18.05.2013 18:38 Merkliste 0

Die dunkle Seite des Facebook-Hypes

JOSEF URSCHITZ (Die Presse)

Die Internet-Ökonomie gebiert gerade eine Reihe von globalen Monopolen, auf die Wirtschaftspolitiker und Ökonomen noch keine brauchbare Antwort wissen.

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Eigentlich ist der hochgehypte Facebook-Börsengang „Business as usual“: Die Millionärsquote im kalifornischen Palo Alto ist gestern stark gestiegen, eine Reihe von Investmentbanken und Großanlegern, die ihre zu 38 Dollar zugeteilten Aktien gleich wieder auf den Markt geworfen haben, hat einen netten, aber kleinen Kurzfristschnitt gemacht, und jene Anleger, die gestern an der Börse zugekauft haben, werden sich wohl bald zu fragen beginnen, ob 115 Dollar pro Facebook-Nutzer wirklich eine seriöse Börsenbewertung war. Das alles kennt man von anderen Tech-Börsengängen auch.

Weil das Getöse um die Frage, ob Facebook jetzt 90 oder doch 106 Milliarden Dollar „wert“ ist, so laut gerät, sieht niemand ein Problem, das mit Facebook auch in den Scheinwerferkegel kommt: Die Internet-Ökonomie gebiert gerade an allen Wettbewerbs- und Kartellgesetzen vorbei eine Reihe von globalen Quasimonopolen, auf die weder die Wirtschaftspolitik noch die Wirtschaftswissenschaften bisher eine halbwegs vernünftige Antwort wissen. Manchmal hat man den Eindruck: gar nicht wissen wollen, weil sie die systemgefährdende Sprengkraft der Entwicklung (noch) nicht bemerken.

Wir reden hier von der in den vergangenen Jahrzehnten zweifellos überlegenen Marktwirtschaft, die zum Funktionieren Wettbewerb benötigt. Monopole, die Wettbewerb ausschalten oder stark reduzieren, sind demnach die größten Feinde dieser Marktwirtschaft. Weil der preisdämpfende Effekt des Wettbewerbs nicht mehr funktioniert, gelten sie allgemein als wohlstandsdämpfend.

Dass dem marktwirtschaftlichen System der Drang zu Konzentration und Monopolisierung inhärent ist, hat einer der berühmtesten „Presse“-Korrespondenten, Karl Marx, schon im vorvorigen Jahrhundert ganz richtig festgestellt. Dass seine Jünger den verhassten „Monopolkapitalismus“ mit ihrem Staatsmonopolkapitalismus à la Sowjetunion auszuhebeln versuchten, war dann vielleicht nicht die beste Idee, wie die Geschichte gezeigt hat. Da waren die „Kapitalisten“ schon geschickter, indem sie preissetzende Marktbeherrschung mithilfe von strengen Antikartellgesetzen und Wettbewerbsregelungen zu verhindern suchten.

Das ist im Prinzip natürlich problematisch, weil dadurch außerordentliche unternehmerische Tüchtigkeit bestraft wird – scheint aber dennoch das kleinere Übel zu sein. Ist Wettbewerb nämlich erst einmal durch Monopolisierung ausgeschaltet, dann lässt er sich nur schwer wiederherstellen. So, wie man Demokratie zwar auf demokratischem Weg locker abschaffen, aber nur schwer wieder installieren kann.

In der „Old Economy“ hat diese Wettbewerbssicherung durch Antimonopolbestimmungen bisher halbwegs funktioniert. In der Internet-Ökonomie tut sie das nicht. Denn diese tickt grundlegend anders: Da kommt es einzig darauf an, möglichst schnell auf globaler Ebene „kritische Masse“ zu erreichen, um dann globale Standards setzen zu können. Das geschafft zu haben ist das Erfolgsgeheimnis von Unternehmen wie Microsoft, Apple, Amazon, Google, Facebook, und wie sie alle heißen.


Die Konkurrenz, die hier tobt, ist also im Wesentlichen ein globaler Geschwindigkeitswettbewerb, auf den die national organisierten alten Wettbewerbsbehörden keine Antwort wissen. Die Hilflosigkeit, mit der die EU-Behörden etwa den jüngsten Datendurchstechereien von Google und Facebook gegenüberstehen, zeigt ganz deutlich, wo hier der Bartl den Most holt.

Hier entstehen Machtkonzentrationen, die uns wohl noch zu „kiefeln“ geben werden. Der nächste nach Weltherrschaft strebende Filmbösewicht wäre jedenfalls besser beraten, sich die Kontrolle über die Datenkraken Google und Facebook zu sichern, statt sich Raketen und Atombomben zu krallen.

Da braut sich etwas zusammen – beinahe unbemerkt von Wirtschaftspolitikern und Ökonomen. Letztere streiten ja noch immer ganz ausgiebig darüber, welche ökonomische Schule aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts die besseren Lösungen für alte Probleme bietet. Statt sich um die Herausforderungen der ökonomischen Landschaft des 21. Jahrhunderts zu kümmern.

 

E-Mails an: josef.urschitz@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.05.2012)

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17 Kommentare

Ein Monopol ist Folge von Zwang

Eine marktbeherrschende Stellung in einem bestimmten Bereich ist kein Monopol.

Ein Pseudomonopol ist meist zeitlich eng begrenzt, auch wenn es im Moment aussehen mag, als ob dieses Unternehmen gerade die Zukunft für sich gepachtet hätte.

Aber Unternehmen leiden wie alle planwirtschaftlichen Strukturen (intern ist ein Unternehmen praktisch immer Planwirtschaft in Reinkultur) an Fehlsteuerungen durch unvollständige Information. Sie können eine Zeitlang alles richtig machen, aber irgendwann gibt es einen Mitbewerber, der die Zeichen der zeit besser erkennt.


Zuckerberg

Ein Berg von Zucker ist ungesund, sowohl an der Börse wie auch im Leben.
Der Hype um die "Unsocial Platform", dem Stasi-Ableger Facebook, zeugt von der Unfähigkeit der postindustriellen Gesellschaft, virtuelle Kommunikationswege von realen zu unterscheiden.
Wer's gern hat, die ganze Medienwelt in sein Rektum schauen zu lassen, soll sich weiterhin in Facebook exhibitionieren.
Die Minderheit in unserer Gesellschaft, die Untätowierten, die Facebookabstinenten, die Sexunbesessenen und die Kapitalismuskritischen sieht dem dummen Treiben gelassen zu.
Zuckerberg ist ein Suckerbird!

Naja

Nichts für ungut, aber es gibt jede Menge Ökonomen, die das Problem längst erkannt haben und auch längst thematisieren.

Es ist doch nicht die Schuld dieser Ökonomen, dass gerade "die Presse" (allgemein verstanden) Krugman & Co willfährig hinterherläuft und jeden Senf brav nachbetet.

Anstatt alle Ökonomen pauschal zu verunglimpfen, wäre es besser gewesen, etwas Zeit in Recherche zu stecken, um vielleicht das eine oder andere paper zu dem Thema zitieren zu können. Oder - wer weiß - irgendwann einmal einen solchen Ökonomen zu interviewen.

Gast: gast35
19.05.2012 12:21
1 3

der Neid der Besitzlosen

Weil die Europäer im Internet nichts zusammenbringen, sind die anderen schuldige Monopolisten.

In China hat die Suchmaschine "Baidu.com" ein paar hundert Millionen Nutzer und Google längst überholt. Auch andere Internetfirmen entstehen da, bei uns aber nichts.


Gast: machmuss verschiebnix
19.05.2012 10:13
1 0

Bravo Hr. Urschitz!


Man kann sich nur wundern, daß z.B. die Finanz-"Industrie" (was erzeugen die ?)
noch keine Maßnahmen gegen das Aufkommen von "Bit-Coin" als Internet-Währung
ergriffen hat (!)

Auch kaum vorstellbar, wie so eine Maßnahme aussehen könnte.
Jedoch weit besser vorstellbar, daß Internet-Giganten wie Amazon, Ebay, Google,
Facebook, uvam. eines revolutionären Tages Bit-Coin als Zahlungs-Mittel erlauben.

Ist irgendjemandem bewußt, daß dies durchaus das Potential hätte, das Ende der
herkömlichen borsatilen Finanzwirtschaft einzuläuten ? Einfach deshalb, weil
solcherart Zahlungen völlig unabhängig vorbeilaufen an bestehenden Instituten.

Bisher ist Google "nur" mächtig und könnte z.B. durch simples offline nehmen
ihrer Server, alle EDV-Abteilungen rund um den Globus zur Verzweiflung bringen,
weil alle sich blindlings darauf verlassen, daß man wichtige Hinweise einfach
und schnell er-googeln kann, aber Google weiß als Nutznießer dieser seltsamen
Symbiose natürlich auch allfällige Folgen für's eigene Unternehmen abzuschätzen.

Nun ist aber gerade bei so mächtigen Giganten das Streben nach Festigung und
Verberbreiterung ihrer Machtbasis "genetisch" verankert. Wir können dessen
gewiß sein, daß sich da noch einiges tun wird.


Warum denn in die Ferne schauen ??


wenn die Monopol-Abzockerei im eigenen Land auch funktioniert ?

OEBB, ORF, (früher auch AUA), Sozialversicherungen, grosse Teile der Verwaltung, Nationalbank u. "staatsnahe Betriebe" u. viele Institute bedienen sich auch schamlos OHNE Direktwahl-Legitimation aus unserer Brieftasche !!!

Somit ist jeder Österreicher Zwangs-Mitglied im "Selbstbedienungs-social-network".

Hans RAUSCHER:
Gerade weil wir uns in der Situation eines Verteilungskampfes befinden, in der mit falschen Begriffen agitiert wird, lohnt es sich vielleicht, ein bisschen Einordnungsarbeit zu leisten. Tatsächlich behauptet ja etwa die Linke, in Österreich herrschten turbokapitalistische, neoliberale Zustände. Sie hat damit in der öffentlichen Debatte die Deutungshoheit erlangt. In Wahrheit ist Österreich ein Ständestaat, zwar mit - relativ wenigen - "Groß"-Konzernen und "Superreichen", aber mit riesigen Lobby-Gruppen, die die wahre Verfügungsgewalt über die ganz großen Einkommensströme haben: Die Bauern-, Beamten-, (Früh-)Pensionisten-, Bundesländer-Lobbyisten haben den organisierten Zugriff.

Der wahre Umverteilungskampf im heutigen Österreich verläuft ja nicht so sehr zwischen "Reich" und "Arm", sondern zwischen den organisierten Interessengruppen und den Nichtorganisierten, zwischen dem geschützten Sektor und dem ungeschützten.

0 0

Re: Warum denn in die Ferne schauen ??

So ist es, die einzigen wirklichen Monopole sind die staatlichen.

ob Facebook jetzt 90 oder doch 106 Milliarden Dollar „wert“ ist


oder ob dieser halbkriminelle Schwachsinn, erfunden von Profiabzockern, erdacht für Semiautisten, nicht die größte Bauernfängerei dieses Jahrhunderts ist, ist die wirkliche Frage. Was an diesem Konstrukt, auch Netzwerk genannt "social" sein soll konnte mir noch niemand erklären. Die Facebook- Einträge sind die weltweit größte psychopathologische Müllhalde. Sie sind offenbar aufgrund der intensiven Nutzung des Netzwerkes für Konzerne aus aller Welt eine attraktive Werbeplattform und für illegale Datensammler eine höchst ergiebige Quelle.

Wenn es noch einen weiteren Beweis für den Geisteszustand unserer großen und kleinen Finanzinvestoren bedurft hätte, hier liegt er auf der Hand: 100 Milliarden

Re: ob Facebook jetzt 90 oder doch 106 Milliarden Dollar „wert“ ist



...eines weiteren Beweises .....

sorry

Re: ob Facebook jetzt 90 oder doch 106 Milliarden Dollar „wert“ ist


...eines weiteren Beweises..

sorry

Antworten Gast: BKM
19.05.2012 11:16
0 0

Re: ob Facebook jetzt 90 oder doch 106 Milliarden Dollar „wert“ ist

D'accord. Zu hundert Prozent.

1 2

geh bitte

was koennen Facebook und Google dafuer wenn sie ein Monopol auf ihre Dienstleistungen haetten (was ja nicht der Fall ist) und selbst wenn dem so waere, niemand muss Facebook beitreten, es kostet nichts soviel ich weiss. Dass die Wirtschaftswissenschaften dem Phaeomen der Internetmaerkte nachhinken - jo mei, spricht halt nicht fuer die Wirtschafts'wissenschaft'. Die einzigen wirklichen Monopole die mir einfallen sind die staatlichen. Auch theoretische Monopolisten richten ihre Preise nach der Nachfrage. Manche Produkte und Wirtschaftszweige haben einen inhaereten Konzentrationsmechanismus, wie zB. Bergbau mit immer groesseren, immer kapitalintensiveren Projekten. Und auch bei sozialen Medien hat es Sinn dass es nicht hunderte verschiedene gibt, sonst waere man ja nicht mit sovielen Anderen verbunden. Gegen Monopole wettern gerne Firmen die durch Konkurrenz in Druck geraten, die Restkruemel des Linksintellektualismus und nicht wirklich durchdachter Journalismus.

2 0

Alle Werkzeuge zur Weltherrschaft


Ökonomisch - ideologisch - politisch und zweifelsfrei unkontrollierbar.

In der Hoffnung, die "Guten" bleiben am Ruder ...

chapeau!

.

Gast: Davidof
19.05.2012 02:11
0 1

Gratulation an die FB Jungs

Ich wohne auch in Palo Alto und mein Nachbar ist seit einigen Jahren bei FB. Echt coole Leistung. FB hat die Welt freier gemacht siehe Arabischen Fruehling. viele Unkenrufe sind zwar interessantes Kommentar aber oft einfach nur der pure Neid.

Antworten Gast: BKM
19.05.2012 11:15
2 0

Re: Gratulation an die FB Jungs

"FB hat die Welt freier gemacht" - freier wovon? Hirnmasse?

Gast: b754
18.05.2012 21:06
3 1

facebook ist zutiefst faschistisch unter dem deckmäntelchen des liberalen

und der datenmissbrauch ist programm und natürlich jubeln die geheimdienste das sie freiwillig die daten der nutzer erhalten und das auch n och legal abartig diese facebook

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