Eine Entschuldigung an unsere Nachbarn

WOLFGANG BÖHM (Die Presse)

Ostösterreich hat sich gefürchtet, nur weil Slowaken, Tschechen und Ungarn endlich in Freiheit leben wollten. Bis hinauf in die Regierung hat unser Land falsch reagiert.

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Anna und Marika pflegen abwechselnd meinen Vater. Sie kommen aus der Slowakei, und sie sind ein Segen. Sie haben in das Leben des alten Herrn wieder Regelmäßigkeit, gutes Essen und Fröhlichkeit gebracht. Und allein dafür gehören sie gewürdigt. Wie diese beiden Frauen erfüllen mittlerweile viele ihre Landsleute wichtige Dienstleistungen in Österreich. Sie kommen auch als Touristen oder zum Einkaufen über die Grenze. Sie sind nach über zwanzig Jahren ein anerkannter Teil unserer Arbeitswelt und unserer Wirtschaft geworden. Endlich.

Endlich sind kurz vor Jahreswechsel auch unsere Soldaten von der Grenze abgezogen, denn sie waren ein heikles Symbol. Nach dem Abbau des Eisernen Vorhangs, dem Abbruch der Wachtürme im Osten hatte Österreich die Nachbarstaaten mit diesem Einsatz vor den Kopf gestoßen. Es war eine Beleidigung für Slowaken, Tschechen und Ungarn: Ihr unmittelbares Nachbarland im Westen freute sich nicht mit über ihre errungene Freiheit, sondern zeigte damit offen, dass es mit dieser Entwicklung ein Problem hat. Die eigenen Soldaten waren abgezogen, die aus Österreich nahmen ihren Platz ein. Es war eine absurde Aktion für ein „subjektives Sicherheitsempfinden“ diesseits der Grenze.

Es ist Zeit, sich zu entschuldigen. Österreich hat die Ostöffnung innenpolitisch falsch begleitet. Aus Angst vor der FPÖ und ihren Hetzkampagnen gegen Zuwanderer haben SPÖ- und ÖVP-Innenminister das Bild krimineller Nachbarn hochgehalten.

Es wurde so getan, als stellten die Menschen jenseits der Grenze ein höheres Sicherheitsrisiko dar als die heimische Bevölkerung. Berichte von rumänischen Einbrecherbanden schienen solche Vorurteile und diese Politik zu rechtfertigen. Dass es sich um ein spezielles Problem handelte, das weniger mit der Grenzöffnung als mit der Expansion der organisierten Kriminalität in Südosteuropa zu tun hatte, blieb dabei ausgeblendet. Nach dem Motto von Woody Allen „Nur weil ich Verfolgungswahn habe, heißt das ja nicht, dass keiner hinter mir her ist“, trotzte die Angst vor den Nachbarn lange den Fakten.

Die jüngste Umfrage der Gesellschaft für Europapolitik, die der „Presse“ exklusiv zur Verfügung gestellt wurde, gibt Hoffnung, dass sich diese Stimmung im letzten Jahrzehnt deutlich gewandelt hat. Die Nachbarn werden heute als das wahrgenommen, was sie sind: ganz normale, meist fleißige Menschen, die ähnliche Ängste und Bedürfnisse haben wie wir. Mit zunehmenden persönlichen Kontakten wichen die Vorurteile.

Ein Rückblick zurück auf die Jahre nach der Wende muss uns heute dennoch zu denken geben. Waren es damals nicht auch Gewerkschaften, die vor der Ostöffnung und einer Horde an Arbeitssuchenden gewarnt hatten? War da nicht in Wirtschaftskreisen von den großen Gefahren einer Billigkonkurrenz für kleine Unternehmen die Rede? Haben da nicht die Sozialpartner und fast alle Parteien im Wettlauf um immer neue Abgrenzungen mitgespielt?

Natürlich hat auch die EU-Osterweiterung 2004 schmerzhafte Anpassungen in Österreich ausgelöst. Einzelne Betriebe mussten schließen. Vorübergehend gingen Arbeitsplätze verloren. Doch diese Anpassungen standen in keiner Relation zu den viel größeren Einschnitten durch die Globalisierung, die ganze Branchen – etwa die Textilbranche – vernichtet haben. Heute sind im grenznahen Gebiet neue Einkaufszentren entstanden. Dort und im Tourismus des ganzen Landes wurden durch die neuen Kunden aus den Nachbarstaaten Arbeitsplätze geschaffen.

Die viel gescholtenen heimischen Banken waren die Ersten, die das Potenzial in Osteuropa erkannten. Heute wissen wir, sie haben durch ihre verantwortungslose Kreditpolitik eine gefährliche Finanzblase erzeugt. Abgesehen davon war ihr Engagement aber ebenso visionär wie jenes der OMV und anderer größerer Unternehmen. Viele Wirtschaftsstudien belegen, ohne Ostöffnung hätte Österreich im internationalen Vergleich heute keine so gute ökonomische Position.

Es ist Zeit, sich dafür bei den Nachbarn zu bedanken und im Gegenzug damit fortzufahren, den emotionalen Zaun niederzureißen.

 

E-Mails an: wolfgang.boehm@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.02.2012)

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74 Kommentare
 
1 2

Re: Re: endlich einmal ...?

da werden sich doch hoffentlich auch zeitzeugen einfinden, die darlegen welche "gemeine Verbrechen" in den jahren davor stattgefunden haben.

auch ich hatte einen alten na.tsi als geschichtslehrer. der hat auch ein paar jahrzehnte überblättert. aber ich bin nicht auf schülerniveau stehen geblieben...

bildung ist auch später noch möglich, probieren sie mal!

Re: Re: Re: endlich einmal ...?

was kann die angestammte Bauernfamilie aus Ungarn, nahe der serbischen grenze, dafür, dass sie neben ungarisch auch deutsch sprachen?

was kann das 18jahrige Mädel von jenem bauernhof dafür? aber hauptsach, deutsche in den Zug in die DDR setzen!

sippenhaftung ist verboten, sie finden es dennoch toll. Super. freut mich.

Re: Re: Re: endlich einmal ...?

Das ist ja hochinteressant. Also mein Deutschlehrer war ein linksextremer Anarchist. Das hat sogar der einfachste meiner Schulkollegen begriffen.
Zum Glück hat er uns dadurch schon damals gezwungen, uns selbst Geschichte zu lehren und immer kritisch zu hinterfragen, was andere erzählen.

Das ist auch später noch möglich, probieren Sie mal!

Als es noch den Eisernen Vorhang gab....

wars hier im Osten von A total ruhig und sicher. Und heute?

Gast: bundini brown
20.02.2012 11:29
4

guter artikel, ...

guter artikel, herr böhm(est nomen omen?)!
dekuji.

Entschuldigen sollten wir uns, ....

... aber vor allem für jenen Teil unserer Wirtschaft, der einerseits die Preise für die Güter des täglichen Lebens an unser eigenes Niveau angeglichen hat, den Menschen in diesen Ländern aber jenen Lohn vorenthält, den sie den Arbeitnehmern hier zu zahlen verpflichtet ist.

Wenn dann der Durchschnittsbürger mit umgerechnet ca. € 200,- bis 300,- auskommen muß, sofern er überhaupt Arbeit hat, darf man sich nicht wundern wenn solche Paranoiker wie Orban an die Macht kommen, die Kriminellen hier ein besseres Auskommen finden und die Laufhäuser mit "Mädchen" aus den Nachbarländern überfüllt sind.


Re: Entschuldigen sollten wir uns, ....

Das gehaltsniveau liegt zwar weit unter dem oesterreichischen. Aber die 200 - 300 euro treffen weder auf die slowakische noch auf tschechische republik zu.

Re: Re: Entschuldigen sollten wir uns, ....

Aber auf das ungarische, wenn Ihnen das recht ist, bitte schön.

Sie argumentieren wie die Wiener Stadtwerke. Wenn man diesen vorhält, man hätte um € 0,51 zuviel bezahlt, erwidern diese, das stimmt überhaupt nicht, das ist viel zuviel. Tatsächlich waren es dann € 0,48.

Möchten Sie uns jetzt erklären, dass die von Ihnen genannten Länder seit 1991 auch nur annähernd auf unserem Lebensniveau sind?

Oder hätten Sie vielleicht zufällig eine Vorstellung davon, was wäre, würden die Menschen in den Nachbarländern gerecht entlohnt?

Prosím Vás, je to ostuda!


Re: Entschuldigen sollten wir uns, ....

Das gehaltsniveau liegt zwar weit unter dem oesterreichischen. Aber die 200 - 300 euro treffen weder auf die slowakei noch auf tschechien zu.

Gast: Österreicher
20.02.2012 09:55
13

Entschuldigen? Ja wofür denn?

Eh klar - unsere Banken sind verantwortungslos. Und eh klar, die Nachbarn haben dafür Sorge getragen, dass ihre Kriminellen beobachtet und in ihren eigenen Ländern gehalten werden. Und eh klar, was sie alles gegen den Menschenschmuggel nach Österreich unternommen haben - hervorragend.
Ach ja, dann haben sie ja auch verhindert, dass in ihren Kellerlabors schmutzige Drogen hergestellt und nach Österreich geschmuggelt werden.
Und dann haben sie ja noch großzügig den vielen Investoren aus Österreich gestattet in ihren Ländern am Wiederaufbau mitzuwirken.
Nicht zu vergessen die vielen voll ausgebildeten Krankenpfleger, die immer und zu jeder Zeit ganz offiziell in Österreich ihr (vieles) Geld verdienen mussten, das sie ja dann auch immer brav hier versteuert haben.
Dann haben sie auch Sorge getragen dass ja niemand bei uns hier pfuscht und unser BNP schmälert.
Auch wenn die Statistik Austria diese Daten nicht bekanntgibt - ich lebe hier in einer Gegend wo es beinahe täglich zu größeren und kleineren Verbrechen durch Kriminelle von unseren Nachbarn kommt - oft unglaublich brutal.
Für all das entschuldige ich mich
wirklich nicht.

Re: Entschuldigen? Ja wofür denn?

Alleine fuer den realitaetsfernen schwachsinn, den sie hier schreiben, waere eine entschuldigung faellig.

Antworten Antworten Gast: Österreicher
20.02.2012 12:51
0

Schon gut

sitveniaverbo aber muss es denn unbedingt ultimus omnium sein?

Re: Schon gut

Römer unter sich... - na gut, vielleicht sollte ich die Gelegenheit nutzen, um mich für meine Vorfahren damals zu entschuldigen, naja, - dass der Bau des Limes notwendig wurde z.B. oder die Eroberungszüge auf römisches Gebiet usw. - Mir ist dann sicher etwas leichter.

Re: Schon gut

Ultra posse nemo tenetur.

die presse-poster

zeichnen sich wie üblich durch weltoffenheit und weitsicht aus.

Re: die presse-poster

Danke!

Gast: herbst9
20.02.2012 08:48
8

Xenophobie ..

... so weit man blickt ...

Antworten Gast: schlÄchter
20.02.2012 10:34
10

Re: Xenophobie ..

sg herbst9!
im artiklen herrscht wohl eher selbstverleugnung und angst vor der eigenen courage, wenn man dauern darauf hinweisen muss, dass die nichtösterreicher lieb und uneigennützig-die "edlen wilden" sind und vorhandene probleme negiert werden.

m verständnislosen g
s.

brechreiz...

...überkommt mich, wenn so ein weltfremder mensch hier auch noch artikel veröffentlichen darf.

Re: brechreiz...

Weltfremder mensch stimmt. Aber dass sie ihren intelligenzfernen kommentar als artikel bezeichnen, ist laecherlich.

Wären solche Artikel

nicht im Standard besser aufgehoben?

Gast: Der Erschütterer
20.02.2012 07:40
19

Echt arg

Geht`s noch naiver und dümmer.....??!!
Das ist der inhaltlich schlechteste Artikel seit Langem - nur peinlich !!

Gast: märzluft
20.02.2012 07:39
18

entschuldigung

Vielleicht soll ma uns auch noch entschuldigen, daß viele von uns bekrittel, daß über 3 Millionen deutschsprachige Menschen in Tschechien vertrieben und beraubt wurden!

Re: entschuldigung

Natürlich nicht.
Aber Sie könnten einen Gedanken daran verschwenden, dass die Verbrechen der Nazis diese Geschehnisse zur Folge hatten.

Re: Re: entschuldigung

Der Gedanke wäre in der Tat verschwendet.

Ursache und Wirkung sind Ihnen ein Begriff?

Brutale Gewalt gegen Sudetendeutsche:
" März 1919: Die Initiative zu den Demonstrationen ging von der sudetendeutschen Sozialdemokratie unter Josef Seliger aus, der damals führenden Partei der Deutschböhmen und Deutschmährer. Dem Aufruf schlossen sich alle anderen deutschen Parteien an.

Die Kundgebungen wurden kurz nach Mittag in mehreren Städten gleichzeitig durch Schüsse in die Menge blutig unterdrückt[3]. Dabei kamen auf Seiten der sudetendeutschen Demonstranten 54 Menschen[4] ums Leben; 25 in Kaaden, 16 in Sternberg, 6 in Karlsbad, 2 in Arnau, 2 in Eger, 2 in Mies und 1 in Aussig. Unter den Toten waren 20 Frauen und Mädchen, ein 80-Jähriger und Buben im Alter von 14, 13 und 11 Jahren. Zwei Tote gab es bereits am 3. März in Eger und zwei weitere am 5. März in Karlsbad. Außerdem gab es ca. 200 Verletzte."

Die NSDAP wurde 1920 gegründet...

Antworten Gast: Sudetendeutscher
20.02.2012 10:03
7

Drei Millionen NUR IN TSCHECHIEN...

insgesamt 14 Mio. Menschen aus Osteuropa sind vertrieben worden.

Ca. 2,5 Mio. Menschen sind ermordet worden im Zuge der Vertreibungen.

So ziemlich alle unsere Nachbarn (außer Schweiz und BRD) haben Dreck am Stecken!

Re: Drei Millionen NUR IN TSCHECHIEN...

Sie meinen hoffentlich wirklich nur die BRD und nicht auch ihren Vorgänger.

Gast: Flemming
20.02.2012 07:04
8

..wahr, vor allem realität...

..und damit tiun sich viele österreicher schwer, sie leben in einer operetten- heurigen - und kaffehauswelt, dort lässt es sich vortrefflich raunzen und die weltpolitk zurechtträumen,..
der alltag sieht anders aus,..
das land kann sich dem globalen stürmen nicht mehr entziehen, ist in fast allen lebenswichtigen branchen importabhängig,.. und flüchtet sich zum billigeinkauf und urlaub in genau jene länder, die ihnen dann im trauten heim die angst auf die stirin treibt,..

und es gibt einige großartige demagogen und blender, die das dann ganz vortrefflich zu ihren gunsten politisch nützen,..
aber hat nicht auch haider schon wasser gepredigt und ausländischen wein genossen??
hüte dich vor denen, die dir helfen wollen, kann man da nur sagen,.. aber die österreicher lieben starke hände, auch wenn sie ihnen nur ans geld wollen...

Gast: Die Ente Lippens
19.02.2012 23:39
22

Hat Niveau Schülerzeitungkommentar. Nur weil der Vater des Schreibers von zwei Damen aus Osteuropa betreut wird, da der Schreiber sich dazu nicht berufen fühlt, muss ganz Österreich Danke sagen.


Re: Hat Niveau Schülerzeitungkommentar. Nur weil der Vater des Schreibers von zwei Damen aus Osteuropa betreut wird, da der Schreiber sich dazu nicht berufen fühlt, muss ganz Österreich Danke sagen.

Boehms artikel ist ausgezeichnet geschrieben und zeigt die realitaet. Aber ihr wissen ueber unsere nachbarstaaten duerfte gegen null tendieren. Denn ihr kommentar liegt weit unter dem niveau einer schuelerzeitung.

Antworten Gast: Bärenfalle...
20.02.2012 06:36
15

Re: Hat Niveau Schülerzeitungkommentar. Nur weil der Vater des Schreibers von zwei Damen aus Osteuropa betreut wird, da der Schreiber sich dazu nicht berufen fühlt, muss ganz Österreich Danke sagen.

Da wurde wohl gerade die Förderung aufs Konto überwiesen.

Anders nicht erklärbar außer Hr. Böhm schreibt von einer Umlaufbahn außerhalb unseres Sonnensystems.

Und ich bin schon gespannt wie er über das "visionäre Engagement" unserer Banken denken wird wenn er wie die Argentinier mit dem leerem Kochtopf vor der zugesperrten Filiale klappern wird.

Aber die Drogen hätte ich auch gerne.


Gast: Die Ente Lippens
19.02.2012 23:37
20

Sollen wir uns auch für Temelin, Mohovce und für die Unterstützung der EU-Sanktionen 2000 bedanken?


Gast: little_brother_is_watching_you_too!
19.02.2012 23:07
19

bin gespannt...

... wie der böhm schreibt, nachdem man auch ihm die bude ausgeräumt hat.

ein bisserl daneben gegangen ...

der Versuch, die rasant gestiegene Kriminaltouristik von Rumänen, Slowaken und auch Ungarn schön zu schreiben.
Das können die grünen GutmenschInnen halt noch viel besser.
Ist aber auch egal, was da geschrieben wird: in Wien hat inzwischen praktisch jeder Verwandte, Bekannte, Nachbarn oder Freunde, die bereits mindestens einmal Opfer von Taschendieben, Räubern und Dieben, oder Einbrechern wurden - soferne sie nicht schon selbst ein solches Opfer sind...
Den Wachdienst des BH mit den Grenztruppen des Warschauer Paktes zu vergleichen, ist so was von absurd!
Immerhin haben unsere Soldaten uns nicht gehindert, Österreich zu verlassen!

Re: ein bisserl daneben gegangen ...

Leseschwaeche? Hier gehts nicht um rumaenien, sondern um unsere nachbarstaaten. Doch damit halten sie es wahrscheinlich wie im artikel zitiert: „Nur weil ich Verfolgungswahn habe, heißt das ja nicht, dass keiner hinter mir her ist“,

Re: Re: ein bisserl daneben gegangen ...

Die Rumänen, Tschetschenen usw. kommen normalerweise nicht mit dem Flugzeug!

Re: Re: ein bisserl daneben gegangen ...

Leseschwäche???
'Berichte von rumänischen Einbrecherbanden schienen solche Vorurteile und diese Politik zu rechtfertigen. '

Steht oben im Artikel .....

Danke für diesen Kommentar! Genau so ist es.

Ich habe jahrelang mit Kroaten, Slowaken und Tschechen zusammen gewohnt, ein bisschen ihre Sprache gelernt und begonnen mich für ihre Heimatregionen zu interessieren.

Wenn man einmal damit beginnt darüber nachzudenken, fällt es einem wie Schuppen von den Augen:

Wieso steht am Donauradweg tw. immer noch Hainburg auf den Hinweisschildern, wenn in der anderen Richtung Wien steht und ich nach Bratislava fahre?

Wie kann es sein, dass viele Wiener immer noch nicht wissen, wie nah Pressburg eigentlich ist? (da gab´s mal eine interessante Kunstaktion von Isa Rosenberger dazu, sie hatte in beiden Städten Leute auf der Straße schätzen lassen, wie weit die andere Stadt entfernt ist, in Wien war die Schätzung im Schnitt fast doppelt so hoch)

Wie kann es sein, dass eine Vorarlbergerin auf die Frage, ob sie schon in Prag war sagt "ich fahre nicht in den Osten" (schon mal geographisch Unsinn)

Wie kann es sein, dass es (sofern diese Information noch stimmt) in OÖ keine Pflichtschule gibt, in der als zweite lebende Fremdsprache Tschechisch unterrichtet wird?

Wie kann es sein, dass bei binationalen Sommersprachkursen Slowaken die Kurse stürmen, Österreicher aber nahezu null Interesse für "das Esperanto der slawischen Sprachen" haben(mit Slowakisch kommt man auch in CZ und Polen ganz gut durch und kann die Speisekarte in Slowenien und Kroatien lesen)

Wieso hat die ÖBB (wenn die Info stimmt) erst nach der Wende die Trasse der alten Pressburger Bahn aufgegeben?

etc.

ich stimme dem artikel partiell zu...

...das "argument" hinsichtlich organisierter rumänischer (und georgischer, moldawischer etc) ostbanden ist aber fadenscheinig.

natürlich ist das ein spezielles problem, dennoch ist es v.a. durch die (völlig überstürzte) erweiterung um rumänien und bulgarien über uns hereingebrochen und bis heute massiv vorhanden. und natürlich hätte man es durch verschärfte maßnahmen im grenzverkehr gegenüber diesen staaten zumindest eindämmen können.

und die verharmlosung und relativierung dieses an sich wirklich tragischen phänomens des kriminalitätstourismus und die insinuation von paranoia bei zurecht besorgten bürgern und opfern lassen auch zweifel bzgl. der glaubwürdigkeit der - zurecht - positiv bewerteten folgen der erweiterung aufkommen.

ein ehrliches und differenzierteres fazit hätte wohl eher seinen zweck erfüllt.

Re: ich stimme dem artikel partiell zu...

Das mag alles richtig sein, aber der größere Teil dieser Kriminalität wäre ohne Schengen genauso möglich. Freie Ein- und Ausreise für Jedermann war vorher auch schon möglich, Diebesgut wird nur zum Teil in den Osten abtransportiert und ist selten als solches erkennbar. Nummernschilder von gestohlenen PKW wurden früher auch ausgetauscht, das wird heute auch nicht anders sein. Lösung: Peilsender in Autos und gefährdete Objekte einbauen.

Wäre der Leitartikel kein Meinungs-Element, Sie müssten sich glatt dafür entschuldigen, Herr Böhm!


Antworten Gast: jou
19.02.2012 21:09
16

Re: Wäre der Leitartikel kein Meinungs-Element, Sie müssten sich glatt dafür entschuldigen, Herr Böhm!

Bitte sind's nicht so "nicht PC" mit dem Herrn, ich nehme das als gelungenen Beitrag eines Bewohners der Parallelwelt, denn diese Frechheit kann doch nicht ernst gemeint sein oder ?

Gast: Gerne nur Gast
19.02.2012 19:09
30

Interessant! Die FAKTEN sollen sprechen, meint der Autor


Da stimme ich gerne zu!

"Aus Angst vor der FPÖ und ihren Hetzkampagnen gegen Zuwanderer haben SPÖ- und ÖVP-Innenminister das Bild krimineller Nachbarn hochgehalten."

Soso, das "Bild" krimineller Nachbarn. Und was sagt dazu die STATISTIK AUSTRIA über unsere Straftäter- und Strafgefangenen?! Die DARF von der Polizei nicht in einem ethnischen Licht veröffentlicht werden, um das FAKTUM zu verschleiern, dass ein überragender Teil der Täter aus Osteuropa stammt und eine absolute Mehrheit der Straftaten von den genannten Osteuropäern ausgeführt wird.
Ps: diese STATISTIK wird übrigens nicht von der pösen FPÖ erstellt. Ein redlicher Jornalist bezieht möglichst alle Aspekte mit ein. Sind sie redlich, Herr Böhm, oder doch ein Polemiker?


Re: Interessant! Die FAKTEN sollen sprechen, meint der Autor

Aber man sollte nicht vergessen das die höhere Kriminalität ja erklärbar ist. Desto ärmer ein Mensch desto eher stiehlt er...

Antworten Gast: Robert Stangeler
19.02.2012 22:07
3

Re: Interessant! Die FAKTEN sollen sprechen, meint der Autor

Naja, ich bin ohne Statistiken, zutiefst davon überzeugt, dass in Tschechien mehr Österreicher in den Kriminalstatistiken aufscheinen, als umgekehrt...nur zum Beispiel...
Aber blaubraunen Deutschköpfen ist das alles eh wurscht.

Antworten Antworten Gast: Gerne nur Gast
20.02.2012 08:30
5

Ihre Überzeugung macht sie zum Narren, leider!

Ich bin übrigens gerne ein "deutschsprachiger Kopf", Herr Stangeler, und stellen sie sich das vor, sie sind das auch!

Re: Ihre Überzeugung macht sie zum Narren, leider!

Ein "deutschsprachiger Kopf" sollte der deutschen Sprache mächtig sein.
Das sind Sie leider nicht.
Das Eigenschaftswort "pöse" existiert nicht!

aber blaubraun mag er nicht sein ...


Gast: Till aus dem Haus der Freude
19.02.2012 18:39
24

Zuerst sollen die sich...

...für den "antifaxxxistischen Schutzwall" bei uns entschuldigen, dann entschuldigen wir uns bei den ungarischen Buntmetall-und den polnischen Gebrauchtwagen-Exporteuren für uniformierte Geschäfts-Hemmnisse mit Blaulicht und zu guter Letzt entschuldigen Sie sich bei uns für diesen Schwall farbigen Wassers.

Dann samma quit.

 
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