26.05.2013 03:12 Merkliste 0

Schönes neues Montiropa

CHRISTIAN ULTSCH (Die Presse)

In Montis elitärem Verständnis der EU stehen Parlamente beim Euro-Retten nur im Weg.

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Wer ein Feuer löschen will, kann vorher keine basisdemokratische Abstimmung darüber abhalten, wie viel Kubikmeter Wasser durch den Schlauch gepumpt werden soll. Dieser Logik folgend wandte sich Italiens oberster Brandmeister, Premier Mario Monti, dagegen, den Parlamenten allzu viel Mitspracherechte bei der Rettung des Euro einzuräumen. Wenn sich Regierungen durch Vorgaben ihrer Parlamente binden ließen und keinen Verhandlungsspielraum hätten, wäre „das Auseinanderbrechen Europas“ wahrscheinlicher als eine engere Integration, sagte er zum Nachrichtenmagazin „Spiegel“.

Man muss dem Professor für seine ehrlichen Worte dankbar sein. Denn besser ließe sich das mangelnde Demokratiebewusstsein der EU-Eliten kaum auf den Punkt bringen. Monti und andere aufgeklärte Herrscher meinen es sicher gut. Doch ihr Politikverständnis ist irgendwo zwischen Techno- und Autokratie angesiedelt. Wie sonst könnte Italiens Premier ernsthaft dozieren, dass jede Regierung die Pflicht habe, das Parlament zu erziehen? In „Montiropa“ geht die Macht nicht einmal mehr rhetorisch vom Volk aus. Da stehen Bürger und Parlamente beim Euro-Retten nur noch im Weg.

Es stimmt schon, dass demokratische Prozesse langwierig sein können. Doch sie haben den unschätzbaren Vorteil, demokratisch zu sein. Wenn unter dem Diktat der Krise demokratische und rechtsstaatliche Institutionen an den Rand gedrängt werden, könnte das dem Projekt Europa langfristig mehr schaden als die eine oder andere Verzögerung bei Euro-Entscheidungen. Ganz abgesehen davon, dass der europäische Feuerwehrtrupp auch drei Jahre nach den ersten griechischen Rauchzeichen nicht den Eindruck erweckt, so ganz genau zu wissen, wie der Flächenbrand in Euroland eingedämmt werden kann.

 

christian.ultsch@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.08.2012)

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28 Kommentare
 
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Monti ein wahrlich mutiger Staats-Chef


Gast: nano 2
07.08.2012 16:18
2 0

Raus

aus diesem Sauhaufen. Die europäische Gesellschaft hat sich über Jahrzehnte die Demokratie blutig erkämpft. Die Südländer wollen den Nordländern ihren Willen aufzwingen, so kann Europa nicht funktionieren.

Monti war unterwegs

und besuchte Hollande und Rajoy mit einer klaren Absicht. Da die "Nordländer" nicht bereit sind, den Schuldenwahn weiterhin zu unterstützen, beschlossen also diese ehrenwerten Herren das Ruder in die Hand zu nehmen und Europa auf ihren Kurs zu bringen. Signor Draghi winkte ihnen mit dem Zaunpfahl zu und schon fanden sich weitere Freunde (rote und grüneGenossen) auch in den Nordländern, die den Südländern ihre Zustimmung signalisierten. Die Macht der Schuldenmacher und deren Unterstützer wird nun immer größer und sie sind bereit, für ihre Gesinnung und ihre Visionen alle Brandmauern niederzureißen. Das Feuer der nun verbrennenden Euroscheine wird früher oder später um sich greifen und ganz Europa erfassen und die selbsternannten linken Euroretter werden das Feuer dann mit Benzin zu löschen versuchen. Der Wahnsinn ist somit prolongiert und zurück bleibt verbrannte Erde. Das sind nicht Geschichten aus tausend und einer Nacht, das wird die Realität sein und nachher wird man sich die Schuld daran gegenseitig zuschieben. Aber dann wird es zuspät sein. Gute Nach Europa.......

Antworten Gast: Salatkopf
07.08.2012 16:11
0 3

Re: Monti war unterwegs

Ist ihnen langweilig oder geilt sie das einfach nur so an?

Die Aufrüstung gehört dazu?

Ist es wirklich Zufall, dass die Europäischen Exekutiven (Kommission, Regierungen) ihren demokratischen Unterbau abstreifen wollen und gleichzeitig die Sicherheitsapparate unter ständiger Terrordrohung rapide ausbauen? Fürchten sie den Punkt, an dem der Bürger sein Recht nur mehr mit der Waffe wird fordern wird könnnen?

Dann hätten ironischer Weise wir in Europa jene Zustände, deren Beschwörung in den USA von uns als Spinnerei belächelt wird.

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Geringschätzung der Bürger

Herr Monti bestätigt was sich in den letzten Jahren abzeichnet: dass diese EU sich zu einer politischen Perversion entwickelt hat: das Volk soll die Goschn haltn. Das Projekt Europa ist im Zerfall begriffen, nicht zuletzt dank solcher Figuren wie Monti, die offen ihre Geringschätzung der Volksvertretung und damit die Geringschätzung der Bürger artikulieren.

Gast: Held der Arbeit
07.08.2012 13:20
3 0

Monti spricht doch nur aus

was sich sämtliche Politiker denken und was sie schon seit Jahren versuchen, über das Vehikel EU umzusetzen: völlige Entmachtung des Volks als Souverän und Herstellung einer absoluten Beamtokratie. Dafür gebührt Herrn Monti Anerkennung.

Gast: Bilderbergers Albtraum
07.08.2012 13:02
3 0

Montiropa

Die EU ist und war immer ein Projekt der gesellschaftlich-wirtschaftlich-politischen Eliten.
Da die elitäre Entscheidungsfindung natürgemäss nur von wenigen abhängt, ist sie daher nicht mit basisdemokratischen Prozessen vereinbar.
Die ganze Krise hat nur den Zweck die Menschen reif für die politsche Union / Vereinigte Staaten von Europa zu machen.
Auch die Macher der Qualitätsmedien wissen dies ganze genau.
Die Tränen die hier um die Demokartie vergossen werden, sind leider nur reine Heuchelei.

4 0

Nur ist

der Spielraum der Feuerwehr durch Realität und vorausschauende Regelungen festgelegt. Die Realität begrenzt die Löschmittel, die vorausschauenden Regelungen den möglichen Schaden. Beide Begrenzungen gibt es in der derzeitigen Eurokrise nicht, vorausschauende Regelungen hat keiner getroffen und das Löschmittel (nach Monti ist das der Ankauf von Staatsanleihen durch die EZB) soll plötzlich unbegrenzt sein.

Monti

erinnert an Goebbels der in einem Interview mit einer amerikanischen Journalistin über die Schwächen einer demokratischen Regierung genau die gleichen Argumente hervorbrachte wie Monti es jetzt tut.
Hat Monti nicht einmal Machiavelli gelesen? Sogar dieser meinte, ein Fürst könne, sollte durchaus autoritär regieren. Es sei aber unerlässlich bei wichtigen Entscheidungen die Meinung des gemeinen Volkes einzubinden, zu berücksichtigen. Tut er das nicht, wird ihm das Volk eines Tages die Kehle durchschneiden.
Europa "Quo vadis?"
Welche Probleme werden wir in Zukunft haben? Etwa; "Sollen wir Monti höher hängen oder mit dem Kopf nach unten wie Mussolini?"
Schön langsam wird mir schlecht.

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Steht nun nach

den Ermächtigungsgesetzen 1933 in Deutschland und 1934 in Österreich nun ein drittes vielleicht 2012 an?

Re: Steht nun nach

Das Ermächtigungsgesetz 2012 wurde durch die Ratifizierung des ESM bereits beschlossen.

Die einzige Hoffnung (wenn auch eine Kleine) ist das deutsche Verfassungsgericht in Karlsruhe.

Re: Steht nun nach

genau das wollte ich auch gerade schreiben

nur, dass es dieses Mal eine EU-Verordnung sein wird.

Getarnt durch einen coolen Titel (gibts da eigentlich extra Leute, die dafür bezahlt werden, sich diesen schmarrn ständig auszudenken? das frage ich als Jurist...): Vorschlag:

"Verordnung zur Aufwertung der politischen Entscheidungsfähigkeit indirekt legitimierter Organe und Durchführungsverordnung zu Administration und Organisation notwendiger Maßnahmen im Ausnahmefall"

oder Österreichisch:

"Budgetbegleitverordnung"

ist das schon der neue stil der presse?

schellhorns demonstrationen seines volkswirtschaftlichen unverstandes sind out?
kommt jetzt die liebe zur basisdemokratie?

lieber hr. ultsch: den depperln nach dem maul reden, das kann die krone um vieles besser. mit dieser methode werdet ihr daher die auflage nicht steigern.

überlegt euch lieber einen anderen weg, falls ihr den weg aufs AMS vermeiden wollt!

Wahre Worte

Ultsch spricht einmal aus, was Sache ist. Allerdings ist die Demokratie durch den Beschluss zum ESM ohne Volksabstimmung bereits jetzt zu einer Dirne für die Banken verkommen. Unter tatkräftiger Mitwirkung von Heinz Fischer, der diesen Vertrag ohne vorhergehende eingehnde Prüfung durch den Verfassungsgerichtshof eilfertigst unterzeichnet hat.

Ausschaltung der Demokratie, um den Weg des Wahnsinns weiter beschreiten zu können...

Die Maastricht-Kriterien wurden verletzt, das No-Bailout-Verbot wurde gebrochen und die EZB kauft zuhauf faule Staatsanleihen, was sie nicht darf. Die EZB ist nunmehr in Wahrheit pleite und die Bevölkerung ist auch nicht länger anzuschwindeln (trotz heftiger Propaganda der "Prawda"). Bei einer Volksabstimmung wäre schon eine breite Mehrheit gegen diese EU. Wird das Volk durch die Parlamente ausgeschaltet, so werden die Parlamente durch die EU ausgeschaltet. Sowjetunion reloadet. Was kommt als nächstes? Ausgehverbote? Eiserner Vorhang, damit die Leute nicht mehr flüchten können?

Re: Ausschaltung der Demokratie, um den Weg des Wahnsinns weiter beschreiten zu können...


Als nächstes kommt Kontrolle des www.

http://www.pressetext.com/news/20120806021

Re:

Ah, reloaded natürlich..

Gast: Tourist
06.08.2012 23:55
1 14

Laut Times, der einzige der noch Europa retten kann

bevor Merkel den Karren entgueltig an die Wand faehrt.

Re: Laut Times, der einzige der noch Europa retten kann

Da Sie offenbar Tourist sind, empfehle ich Ihnen, sich selbst dahin zu retten wo Sie herkommen.

14 0

Wann kommt ...


... der Befreiungsschlag, die Revolution gegen Brüssel?

Dauert es so lange wie der Zerfall des Sowjetreiches, der Fall der Mauer?

Da blühen uns ja noch schöne Dinge.

Den Massen ist es egal. Sie sind für maximale Sozialsicherheit und gegen den Kapitalismus. Dafür nehmen sie auch Gesinnungsdiktatur und Unterdrückung in Kauf.

Ich hoffe, einigen Postern ist jetzt klar ...

... dass dss Wort EUdSSR zu keinem Zeitpunkt ein Scherz war oder eine Übertreibung darstellte.

9 0

Wer ein Feuer löschen will, kann vorher keine basisdemokratische Abstimmung darüber abhalten, wie viel Kubikmeter Wasser durch den Schlauch gepumpt werden soll.

Wenn die Feuerwehrmänner aber in blindem Eifer sämtliche noch verbleibende Trinkwasserbestände zum Löschen in den Wald kippen wollen muss man sie stoppen.

Und wenn sie die Hydranten nutzen,

um die Swimmingpools ihrer Freunde zu füllen, erst recht.

Gast: die Frage ist
06.08.2012 21:47
3 0

Was macht ein Goldman Sachs-Mann in einem verschuldeten Land?

Was macht ein Bock im Krautgarten?

Antworten Gast: Antwort ist
07.08.2012 09:31
1 1

Re: Was macht ein Goldman Sachs-Mann in einem verschuldeten Land?

Was macht ein Monti im Mafialand?Eher, was sollte er dort machen?Vielleicht einmal
aufräumen,ganz unten beginnen,dann sehr sorgfältig Rom behandeln und dann weiter nach Norden und dabei die Jachten
nicht vergessen.

 
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