20.06.2013 05:59 Merkliste 0

Was kommt am Tag nach dem Iran-Krieg, den keiner will?

CHRISTIAN ULTSCH (Die Presse)

Für Israel ist ein Angriff auf die iranischen Nuklearanlagen die bessere Option, als eine Bombe der Mullahs zu dulden. Doch gelöst wäre das Atomproblem damit nicht.

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Keiner kann den Krieg wollen, weder Israel noch der Iran noch die USA, und Europa schon gar nicht. Und dennoch steigt von Tag zu Tag die Gefahr, dass der seit nunmehr fast zehn Jahren anhaltende Konflikt um das iranische Atomprogramm noch heuer in eine militärische Konfrontation mündet. Es wäre nicht der erste Krieg wider Willen.

Ein Iran mit Atomwaffen ist für Israel aus mehreren Gründen inakzeptabel. Dass die Regierung in Jerusalem Drohungen der iranischen Führung, den jüdischen Staat von der Landkarte zu tilgen, ernst nimmt, ist nicht nur historisch und psychologisch, sondern auch strategisch und geografisch nachzuvollziehen.

Israel hat zwar seinerseits Atombomben im Arsenal, doch die Fläche des von Juden bewohnten Landstrichs zwischen Mittelmeer und dem Jordan ist ungefähr 75-mal kleiner als die Islamische Republik. Das relativiert die Idee von einem etwaigen Gleichgewicht des Schreckens. Israel könnte in einem Erstschlag ausgelöscht werden. Zudem lassen messianische Ideologie und Märtyrer-Rhetorik immer wieder Zweifel aufkommen, ob die Islamische Republik von rationalen Akteuren geführt wird.

Aber selbst wenn der Iran aus Furcht vor einem Gegenschlag letztlich vom Einsatz einer Nuklearbombe absähe, böte ihm ein Status als Atommacht bedeutende Vorteile: Unter einem iranischen Atomschutzschirm könnten Verbündete wie die libanesische Hisbollah oder auch der palästinensische Islamische Dschihad aggressiver als bisher gegen Israel vorgehen. Ja, sie könnten sogar aus Teheran mit Nuklearmaterial versorgt werden. Ein Albtraum für Israel, ganz abgesehen davon, dass fast die gesamte Region einen nuklear aufgerüsteten Iran als Bedrohung empfände.

Von Ägypten bis Saudiarabien begänne ein Land nach dem anderen mit dem Bau von Atombomben, um einer Vormachtstellung des Iran entgegenzutreten. Je mehr Staaten aber die Massenvernichtungswaffen besitzen, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass sie irgendwann einmal zum Einsatz kommen.

Genau deswegen bemüht sich die internationale Gemeinschaft seit 2002 mit wachsender Verzweiflung, das iranische Atomprogramm zu stoppen. Frankreich, Deutschland und Großbritannien haben dem Iran mit dem Segen der USA wiederholt großzügige Angebote unterbreitet: Wirtschaftskooperation, Aufnahme in die Welthandelsorganisation, Ende der Sanktionen. Die USA offerieren zudem eine Normalisierung der seit 1979 eingefrorenen Beziehungen, wenn der Iran bereit wäre, die Anreicherung von Uran zu suspendieren bzw. einzuschränken und Atominspektoren umfassende Kontrollrechte einzuräumen.

Der Iran hätte es in der Hand, mit Gewinn aus dem Atompoker auszusteigen. Doch mittlerweile zählen andere Kategorien als die Abwägung von Pro und Kontra. Es geht um Nationalstolz, um Gesichtswahrung. Eine diplomatische Lösung kann nicht so aussehen, dass die Iraner reumütig zu Kreuze kriechen.

Dennoch ist ein Einlenken des Iran nicht ausgeschlossen. Der Druck ist groß wie nie. Der Iran verliert viel Geld durch das Ölembargo, das die EU im Sommer in Kraft setzen wird. Auch die Sanktionen der USA werden Wirkung zeigen. Chinesische oder russische Firmen, die anstelle der Konkurrenz in den iranischen Ölmarkt einsteigen wollen, werden sich das zwei Mal überlegen. Denn sie werden in diesem Fall laut Beschluss des US-Kongresses keine Geschäft mehr auf dem ungleich größeren US-Markt machen können.

Am effizientesten aber könnte sich die gefährlichste Drohung erweisen: die militärische. Der Iran hat zuletzt nur ein Mal nachweislich die Finger vom Atomprogramm gelassen: unmittelbar nach dem Einmarsch der USA in den Irak.

Lösen aber, das weiß auch Israel, lässt sich das A-Problem militärisch nicht. Ein Angriff auf Nuklearanlagen kann das Programm verzögern, nicht beenden. Für Israel wäre das kurzfristig immer noch die bessere Option, als eine Bombe zu dulden. Nach einer Attacke wird aber nicht nur der Ölpreis steigen, es drohen nicht nur terroristische und militärische Gegenschläge. Es könnte sich rasch auch die öffentliche Meinung zugunsten des Iran drehen. Danach wird es schwierig, auch nur die jetzigen Iran-Sanktionen aufrechtzuerhalten.

 

E-Mails an: christian.ultsch@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.03.2012)

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29 Kommentare
 
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Gast: guest348
07.03.2012 20:43
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Gerechter Krieg?

Es gibt keine gerechten oder ungerechten Kriege. Auch keine richtigen oder falschen. Aber es gibt notwendige und nicht notwendige Kriege. Dieser wird zu den notwendigen gehören.

Re: Gerechter Krieg?

Dieser wird zu den notwendigen gehören, zwar, aber man kann den Namen seiner eigenen Besatzungsmacht auf angenehmerer Weise verschwinden lassen. so denke ich. .

Gast: philantrop1
07.03.2012 14:23
3 3

ich habe durchaus den eindruck

das herr netanjahu und große kreise des militärischen komplexes in israel und usa schon derart kriegsgeil sind, dass der zug ohnehin schon abgefahren ist.

Re: ich habe durchaus den eindruck

Das es möglicherweise keine bloße Kriegsgeilheit ist, die zu verhindern versucht, dass der Iran Atombomben besitzt, versucht dieser Artikel zu erkläreen, aber wahrscheinlich haben manche Poster den Artikel nicht einmal gelesen- aus welchen Gründen auch immer.

Gast: Gast: Leser
07.03.2012 14:22
3 2

Iovi - bovi

Die tollen "Angebote" an den Iran kommen ja hauptsächlich von Staaten (USA, Frankreich, England, China), die es als selbstverständlich ansehen, selber ein Riesenarsenal von Atomwaffen zu besitzen, ja sogar anderen Ländern (Indien, Pakistan) problemlos gestatten, Atomwaffen zu produzieren und zu besitzen, dem Iran dies aber verwehren wollen, sozusagen getreu dem Motto: "Quod licet Iovi, non licet bovi - wir, die Guten, dürfen natürlich; du, der Böse, darfst aber nicht". Dass sich der Iran das nicht gefallen lassen will, ist nachvollziehbar. Die (sicher weitaus beste) Lösung wäre, wenn diese Staaten mit gutem Beispiel vorangehen und selbst abrüsten würden; dann hätte auch der Iran keine Grund, sein Atomprogramm fortszusetzen (wenn er überhaupt eines hat).

Antworten Gast: guest348
07.03.2012 20:54
3 1

Re: Iovi - bovi

Es gibt nur einen feinen, aber wesentlichen Unterschied: keiner der Staaten USA, F, GB, China hat eine religiös-fanatische Regierung, die glaubhaft gedroht hat einen anderen Staat zu vernichten - so wie das der Iran gegenüber Israel tut. Wie würde man reagieren, wenn - nehmen wir einmal an - Frankreich dem Staate Österreich das Existenzrecht absprechen würde?

Gast: Huurra
07.03.2012 14:11
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Setzen "6"

Das sind die Ansichten von jmd, der keine Ahnung von Sache hat und nur Rudeljournalismus betreibt. Die Welt will einen Krieg. Den bekommt sie auch ohne Angst auf Verluste. Es hilft auch nicht, dass die Amis seit 2003 bereits wissen, dass der Iran nicht mehr nach A-Bombe strebt.

Lange Rede (sehr) kurzer Sinn: Setzen "6"

Re: Setzen "6"

Dein Posting hat wirklich nur einen kurzen Sinn.

Gast: Hardliner 1
07.03.2012 14:05
6 2

Keine Kontrollen

Warum lässt Israel keine Kontrollen durch die Internationale Atombehörde zu? Und warum fordert Israel solche Kontrollen im Iran. Ist Israel höherwertig als der Iran? Fragen über Fragen.
Schon einmal haben vermeintliche Waffenarsenale zu einem Krieg geführt. Das Ergebnis ist ein Chaos im Irak. Will Israel ernsthaft etwas ähnliches riskieren?

Re: Keine Kontrollen

Israel ist nie dem NPT beogetreten, genauso wie Indien oder Pakistan, deshalb muß Israel keine Inspektionen seiner Atomanlagen zulassen. Der Iran hat hingegen den NPT unterschrieben. Verträge verpflichten halt.

Gast: schlÄchter
07.03.2012 13:59
1 0

sg herr redakteur ultsch!

als anregung: hier eine mmn - wie so oft zutreffende - analyse von peter scholl latour:
http://www.focus.de/politik/ausland/iran/interview-iran-zu-annaeherung-mit-den-usa-bereit_aid_718977.html

mfg
s.

"...wiederholt großzügige Angebote unterbreitet: Wirtschaftskooperation, Aufnahme in die Welthandelsorganisation, Ende der Sanktionen...."

das wäre ein grundsätzlich guter ansatz, WENN es sich beim iran um ein halbwegs 'normales' land handelte.

doch die mullahs sind aus gutem grund unempfänglich für diese verlockungen, weil die damit einhergehende öffnung der gesellschaft den niedergang der religiösen bewirken würde.

was wäre reizvoll genug für chameini & co, um im gegenzug 'abzurüsten'? --> jeder hat seinen preis, in welcher form auch immer.

Gast: schlÄchter
07.03.2012 13:54
1 2

sg herr ultsch!

in vielem ihrer meinung, aber die situation des iran und die einstufung seiner führung kann ich nicht teilen:
"Zudem lassen messianische Ideologie und Märtyrer-Rhetorik immer wieder Zweifel aufkommen, ob die Islamische Republik von rationalen Akteuren geführt wird"

im islam ist religion und politik nicht trennbar, mäsrtyrer rethorik und zweifel an erationalem handeln kann man auch westl. und israelischen politikern (israel hat ja auch einen gottesstaats-bezug-heimat des auerwählten volkes, die usa
haben als basis die feste überzeugung "gods own country" zu sein-george w bush, nick santorum sind ebenso religiös von einer auserwähltheit besehlt wie die mullahs oder jüdisch-israelische politiker oder erinnern sie sich an die quasireligiöse sendungsbewussten aussagen der sowjets, die ein wesentlich größeres atomwaffenpotential hatten). isarel und der westen-wir-werden damit leben lernen müssen, dass nichtwestl. staaten mit anderen weltbildern eben auch atomwaffen haben und diese zur abschreckung "brauchen".

rationalität an worten zu messen ist schwierig-fakt ist, dass der iran keinen angriffskrieg führt und über kurz oder lang nuklear bewaffnet sein wird, ebenso dass es im wesentlich instabileren und wenuig berechenbaren pakistan (140 mio ew!!!) bereits eine "islamische" atombombe gibt, die sehr schnell von indien weg gegen israel in einer zu erwartenden islamischen solidarität (umma) mit dem iran bei einem militärschlag nach westen gerichtet werden.

mfg
s.

Gast: was ist wenn
07.03.2012 12:25
2 3

Nachdenken!

Selbst bei einem Beschuss mit Nuklearwaffen durch Iran - sofern möglich - wäre nicht nur Israel betroffen, sondern die ganze Region, inklusive Hisbolla und andere Terror-Organisationen. Das kann nicht im Interesse des Irans sein.

Re: Nachdenken!

Das kann man aber genau umgekehr auch sehen.
Hätte der Iran Atomwaffen, warum sollten Saudi Arabien keine wollen?
Hisbollah und andere Terrororganisationen bekämen Rückenstärkung. Steht ja alles im Artikel.

0 0

Re: Nachdenken!

Der Iran hat nicht angekündigt, irgendjemanden mit Atomwaffen anzugreifen. Erstens dürften sie noch keine fertigen haben und zweitens haben sie nur angekündigt, im Falle eines Angriffs eine Grußbotschaft in die Heimat der Angreifer zu schicken. Und das ist wohl legitim.

1 6

*würg* - ein echter "Ultsch".

Kleiner Mann ganz groß - aber nur sehr kurz...

Für Israel wäre das (Atombombenschmeissen) kurzfristig immer noch die bessere Option, als eine Bombe zu dulden??


hoffentlich ist das zynisch gemeint.

Denn Atomwaffen hat man, damit man sie nicht einsetzt, ja nicht einmal mit dem Gedanken spielt. Mit einem einzigen Einsatz von Atomwaffen endet der Begriff "kurzfristig" für immer.

Mir rinnt der Schauer eiskalt über den Rücken.

Re: Für Israel wäre das (Atombombenschmeissen) kurzfristig immer noch die bessere Option, als eine Bombe zu dulden??

sie haben den text missverstanden.

es war nicht die rede von einem israelischen a-bomben einsatz sondern von einer israelischen bombardierung der iranischen a-anlagen.

Re: Re:(Atombombenschmeissen)

Nach Ansicht von Experten, besitzt Israel selbst 100 bis 300 Atomsprengköpfe.......

Gast: tease&appease
07.03.2012 10:34
2 0

was tun wenn kind im brunnen - brunnen sprengen?


Es dürfte in jenen für den Herrn Karl "herrlichen Zeiten" als der Chamberlainismus Ovationen hervorrief auch nicht viel anders ausgesehen haben: die Welt für einen Fetzen Papier. Es gibt einen Punkt in der Entwicklung der Dinge an dem diese sich verselbständigt und man nur noch ohnmächtig zusehen kann, um dann mit riesigem Aufwand jenen Zustand wiederherzustellen als entschlossenes Handeln zwingend vorgeschrieben war.
Warum man Daumenschrauben prinzipiell nur mit Vierteldrehungen anzieht, entzieht sich einer vernünftigen Erklärung. Wahrscheinlich muß das Geschäft rennen bis es auch nicht mehr kann - Geschäftemacher haben einen Horizont bis zur nächsten Bilanz und dieser beschränkt zusehends auch den Weitblick der Politiker.

Quidquid agis, prudenter agas et respice finem.

Hoffentlich entzieht sich eines Tages der Herr Netanjahu nicht dem Kriegsverbrechertribunal.....

Gast: Geld istweg!
07.03.2012 09:43
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Hartnäckig hält sich auch bei Ultsch das längst wiederlegte Gerücht,

dass Iran Israel von der Landkarte tilgen möcht, schlage nach bei Wikipedia, oder in objektiven Medien wie die Welt, die wörtliche Übersetzung der in blumiger Sprache gehaltenen Rede lautete: die Israelische Regierung auszulöschen. Aber das hört sich nicht so gut an, wenn man seitens Israel 'präventiv' gegen Iran losballern möchte.

Gänzlich verschwiegen wird die saudiarabische (streng fundamentalistisch sunnitische) Abneigung gegen Irans schiitische Führung. Saudiarabien ist wieder strategischer und wirtschaflicher Verbündeter der USA.

Keiner will den Krieg

ausser die Banken- und Militärmafia!Und Obama wird als Clown vorgeschickt um uns zu erzählen wie böse die Syrer sind...der Einserschmäh zieht leider bei vielen Leuten noch immer...

keiner will den krieg...bis auf ultsch


der ist hart wie kruppstahl und lässt sich von pazifistischen friedensgewinsel oder humanitätsduselei nicht verwirren. seine losung: immer feste druff', erst schießen & bomben, dann fragen! denn, weiß der weltgewandte connaisseur der mentalität fremder völker,das ist die einzige sprache, die der perser versteht. denn nur, als u.'s lieblingsland bei nachbar irak mal gründlich aufgeräumt hat, und demokratie und menschenrechte nachhaltig etabliert hat, war der iran bereit "die finger" von atomwaffen zu lassen. na bitte! dann wissen wir doch was zu tun ist:

KRIEG BIS ZUM SIEG!

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