22.05.2013 20:54 Merkliste 0

Immer wieder sonntags

GERHARD HOFER (Die Presse)

Die Sonntagsöffnung ist ein Akt politischer Willkür.

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Es gibt sie immer wieder, diese Unbelehrbaren, die sich mit der österreichischen Realverfassung nicht abfinden wollen. Jetzt mischt sich auch der Eigentümer der Handelskette Dayli – vormals die Drogeriekette Schlecker – darunter. Er überlegt doch tatsächlich, einige Filialen auch sonntags aufzusperren. Ein paar Stehtische, eine Kaffeemaschine, eine Wirtshauskonzession – und schon sei die Sache geritzt. Ist sie aber nicht. Weil die Sonntagsöffnung im Handel in diesem Land nicht anhand klarer gesetzlicher Richtlinien geregelt ist, sondern nach politischer Willkür. Diese Willkür nennt sich dann „Ausnahmeregelung“ und findet in Tourismuszonen, auf Bahnhöfen oder Flughäfen statt. Wien ist übrigens das Bundesland mit den höchsten Zuwächsen im Tourismus und den schärfsten Repressalien gegen illegale Sonntagsarbeiter.

Böse Zungen behaupten allerdings, dass es auch in Wien Menschen gibt, die gern sonntags arbeiten. Höheres Gehalt, Zeitausgleich, Kontakt zu Gleichgesinnten. Die Rede ist von den Sonntagskontrolloren des Wiener Marktamts.

 

gerhard.hofer@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.08.2012)

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9 Kommentare
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Die Sonntagsschließung ist ein Akt politischer Willkür!

Es mutet seltsam an, wenn ein Journalist, der zu Reflexion, Denken, Skepsis und Aufklärung verpflichtet sein sollte, politische Willkür hinter der Sonntagsöffnung sieht. Aber seine Zeitung soll man am,Sonntag schon kaufen und Lesen. Und dafür produziert man noch eine Extraausgabe für den Ruhetag. Allerdings können sich die Zeitungsausträger nicht über Kollektivvertragszuckerl freuen. Die haben nämlich gar keinen Vertrag, sondern malochen wie sonst niemand in dieser Republik unter Bedingungen, die unter jeder Sau sind!

Wer will die Sonntagsöffnung wirklich?

Ganz sicher nicht die Angestellten! Denn ein Fünftel derer, die Überstunden machten, bekamen keinen Groschen dafür bezahlt! Und über den Druck, wer keine Sonntagsarbeit leistet, riskiert seinen Job, haben die Unternehmer ihre Belegschaft gerade heute fest im Griff. Wobei man noch etwas bedenken sollte: Keineswegs immer "rechnen" sich die Sonntagsstunden für den Unternehmer in form von Mehreinnahmen! Von der Hoffnung, daß ausgerechnet an einem Sonn- oder Feiertag der große Reibach ins Geschäft herein flattert, können halt die wenigsten leben. Es verschiebt sich höchstens der Gesamtwochenumsatz um den einen oder anderen Tag...

Antworten Gast: Gast: Leser
25.08.2012 11:41
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Re: Wer will die Sonntagsöffnung wirklich?

Und für wen sind die Geschäfte eigentlich da? Für die Angestellten oder für die Kunden? Und wenn sich die Sonntagsöffnungen "nicht rechnen" - glauben Sie, die Unternehmer sind so blöd, und öffnen ihre Geschäfte, wenn sie Verluste bringen? Die Unternehmer könne selber rechnen - sie brauchen weder die Gewerkschaft noch die Kammer, um zu erfahren, was ihnen die Sonntagsöffnung bringt oder nicht bringt.

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Re: Wer will die Sonntagsöffnung wirklich?

Das sollte egal sein, wer aufsperren will, soll aufsperren, und wer nicht, eben nicht. Aber den Betroffenen freie Entscheidung zu ermöglichen, ist im Bevormundungs-Österreich unvorstellbar.

Und die Entschädigung der Angestellten ist eine reine Frage der Arbeits-Bedingungen und Kollektivverträge, und hat mit der Öffnung selbst überhaupt nichts zu tun.

Es wird genug Angestellte geben, die um entsprechend mehr Geld und Freizeit freiwillig auch am Sonntag arbeiten würden, aber die werden sicherheitshalber nicht gefragt.

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Re: Re: Wer will die Sonntagsöffnung wirklich?

Und wenn in einem Betrieb nicht genügend Angestellt sind, die Sonntags arbeiten wollen (weil sie zB. kleine Kinder haben)?
Dann wird es aus sein mit der Freiwilligkeit.
Es wird so gehen: "Wir sperren Sonntags auf, wer meldet sich für diesen Sonntag freiwillig? Die die diesen Sonntag nicht wollen müssen nächsten Sonntag arbeiten."
So wird es ausschauen, im Endeffekt ohne Freiwilligkeit weil das gar nicht gehen kann. Die Sonintagszuschläge werden auch bald danach wegfallen, stattdessen gibt es halt ein "Wochenende" unter der Woche.

Antworten Antworten Antworten Gast: Gast: Leser
25.08.2012 11:50
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Re: Re: Re: Wer will die Sonntagsöffnung wirklich?

War gerade eben in Stockholm. Dort sind die Geschäfte selbstverständlich am Sonntag offen: alle Lebensmittel-geschäfte und -supermärkte (letztere meist von 8 bis 22 h) und auch die meisten anderen Läden. Aber bekanntlich ist ja Schweden ein Land, wo die Angestellten von einer wildgewordenen Kapitalistenclique ausgebeutet werden, wo die Gewerkschaften nichts zu sagen haben und wo die unsoziale Regierung die arme Bevölkerung schutzlos der Unterdrückung durch das mitleidslose Unternehmertum ausliefert, nicht wahr?

Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: santa lucia
25.08.2012 15:20
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Re: Re: Re: Re: Wer will die Sonntagsöffnung wirklich?

Als Anrainer eines Supermarktes sage ich ein entschiedenes NEIN zur Sonntagsöffnung.
Nicht nur Sie haben Interessen (Einkaufen am Sonntag), auch ich habe Interessen. EINMAL IN DER WOCHE KEINE AN- UND ABFAHRENDEN AUTOS, SCHLAGENDE TÜREN ETC. KONSUMIEREN ZU MÜSSEN, EINMAL IN DER WOCHE, ETWAS RUHE ZU HABEN.

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Täglich zum hl. Florian beten!

Hl. Florian verschon mein Haus, zünd andere an!

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26.08.2012 18:56
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Re: Täglich zum hl. Florian beten!

So kann man es auch sehen:
Des Einen Interesse ist respektabel (Er will Sonntags einkaufen), des Anderen Interesse wird mit "Täglich zum hl. Florian beten!" kommentiert.
Gibt es auch Argumente?

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