Es gibt sie immer wieder, diese Unbelehrbaren, die sich mit der österreichischen Realverfassung nicht abfinden wollen. Jetzt mischt sich auch der Eigentümer der Handelskette Dayli – vormals die Drogeriekette Schlecker – darunter. Er überlegt doch tatsächlich, einige Filialen auch sonntags aufzusperren. Ein paar Stehtische, eine Kaffeemaschine, eine Wirtshauskonzession – und schon sei die Sache geritzt. Ist sie aber nicht. Weil die Sonntagsöffnung im Handel in diesem Land nicht anhand klarer gesetzlicher Richtlinien geregelt ist, sondern nach politischer Willkür. Diese Willkür nennt sich dann „Ausnahmeregelung“ und findet in Tourismuszonen, auf Bahnhöfen oder Flughäfen statt. Wien ist übrigens das Bundesland mit den höchsten Zuwächsen im Tourismus und den schärfsten Repressalien gegen illegale Sonntagsarbeiter.
Böse Zungen behaupten allerdings, dass es auch in Wien Menschen gibt, die gern sonntags arbeiten. Höheres Gehalt, Zeitausgleich, Kontakt zu Gleichgesinnten. Die Rede ist von den Sonntagskontrolloren des Wiener Marktamts.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.08.2012)















