26.05.2013 06:27 Merkliste 0

Zynischer Stellvertreterkrieg auf dem Rücken der Syrer

WIELAND SCHNEIDER (Die Presse)

Der Aufstand gegen Syriens Diktator ist überschattet von Machtspielen des Iran, der Saudis und der Russen. Für Moskau ist es höchste Zeit, Assad zu sagen, dass er geht.

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Dieses Mal konnte man im UN-Sicherheitsrat nicht so einfach zur Tagesordnung übergehen; dieses Mal konnten Russland und China nicht einfach nur blockieren. Dafür war das, was in Houla geschehen war, zu schrecklich. Die Bilder, die die ganze Welt aus der syrischen Stadt erreichten, zeigten Dutzende Leichen, darunter die leblosen Körper von Frauen und Kindern. Der Sicherheitsrat verurteilte das Massaker und kritisierte den Beschuss von Wohngebieten durch Panzer und Artillerie der syrischen Regimetruppen. Es waren die deutlichsten Worte, die das UN-Gremium seit Langem zum Blutbad in Syrien gefunden hatte. Doch Konsequenzen haben diese Worte vorerst nicht. Denn Syrien ist nicht Libyen. In Bashar al-Assads Reich überschneiden sich viele Machtinteressen. Und das nützt dem Diktator.

In Syrien tobt nicht nur ein Aufstand gegen ein brutales Regime. In Syrien toben auch zwei Stellvertreterkriege: ein diplomatischer und ein militärischer.

Im diplomatischen Stellvertreterkrieg verläuft die Front zwischen den westlichen Staaten auf der einen und Russland und China auf der anderen Seite. In Moskau und Peking kann man grundsätzlich der „Einmischung in innere Angelegenheiten anderer Staaten“ nicht viel abgewinnen – gerade wenn es um den Kampf gegen Menschenrechtsverletzungen geht. Im Fall Libyen waren Russland und China für ihre Verhältnisse sehr weit gegangen. Sie hatten eine UN-Resolution zum Schutz der Zivilbevölkerung und der Errichtung einer Flugverbotszone nicht mit einem Veto verhindert. Doch die Allianz unter der Führung der Nato legte den Schutz der libyschen Bevölkerung sehr großzügig aus. De facto spielte sie die Luftwaffe für die libyschen Rebellen mit dem klaren Ziel, die Führungsclique von Muammar al-Gaddafi zu stürzen.

Darüber sind Moskau und Peking nach wie vor erbost. Und das lassen sie den Westen bei jeder Abstimmung zu Syrien spüren. Russland denkt nicht daran, noch einmal politische oder gar militärische Maßnahmen zu akzeptieren, die zu einem weiteren Regimewechsel führen könnten. Dass Moskau bisher zu Machthaber Bashar al-Assad gestanden ist, hat aber auch strategische Gründe: Das syrische Regime ist ein langjähriger Verbündeter, Russlands Marine darf syrische Mittelmeerhäfen nutzen.

Die Front im militärischen Stellvertreterkrieg verläuft zwischen den arabischen Golfmonarchien und dem Iran. Syrien ist Teherans wichtigster Verbündeter in der Region. Über Syrien verläuft gleichsam die Nabelschnur für die Versorgung der schiitischen Miliz Hisbollah im Libanon, die ebenfalls zu den Freunden des Iran zählt. Sunnitische Golfstaaten wie Saudiarabien und Katar sehen im schiitischen Iran einen gefährlichen Konkurrenten. Mit dem Abzug der US-Truppen aus dem Irak ist der Einfluss Teherans in der Region weiter gewachsen. Ein Sturz des Assad-Regimes würde aber die Stellung des Iran schwächen. Während Teheran das syrische Regime mit Ausrüstung und Experten zur Aufstandsbekämpfung unterstützt, liefern Saudis und Kataris Waffen an die syrischen Rebellen.

Salafistische Sympathisanten und die Finanziers in den arabischen Golfstaaten sehen in der Rebellion in Syrien aber auch einen Aufstand „rechtgläubiger“ sunnitischer Muslime gegen die „ungläubigen“ Alawiten des Assad-Clans. Deshalb übt der Konflikt eine magische Anziehung auf extremistische Gruppen aus, die Syrien zum Schlachtfeld in ihrem Jihad machen wollen. Und das ist einer der Gründe dafür, warum die USA und die Europäer bisher sehr zurückhaltend bei ihrer Hilfe für die Rebellen waren.

Hauptleidtragende dieser Machtspiele ist die syrische Bevölkerung. Der Friedensplan von Kofi Annan funktioniert nicht. Moskau pocht darauf, dass der Konflikt mit diplomatischen Mitteln gelöst wird. Dann muss die russische Regierung aber auch die richtigen Schritte dafür setzen und Bashar al-Assad verdeutlichen, dass sie nicht ohne Wenn und Aber hinter ihm steht. Sie muss Assad klarmachen, dass es für ihn höchste Zeit ist, die Macht abzugeben. Das wäre ein erster wichtiger Schritt, um zu verhindern, dass Syrien in noch weitaus schlimmere Gewalt kippt.

 

E-Mails an: wieland.schneider@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.05.2012)

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18 Kommentare
Gast: freindalwirtschaft
29.05.2012 22:10
0 1

na ja

assad ist ein massenmörder und kinderkiller - dass russland und china daggen nichts unternhemen wollen zeigt deren perfides verständnis von "weltgemeinschaft"

Assad ist mri bei weitem sympathischer als die rebellen!

dieser artikel zeigt ja wohl eindeutig auf, was hinter der syrischen "demokratiebewegung" steckt

islamisten der übelsten saudischen sorte, die christen auf das massivste unterdrücken und terrorisieren

was sind rechtsgläubige sunnitische muslime?
sind das nicht die leute, die konvertiten mit dem tod bestrafen, frauen halb totpeitschen wenn sie autofahren, anderen religionen die religionsausübung verbieten, ehebrecher öffentlich enthaupten un dieben die hände abhacken?

ja wirklich tolle demokraten scheinen dass zu sein, so wie die sauids, die sie unterstützen!

assad ist sicher das kleinere übel!
china und russalnd sei dank, dass sie die kriegstreiber usa,GB und frankreich ausbremsen!

möge assad siegen und diese islamische revolution niederschlagen!

Kein Bürgerkrieg

Dieser "Konflikt" ist von außen in das Land getragen worden.

Die Moslembrüder werden von Saudi-Arabien und der Türkei massiv unterstützt.

Es geht hier, wie schon vor 30 Jahren, um die Installierung eines Gottesstaates.

Weshalb der Westen sich mit der Unterstützung dieser Terroristen selbst mittelfristig das Wasser abgräbt, darüber kann ich nur spekulieren.

Vielleicht ein Teil Syriens als neues Palästina?

Nun ja...

Saudi Arabien und Russland sind ja Verbündete des Westens... Spindelegger nimmt Rücksicht auf seine Verbündete. Ansonsten würde er Syrien gleich erobern und dort die Demokratie aufbauen!

0 1

Re: Nun ja...

Ach, für jemanden wie Spindelegger ist doch in Wirklichkeit alles Aussenpolitik was ausserhalb seines Tellerrandes (Niederösterreich) liegt......

warum nur

muss man sich alles selbst zusammen reimen, wenn man die Hintergründe solcher Konflikte verstehen will? Die westlichen mainstream Medien sind nur noch Propagandainstrumente der US(= dto Israel) - Interessen.

Gast: M.F.
29.05.2012 09:20
2 0

Assads Sturz ist nicht die Lösung

Im Westen wird in naiver Weise fast automatisch angenommen , dass es sich hier um einen Volksaufstand für mehr Demokratie und Sozialismus handelt.

Es mag unter den Aufständischen auch solche Gruppen geben, aber zum Großteil geht es um Sunniten gegen Schiiten Moslemfundamentalisten gegen säkulare Gruppen und das ganze wird angeheizt von Nachbarstaaten die diese Gruppen unterstützen. Die Annahme, dass der Sturz des „Tyrannen“ Assad die Lösung aller Probleme ist, ist gefährlich naiv.

0 2

Video

Die Rebellen werden letztendlich siegen und Rußland wird blamiert sein. Irgendwann wird auch ein Video auftauchen, in dem Gadaffis Visage durch die von Assad ersetzt wurde.
Sein geliebtes Volk wird ihn die heftige Zuneigung hautnah spüren lassen.

Lesen Sie die Leserbriefe

Dort ist mehr Intelligenz versammelt, als in der gesamten Presse-Redaktion kumuliert.

Wir hinterfragen nämlich, während Sie nur Meldungen aus erster Rebellenhand abmalen.

Lernen Sie Geschichte, Herr Schneider!

Haben Sie nichts aus dem Angriffkrieg gegen den Irak, das monatelange Bombardement Lybiens durch die Nato, um dort machtgeile Chaoten an die Macht zu bringen, gelernt? Offensichtlich nicht. Dort, wie nun auch in Ägypten kamen und kommen radikale Kräfte an die Macht, die mit Demokratie und deren Werten nichts am Hut haben. Die in Europa gesteuerte Desinformation durch die Medien soll alle Schuld an Massakern Assad zuweisen um dessen vom Westen inzenierten Sturz zu rechtfertigen. Danach haben Israel und die USA freie Bahn für den geplanten Angriffskrieg gegen den Iran. Was die Christen danach in Syrien erwartet und wie die Menschenrechte nach Assad dort aussehen werden, sollte selbst ein Presseschreiberling behirnen. Er bräuchte ja nur in den Irak oder nach Lybien schauen. Aber das würde ja wohl nicht der Blattlinie der einseitig und geschönt berichtenden PRESSE entsprechen.

Gast: Patrizier
28.05.2012 21:50
9 0

Syrien ohne Assad

Ich schließe mich meinen Vor-Postern an, dass die Schlussfolgerung des Autors, Syrien wäre nach einer Entmachtung von Assad friedlicher als jetzt, geradezu kindisch naiv ist. Es ist leider symptomatisch für den Verfall des journalistischen Niveaus, dass in einer ehemals renommierten Zeitung wie der "Presse" heutzutage so ein schwacher Leitartikel gedruckt wird.

10 3

Rosarote Welt...

Die Wahrscheinlichkeit, dass mit dem Abgang Assads a) die Gewalt gegen Zivilisten endet und b) der Westen einen Verbündeten erhält, ist ungefähr so gross wie die damals Chance, dass nach Saddams Abgang im Irak Demokratie ihren Einzug hält.
Was auf dem Reissbrett irgendwelcher globaler Strategen funktioniert, hält der Realität selten stand. Um das zu erkennen reicht eigentlich der gesunde Hausverstand.

Gast: MIR
28.05.2012 20:30
7 4

Es waren die deutlichsten Worte, die das UN-Gremium seit Langem zum Blutbad in Syrien gefunden hatte.

Außer Worten wird die UNO nie Wesentliches zum Frieden in der Welt beisteuern.

Konnte die UNO die Zivilbevölkerung des Libanon oder Gazas vor dem Terror eines Kleinststaates schützen?

War die Zivilbevölkerung Libyens durch den Einsatz der NATO-Waffen besser geschützt? Wies sicher ist die Zivilbevölkerung jetzt?

Auf die Zustände in Afghanistan oder im Iraq kann das Friedensprojekt NATO/UNO auch nicht wirklich stolz sein.

Re: Es waren die deutlichsten Worte, die das UN-Gremium seit Langem zum Blutbad in Syrien gefunden hatte.

wieso Kleinststaat, es handelt sich um einen Staat, der sich den militärisch mächtigsten Staat der Welt als Büttel hält.

Gast: Gerne nur Gast
28.05.2012 19:37
12 4

Mit Verlaub, das ist

blanker Unsinn - wie kann man nur so blind sein:

"..muss Assad klarmachen, dass es für ihn höchste Zeit ist, die Macht abzugeben. Das wäre ein erster wichtiger Schritt, um zu verhindern, dass Syrien in noch weitaus schlimmere Gewalt kippt."

Genau wenn Assad die Macht abgeben muss, wie sie hier als Journalist mitfordern, wird Syrien in schlimme Gewalt kippen: Massenmord an Christen, Aufkommen des Islamismus, keine Hemmungen mehr, brutale Rache des islamistischen Mobs, der nur darauf wartet, dass Syren der Kopf abgeschlagen wird.

Siehe Irak, siehe jetzt und bald Ägypten. Beobachten sie nicht die Zeitgeschichte, Hr Journalist Schneider?!


Gast: Aschura
28.05.2012 19:16
8 5

Machtspielen des Iran, der Saudis und der Russen.

Es ist nur gut dass USA und Israel in dieser Region keine Interessen haben und immer nur das gute für die dort lebenden Menschen wollen!
Pfui Teufel ihr schmutzigen Pressefritzen !
PS: Ihr seit einfach nur verachtenswerte schmutzige Heuchler!!!!!!!

Antworten Gast: Demokratius
28.05.2012 20:19
7 4

Re: Machtspielen des Iran, der Saudis und der Russen.

Den westlichen Medien scheint jedes Mittel recht zu sein, um den alten Plan von Regimewechsel (7 Staaten in 5 Jahren) fortzusetzen.

http://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=fSNyPS0fXpU

Peinlicher kann Propaganda nicht mehr werden, wie z.B. auch die BBC wiederholt gezeigt hat.

http://www.telegraph.co.uk/news/worldnews/middleeast/syria/9293620/BBC-News-uses-Iraq-photo-to-illustrate-Syrian-massacre.html


Gast: africano
28.05.2012 19:13
10 4

Es ist ein zynischer Machtkrieg ,gegen Assad!


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