Immer diese Landesbanken

Bilanzfälschung ist die eine, das dazugehörende politische Biotop die andere Seite der Hypo-Medaille.

Worüber in der Sache um den Vorzugsaktiendeal der Hypo Alpe Adria demnächst zu Gericht gesessen wird, ist eine eher technische Frage. Nämlich die, ob eine Vorzugsaktienemission bilanztechnisch richtig oder falsch verbucht worden ist. Worüber nicht gerichtet wird, ist das (strafrechtlich ja nicht relevante) dahinterstehende System: ein kleines Gschafterl unter Freunden, bei dem niemand ein schlechtes Gewissen hat. Mein Gott, man hat halt ein bisschen was risikofrei verdient. Für keinen aus der gehobenen Wörthersee-Schickeria ging es um substanzielle Summen. Es war sehr schön, es hat uns sehr gefreut.

Womit wir wieder bei der Bilanz wären. Und da fällt schon eines auf: Von der Bank Burgenland über die Kärntner Hypo bis zur Hypo Niederösterreich, der ja der Staatsanwalt auch wegen vermuteter Bilanzfälschung nachstellt, sind es ausgerechnet die stark mit der regionalen Politik verwobenen Landes- und Ex-Landesbanken, die ja (vor dem versuchten Höhenflug der Kärntner Hypo) als ausgesprochen fad und konservativ galten, denen beim Bilanzieren abenteuerliche Kreativität attestiert werden muss. So nach dem Motto: „Mir wern kan Richter brauchen.“

Alle Bilanzfälschungsaffären der jüngeren Landesbankengeschichte sind also ganz offenbar mit stiller Billigung der Politik über die Bühne gegangen. Ein Jammer, dass es dafür ganz offenbar keinen Straftatbestand gibt.

 

E-Mails an: josef.urschitz@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.12.2012)

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