25.05.2012 23:29 | Meine Presse Merkliste 0

Das falsche Zeichen im Kleingedruckten

OLIVER PINK (Die Presse)

Was für den Hendldieb gedacht war, gilt bald auch für Minister. Mittels Diversion soll man sich vom Amtsmissbrauch freikaufen können. In einem Land wie unserem.

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Helmut Fuchs, der Vorstand des Instituts für Strafrecht der Universität Wien, ist keiner, der zu übermäßigen Übertreibungen oder gar zum Hyperventilieren neigt, wenn sich ihm ein Mikrofon nähert. Als der Kärntner FPK-Landeshauptmannstellvertreter Uwe Scheuch wegen eines Korruptionsdelikts erstinstanzlich 18 Monate Haft, davon sechs unbedingt, ausfasste, befand Professor Fuchs gegenüber dieser Zeitung: „Es ist ein ungewöhnliches und hartes Urteil.“ Naheliegender wäre es gewesen, den bisher unbescholtenen Angeklagten in der „Part of the Game“-Affäre zu einer unbedingten Geldstrafe und zu bedingter Haft zu verurteilen.

Wenn nun also ein besonnener Fachmann wie Helmut Fuchs massive Bedenken gegen eine neue Gesetzesbestimmung hat, die dazu angetan ist, die Korruptionshemmschwelle zu senken, dann hat das Gewicht. Und man muss kein Strafrechtsprofessor sein, um zu erkennen, dass das, was die Regierung im Kleingedruckten des Sparpaketsgesetzestextes untergebracht hat, dem Amtsmissbrauch neue Türen und Tore öffnet.

Prinzipiell ist die Diversion eine gute Sache. Der verdächtigte Hendldieb erspart sich eine mögliche (Haft-)Strafe, und der Staat erspart sich und ihm eine langwierige Verhandlung. Bei diesem außergerichtlichen Tatausgleich leistet der Beschuldigte eine Wiedergutmachung, die auch finanzieller Natur sein kann, und kommt damit – ohne dass dies ein Schuldeingeständnis wäre – ohne Anklage und straffrei davon.

Allerdings – und das ist der entscheidende Punkt –, nachdem zuvor der Sachverhalt geklärt worden ist. Bei der nun von der Regierung geplanten Diversion bei Amtsmissbrauch ist dies jedoch nicht mehr notwendig.

Nehmen wir also den fiktiven Fall, dass sich ein ehemaliger Minister während seiner Amtszeit hat bestechen lassen, dann besteht künftig die Möglichkeit, dass dieser einfach das Diversionsgeld bezahlt, ohne dass überhaupt näher nachgeforscht wird, was hinter den vermuteten Taten stecken könnte. Es wird rein im Ermessen des Staatsanwalts liegen, ob er bei einem mutmaßlichen Amtsmissbrauch dem Verdächtigen eine Diversion anbietet oder nicht.

Wie gesagt: Diversion ist eine sinnvolle Alternativsanktion. Allerdings ist sie im Fall von Korruption und Amtsmissbrauch ein falsches Signal. In Zeiten wie diesen. In einem Land wie Österreich. In einem Land, das im Korruptionsindex von „Transparency International“ immer weiter abrutscht und mittlerweile auf Platz16 liegt. In einem Land, in dem soeben einer der größten Korruptionskomplexe der vergangenen Jahrzehnte strafrechtlich und parlamentarisch untersucht wird – mit all seinen vielfältigen Verästelungen, die den interessierten Staatsbürger nicht nur verwirrt, sondern auch schockiert zurücklassen.

Von dem Korruptionskraken Telekom, der sich über seinen Mittelsmann Peter Hochegger die halbe Republik gefügig machen wollte, werden nahezu täglich neue Details publik. Dass rund um die Privatisierung der Buwog nicht alles mit rechten Dingen zugegangen ist, ist offensichtlich. Die Frage ist, ob man dem damaligen Finanzminister nachweisen kann, dass er persönlich davon profitiert hat. Oder nur seine Freunde davon profitiert haben – und er von deren Machenschaften nichts gewusst hat bzw. nichts wissen wollte.

Die Optik ist jedenfalls einmal verheerend. Wie auch schon bei der Vergabe des Abfangjägerauftrags, der über Nacht – nicht zuletzt unter Federführung besagten Finanzministers – zugunsten der Eurofighter gedreht wurde.

Diverse Jagdeinladungen, Joggingrunden oder Theaterprojekte – allesamt mit Telekom-Logo drauf – fallen da fast schon unter die Kategorie Peanuts.

Anfang dieses Jahres monierte der Europarat, dass es Österreich an Mitteln mangle, „die Korruption von Politikern zu verhindern und zu bekämpfen“. Die neue Gesetzesbestimmung, die es ermöglicht, sich mittels Diversion vom Amtsmissbrauch freizukaufen, ist jedenfalls nicht dazu angetan, das Vertrauen wiederherzustellen, dass hierzulande die Korruption von Politikern mit Nachdruck verhindert und bekämpft wird. Ganz im Gegenteil. Korruption und Diversion, Seiten 1 und 2

 

E-Mails an: oliver.pink@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.02.2012)

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16 Kommentare
Blitzky
27.02.2012 08:55
0 0

So läufts dann:

Großbetrieb bezahlt den zuständigen Finanzbeamten 1 Mill Euro für Beratertätigkeit.

Finanzbeamter winkt den Steuerakt des Großbetriebs durch. Dieser erspart sich dadurch 5 Millionen Euro.

Im besten Fall wird das ohnehin nie entdeckt.
Im schlechtesten Fall zahlt Beamter 1 Mill Diversion, die er vom Betrieb zu 200 % rückerstattet bekommt.

Risiko = 0, Gewinn = viele Millionen

Die Frau Karl war übrigens vorher Generalsekretärin der Bundeswirtschaftskammer.

0 1

"Bei diesem außergerichtlichen Tatausgleich leistet der Beschuldigte eine Wiedergutmachung, die auch finanzieller Natur sein kann..."

da sie den fall scheuch als aufhänger genommen haben:

wie hoch wäre die (finanzielle) wiedergutmachung durch ihn bzw durch die fpö?
wie sieht das mit der immateriellen wiedergutmachung (also in richtung aufgabe der ämter und rückzug aller beteiligten aus der politik) aus?

weder das eine, noch das andere ist auch nur ansatzweise realistisch.
somit KANN keine diversion erfolgen, sondern es bleibt als alternative nur die zelle!

Gast: luzifer
23.02.2012 13:55
1 1

Die Medienschelte ist nicht ganz unberechtigt:

Daß es einen AKH-Skandal, Udo-Prokschk-Schifferlversenkung und alle die anderen Skandale im Dunstkreis der SPÖ-Alleinregierung von Bruno Kreisky sind mittlerweile aufgearbeitet und durch rechtskräftige Strafurteile verifiziert. Aus der jüngsten Geschichte scheint der BAWAG-Skandal durch die rk. Verurteilung von Ex-GenDir. Elsner nur zum Teil aufgearbeitet - an seine Alleinschuld bzw. die Unschuld der Vertretungsorgane glaube ich nicht.

Anders etwa bei BUWOG UND TELEKOM. Da ist der Sachverhalt noch immer nicht vollständig aufgeklärt und strafrechtlich bewertet. Die oft unscharfen Grenzen zwischen üblichen und nicht verdienstlichen Provisionszahlungen einerseits, Aufsichtspflicht einerseits und deren Verletzung andererseits sind von unbehängigen Gerichten im Rahmen eines Strafverfahrens noch nicht gezogen. Ob also Österreich wie ein Balkanland (woher mittlerweile viele Einwanderer stammen) korrumpiert ist, kann also noch nicht gewissenhaft beantwortet werden. Sdenn das in Medien behauptet wird, ist das voreilig und fahrlässig. Jedenfalls zeigt sich bereits jetzt, daß der Ruf Österreichs im Ausland - voreilig - beschädigt ist. Aber das scheint den Leuten, die mit ihrerseits mit Nachrichten Geschäfte machen, schnurz egal zu sein, obwohl es auf Dauer für unsere Wirtschaft nachteilig sein könnte!

Gast: zensuriert doch mal wen anderen
23.02.2012 12:20
1 0

berlusconi

genau das hat ja der berlusconi in italien auch probiert. nur in unserer banenrepublik wir der trick funktionieren. wenn das kein schuldeingeständnis der derzeit regierenden ist. liebe medien, nun seid ihr aufgefordert hier bei allen beteiligten personen (vom grinsekanzlerdarsteller über den witzekanzler bis zum letzten regierungsmitglied) noch mal ganz genau nachzuforschen. denn von unserer justiz darf man sich schon jetzt nichts erwarten und nach dieser novelle noch weniger.

Kurgast
23.02.2012 10:28
4 0

Nostalgie

Es gab da einen alten Witz: warum finanzieren die Politiker lieber den Ausbau von Gefängnissen als von Kindergärten? ... in den Kindergarten kommen sie sicher nimmer.

Kokopelli
23.02.2012 09:41
1 1

Korruption, was ist das?

Das bisserl Geld, das da fliesst, damit es mehr wird im Gegenzug? Das bisserl Freundschaft, die da gepflogen wird, damit sie sich für den Spezi rechnet? Das bisserl Unehrlichkeit, damit die Finanz nicht allzu hart kassiert? Das bisserl Partei, damit man den Job, die Wohnung bekommt? Die vielen Bisserln, die sich so nach und nach summieren, das soll dann Korruption sein? Gefälligkeiten, Verpflichtungen, Abhängigkeiten, daraus ist die gestrickt, unauflösbar mit der Staatsmoral und dem Moralempfinden des sogenannten Volkes verbunden, sozusagen unausrottbar...

hoppla
23.02.2012 09:40
6 0

Ganz klar, die bauen vor!

Es ist unvorstellbar, wie weit abgehoben unsere Politiker sind! Da gibt es keinen Funken von Anstand mehr. Im Gegenteil: Man richtet sich die Gesetze so, dass man ungeniert weiter stehlen kann. Hat man das Pech, erwischt zu werden, zahlt man eine kleine Summe unter dem Titel "Augenauswischerei" oder man erklärt dem weisungsgebundenen Staatsanwalt von vorneherein, was er zu tun hat - und dies wird nichts mit Aufklärung des Sachverhaltes zu tun haben.
Kein Wunder, wenn das Ansehen der Politker in der Bevölkerung derart gesunken ist. Das Ansehen des Landes sinkt aber auch.
Hoch lebe unsere Bananenrepublik!

Gast: herrmann..
23.02.2012 09:34
1 1

das volk wird sich immer dran erinnnern, wer die schuldigen an diesen straf-verhinderungs-gesetzen sind..

irgendwann wird die zeit der abrechnung kommen u. die namen all jener, die die österreicher beraubt haben (u. derjenigen, die die strafen verhindert haben), werden ganz sicher noch sehr sehr lange nicht vergessen werden..

Antworten Dagobert
23.02.2012 10:32
3 0

Re: das volk wird sich immer dran erinnnern, wer die schuldigen an diesen straf-verhinderungs-gesetzen sind..

Blösinn.
40% interessieren sich überhaupt nicht mehr für Politik
50% haben bereits vergessen, was der große Skandal letzter Woche war
8% Wissen schon nicht mehr was vor 2 Monaten war
2% sind umfassend informiert

Alle 5 Jahre wird gewählt. Was glauben sie, weshalb die Dampfplauderer Wahlkampf machen?

Weil sie wissen das die Bevölkerung kein mittel/langfristiges Gedächtnis hat.

Gast: JetNick
23.02.2012 08:26
0 4

Immer gleiche Mär'...

Dachte, die PRESSE und ihre Journalisten-Lichtgestalten seien immun(er) gegen die immer wieder gleiche Boulevard-NEWS-Mär dass 2002 der Abfangjägerauftrag über Nacht – unter Federführung KHGs – zugunsten der Eurofighter 'gedreht' wurde. Denn auch wenn jene hartleibig verfestigt ist, es stimmt (so) nicht.

Die 33-köpfige Kommission kam im Juni 2002 bei der technischen Bewertung EINDEUTIG zu einer klaren Überlegenheit des EF über den Gripen. Übrigens erst letztes Jahr in der Schweiz ebenso festgestellt. Nur dort um 1 Mrd. CHF billiger als EF.

Seltsam, als bei uns in Folge Preise mit der Technik verschränkt wurden, war Gripen - bei 40% weniger Leistung - bei Barzahlung und 5-Jahre, EF dagegen bei 9 Jahre Zahlung billiger! Der NICHT stimmberechtigte Leiter der Kommission versuchte dann, aus Vernunft- oder Überforderungsängsten oder was immer, die 5 Unterkommissionsleiter zum Gripen zu bewegen. Die aber unterschrieben trotz Drohungen 4:1 für das klar bessere Gerät, zumal fast gleich teuer. DANN verfasste Ltr. Luftzeugwesen jene später auch vom RH nicht nachvollziehbare "Einsichtsbemerkung" (es gab keine Gleichwertigkeit), der sich dann auch - ohne jedes Fachwissen - damaliger GTI (Pleiner) und Ltr. Beschaffung (Corrieri) anschlossen. Scheibner (soll gesagt haben, "den EF kauft uns der Schüsssel eh nie!") ging also mit dieser seltsamen Schere (Technik f. EF, mil. Fhg. f. Gripen) in den Ministerrat. Schüssel soll dann gesagt haben, er kaufe nicht den SPÖ-Flieger.

So wars!

Antworten Gast: Hubertus
23.02.2012 21:49
1 0

Re: Immer gleiche Mär'...

Dumm nur, daß es den EF damals noch gar nicht gab, den Gripen aber schon. D.h. das BH hat die techn. Überlegenheit allein auf Spezifikationen abgegebn die noch nicht erfüllt waren. Von einer zeitgerechten Lieferung ganz abgesehen. War das nicht in den Ausschreibungsunterlagen so vorgesehen? Mir scheint, Ihre Version dürfte etwas mit einer Mär zu tun haben.

4 0

Irre!


Gast: Hubertus
22.02.2012 21:04
2 2

Offensichtlich

Offensichtlich kommen jetzt zunehmend Dinge über die ÖVP ans Tageslicht. Weiters könnte man annehmen, daß KHG-für den natürlich die Unschuldsvermutung gilt-das Wasser bis zum Hals stehen könnte.(hier handelt es sich selbstverständlich nur um spieltheoretische Ananhmen.Angenommen er hätte gewissen Leuten gedroht einmal a la Hochegger auszupacken.Da ist natürlichschnelles Handeln angesagt. Wo man doch weiß wie feinfühlig Staatsanwälte abwägen. Walzi unter Dienstaufsicht der OSTA Wien (Pleischl) ist ein hervorstechendes Beisüpiel. Und Karl liefert.

tiger10
22.02.2012 19:33
6 0

Von wem

wurde dieses Gesetz bestellt?

tiger10
22.02.2012 19:29
4 4

Das sieht sehr

nach ÖVP-Justiz aus!

Antworten Wien8
23.02.2012 09:08
2 2

Re: Das sieht sehr

Ist schon raffiniert, wie die VP immer wieder Gesetze am Bundeskanzler und der grössten Parlamentsfraktion vorbeischmuggelt :-)

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