Liberalisierung, abgewürgt per Gesetz

JAKOB ZIRM (Die Presse)

Die Öffnung des Postmarkts wurde von Staatskonzern und Staat erfolgreich verschleppt.

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Zyniker könnten nun sagen: Eigentlich hätte man sich das viele Geld für die ganzen neuen Brieffächer in Wohnhäusern ohnehin sparen können. Denn so, wie es aussieht, werden auch künftig nur Zusteller der mehrheitlich staatlichen Post ihre Briefe in die Boxen einwerfen. Dass diese nun jedem Zusteller zugänglich sind, ist obsolet. Denn sämtliche potenziellen Konkurrenten haben sich aufgrund der jahrelangen Verzögerungen beim essenziellen Zugang zu den Brieffächern zurückgezogen. Und neue sind nicht in Sicht.

Die Liberalisierung des heimischen Postmarkts ist ein Lehrbeispiel, wie eine Marktöffnung erfolgreich verschleppt wird. Zuerst wurde jahrelang gestritten, wer die Kosten für die neuen Brieffächer zu tragen hat. Danach dauerte es wieder Jahre, bis ein Postmarktgesetz fertig war. Und dieses ließ der Post wieder „ein wenig“ Zeit, die Umstellung umzusetzen. Erraten, es waren erneut ein paar Jahre.

Den potenziellen Konkurrenten ging dabei einfach die Luft aus. Schade, denn auch wenn hierzulande Liberalisierung in vielen Ohren immer noch wie ein Schimpfwort klingt: Es genügt ein Blick in den Markt der ehemaligen Post-Schwester Telekom. Dort ist ersichtlich, wie sehr die Kunden von Konkurrenz zum etablierten staatlichen Ex-Monopolisten profitieren.

 

jakob.zirm@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.01.2013)

 
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7 Kommentare
Albert Keinstein
05.01.2013 10:45
0

freuen sie sich doch, herr zirm!

der letzte interessent für das briefzustellen war doch redmail.
zur styria gehörig wie diePresse.

da dieses zustellen mit sicherheit ein defizitgeschäft gewesen wäre, hätte das doch eine reduktion der gelder für diePresse bedeutet!

freuen sie sich, dass sie weiterhin ein gehalt überwiesen bekommen. soviel eigeninteresse sollte vorhanden sein.

metepsilonema
04.01.2013 22:20
2

Einseitige Betrachtung

Es genügt ein Blick in Richtung der privaten Paketzustelldienste um festzustellen auf wessen Rücken der Preiskampf ausgetragen werden wird (siehe u.a. die Reportage von Günther Wallraff): Auf dem Rücken der Zusteller, die immer mehr um immer weniger Geld erledigen werden müssen, von den physischen Beschwerden die der Zustelldienst mit sich bringt, ganz zu schweigen. --- Es eben geht nicht nur um die Kunden.


Antworten Linda Fredi
05.01.2013 17:43
0

Re: Einseitige Betrachtung

Was sollten andernfalls die vielen Neo-Ösis arbeiten? Alle übers AMS versorgt werden? Wer soll das bezahlen??

cs745
04.01.2013 20:12
2

nur ein neoliberaler schwätzer kann glauben dass auch nur irgendwer von der liberalisierung profitiert

ausser vielleicht ein paar ausbeuter die lohndumping betreiben

Antworten Entropix
04.01.2013 20:46
7

Re: nur ein neoliberaler schwätzer kann glauben dass auch nur irgendwer von der liberalisierung profitiert

Fakten: Telefon war früher "beim Amt" zu beantragen, Apparat gab es ausschließlich bei der Post, anstecken durfte den nur ein Beamter, gedauert hat das Ganze etwa ein Jahr, außer man hatte "Vitamin B"... aber Fakten interessieren die mit Brettern vorm Kopf ausgestatteten überall neoliberale Verschwörung witternden D...n ohnehin nicht.

Antworten Antworten Albert Keinstein
05.01.2013 10:53
0

Re: Re: nur ein neoliberaler schwätzer kann glauben dass auch nur irgendwer von der liberalisierung profitiert

wer die grundsätzliche problematik von lohndumping und ausbeutung durch ein an den haaren herbeigezogenes beispiel (WAS haben telekommunikation und post miteinander zu tun, ausser dass sie vor langer zeit in einer hand waren?) zu konterkarieren versucht, der hat wohl sein schäfchen im trockenen: geschützter sektor? pensionist?

Antworten unicornat
04.01.2013 20:38
6

Re: nur ein neoliberaler schwätzer kann glauben dass auch nur irgendwer von der liberalisierung profitiert

Ohne LIberalisiserung des telekom-marktes könnten sich "Subjekte" wie Sie nicht 3 Handyverträge gleichzeitig leisten!

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