21.05.2013 13:42 Merkliste 0

Brief an unsere neuen deutschen Freunde

CHRISTIAN ULTSCH (Die Presse)

Seit Königgrätz haben wir immer zu den anderen gehalten, wenn ihr Deutschen aufs Fußballfeld gelaufen seid. Jetzt könnt ihr ruhig Europameister werden. Dafür erwarten wir aber eine Gegenleistung.

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Liebe Deutsche, es hat sich vielleicht noch nicht ganz bis Usedom herumgesprochen, aber wir haben euch auf einmal lieb. Stellt euch vor, die Hälfte von uns hat gar nichts dagegen, wenn ihr Fußballeuropameister werdet. Und das Moussaka, das Özil, Khedira & Co. im Viertelfinale aus der griechischen Betonabwehr gemacht haben, finden die meisten von uns auch dufte. Die Griechen gehören raus aus der Euro, da sind wir uns ganz einig.

Mein eigener Sohn rennt seit Monaten ungeniert mit einem Lukas-Podolski-Leiberl durch die Gegend. Nicht jeden Tag natürlich. Er hat ja auch Trikots von Schalke, Bremen, Bayern-München und Gladbach. Vor ein paar Jahren wäre das in Österreich unmöglich gewesen. Verantwortungsbewusste Eltern hätten so etwas nicht geduldet. Ein Bub, ein Junge also, mit einem Berti-Vogts-Trikot im Park? Undenkbar! Wobei: Das wäre wahrscheinlich auch bei euch undenkbar gewesen – ein Berti-Vogts-Fan. Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie das früher war: Wenn die Deutschen gespielt haben, haben wir prinzipiell zu den anderen geholfen, egal, ob sie aus Albanien, Nordkorea oder der Sowjetunion gekommen sind. Und als ihr 1998 im Viertelfinale gegen Kroatien (0:3!) ausgeschieden seid, haben bei uns die Leute vor Freude auf der Straße getanzt.

Jetzt ist alles anders. Und das liegt nicht nur daran, dass Deutschland schöner spielt. Beckenbauer, Breitner und Müller waren ja auch keine Hydranten; trotzdem ist keine Sympathiekundgebung für die Weltmeister von 1974 überliefert. Nein, das geht tiefer. Die Jungen hassen euch Piefkes nicht mehr. Das kommt vom vielen Fernsehen. Na, und verändert habt ihr euch ja auch. Viel lockerer und entspannter seid ihr geworden, nicht mehr so steif und überkorrekt. Deshalb haben wir alle eure Gemeinheiten vergessen: Königgrätz, den Anschluss und so.

Früher haben wir über euch gelacht, weil ihr so humorlos wart. Aber jetzt lachen wir über eure Komiker. Manche finden sogar Atze Schröder lustig; man kann es auch übertreiben mit der Liebe zu euch. Wenn das so weitergeht, werden sich bald deutsch-österreichische Urlaubsgemeinschaften auf dem Ballermann bilden. Der neue Raiffeisen-Chef überlegt angeblich auch schon, ob er statt des Sauschädl-Essens einmal pro Jahr ein Eisbein-Essen gibt.

Liebe Deutsche, wir haben unsere Herzen geöffnet und auch schon viel getan für euch. Ihr wisst ja selbst, dass Jogi Löw sein Trainerhandwerk bei der Austria gelernt hat. Vielleicht könnt auch ihr uns einmal entgegenkommen. Seid bitte so nett, und gebt ein paar von unseren Kapazundern eine Chance. Der Faymann Werner zum Beispiel, den eure Kanzlerin schätzt, weil er ihr alles nachplappert, wäre ein super Wohnbaustadtrat für Düsseldorf; dort gibt es genug zu tun. Und unser Austropop-Titan Reinhard Fendrich passt sicher auch gut in Bohlens „Supertalent“-Jury. Und für Marko Arnautovic haltet bitte ein Plätzchen als Polizeisprecher in Bremen frei, aber erst nachdem er und Alaba euch aus der WM-Qualifikation geschossen haben. Wir haben euch ganz doll lieb, ehrlich.

christian.ultsch@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.06.2012)

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25 Kommentare
 
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Gast: Tschörmän
25.06.2012 17:42
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Nicht so eng sehen

Als Deutscher finde ich den Artikel nett und unterhaltsam. Wir haben gute Freunde in Graz, besuchen diese gerne und mir persönlich sind in Österreich noch nie Ressintements entgegen geschlagen. Warum auch? Man sollte nach vorne blicken und nicht immer alte "Feindschaften" pflegen..... in diesem Sinne

Gast: Beckloeffel
25.06.2012 13:02
0 0

Schublade

Der in diesem Zusammenhang notorische Rückgriff auf das Stichwort "Königgrätz" zeugt von beträchtlicher historischer Ignoranz.

In Königgrätz kämpfte Österreich als Führungsmacht des deutschen(!) Bundes unter schwarzrotgoldener(!) Flagge gegen Preußen.
Wenn man also den Begriff "Deutschland" in diesem Zusammenhang strapazieren will, dann ist nichts falscher als die Aussage, damals habe "Österreich gegen Deutschland" gekämpft. Wenn schon, dann hat Deutschland (unter österr. Führung) gegen Preußen gekämpft.

Ich habe nicht nachgezählt, aber ich wette darauf, dass der Großteil der Spieler des heutigen Löw-Teams aus Gebieten stammt, die im damaligen Krieg (zusammen mit Österreich) zur Verliererseite gehörten.


im wirklichen leben

ist halt die zeit der nationalstaaten vorbei.

nur ein paar gartenzwerge glauben nach wie vor, die welt höre auf am gartenzaun.

Also ich bin nach wie vor keine Deutschland-Fan,

weder im Fußball noch sonst wo. Kann es tatsächlich sein, dass uns Herrn Ultschs Privatmeinung zu einem noch dazu völlig trivialem Thema hier als Leitartikel der Sonntags-„Presse“ präsentiert wird?

Könnte es vielleicht sein,

dass die plötzliche Sympathie zu Deutschland nichts mit deren Spielstil zu tun hat sondern mit der Wirtschaftskrise?

Im Ernst, vor der Krise waren die Deutschen die Spießer. Wirtschaftlich stark, aber nicht besonders stark, im Osten gar nicht. Keine Lebenslust wie die tollen Südländer.
Aber plötzlich findet die Lebenslust der Südländer keiner mehr toll. Plötzlich ist sie peinlich. Eine Schwäche. Während die Deutschen plötzlich für Vernunft stehen, für Aufrichtigkeit und Vertrauenswürdigkeit.
Dazu kommt natürlich das Selbstbewusstsein. Stolzen Südländer jubelt man lieber zu als selbstkritischen Deutschen. Nun sind es die Deutschen, die den Kopf heben und stolz auf ihr Land sind, während die Südländer und Franzosen die Fahnen lieber im Schrank lassen.

DAS ist der Grund, weshalb die Leute mittlerweile zu Deutschland helfen. Sie wollen zu den Siegern gehören.

Re: Könnte es vielleicht sein,

Als Österreicher gehöre ich auch zu den Siegern und halte trotzdem den Deutschen die Daumen.
A pro pos: "Die Deutschen" wer ist das eigentlich? Bayern, Friesland, Rheinländer, Sachsen? Wie weit muß man entfernt sein um von "den Deutschen" zu sprechen?

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Ja, ja die Hitze

auch im Vorjahr, bei Sommerbeginn las ich ähnliche grantige Beiträge wie heute, hier. Die Schmerzgrenze beginnt wohl bei 30 Grad Celsius.

Gast: gastgats55
24.06.2012 13:23
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achtung

Lieber Herr Ultsch,

Hoffentlich rutschen Sie nicht auf Ihrer Schleimspur aus.

Antworten Gast: Beckloeffel
25.06.2012 13:26
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Re: achtung

Sie mögen Ihr liebgewordenes Ressentiment verbittert verteidigen, aber Sie müssen damit leben, dass es den historischen Zenit seiner Wirkung überschritten hat und dass der traditionelle antipiefkus austriacus eine aussterbende Spezies ist. Dass eine neue Generation solche Germanophobie nur noch kopfschüttelnd und naserümpfend als das erkennt, was sie ist: der zeitspezifische Ausdruck jenes Spießertums, das zu allen Zeiten eine passende Zielgruppe für sein Ressentiment findet und im gesellschaftlichen Konsens seiner Generation kultiviert.

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Re: achtung

Vielleicht haben Sie ein Quäntchen Humor und lesen zwischen den Zeilen.

Gast: spartacus
24.06.2012 09:00
8 0

Man muß halt Prioritäten setzen

da ist die aufklärungsbedürftige Rückendeckung von Strasser durch die Parteifreundin im Innenministerium ebensowenig ein Thema, wie der Waffengraf einen Leitartikel hergibt.
Normalerweise füllen solche Gschichtln wie der Brief an "unsere neuen deutschen Freunde das Sommerloch" - aber nicht als Leitartikel.
Was sind dagegen schon so Kleinigkeiten wie permanter Demokratieabbau durch Kompetenzverlagerungen nach Brüssel oder die Kapitalvernichtung zur automatisierten Bankenstützung? Österreich wird seine Souveränität abgeben - und der Presseleitartikel enthält nur sinnentleerte Platitüden.

Gast: Gastilein
24.06.2012 08:58
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Nein!

Mit Verlaub, ich helfe trotzdem zu den Mannschaften, die ich schon immer unterstützt habe, und bin nicht plötzlich für die "Jungs", nur weil das gerade der letzte Schrei zu sein scheint.
Also aufhören mit der Pauschalisierung und Schleimerei!

Und für Ultsch haltet in der Bildzeitung ein Platzerl frei - dort kann er weiterhin vorgegebene Artikel recherchefrei desinformierend abliefern


und wieder "kein kommentar" zur akte mensdorff...


...ist ja auch nicht so wichtig die ganze angelegenheit.

wichtiger ist schon eher mal einen kommentar über die deutschen vom stapel zu lassen, in dem u. sich vergeblich bemüht uns davon zu überzeugen, dass er geistreich und witzig auch sein kann.

am sonntag passiert hoffentlich noch irgendwas anderes, sonst wär' man ja gezwungen montags was über das korrupte system schüssel zu schreiben, und das ziemt sich nun doch nicht für dieses bürgerliche "qualitätsblatt".

ps: die spargelsaison ist zu ende, wäre das nicht auch mal einen kommentar wert? alles, nur nicht mensdorff, das regt stammleser bundeskanzler dr. sch. sonst zu sehr auf!

Re: und wieder "kein kommentar" zur akte mensdorff...

http://diepresse.com/home/politik/innenpolitik/732496/UAusschuss?_vl_backlink=/home/index.do

Muss jeder Kommentator darüber schreiben, oder nur Ultsch, oder was genau ist Ihr Anliegen?

Antworten Antworten Gast: gasrtgast12
24.06.2012 13:28
0 0

Re: Re: und wieder "kein kommentar" zur akte mensdorff...

was erwarten Sie von einem rueckgratlosen,
nur auf seinen Vorteil bedachten Menschen?

er schleimt bei denen die gerade Oberwasser haben.

Antworten Antworten Gast: lèoville
24.06.2012 08:31
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Re: Re: und wieder "kein kommentar" zur akte mensdorff...

Natürlich ist ein kritischer Leitartikel zu dieser Thematik vom Leser einzufordern.
Daß aber gerade Ultsch damit kraß überfordert wäre, ist offensichtlich.
Es ist für das Niveau der Presse bezeichnend, daß ein derartiger Journalist als Leitartikler Platitüden abliefert oder aber, viel schlimmer, Kriegshetze betreibt.

Gast: Karsten 75
23.06.2012 22:22
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Unsinn

1866 hat der DEUTSCHE BUND gegen Preussen
gekämpft. Éin tragisches Ereignis unserer Geschichte, dass neben der Restauration 1849 dazu beigetragen hat, indirekt durch nein gestörtes Volksemofinden die Katastrophen des 20.Jahrhunderts auszulösen. Diese alberne Fussball - HUmoristen sind wohl eher Staatsräisonisten ;-)))

Gast: Vogel Strauss
23.06.2012 20:23
2 1

Vor allem hängen wir an der Merkel'schen Euro-Politik

Weil in unserer Regierung ja angeblich keine Männer sind und die Schottermitzi der einzige Mann ist, hängen wir - das tumbe Volk - sehr an der Härte von Frau Merkel. Möge sie den Einflüsterungen des vereinten Club Med noch lange widerstehen!!!

Gast: b754
23.06.2012 18:40
3 12

also die deutschen sind die letzten die europameister werden sollen


Antworten Gast: Warum?
24.06.2012 05:05
3 2

Re: also die deutschen sind die letzten die europameister werden sollen

Weil Sie, b754, ein "ignorantes, kleines Ars chgeigerl" (Zitat Dorfer) sind?

Antworten Gast: gastnamw
23.06.2012 23:04
2 2

Re: also die deutschen sind die letzten die europameister werden sollen

erneut beeindruckend ...

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Re: also die deutschen sind die letzten die europameister werden sollen

rassist!

Antworten Antworten Gast: Gastilein
24.06.2012 08:56
1 2

Re: Re: also die deutschen sind die letzten die europameister werden sollen

Ach, seit wann sind Deutsche bitte eine eigene Rasse?

Und falls Sie es noch nicht mitbekommen haben. Laut gängiger Definition des Begriffes Rassismus in den USA, ist es sowieso unmöglich, gegen Weiße rassistisch zu sein. Nicht dass ich diese Definition vertreten würde, aber sehen Sie sich einmal in den Internetforen zu racism und social justice um (dazu dient tumblr) und Sie werden staunen.

Re: Re: Re: also die deutschen sind die letzten die europameister werden sollen

Diesen dummen Deutschenhass haben wir selbstbewußten Österreicher doch gar nicht mehr nötig.

 
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