Es ist ein bisschen wie beim olympischen Bahnradfahren, genauer gesagt wie beim Sprinten. Da betasten sich die beiden Gegner erst einige Runden lang im gemäßigten Tempo, bevor sie kurz vor Schluss so richtig in die Pedale treten. Als Erster kommt durch das Ziel, wer im richtigen Moment davonzieht.
Wer die jüngsten Äußerungen deutscher Politiker verfolgt hat, der merkt, dass sie gerade deutlich an Geschwindigkeit zulegen. Es ist schließlich die dritte von vier Runden: Im Herbst 2013 wird gewählt. Auf dem einen Rad sitzt FDP-Wirtschaftsminister Philipp Rösler. Der Mediziner wird nicht müde zu betonen, wie „enttäuscht“ er über die griechischen Reformbemühungen ist. Er weiß, wie sehr es die Deutschen schmerzt, ihr sauer verdientes Geld in Richtung Balkan zu schicken. Bei Umfragewerten von unter fünf Prozent ein verständlicher Flirt mit dem Populismus.
Von links außen nähert sich jedoch SPD-Chef Sigmar Gabriel. Im Radio bezichtigte er die Schweizer Banken gerade der organisierten Kriminalität, weil sie „bandenmäßig“ Steuern hinterziehen würden. Gabriel ist zu beneiden: Selten waren Gut und Böse aus Sicht des Steuerzahlers so klar voneinander zu trennen. Von seinem üblichen Banken-Bashing heißt es, er habe damit in der Partei „einen Nerv getroffen“.
In den Umfragen hat er Rösler schon deutlich hinter sich gelassen. Nächsten Herbst könnte sich seine Strategie als goldrichtig erweisen.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.08.2012)















