tat bedarf es statt Wut des Mutes der Bürger, sich gegen diese Zustände zu organisieren – ich rege deshalb schon seit einiger Zeit die Bildung einer parteiunabhängigen Bürgerbewegung an, die bei entsprechender Breite auf die politischen Parteien und die Politikerkaste Druck machen könnte!
Wer macht mit?
bur@reinprecht.at

bula sagt
22.01.2012 19:24
0 2

es ist ja in der faschingszeit

geradezu vornehmste aufgabe der politiker - und keine partei darf sich hier verweigern - den elementaren wunsch und die erwartung der bevölkerung nach kurzweil und unterhaltung zu erfüllen.
es ist also die machtgeilheit in diesen tagen auf die scherzhoheit in den faschingsvereinen und narrengilden konzentriert und damit sollten wir uns bis zum aschermittwoch bescheiden.

Gast: Trollblume
22.01.2012 16:03
0 3

Na, den Auftritt haben sie ni8cht, den bietet IHR ihnen!


derfreund
22.01.2012 11:21
2 7

Nowak, Nowak...

Du schneidest den Ast auf dem du stehst... So kommst du natürlich auf die Abschussliste von Strache! Heldenspielen zahlt sich in Österreich nicht aus!

Antworten Ka_Sandra
22.01.2012 15:54
0 1

Re: Nowak, Nowak...

„....auf die Abschussliste von Strache?“

Ui, das hört sich aber nicht nach der „Kraft der Liebe an“, von der HC gestern gesprochen hat.

OK, Amors Pfeile sind also nicht damit gemeint, Paintball ist auch schon längst out.....

Wie haben Sie das jetzt eigentlich wirklich gemeint? Muss er sich jetzt fürchten?

Intellekto
22.01.2012 10:24
2 8

Objektiv

Wiederum ein sehr ausgewogener,objektiver Presse Artikel!

Gast: Vogel Strauss
22.01.2012 10:16
1 2

Echt? Leitl u. Tumpl waren ...

... im FPÖ-Bierzelt? Zur Österreich-Rettung?? Da hab ich was versäumt ...

Antworten Erich Bahn
22.01.2012 12:00
2 1

Re: Echt? Leitl u. Tumpl waren ...

sinnerfaßtes Lesen ist nicht jedermanns Sache.

Antworten Gast: zetto
22.01.2012 11:19
2 2

Re: Echt? Leitl u. Tumpl waren ...

Sie sollten beim Panorama bleiben.
Leitartikel dürften Ihnen zu komplex sein.

Gast: zierfandler
22.01.2012 09:18
19 2

Strache listet Fakten auf

und die Menschen erkennen, das unser Land step by step gegen die Wand gefahren wird. Dieser Umstand ist den Mächtigen natürlich nicht angenehm, deshalb wird er auch von den gekauften Medien mittels gezielter Desinformation bekämpft.
Nicht Strache ist bösartig, die Regierenden Hampelmänner agieren gegen die Interessen der eigenen Bevölkerung unter schrittweiser Aushebelung der Demokratie und der nationalstaatlichen Souveränität. Die Neutraliät gibt es eh nur mehr am Papier! So schauts aus, Herr Nowak!

Antworten Gast: bergziege
22.01.2012 16:17
8 2

Re: Strache listet Fakten auf

Stimmt, was Sie schreiben. Aber was will Herr Nowak mit diesem Satz?:
"Strache schwenkte beim Neujahrstreffen schon zur Begrüßung die rot-weiß-rote Fahne so begeistert, als wäre es die schwarz-rot-goldene." Das ist wohl eine Gemeinheit? Was ich weiters nicht verstehe ist, weshalb bei der FPÖ stets von "Machtgier" gesprochen wird. Was ist denn in Wien mit ROTGRÜN? Wie nennt man das? Man kann Strache schätzen oder auch nicht. Fairness wäre jedenfalls angesagt.

Gast: MönchMaier
21.01.2012 19:51
9 0

Wenn aus

Wenn aus Politikern ungewollt Kabarettisten werden und zwar durch die Bank. Willkommen in der neuen Zeit! lol

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