25.05.2013 16:14 Merkliste 0

Ein Problem aus der Hölle und nur zweitbeste Lösungen

THOMAS SEIFERT (Die Presse)

Solange der Syrien-Konflikt nicht gelöst werden kann, muss die Staatengemeinschaft zumindest eine Schutzzone für die Zivilbevölkerung einrichten.

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Ein Problem aus der Hölle“ – so hat die Journalistin und Menschenrechtsaktivistin Samantha Power die Schwierigkeiten beschrieben, mit denen eine demokratische Regierung konfrontiert ist, wenn sie auf Massenmord und Machtmissbrauch in monströsem Ausmaß reagieren muss. Das Buch war eine Reaktion auf den Kosovo-Konflikt. Dieser war eben erst durch eine Nato-Invasion beendet worden und galt nach dem Debakel in Somalia und Ruanda sowie der Schande des langen Zögerns im Bosnien-Krieg als Erfolg.

Jetzt im Syrien-Konflikt ist es wieder da, das Problem aus der Hölle. Jede Deadline, jedes Ultimatum verstreicht, jeder vermeintliche Schachmatt-Zug endet damit, dass Syrien ein weiteres Stück Richtung Abgrund rutscht. Immer, wenn die internationalen Beobachter glauben, es könne nicht mehr übler werden, müssen sie erkennen: Doch, leider, es geht noch schlimmer.

Die Zahl der Todesopfer im Konflikt– oder soll man lieber von einem Bürgerkrieg sprechen? – ist auf 9000 gestiegen.

Gestern, Dienstag, ist das Ultimatum zur Einstellung der Kampfhandlungen und zum Abzug der Armee aus den Städten verstrichen. Und damit ist der Friedensplan des früheren UN-Generalsekretärs und Syrien-Sonderbeauftragten Kofi Annan vorerst gescheitert. Radwan Ziadeh, ein Sprecher der syrischen Opposition, schreibt im US-Magazin „The New Republic“, es sei keine Überraschung, dass der Annan-Plan gescheitert ist, ihn wundere vielmehr, „warum es so lange gedauert hat, bis die Welt das Scheitern zugegeben hat“. Annan hatte ein Ende der Kämpfe, einen Dialog zwischen dem Baath-Regime und der Opposition, die Freilassung von willkürlich Festgenommenen, die Möglichkeit für Journalisten, ungehindert zu berichten, sowie ein Versammlungs- und Demonstrationsrecht für die syrische Bevölkerung ausverhandelt. Doch nichts davon wurde umgesetzt.

Doch was nun? Ein neues Ultimatum? Ein neuer Friedensplan? Eine Schutzzone? Eine Bewaffnung der Opposition durch die USA, Golfstaaten, die Türkei, Europäer? Eine Militärintervention? Aber durch wen? Und vor allem, wie?

Ziel müssen die Verhinderung einer weiteren Eskalation und der Schutz der Zivilbevölkerung bleiben, auch wenn das für die Opfer des Krieges mittlerweile wie Hohn klingt. Der türkische Premier, Recep Tayyip Erdoğan, klagt den syrischen Präsidenten Assad an: „Er tötet weiterhin 60, 70, 80, 100 jeden Tag“ und lässt „gnadenlos fliehenden Frauen und Kindern in den Rücken schießen“. Erdoğan hat recht: Der Krieg der syrischen Führung gegen die eigene Bevölkerung ist nicht mehr länger hinnehmbar.

Das Dumme ist nur: Es gibt derzeit keine brauchbare robuste Alternative zur diplomatischen Initiative von Kofi Annan.

Eine Militärintervention ohne UN-Sicherheitsratsmandat wäre völkerrechtlich inakzeptabel und zudem hochriskant. Mögliche militärische Konsequenzen: ein Übergreifen des Konflikts auf den Libanon oder den Irak sowie Vergeltungsschläge von durch Syrien unterstützte Terrorkommandos in der Türkei.Die Arabische Liga hat bereits Ende Februar einen Kompromiss präsentiert: Assad und seine Führungsclique gehen ins Exil, so, wie dies Präsident Ali Abdullah Saleh im Jemen getan hat, und er übergibt die Macht an Vizepräsident Faruk al-Scharaa. Doch Assad wollte nicht.

Eine Bewaffnung der Opposition ist keine gute Idee: Die afghanischen Mudjaheddin schossen, nachdem sie die Sowjets aus dem Land vertrieben hatten, mit den von den USA, Saudiarabien und Pakistan gelieferten Waffen auf ihre Landsleute. Wer sagt, dass in Syrien nicht Ähnliches passieren könnte?

Die Einrichtung einer Schutzzone, wie sie die Türkei vorschlägt, ist daher die derzeit wahrscheinlichste und brauchbarste Lösung. Im Nordirak hat eine Schutzzone für die vor Saddam Hussein auf der Flucht befindlichen Kurden gute Dienste geleistet. Und solange die Staatengemeinschaft sich nicht auf ein gemeinsames Vorgehen gegen das Assad-Regime einigen kann, muss sie dafür sorgen, dass das Leid der syrischen Zivilbevölkerung etwas gelindert wird. Ein Veto Chinas oder Russlands gegen einen solchen Vorschlag wäre unverzeihlich. Konflikt in Syrien, Seite 1

 

E-Mails an: thomas.seifert@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.04.2012)

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10 Kommentare
Gast: Hubertus
11.04.2012 21:37
0 0

Gute Idee

Gilt das für die Westbank und für Bahrain auch? Sowie in den kurdischen Landesteilen der Türkei? Dann bin ich auch dafür,sonst nicht.

Gast: schlÄchter
11.04.2012 17:53
0 0

sg herr redakteur seifert!

ein paar gedanken zu ihrer "schutzzonentheorie":
was für eine hölle syrien erst werden kann, wenn schutzonen veingerichtet und als strategisches rückzugsgebiet für die sunnitischen-von radikalsunnitischen extremisten geführten "widerstandskämpfer" dienen und dank kräftiger türkischer und saudiarabischer waffenhilfe (über jordanien und irak) das zugegeben grausame abder im vergleich zu gadaffi interntaional nicht terrorexposrtierende und letzte säkulare assad-regime stürzen bzw einen langwierigen konfessionellen bürgerkrieg in syrien implementieren und erst richtig lostreten.

assad ist ein brutaler diktator, aber wieveil leid ein soclher bürgerkrieg für ganz syrien und seine nachbarn bedeutet - das wird man dann sehen (der libanon der 80iger lässt grüßen)

libyen ist dagegen nur ein sturm im wasserglas-libanon und auch israel werden wohl unweigerlich mithineingezogen. die nicht aufhaltbare (defensive) iranische atombombe ist mmn dabei das wesentlich kleinere problem.

mnachdenklicheng
s.


"gefangener Journalismus"

..könnt ihr noch in den Spiegel (nicht die Wochenzeitschrift !) schauen ... ????

Grüßen Sie Ihre Auftraggeber

Eine Frage Herr Seifert: Wer oder was zwingt Sie, derartige Kriegs - Propaganda wiederzugeben ???
Wenn Sie diese Frage auch nicht veröffentlichen werden, dann gehen Sie bitte in sich und überlegen, ob es die Sache Wert ist, dermaßen sein Gesicht zu verlieren oder sich in dieser Form zu verkaufen.
Haben Sie sämtliche Ihrer Ideale über Bord geworfen oder hatten Sie niemals welche ???

Grüßen Sie Saudi-Arabien !
Grüßen Sie Quatar !
Grüßen Sie die internationalen Terroristen dieser Welt
mit einem Wort .. grüßen Sie Ihre Auftraggeber ... von uns ....

Gast: Nicht THOMAS SEIFERT
11.04.2012 16:44
2 0

muss die Staatengemeinschaft zumindest eine Schutzzone für die Zivilbevölkerung einrichten.

Jetzt tuns hier nicht Kriegspropaganda verbreiten Herr Seifert, sonst machen sie sich an jedem Totem und Verletzten mitschuld!

Wie so eine Schutzzone für die Zivilbevölkerung aussieht sieht man ja in Lybien ein Jahr danach eindrucksvoll!

Und lest erst mal das grüne Buch, bevor hier das Qaddafi Bashing wieder losgeht!

Gast: Karl Schlosser
11.04.2012 12:20
3 0

Warum müssen wir ?

Gibt es ein Naturgesetz, das uns zwingt Leuten zu helfen die seit Generationen unfähig sind in ihrem Land für Recht und Ordnung zu sorgen ?
Wo doch die Praxis in Bosnien und Kosovo zeigt, dass die Hilfe zum Fass ohne Boden wird ?
"Einmischung" bringt fast immer nur neue Probleme.

Antworten Gast: lidhja eshte gjalle
11.04.2012 19:54
0 0

Re: Warum müssen wir ?

das heißt man hätte damals nichts tun dürfen und den serben gestatten sollen einfach so 2 mio albaner aus dem kosovo zu vertreiben und zu ermorden? zuerst nachdenken und dann schreiben!

Gast: schonwiedereingast (dauerzensuriert)
11.04.2012 00:05
5 2

Schutzzone für die Zivilbevölkerung = Infiltrierung durch Auslandsgeheimdienste

THOMAS SEIFERT = erster Agent
dieser Artikel = Propaganda
die Presse = ???


Gast: Mahalli
10.04.2012 20:56
6 0

Der Feuerball

Wenn man eine Schutzzone in Syrien einrichtet, so muß diese überwacht werden. Türkische Soldaten kommen dafür kaum in Frage, nachdem Syrien die Türkei permanent beschuldigt, die syrischen Auftständischen zu bewaffnen und zu finanzieren. Andererseits würde die Türkei die Überwachung der Hunderte Kilometer langen Grenze keinen fremden Mächten überlassen.

Der größte Fehler der Türkei war deren öffentliche Deklarierung als Stützpunkt für die syrische Opposition. Diese genießt in der Türkei alle Freiheiten und organisiert offenbar auch von hier ihre Waffenkäufe mit Hilfe der Petrodollars und des türkischen Geheimdienstes.

In dieser Konstellation wäre die Errichtung einer Schutzzone auf Betreiben der Türkei quasi eine Kriegserklärung an Syrien und eine Brüskierung des Iran.

Syrien und der Iran würden dann wohl - zu Recht - vermuten, dass bewaffnete Rebellen diese Schutzzone als Rückzugs- und Nachschubgebiet mißbrauchen.

Kürzlich meinte ein türkischer Regierungs-vertreter: "Was den Syrienkonflikt betrifft, ist immer noch die Türkei am Ball." Aber in diesem Fall handelt es sich wohl schon um einen Feuerball...

Herr Seifert, ist heute Mittwoch ???

"Gestern, Dienstag, ist das Ultimatum zur Einstellung der Kampfhandlungen und zum Abzug der Armee aus den Städten verstrichen. Und damit ist der Friedensplan des früheren UN-Generalsekretärs und Syrien-Sonderbeauftragten Kofi Annan vorerst gescheitert."

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