25.05.2013 22:09 Merkliste 0

Eine Generation wird ad Acta gelegt

MICHAEL FLEISCHHACKER (Die Presse)

Hinter den Protesten gegen das sogenannte Antipiraterie-Abkommen Acta steckt die Enttäuschung einer Generation, die sich betrogen fühlt. Zu Recht: Sie wurde und wird betrogen.

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Die Manifeste und Bekennerschreiben der „Anonymous“-Hacker klingen gelegentlich ein wenig eigen. Da mischen sich Freiheitspathos und antikapitalistischer Furor, Pfadfindertugenden und Outlaw-Habitus gehen eine Koalition auf Zeit ein, man riecht bisweilen zwischen den Zeilen den Schweiß von Teenagern, die nach zwei verbotenen Bieren über die Mauer zurück ins Internat klettern. Aber wo immer man auch ideologisch stehen mag, so wird doch mit jedem Tag klarer, dass diese jungen Leute einen gerechten Kampf kämpfen. Sie kämpfen, weil sie sich betrogen fühlen. Und sie wurden und werden tatsächlich betrogen.

Die durch die Buwog-Abhörprotokolle bekannt gewordene Frage „Wos woa mei Leistung?“ gilt nicht nur für den Politclown und Hutschenschleuderer Walter Meischberger. Man kann sie vielen von uns stellen, die während der vergangenen 20 Jahre im sogenannten „Establishment“, also in den Führungsetagen von Wirtschaft, Politik und Medien, Karriere gemacht haben. Das bedeutet natürlich nicht, dass eine ganze Generation ihre besten Jahre an der Grenze zwischen Politik und Freunderlwirtschaft verbracht hat. Aber es ist doch auffällig, wie sehr während der vergangenen beiden Jahrzehnte die Schere zwischen Behauptung und Wirklichkeit des Begriffs „Leistung“ aufgegangen ist.

Es ist eine ziemlich verwöhnte Generation, die während der vergangenen Jahre in die Schaltstellen der Gesellschaft eingerückt ist und gerade einrückt: Die jugendlichen Revolutionäre von 1968 hatten gegen die repressive Grundstimmung einer ganz auf Vergessen und Wiederaufbau ausgerichteten Gesellschaft angekämpft, die Freiheitskämpfer von 1989 haben das letzte totalitäre Großregime des 20.Jahrhunderts abgeschüttelt. Freiheit und Wohlstand in Fülle also, und nicht viel zu tun, als auf den Zug aufzuspringen, der immer schneller in Richtung Wachstum und Hedonismus rollte. Viel zu oft reichte eine Kombination aus Grundkenntnissen der drögen Marketingkunstsprache der 1990er-Jahre und dem Nachweis von einschlägigen Beziehungen, um ein Ticket zu lösen.

2008 fuhr der Zug an die Wand. Aber die fällige Korrektur fand nicht statt. Man investierte stattdessen Milliarden in die Aufrechterhaltung der Wohlstandsillusion, nicht nur in Griechenland. Bezahlen wird das alles die Generation, die jetzt zu Recht die Nase voll hat. Gut ausgebildete, in den zeitgenössischen Kulturtechniken hochspezialisierte, mit einem wachen Instinkt für Gesellschaft und Gemeinschaft ausgestattete junge Menschen, die jeden Tag in den Medien vorgeführt bekommen, wer da auf ihre Kosten die große Sause veranstaltet hat.

Die Auseinandersetzungen um das Antipiraterie-Abkommen Acta spielen sich vor demselben Hintergrund ab: Gewiss, geistiges Eigentum muss geschützt werden. Aber es grenzt an Selbstironie, wenn wir Zeitungsleute, die wir eineinhalb Jahrzehnte lang unsere Inhalte kostenlos ins Netz gestellt haben, in unserer Argumentation für die Acta-Ratifizierung beklagen, dass „geistiges Eigentum keinen materiellen Wert hat“. Ein „digital native“ kann daraus nur einen Schluss ziehen: Zuerst haben sie nicht verstanden, was vor sich geht, und jetzt, da sie verstehen, dass sie es nicht verstanden haben, drehen sie uns einfach das Netz ab – weil sie die Macht dazu haben.

Was sich da draußen gerade neu formiert, birgt für uns Mitglieder des Establishments die Aussicht auf Ungemütlichkeit. Und dafür ist es, bei aller berechtigten Skepsis gegenüber den ideologischen Ausfransungen und der latenten Bereitschaft zum Gesetzesbruch, höchste Zeit. Denn die eigenwilligen Interpretationen von „Leistung“, die sich in diesem Establishment breitgemacht haben, sorgen nicht nur für Widerstand von außen und unten. Sie haben auch zur inneren Erosion geführt, was durch die niederschmetternde Qualität des Personals in vielen gesellschaftlichen Schlüsselpositionen belegt wird. Es ist an der Zeit, die Generation „Wos woa mei Leistung“ ad Acta zu legen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.02.2012)

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64 Kommentare
 
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Gast: Philipp Koch
28.02.2012 21:06
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Eine Generation wird ad Acta gelegt

Ich habe den Artikel von Michael Fleischhacker mit Interesse und steigender Begeisterung gelesen. Meiner Meinung nach beschreibt er die Situation nicht nur gut, sondern macht auch vor der Selbsterkenntnis nicht halt. In Gesprächen mit meinen studierenden Söhnen haben sie die Situation beschrieben, wo Personalisten mit hohen Monatsgagen den Studenden Null Euro Praktika anbieten mit dem Hinweis, auf die Ehre gratis bei der Firma XY arbeiten zu dürfen. Sie vergessen dabei anscheinend, dass sie in wenigen Jahren, wenn die Babyboomer Jahrgänge sich in die (Früh)pension verabschiedet haben, gerade auf diese jungen Leute angewiesen sein werden um ihren Firmenzweck erfüllen zu können. Geben wir Establishmenthocker den Jungen ihre verdiente Chance.

Längst überfällig

Interessant, wie wenige der "Etablierten" hier die Zielrichtung des Protests verstehen.

Es geht um nichts anderes, als die Grundlagen des modernen Wohlfahrtsstaats. Die heutige "Großelterngeneration" hat dafür gesorgt, dass das Europa der Nachkriegszeit schnell wieder auf die Beine gekommen ist. Die "Elterngeneration" hat darauf aufgebaut, war aber in den letzten Jahren bzw Jahrzehnten unfähig, den auswachsenden Problemen Herr zu werden.

Das größte Problem lautet: ausufernde Pensionssysteme aufgrund steigender Lebenserwartung. Niemand würde nun auf die Idee kommen, die Errungenschaft "längeres Leben" in Frage zu stellen. In Frage gestellt werden muss jedoch, wie die "Eltern- und bald neue Großelterngeneration" die Finanzierung desselben besorgt. Nämlich durch Schulden, Schulden und noch mehr Schulden.
Während die Nachkriegbevölkerung de facto ausschließlich auf reale (Wirtschafts-)Leistung angewiesen war, haben die Menschen der letzten Jahrzehnte das "geniale" Konstrukt des Schuldenmachens entdeckt, um sich ein immer größeres Luxusleben auf den Schultern der nachfolgenden Generation leisten zu können.

DAS ist der Kern des Protests, dass unsere Generation mit einer nur allzu wörtlichen "Erbschuld" belastet ist - das muss ein Ende haben, ein für allemal.


Gast: Vogel Strauss
26.02.2012 18:20
1 2

Blödsinn!!

Ich kann das Gefasel von der Generation der Indignados nicht mehr hören! Richtig ist, dass den Jungen von ihren Eltern und Lehrern jede Menge Flausen und krasse Ideen, was ihnen zustünde, in den Kopf gesetzt wurden. Diesen Ansprüchen wird die Wirtschaft jetzt nicht gerecht, also fühlt man sich empört und geht auf die Straße! Wie wäre es bitte mit Erwachsen werden und selbständig auf den Beinen stehen? Haben unsere Eltern nach dem Krieg irgendeinen Anspruch auf irgendwas gehabt? Nein! Die haben in die Hände gespuckt. Genauso sollten es die vielen toll ausgebildeten Jungen machen ...

Gast: Österreicher
25.02.2012 18:48
2 1

Danke dass Sie meine Generation in Pausch und Bogen

in die Nähe von (ja, ja es gilt die UV) Betrügern rücken.

>>Es ist an der Zeit, die Generation „Wos woa mei Leistung“ ad Acta zu legen.<<

Soll ich mich jetzt gleich umbringen, oder darf ich und meine Generation vielleicht noch irgendwann in Pension gehen und ein bisschen weiterleben?

Antworten Gast: AJunger
25.02.2012 20:45
0 1

Re: Danke dass Sie meine Generation in Pausch und Bogen

Die Betrüger sind vielleicht schuld an einzelnen Skandalen, aber für die Gesamtsituation, die sich über viele Jahre entwickelt hat, sind schon mehr verantwortlich. Irgendwer muss die jetzigen Politiker ja auch gewählt haben.

Nichts gegen Sie persönlich, aber das Problem ist eben, dass eine ganze Generation versagt hat. Fleischhacker nimmt sich ja selber nicht aus.

Dass die Generation, die das Ganze mitzuverantworten hat, jetzt als "Wutbürger" am lautesten schreien, finde ich schon etwas grotesk. Warum nicht schon früher?

Antworten Antworten Gast: Österreicher
26.02.2012 11:47
0 0

Meinen Sie damit

das die Bevölkerung wissentlich durch ihr Wahlverhalten diesen Betrügern Vorschub geleistet hat?

Das ist ungeheuerlich.

Eine ganze Generation hat versagt? Ja welche denn genau? Wer denn genau? Alle wahlberechtigten Österreicher?

Sie sind wirklich der Meinung die Leute hätten so gewählt damit diverse Herrschaften in Positionen kommen um ungestört ihren Machenschaften nachgehen zu können?

Und sie finden es grotesk wenn die "Betrogenen" dann laut aufschreien? Und zwar erst dann wenn diese ganzen verbrecherischen Vorkommnisse ruchbar werden?

Auch Ihnen meinen herzlichsten Dank, dass Sie (wahrscheinlich) Millionen Österreicher (den Genderschmäh sparr ich mir) die Verantwortung für diese Verbrechereien zuschieben.

Jetzt bin ich wirklich ein Wutbürger.

Antworten Antworten Antworten Gast: Selber alt
27.02.2012 11:11
0 0

Re: Meinen Sie damit

Unwissenheit schützt vor Stafe nicht und darüber dass Sie und Ihre Generation Ihre Verantwortung als Bürger offensichtlich nicht annähernd ausreichend wahrgenommen haben, täuscht jetzt auch Ihre Aufregung niemanden hinweg, zumal diese wieder nur aus der Angst entsteht Privilegien zu verlieren auf welche die junge Generation zu keinem Zeitpunkt auch nur zu hoffen wagen durfte. Skrupelloseste Uneinsichtigkeit, schämen Sie sich!

Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: Österreicher
27.02.2012 14:21
0 0

Ich bin weder

uneinsichtig, skrupellos und schämen tue ich mich schon gar nicht.

Ich genieße keinerlei Privilegien und werde, wenn es einmal so weit ist weder eine fette Beamtenpension, oder noch fettere Politikerpension bekommen.

Ich werde nach derzeitigem Pensionsrecht mit 65 Jahren meine Alterspension antreten, nachdem ich vorher - so wie das unser System vorsieht - über 40 Jahre lang die Pensionen der "Altvorderen" bezahlt habe.

Meine Verantwortung als Bürger habe ich immer wahrgenommen. Sei es bei sinnvollen Demonstrationen, sei es durch mein Wahl- bzw. Nichtwahlverhalten. Sei es durch Einhaltung unserer Gesetze, sei es durch ausüben von Toleranz,d a wo angebracht, sei es durch Aufstehen (im Rahmen meiner Möglichkeiten) gegen Ungerechtigkeit, Polemik und die üblichen Verunglimpfungen die allerorts stattfinden.

Was auf die junge Generation (ich nehme an Sie meinen die heute 20 bis 30 Jährigen) zukommt? Ich weiß es nicht. Ich hoffe ein erfülltes langes Leben in Gesundheit und Frieden.

Die Privilegien die es heute gibt - ÖBB, Nationalbank, Beamtengehälter und Pensionen auf Landes und Bundesebene empfinde ich empörend und ungerecht.

Nachdem Sie mir schon Verantwortungslosigkeit vorhalten meine Frage an Sie: "Was werden Sie dagegen unternehmen?" Aber konkret bitte, nicht wieder so ein WischiWaschi Posting!

Antworten Antworten Antworten Gast: AJunger
26.02.2012 12:49
0 0

Re: Meinen Sie damit

(Fast) alle wahlberechtigten Österreicher sind insofern mitschuld an der Misere, als dass sie großteils keinerlei politisches Interesse oder Engagement gezeigt haben. Für die Machthaber im Land heißt das, dass sie machen können was sie wollen.

Ein Großteil der Bevölkerung hat ja bis jetzt auch gut damit gelebt. Fast jede Bevölkerungsgruppe hatte ihre "wohlverdienten" Privilegien.

Tun Sie nicht so überrascht, als hätte es in Österreich nie irgendwelche politischen Skandale gegeben! Es gab nie wirkliche Konsequenzen. Wo waren damals die "Wutbürger"?
Aber damals waren ja auch die Frühpensionen noch nicht in Gefahr!

Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: AJunger
26.02.2012 13:07
0 0

Re: Re: Meinen Sie damit

Und nein, schimpfen auf "die da oben" zählt nicht als politisches Engagement!

Der Frust der Jungen.....

ist verständlich angesichts der düsteren persönlichen Zukunftsaussichten.

Wer keine Chance hat, seine Leistungsbereitschaft unter Beweis zu stellen und dafür angemessen entlohnt zu werden, während es sich die Vorgänger noch richten konnten und sich am Futtertrog breitmachen, hat ein Recht auf Wut und Aggression und sucht sich ein Ventil. Vielleicht ein falsches.

Der Generationenvertrag wackelt bereits gehörig, aber ich finde, es geht in Österreich noch relativ zahm zu. So wirklich begriffen haben es die Jugendlichen noch immer nicht, was ihnen da noch alles blüht an Zumutungen und kommenden Sparpaketen zu ihren Lasten.

Die Demonstrationen gegen Acta sind ein erstes zaghaftes Zeichens des Unbehagens über Ungerechtigkeit, Willkür und die nationale und supranationale Fremdbestimmung.

Ich bin gespannt, ob und wann die junge Generation endlich lautstark von den Politikern Rechenschaft fordert für all die vertanen Chancen und die Korruption, die sich in Österreich ungeniert einnisten konnte.

Eine Generation

die sich mit hochbezahlten Jobs unter dem Vorwand hoher Verantwortung ausgestattet hat. Und wenn man bei irgendeinem der vielen Problemfälle, Korruptionen, Unterschlagungen, Krisen und Pleiten nachfragte, hatte niemand für irgendetwas Verantwortung. Lauter hohe Herren, umliebedienert, gut bezahlt, mit Chauffeur und Sekrtärin, die von nichts wussten, nichts wissen konnten, leider nicht das Richtige erkannten, auf jeden Fall nicht Schuld waren.

Die Zeche haben immer die anderen zu zahlen, sie selbst kassieren nur immer weiter, obwohl sich für jedermann erkennbar herausstellte, dass die Bezahlung nur hohlen Reden und einer Popanz-Fassade gilt.

2 1

wenn wir Zeitungsleute, die wir eineinhalb Jahrzehnte lang unsere Inhalte kostenlos ins Netz gestellt haben

wohl die üppigen Fördergelder vergessen zu erwähnen ?

Gäbe es denn eine Piraterie, wenn die Preise gerechter wären statt imense Gewinne den Vertreibern garantieren zu müssen oder wollen ?

Es ist doch frech und unverfroren, für einen Film am Beispiel "Thor" für eine blaue Scheibe 25.- zu verlangen, wenn ins Kino gehen um einiges billiger ist, und man sich danach nicht das eigene Regal zumüllen will !

Der wahre Hintergrund von Acta scheint eher der zu sein, dass man künftig per trojanischen Pferd Zugriff auf sämtliche User erlangen möchte um sie weiter kontrollieren, und weit lieber auch manipulieren zu können.

Dies sollte man aber ebenso wie so mancher Zensur in angeblich freien Medien, selbst rein wegen Selbstschutz, nicht zulassen !

Als nächster Schritt wird wohl die Meinungsfreiheit beschnitten werden um all die Kritiker mundtot machen zu wollen !

Wer das will, kann es sich gern gefallen lassen; es gibt aber zum Glück noch ungern gesehene Widerständler, welche dagegen ankämpfen ;-)

Selbst gegen Bundestrojaner wird es immer ein Gegenmittel geben, denn was einige Menschen gar nicht wollen ist unterjocht zu werden, während die Nutzniesser davon immer mehr nicht zugestandene Macht erlangen dürfen !


Re: wenn wir Zeitungsleute, die wir eineinhalb Jahrzehnte lang unsere Inhalte kostenlos ins Netz gestellt haben

werte leser: dieses war ein paranoides statement eines verschwörungstheoretikers.

*der für gekaufte waren nicht den marktpreis zahlen will, aber auch nicht darauf verzichten will.

*der glaubt, das veröffentlichen von beiträgen in einer tageszeitung habe auch nur irgendetwas mit meinungsfreiheit zu tun. nein: da geht es ausschließlich ums hausrecht.

*der sich via trojaner bedroht fühlt.
klar, als ob irgendjemand interesse dem unwichtigsten der unwichtigen hinterherzuschnüffeln.

aber dennoch: vielen dank. solches amüsiert sehr!

klar, als ob irgendjemand interesse dem unwichtigsten der unwichtigen hinterherzuschnüffeln

Naja, ich denke da an die Rangeleien in den höheren Ebenen der Wiener Polizei in den letzten Jahren.
Möglichkeiten schaffen Diebe. Mit den angedachten Mitteln kann dann der Herr Inspektor den Freund der Nachbarin beschnüffeln
oder sein Vorgesetzter ein paar Daten für die Privatversicherung liefern
oder die Spitzen ihre Intrigen effizienter steuern.
http://www.youtube.com/watch?v=SGD2q2vewzQ
bringt es gut auf den Punkt.

Danke

Würden Sie das bitte auch mal Oliver Grimm erklären?

Vielen Dank

3 1

Durchaus Zustimmung zu Ihrem Artikel heute

Herr Chefredakteur. Nur die Verallgemeinerungen am Ende lassen ahnen, daß das Problem doch größer ist als es sich in den paar Zeilen darstellen lässt.
Die Wirren der 60er Jahre waren doch auf eine Neuorientierung ausgelegt. Heute? Sie schrieben die letzten Tage, dass es wieder weltweit mehr krigerische Konflikte gibt als je zuvor. Dazu die ominöse Finanzwelt, die Politikergeneration der Schweinsköpfe (v. Fr. M. aufwärts), die unbändige Freiheit mit den tolleranten Gesetzen, die andererseits weit bis in die Privatsphäre reichen (Diskriminierungen sonder Zahl), keine Zukunftsphantasien zum Ablenken. Wer regiert eigentlich das Land? EU, IWF; Mutter, Vater oder wer ist die Bezugsperson im Leben. Ich könnte das nicht mehr verkraften wäre ich 30-40 Jahre jünger. Fazebuk ung Gugl als Lere-Ersatz.
Rückzugsgebiet Internet bleibt über, und das ist dann auch nicht zuverlässig. Das Chaos ist größer als nach Kriegsende, es mussten nur die Häuser repariert werden, heute muss vieles repariert werden, nur dazu gehört Kratft. Mit Hooliganismus löst man die Probleme aber nicht.

Gast: Znarf
25.02.2012 11:30
1 0

Zensur, ja oder nein?

Ich finde der Artikel trifft die Lage sehr gut, auch wenn ich dagegen bin, dass hier eine ganze Generation über einen Kamm geschoren wird. Sonst gute Arbeit.

Ausserdem möchte ich hier die Behauptung testen ob Artikel die das Projekt INDECT erwähnen tatsächlich zensiert werden...

spannend, oder?

Re: Zensur, ja oder nein?

Na ja ein Test ist etwas anderes! Könnte ihren Artikel ja auch gleich melden!

Gast: Actatata
25.02.2012 11:25
1 1

Wie alt ist der Schreiber dieses Artikels? 80? oder doch schon über 100?

Von der Jugend hat er jedenfalls genausowenig Ahnung wie von Verhältnismässigkeit oder Demokratie. Aber wenigsten bekommen wir jetzt eine Ahnung, wie in Altenheimen über Acta geredet wird.

es wäre allerhöchste zeit für ein neues 68!

die gesellschaft ist mindestens genau so am ende ihrer sackgasse angelangt wie es vor 1968 war.

allein: ich sehe die damalige qualität nicht.
ich sehe heute (junge) leute, die protestieren, weil sie filme u.a. nicht mehr gratis runterladen können.

statt freier liebe wird freies stehlen gefordert.

nein, das wird nix, also weiterwursteln mit unserem verwesenden gesellschaftskadaver und warten auf eine neue generation!

Re: es wäre allerhöchste zeit für ein neues 68!

1) Zur angeblichen „damaligen Qualität“ der Achtundsechziger...

Na, so toll waren die allesamt auch nicht, mit ihrer peinlichen Verherrlichung kommunistischer Massenmörder.

Und was ist aus ihnen geworden? Der frische Wind, mit dem sie zu Recht den Mief der Vätergeneration weggepustet haben, hat sich schnell verflüchtigt.

Inzwischen sind sie längst selbst Teil des Establishments, das sie einst so wütend bekämpft haben, beziehen üppige Aufsichtsratsgehälter oder satte Beamtenpensionen und ärgern sich maßlos über Bücher wie das von Götz Aly.

2) „...freies Stehlen“
Es stimmt nicht, dass es den jugendlichen Demonstranten nur um das gratis Runterladen von Filmen und Musik geht, wie oft pauschal unterstellt wird.

Klammheimlich sollen durch ACTA wichtige rechtsstaatliche Prinzipien eingeschränkt werden und durch die Schwammigkeit seiner Formulierung sind der Willkür Tür und Tor geöffnet.

Es spricht für Donald Tusk, dass er die Proteste, die in Polen besonders vehement waren, ernst genommen hat und sich von den gewichtigen Argumenten der Acta-Gegner überzeugen ließ!


Re: Re: es wäre allerhöchste zeit für ein neues 68!

@1)
vorsicht, sie pauschalieren. es gibt nicht DIE 68er....

es ist ausserdem völlig egal, welchen lebensweg die zu dieser zeit jugendlichen genommen haben. (manche wurden konservativ, manche kiffen noch heute, manche machten große karriere dank 68er-netzwerk und cashen ab, manche widmen sich philosophischen studien und sind knapp am verhungern.....)
wichtig war, dass damals der deckel vom unter großem druck stehendem topf genommen wurde. die vor 68er zeit war alles andere als gut, niemand von uns würde sich ernsthaft dorthin zurückbeamen lassen. ohne 68 wäre unser heutiges leben (und so mies ist das ja nun wirklich nicht!) anders ausschauen - vermutlich grauer und trauriger.

@2)
auch da: vorsicht vor pauschalieren. es gibt wohl auch in polen manche, die diese 'angst' vor einschränkung rechtsstaatlicher prinzipien haben. aber der große rest will gratisblitzen. keine frage!
das aktuelle ACTA ist mMn hauptsächlich in richtung kommerz und diebstahl ausgerichtet.
es steht aus ein internationales abkommen, das auch den von ihnen angeschnittenen bereich regelt:
denn ohne regeln gibt es keine freiheit!
es MUSS also (besser früher als später) zu einer STVO fürs internet kommen, sonst wird es kein internet mehr geben!

Re: Re: Re: es wäre allerhöchste zeit für ein neues 68!

Kann und will Ihnen nicht widersprechen; ich hatte eigentlich nur auf Ihre eigenen ursprünglichen Pauschalisierungen geantwortet.

„Ohne Regeln keine Freiheit“ – volle Zustimmung. Anarchie ist keine Lösung, weder im Staat noch im Internet noch sonstwo.

Aber die von den Mächtigen festgelegten Regeln müssen transparent, schlüssig und vor allem fair sein, sonst regt sich verständlicherweise Widerstand, der möglicherweise außer Kontrolle gerät. Wie schon so oft im Laufe der Geschichte.


Antworten Gast: Bärenfalle...
25.02.2012 13:58
5 0

Re: es wäre allerhöchste zeit für ein neues 68!

Toll... das letzte was wir brauchen sind neue 68er.

Mal ehrlich, was ist das Erbe der 68er ?

Fröhlich kiffende Hippies in VW-Bussen > mexikanische Drogenbarone, Städte mit no-go areas und bürgerkriegsähnlichen Zuständen.

Freie Liebe und Emanzipation >
Frauen die so orientierungslos durchs Leben gehen wie noch nie in der Geschichte.

Freie Meinungsäußerung >
Mediale Gesinnungsdiktatur, Websperren, Datenspeicherung, Überwachungsstaat.

Faul sein >
Börsenzockereien, Weichwährungen, Finanzieren der Ausgaben auf Pump, negative Sparquoten

Bunt >
Innerstädtische Migrantenghettos, Balkanisierung Europas, unbezahlbarer Sozialstaat.

Das einzig tröstliche ist, die 68er werden von der von ihnen verursachten Katastrophe noch vor dem friedlichem Entschlummern nach langer Rente erwischt werden.

Um die Jugend mache ich mir keine Sorgen, die meisten die ich kenne sind fleißiger und gebildeter als es uns die linken Medien (Stichwort: wackel mit dem Popo) vorgaukeln und wissen genau das harte Zeiten kommen.

Die Lesen auch nicht mehr Marx .. die lesen "Atlas Shrugged" und werden irgendwelchen bettelnden Alt-68ern nach Kollaps des Pensionssystems noch die 50-Cent Euromünze vom Teller klauen.

Lächelnd.


Meinen Sie das ernstlich???

Freie Meinungsäußerung >
Mediale Gesinnungsdiktatur, Websperren, Datenspeicherung, Überwachungsstaat.

Meinen Sie ernstlich, dass das auf die 68er zurückzuführen ist?
Wenn es also diese "Revolution" nicht gegeben hätte, dann hätten wir heute keine mediale Gesinnungdiktatur, keine Websperren, keine Datenspeicherung und keinen Überwachungsstaat?
Dass das die Folge der 68er ist, also die Linken daran Schuld haben, dazu müssen Sie aber schon noch wenigstens EIN Argument liefern.

Einige

 
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