Immer diese Landesbanken

JOSEF URSCHITZ (Die Presse)

Bilanzfälschung ist die eine, das dazugehörende politische Biotop die andere Seite der Hypo-Medaille.

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Worüber in der Sache um den Vorzugsaktiendeal der Hypo Alpe Adria demnächst zu Gericht gesessen wird, ist eine eher technische Frage. Nämlich die, ob eine Vorzugsaktienemission bilanztechnisch richtig oder falsch verbucht worden ist. Worüber nicht gerichtet wird, ist das (strafrechtlich ja nicht relevante) dahinterstehende System: ein kleines Gschafterl unter Freunden, bei dem niemand ein schlechtes Gewissen hat. Mein Gott, man hat halt ein bisschen was risikofrei verdient. Für keinen aus der gehobenen Wörthersee-Schickeria ging es um substanzielle Summen. Es war sehr schön, es hat uns sehr gefreut.

Womit wir wieder bei der Bilanz wären. Und da fällt schon eines auf: Von der Bank Burgenland über die Kärntner Hypo bis zur Hypo Niederösterreich, der ja der Staatsanwalt auch wegen vermuteter Bilanzfälschung nachstellt, sind es ausgerechnet die stark mit der regionalen Politik verwobenen Landes- und Ex-Landesbanken, die ja (vor dem versuchten Höhenflug der Kärntner Hypo) als ausgesprochen fad und konservativ galten, denen beim Bilanzieren abenteuerliche Kreativität attestiert werden muss. So nach dem Motto: „Mir wern kan Richter brauchen.“

Alle Bilanzfälschungsaffären der jüngeren Landesbankengeschichte sind also ganz offenbar mit stiller Billigung der Politik über die Bühne gegangen. Ein Jammer, dass es dafür ganz offenbar keinen Straftatbestand gibt.

 

E-Mails an: josef.urschitz@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.12.2012)

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9 Kommentare

Hypo Landesbank NÖ - eigene Erfahrung

Ich wollte 2004 eine positive Tageszeitung für Niederösterreich starten. Dazu wurde ich an die Hypo Landesbank für eine Prüfung des Vorhabens verwiesen, da es von Landesseite die Möglichkeit einer Kreditbesicherung gab. Es ging um 250.000 Euro.
In der entscheidendsten Phase war der zuständige Bearbeiter der Hypo Landesbank NÖ sieben Wochen auf Urlaub. Mein Akt ruhte auf seinem Schreibtisch, Das ist ein Mangel ein Professionalität, der offenbar bei den Hypos quasi Geschäftsmodell ist.

Re: Hypo Landesbank NÖ - eigene Erfahrung

Und ? Was ist aus Ihrem Blattl nun geworden? Eine Pröll-Jubelpostille ?

Re: Re: Hypo Landesbank NÖ - eigene Erfahrung

Nein, da dies nicht die Absicht war, signalisierte das Land seiner Landesbank mangelndes Interesse an einem positiven und an den menschlichen Interessen orientierten journalistisch gemachten Blatt. Nach der Urlaubsrückkehr meines Sachbearbeiters wurde mir diskret mitgeteilt, dass ich mir die 2000 Euro Bearbeitungsgebühr schenken könne. Zumindest das war sozial.

Re: Re: Re: Hypo Landesbank NÖ - eigene Erfahrung

Pröllistan eben! Dachte es mir.

Ich verstehe diese Niederösterreicher wirklich nicht. Nur weil ihnen einmal in ihrem Leben der LH die Hand geschüttelt hat, wählen sie dann zeitlebens dessen Partei! Nicht zu fassen!

Ihr habt offenbar noch nie

bei der Bilanz einer staatsnahen reingeschaut. Einfach einmal Post, Verbund oder OMV anschauen. Da stimmt absolut nichts. Reine Luftzahlen. Aber niemand regts auf. Ab und zu krafhts dann bei einer und der Staat springt einfach ein. Für mich sind die alle kriminell.

Wo Politik draufsteht

ist Korruption drin.

Kern des Problems ist das Füllhorn an Steuergeld, das ein Politiker bei Bedarf über einem Problem ausschütten kann. Dieses "Sicherheitsnetz" schafft Verantwortungslosigkeit.

Banker aus Politikers Gnaden

Das sind die qualifiziertesten :-)

Sie haben die völlig unnötige "Rettung" der völlig unnötigen Zockerbank "Kommunalkredit" vergessen.


Kostenpunkt: mehrere tausend Millionen Steuergeld ("Claudia-Schmied-Gedenkmilliarden")

Auch eine durch und durch Landes-Gemeinde-Politik-verhaberte Bank.

Re: Sie haben die völlig unnötige "Rettung" der völlig unnötigen Zockerbank "Kommunalkredit" vergessen.

Das wäre eigentlich der größte Kriminalfall der Republik! Nicht so bei uns in SPVPÖsistan. Hier wird die Bankerin des Jahres für ihre grandiosen Veranlagungserfolge zur Unterrichtsministerin befördert, um nun mit ihrer grenzenlosen Begabung und Weitsicht das Bildungswesen demolieren zu können.

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