20.06.2013 05:14 Merkliste 0

Das Faustrecht des Staates

MATTHIAS AUER (Die Presse)

Deutschland kauft wieder eine Steuer-CD. Eine unsinnige Verbrüderung mit Dieben.

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Eigentlich ist es einfach: Wer sein Geld illegal ins Ausland schafft, um Steuern zu sparen, begeht ein Verbrechen. Der Staat muss versuchen, den Schaden an der Allgemeinheit zu begrenzen und die Übeltäter zu erwischen. Aber wie weit darf eine Regierung dafür gehen? Wo hört die Notwehr des Fiskus auf? Wo beginnt das Faustrecht des Staates?

Deutschlands Taktik, Millionen Euro für geklaute Daten von Steuerflüchtlingen auf den Tisch zu legen, geht wohl zu weit. Schließlich hat es Berlin hier nicht mit idealistischen Aufdeckern zu tun. Was würde die Datenlieferanten sonst daran hindern, die CDs still, heimlich und vor allem gratis beim Finanzministerium abzugeben? Berlin hat es mit Dieben zu tun, die für ihre „Leistung“ gut bezahlt werden wollen. Auch Österreich ist in der Zwickmühle. Wie 2008 wird auch die CD Namen von Österreichern enthalten. Wie 2008 wird Wien keinen Cent dafür bezahlen (müssen), um die Daten zu erhalten. Die Deutschen machen sich die Finger schmutzig, und wir profitieren.

Das ist moralisch bedenklich. Zum Glück muss sich Wien darüber bald keine Gedanken mehr machen. Ab 2013 will die Schweiz eine Abgeltung und Kapitalertragssteuern für Schwarzgeld abführen. Dann kann der Fiskus leichten Herzens auf Daten vom Schwarzmarkt verzichten.

 

matthias.auer@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.08.2012)

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23 Kommentare
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Notwehr

Wie sehr Steuerhinterzieher einem Staat zusetzen können sieht man derzeit in Griechenland.
Es muss eine Möglichkeit für den Staat geben gegen Steuerkriminelle, die durch die Bankverschwiegenheit geschützt werden, vorzugehen.
Das Notwehrrecht ist ein in Rechtsstaaten durchwegs anerkanntes REcht!!

Gast: Christlch-Sozialer
10.08.2012 14:49
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Unglaublich wie viele sich hier mit Steuerkriminellen verbrüdern

Unglaublich, wie viele sich hier mit den Steuerhinterziehern solidarisieren ... und dieser Hass auf den Staat. Und natürlich sind alle die Steuerhinterzieher verfolgen wollen Rote.
Ich bin ein Schwarzer, ein Christlich-Sozialer, dass das klar ist. Und Steuern zu zahlen ist Bürgerpflicht. Die Reichen sollen entsprechend ihrer Leistungsfähigkeit mehr zahlen. Und wer Steuern in diesem Ausmaß hinterzieht gehört steng bestraft - Nachzahlung + saftige Strafe !!! Staaten haben sich immer der Geheimdienste bedient und der Kronzeugen. Wenn es nur mit dem Kauf von Steuer-CDs geht, dann muss das so gemacht werden. Und das Bankgeheimis muss weg - dann braucht es auch keine Ankäufe mehr!

Re: Unglaublich wie viele sich hier mit Steuerkriminellen verbrüdern

"Wenn das nur mit **** geht, dann muss das so gemacht werden" ist einer der unheilvollsten Sätze in der Geschichte.
Und es ist keine Steuer-CD, sondern eine CD mit personenbezogenen Daten von allen möglichen Personen, unter denen höchstwahrscheinlich Steuerbetrüger sind, aber sicher nicht alle. Generalverdacht?

Steuerhinterziehung ist auch kein Privileg der Reichen. Es gibt zigtausende Österreicher die per Schwarzarbeit (aktiv oder passiv) Steuern hinterzogen haben. Die alle zu erwischen geht auch nicht so leicht, aber wir könnten damit anfangen der Polizei zu erlauben Telefonleitungen anzuzapfen, Wanzen in Wohnungen zu verstecken und dergleichen. Vermutlich hat man dann eine recht gute Chance viele Leute zu erwischen, die schwarz eine Putzfrau beschäftigen oder etwas in der Art. Und das alles ohne gesetzliche Grundlage.
Wer etwas dagegen hat solidarisiert sich mit Steuerhinterziehern!

Re: Unglaublich wie viele sich hier mit Steuerkriminellen verbrüdern

Welches Bankgeheimnis?
Sie meinen die Nummernkonten? Dort steht eh kein Name dahinter und somit sind die ggfs. beschafften Daten in diesem Punkt ohnehin wertlos.

Gast: M. Bacher
10.08.2012 08:19
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Sehr guter Artikel!

Unrecht durch Unrecht zu bekämpfen widerspricht jedem Rechtsverständnis und dem dadurch vergewaltigten Rechtsstaat, dem damit jede Legitimation genommen wird, Recht zu sprechen.

Gast: Tourist
10.08.2012 00:53
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Die Reichen haben genug gezahlt

Selbst wenn ein Reicher nur 1% Steuern zahlen wuerde, wuerde er immer noch mehr zahlen wie die Billaangestellte. Und wer bitte finaziert den die Eurokrise? Die Reichen.

Das ist Klassenkampf. Recht hat der Autor.

Antworten Gast: Christlich-Sozialer
10.08.2012 14:55
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Re: Die Reichen haben genug gezahlt

Haben Sie schon was vom Leistungsfähigkeitsprinzip gehört? Wenn Sie der Billa-Angestellten 50 % ihres Gehalts wegsteuern kann sie davon nicht mehr leben!
Wenn sie jemanden der 3 Mio. im Jahr verdient 1,5 Mio. wegsteuern hat er immer noch zu viel - 125.000 im Monat! So viel kann die Arbeit von niemandem Wert sein. Die wahren Leistungsträger sind die Arbeiter, die Bauern, die mittleren Angestellten - nicht die paar Manager, die sich die Posten gegenseitig zuschieben zu Höchstgehältern.
Und durch normale Arbeit is noch keiner zu einem Millionenvermögen gekommen - nur durch Erben, Spekulieren ...

Antworten Antworten Gast: Tourist
10.08.2012 20:16
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Re: Re: Die Reichen haben genug gezahlt

Erklaeren Sie das denen, die mir gruen gegeben haben.

Gast: Gottfried Ganzker
09.08.2012 22:13
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Verbrüderung mit Dieben ?

Von Verbrüderung kann doch wirklich nicht die Rede sein. Es ist eine aus der Not geborene Zweckgemeinschaft.

In der Kriminalitätsbekämpfung übrigens nichts außergewöhnliches, sondern weltweit üblich. Ohne Zusammenarbeit mit kooperativen Kriminellen - die natürlich fast nie uneigennützig handeln - würden nicht halb so viele Verbrecher gefasst werden, als wie es der Fall ist. Man benötigt den Blick in das Innere der kriminellen Einrichtung - was naturgemäß recht schwer ist, wenn sich ein Staat aus Profitgier schützend davor stellt.

Befremdlich ist es lediglich, wenn sich in diesem besonderen Fall Leute plötzlich gegen die übliche effiziente Kriminalitätsbekämpfung wenden. Bei Mördern, Räubern und Kinderschändern geschieht dergleichen nie!

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Re: Verbrüderung mit Dieben ?

Die Reichen werden sich das Geld von den Kleinen Leuten zurückholen (niedrigere Löhne,weniger Personal usw.) während der Staat diese Einnahmen sowieso verschleudert

Re: Verbrüderung mit Dieben ?

Üblich ist vor allem, dass man bei kooperativen Kriminellen auf einen Teil oder die gesamte Strafe verzichtet, und selbst das ist - je nach Ausmaß - durchaus nicht so unumstritten.

Es ist aber etwas völlig anderes als eine Belohnung, weil sich durch den Verzicht auf einen Teil der Strafe die Tat nicht lohnt.
Niemand wird jemals eine Straftat extra deswegen begehen um Kronzeuge werden zu dürfen. Aber Daten veruntreuen um Millionen dafür zu bekommen, das ist schon etwas ganz anderes.
Im Fall der Steuerbetrüger-CD tritt der Staat als Hehler und Anstifter auf. Wo bitte gibt's Vergleichbares bei Mördern, Räubern oder Kinderschändern? Und auch noch der breiten Öffentlichkeit bekannt und unumstritten?

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tja

ich weiss es nicht, das stimmt alles nicht, sonst haetten die zeitungen schon laengst steuertips gegeben, aber so wird glaub ich nur etwas vorgeschoben, dass es so gar nicht gibt... aber frueher haette ich auch gedacht alle anderen haben sehr sehr viel geld und sind superreich, bin zwar kein profi - muss es aber sein!

Gast: almöhi
09.08.2012 20:36
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da kommen einem ja die Tränen,

sowas von unmoralisch, diese bösen Deutschen, da haben wirs besser, die Fekter passt schon auf,dass den Gaunern möglichst nichts passiert.
Ja, so sind sie,die Christlichen.

Eine unsinnige Verbrüderung mit Dieben.

Anders ist dieses steuerschonende Gangsterpack halt nicht zu fassen!

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Re: Eine unsinnige Verbrüderung mit Dieben.

Wenn es nur darauf ankommt können Sie auch schwere Folter bei Steuerprüfungen einsetzen.
Oder wenn Ihnen das zu archaisch ist: Vorratsdatenspeicherung, zufällige Hausdurchsuchungen und ein Polizist pro Bürger, der ihm den ganzen Tag lang über die Schulter schaut.
Wir denken über die Mittel garnicht mehr nach, so lange nur der Zweck stimmt.

Antworten Gast: Hansi Hüpfer
09.08.2012 20:46
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Re: Eine unsinnige Verbrüderung mit Dieben.

Ja die CD Diebe und die Hehler, die das Geld weiterverschachern, gehören gefasst und sind unbarmherzig zu bestrafen. Wenn die öffentliche Hand als Hehler verkommt, muss es sich dabei um Rote handeln. Die wollten immer schon an der Arbeit anderer parasitieren.

Selbst Schwarzgeld in der Schweiz?

Verbrecher gehören verfolgt. Wer das verhindern möchte muss mit der Vermutung leben, selbst Dreck am Stecken zu haben.

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Re: Selbst Schwarzgeld in der Schweiz?

Genau, Verbrecher gehören verfolgt und nicht bezahlt! Möchte wissen, wie Sie reagieren, wenn jemand Ihre Bankdaten verhökert. Oder Ihre Gesundheitsdaten! Oder Ihre Netzzugriffe und Downloads! Oder die Telefonnummer Ihrer Frau/Freundin! Oder die von Ihrem Navi aufgezeichneten Geschwindigkeitsübertretungen!

Antworten Antworten Gast: Wien18
10.08.2012 10:33
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Re: Re: Selbst Schwarzgeld in der Schweiz?

Wie ich reagieren würde, wenn jemand meine Bankdaten an den österreichischen Staat verhökert?

Völlig egal, der hat diese Daten ohnehin, da ich Steuern gesetzmäßig bezahle. Depots sind gemeldet und Erträge werden besteuert. Grundstücke und Immobilien detto. So sollte das auch laufen - transparent.

Wer Angst davor hat, hat offenbar Dreck am Stecken.


Re: Re: Re: Selbst Schwarzgeld in der Schweiz?

Wenn Sie Steuern gesetzmäßig bezahlen kennt der Staat deswegen noch lange nicht alle ihre Bankdaten.
Mit dem selben Argument könnte man übrigens auch jeglichen anderen Schutz aushebeln. Warum sollten Polizisten nicht jederzeit ohne Grund und gerichtliche Genehmigung Ihre Wohnung durchsuchen dürfen?

Wobei es hier ja deutlich schlimmer ist. Es durchsucht ja gerade nicht die Polizei, weil die nämlich nicht darf. An dem Verbot wird aber auch nicht gerüttelt. Aber es kriegt halt jemand, der privat bei Ihnen einbricht und Ihre Sachen durchwühlt, von der Polizei eine Belohnung wenn er alles was er so findet abfotografiert und die Fotos abgibt. Damit haben wir das Verbot umgangen und alle freuen sich, weil ja sowieso niemandem was passiert, der nicht Dreck am Stecken hat.

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Re: Re: Re: Selbst Schwarzgeld in der Schweiz?

Und wie groß ist dann der Schritt, die Bankdaten nicht nur an Staaten, sondern auch an Hacker etc. zu verkaufen?
Und argumentieren können Sie nur bei den Bankdaten, bei den anderen genannten Beispielen hätten wohl viele ein echtes Problem.

Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: Wien18
10.08.2012 12:27
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Re: Re: Re: Re: Selbst Schwarzgeld in der Schweiz?

Es geht hier nur um Bankdaten.

Und dass die Diebe die Daten an andere als an staaten verkaufen?
Ja, kann sein, aber ist das nicht eher ein argument, dass der Staat der Käufer sein sollte?

Re: Re: Re: Re: Re: Selbst Schwarzgeld in der Schweiz?

schon mal davon gehört, dass man einen datenträger kopieren kann? wenn die daten an den staat verkauft werden, kann es leicht sein, dass die selben daten auch an andere interessenten verkauft werden...

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