24.05.2013 19:08 Merkliste 0

Assads perfide Strategie

Christian Ultsch (Die Presse)

Syriens bedrängter Diktator schürt den Bürgerkrieg, um sich an der Macht zu halten. Der Westen sollte ernsthaft eine Militärintervention erwägen. Sonst wird sich der Blutrausch nicht stoppen lassen.

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Wie lange will die Welt dem Gemetzel in Syrien noch zusehen? Wie lange will sich der Westen mit Ermahnungen und symbolischen Gesten begnügen? Wie lange will Russland Bashar al-Assad noch die Mauer machen? Die Massaker finden in Syrien mittlerweile im Wochenrhythmus statt. Vor 15 Tagen zogen Augenzeugenberichten zufolge regimetreue Shabbiha-Milizen durch Houla und richteten wahllos Frauen, Männer und Kinder hin; 108 tote Zivilisten wurden nach der Blutnacht gezählt. Am 5. Juni schlugen Assads Schlächter offenbar in Mazraat al-Qubeir nahe Hama zu. Diesmal töteten sie angeblich 78 Menschen. Die Armee verwehrte UN-Beobachtern zunächst den Zutritt zu der Stadt. Doch auch Tage später waren die hastig verwischten Spuren der Verbrechen noch zu sehen und zu riechen: blutverschmierte Wände und Matratzen, Hirn- und Fleischreste am Boden.

Das Regime in Damaskus streitet wie immer alles ab. Die Vertreter der Vereinten Nationen sind wie immer entsetzt. Und es geschieht wie immer – nichts.

Assad und seine Schergen fühlen sich ziemlich sicher. Sie glauben nicht an eine militärische Intervention. Und mit dieser Analyse dürften sie richtig liegen. „Syrien ist nicht Libyen“, heißt es von Washington bis Brüssel. Chefskeptiker ist US-Verteidigungsminister Panetta: Die Lage in Syrien sei hochkomplex, die Opposition schlecht organisiert und die Weltgemeinschaft, anders als in Libyen, uneins. Zudem bestehe die Gefahr, dass eine Einmischung alles nur noch schlimmer mache, sagte er schon Mitte April vor dem Kongress. An dieser Einschätzung hat sich wohl kaum etwas geändert, auch wenn der öffentliche Druck mit jedem Massaker in Syrien steigt. US-Präsident Obama will sein Land vor der Wahl nicht in einen Krieg führen, schon gar nicht in ein strategisches Minenfeld wie Syrien, dessen Regierung nicht nur mit dem Iran, sondern auch mit den Hisbollah-Milizen im Libanon eng verbunden ist. Und die Europäer, denen schon in Libyen die Munition ausgegangen ist, sind mit der Eurokrise beschäftigt. Russland blockt inzwischen im Sicherheitsrat mit China Sanktionen gegen Syrien ab. Moskau fürchtet um seinen letzten Brückenkopf im Nahen Osten, seinen Marinestützpunkt in Tartus. Die Russen ahnen: Stürzt Assad, werden auch sie vertrieben.

Kreml-Chef Putin glaubt nicht an eine geordnete Machtübergabe in Syrien, wie sie UN-Sondervermittler Annan als einzigen Ausweg sieht. Auch diese Analyse dürfte zutreffen. Der Assad-Clan stützt sich auf die alawitische Minderheit. Zerbricht das System, wird wohl die islamistische Speerspitze der sunnitischen Mehrheit das Kommando übernehmen – und sich an den Alawiten für Jahrzehnte der Unterdrückung rächen.

Verbrannte Erde. Indem Assad den alawitischen Shabbiha-Mörderbanden nun freie Hand lässt, bindet er die herrschende Volksgruppe noch stärker an sich. Und er will damit paradoxerweise auch den Westen abschrecken. Denn wer sich auf eine Intervention einlässt, trägt Verantwortung und damit auch für das zu befürchtende Chaos in einer Post-Assad-Ära. Syriens Diktator schürt den Bürgerkrieg, um sich an der Macht zu halten.

9000 Menschenleben hat die Syrien-Krise in den vergangenen 15 Monaten gekostet. Es ist Zeit, sich von der Illusion zu verabschieden, dass Assad einem Ausgleich mit seinen Gegnern zustimmen könnte. Der Mann will verbrannte Erde hinterlassen, kein geeintes Land. Annans Friedensplan war gut gemeint, aber Zeitverschwendung. Der Westen hat drei Möglichkeiten: Erstens sich heraushalten und hoffen, dass sich das Problem von selbst löst. Das kann blutig werden, wie sich gezeigt hat. Zweitens können Europa und die USA weiter auf Moskau einreden, Sanktionen zuzustimmen, zumindest einem Waffenembargo. Auch diese Hoffnung hat sich bisher als trügerisch erwiesen. Als dritte Option bleibt die militärische. Der Westen sollte sich darauf vorbereiten. Denn solange diese Drohkulisse nicht glaubhaft steht, wird Assad nicht ans Aufgeben denken.

christian.ultsch@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.06.2012)

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31 Kommentare
 
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Einseitige Berichterstattung westlicher Medien!

Eine Reihe von Führungskräften und Journalisten des TV Senders Al Jazeera haben ihren Rücktritt erklärt, weil sie die einseitige Berichterstattung nicht mehr ertragen können. Der Sender Al-Jazeera wird von der Katarischen Herscherfamilie mit sehr viel Geld unterstützt.
Der Emir von Katar unterstützt ebenso die Rebellen gegen die syrische Regierung von Baschar al - Assad und liefert wie im Fall Libyen Waffen, Berater und Geld an die Rebellen in Syrien.

Gast: beschwerer
10.06.2012 19:34
0 0

eine ultsch-analye

ist morgen schon überholt, dann macht er halt eine neue. typischer politoge, kann nicht mal eine lampe wechseln.

Gast: noch einer
10.06.2012 18:47
0 0

Alternative Analysen

Es gibt heute durchaus auch die Möglichkeit
sich über die übliche PR hinaus zu informieren :

http://nuoviso.tv/nuoviso-filmproduktion/kriegsversprechen/554-kriegsversprechen-ii

Gast: b754
10.06.2012 15:42
0 1

das wäre doch wieder eine aufgabe für die fpö die schreckt ja vor nichts zurück


Gast: super
10.06.2012 13:54
1 0

übrigens...


aus gutinformirten kreisen, habe ich erfahren, dass herr ulblich unter den decknamen "logon" auf leserbriefe in bekannte manier antwortet.

Gast: super
10.06.2012 13:49
5 0

lieber herr ultsch


ich weiß zwar genauso wenig wie sie, was sich in syrien genau abspielt, aber ich mir sicher, dass ein alewitischer diktator noch besser ist, als ein fanatischer islamist.

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die selbstmordattentäter als demokratiebewegung :)

gerade irans einziger verbündeter ist der miese diktator und soll mit allen mitteln gestürzt werden. all die anderen diktatoren, die gemeinsam mit israel und usa syrien angreifen, also vor allem katar und saudi arabien, sind die guten.

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Kriegsphilosophie Ich ersuche darum, Herrn Ultsch

..nicht zu beleidigen.
Den hochintellektuellen und umfassend gebildeten Beitragsschreibern wird der Ausspruch des Philosophen Sir Karl Popper sicher ein Begriff sein: "Es ist manchmal notwendig,für den Frieden Krieg zu führen".
Der Redakteur befindet sich mit seiner Meinung also auf gleicher Ebene wie einer der bedeutendsten Philosophen des vorigen Jahrhunderts.

Antworten Gast: netter gast
10.06.2012 18:28
2 0

Re:

"Es ist manchmal notwendig,für den Frieden Krieg zu führen"

So haben noch alle Aggressoren argumentiert .

Vor gut 70 Jahren
wurden auch Österr., Tschechien , Polen,
die Franzosen .... befreit

Gast: BKM
10.06.2012 11:56
7 0

Nein, Herr Ultsch:

"Der Westen" hat in Syrien - wie übrigens auch in Afghanistan - militärisch nichts, aber auch gar nichts verloren (und noch weniger zu gewinnen). Das moralisierende Gelaber ist unerträglich. Wenn ein paar Verrückte glauben, sie müßten sich gegenseitig die Schädel einschlagen, dann sollen sie das tun. Und wer glaubt, man könne dort eine funktionierende Demokratie nach "westlichem" Muster installieren, der ist ein hoffnungsloser Träumer. MfG

Gast: zausl
10.06.2012 11:24
4 0

Sg. Herr Ultsch!

bitte besorgen's sich ein gewehr und fahren's hinunter, ansonsten müßte ich denken, sie sind nur ein dummschwätzer!

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Syriens bedrängter Diktator schürt den Bürgerkrieg

Bleiben sie bitte bei den Tatsachen. In Syrien war es bis vor einem Jahr ruhig und das Regime hatte ein ruhiges Leben. Natürlich gab es Korruption, haben wir auch, aber der Normalbürger hatte nichts zu befürchten. Später wurde der "Aufstand" von außen geschürt von den allseits bekannten Brandstiftern. Jetzt wo der Staat brennt alles Assad in die Schuhe zu schieben greift zu kurz.

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Meinungsänderung durch Bomben

Die UNO wie immer.Wie in Srebrenica.Blöd zuschauen,danach Leichen zählen,mit DNA-Proben Familienzuordnung durchführen und natürlich" zutiefst
betroffen" sein. Einem Volksmörder wie Assad ist durch Diplomatengeplapper nicht beizukommen.Überzeugen kann ihn nur eine Gewalt , die größer ist als die,die er selbst ausüben kann.Dazu gehören Präzisionsbomben auf seine Paläste etc. und überzeugter Dauerbeschuß seiner Lieblingsaufenthaltsorte.
Merke: Bomben können sehr gut argumentieren und ein Schuß sagt oft viel ,viel mehr als tausend Worte.

Re: Meinungsänderung durch Bomben

und ein paar 10.000 Tote als Kollateralschaden der "Präzisionsbomben" sind doch locker hinzunehmen, nicht wahr? ;-)

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Re: Re: Meinungsänderung durch Bomben

Ohne Präzisionsbomben sind auch schon 10.000 gestorben.

Re: Re: Re: Meinungsänderung durch Bomben

Ach, Sie unterscheiden zwischen Getöteten (durch "Böse") und Getöteten (durch "Gute")?
Ein interessanter Ansatz ;-)

Ein Agent outet sich

Christian Ultsch outet sich als Agent der CIA, seine Berichte sind schon an der Überschrift auffindbar.

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Re: Ein Agent outet sich

Scharf beobachtet!Er arbeitet nur mehr hobbyhalber bei der PRESSE, weil er als Agent der CIA zu unterbezahlt ist.

Journalismus aus der untersten Lade

Ohne Beweise werden Behauptungen aufgestellt und es wird zu einer Militärintervention aufgerufen. Ist dieser Redakteur bestochen, oder ist sein Hirn von Hass durchsetzt? Einseitige Propaganda pur, wie einst in der DDR, nur hier unter umgekehrten Vorzeichen.
Es ist offensichtlich, daß die Rebellen, wie zuvor in Lybien, von aussen unterstützt werden. Augenzeugen berichteten, daß in Houla Rebellen für das Massaker verantwortlich waren.
http://julius-hensel.com/2012/06/syrien-augenzeugenbericht-houla/
Dieser Propagandajournalismus, der nicht recherchiert sondern desinformiert, ist einer Presse unwürdig und entspricht dem Stil der Fellnerblattln. Cui bono? Richtig - Assads Sturz soll den Angriffskrieg auf den Iran für die Agressoren vereinfachen. Und dafür gibt sich die PRESSE, vor Fleischhacker ehemals eine Qaulitätszeitung, offensichtlich her.

0 7

Re: Journalismus aus der untersten Lade

Sehr richtig! Statt für eine Militärintervention einzutreten, sollte Herr Ultsch zwangsverpflichtet werden, bei Herrn Assad aufzukreuzen.Was Koffer Annan nicht gelungen ist, müßte ihm gelingen.Linkerhand ein Friedenstäubchen,zärtlich mit den Flügerln schlagend,rechts ein Friedenskerzerl,leidenschaftlich brennend.
Und Friede ist in Syrien.

Gast: spartacus
10.06.2012 07:17
11 0

Wieder ein unsäglicher Propagandaartikel von Ultsch

War Ultsch vor Ort? Hat er dort Zeugen befragt?
Sicherlich nicht. Die Bevölkerung flieht nach Damaskus und erzählt von Tötungen durch Rebellen. Den Wahrheitsgehalt kennen wir nicht. Wir wissen aber, wem der Abgang Assads nutzen würde. Den Christen sicherlich nicht.
Diese Art von "Journalismus" trägt die Handschrift von Diktaturen. Ultsch scheint karrierebewußt zu sein, und stellt sich auf die neuen Gegebenheiten bei uns ein. Armselig bleibt dieses Machwerk aber trotzdem - in jeder Hinsicht. Man würde dieses Niveau in "Österreich", "Heute" oder der "Krone" vermuten. Offensichtlich hat sich die PRESSE bereits dort angenähert. Wie schade!

Gast: Luzifer
10.06.2012 02:02
9 0

Wollen wir doch lieber vor der eigenen westl. Tür kehren:

Daß ausgerechnet Friedensnobel-Preisträger Obama die "Lizenz zum Töten" erteilt, indem er seine Feinde im Ausland hinterhältig, dh. ohne Gerichtsverfahren ermorden läßt, fällt sogar schon bürgerlichen Medien in Österreich, nämlich der steirischen "Kleinen Zeitung" auf!

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Re: Wollen wir doch lieber vor der eigenen westl. Tür kehren:

Ganz meine Meinung!
Die Drohnentötung ist ausgesprochen unfair!
Politisch korrekt wäre die Vorladung der Al-Quaida Terroristen ins Bezirksgericht Peshawar,Ladungszustellung durch den pakistanischen Geheimdienst.Adresse:Höhleneingang 4,Tora-Bora Massiv.
Diese Vorgangsweise würde meine Sehnsucht nach korrektem Umgang mit Frauenvergewaltigern,Schuldmädchenvergasern tief befriedigen.

Antworten Antworten Gast: netter gast
10.06.2012 18:24
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Re: Re: Wollen wir doch lieber vor der eigenen westl. Tür kehren:

"Höhleneingang 4,Tora-Bora Massiv."

Da war dann ja auch niemand .....

Gast: gehtsnoch
10.06.2012 00:07
9 0

billiger

billig-billiger-ul.sch

Der internationale T. ist nach vielen Stationen,
gut mit Finanzmittel ausgestattet ,
in Syrien am Werk .
Die syrische Regierung macht ,was sie zu machen hat ,sie setzt sich gegen den importierten T. zur Wehr .

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Re: billiger

Scharf analysiert!
Der bedauernswerte Assad muß sich und sein Volk gegen diese eingewanderten Terroristen schützen. Wie schlimm das Gedankengut dieser Bösen ist, merkt man schon daran, dass sie sogar Frauen,Kinder und sogar UN-Beobachter mit ihrem ätzenden Gift beeinflußen.Daher ist der bedauernswerte Landeschef gezwungen,mit Panzern und schwerer Artillerie gegen Frauen und Kinder vorzugehn.Wer von denen übrigbleibt,wird von gutmeinenden alawitischen Milizen mit Messern abgeschlachtet. Wie gesagt,zum Besten des syrischen Volkers!

 
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