Selten so gelacht

Die OeNB-Spitze wird laut deren Chef unpolitisch bestellt. Der Mann hat Humor.

Erst Dienstag – und schon den „Schenkelklopfer“ der Woche gehört: Die Neubesetzung der Notenbankspitze sei, sagte OeNB Alt- und Neo-Gouverneur Ewald Nowotny dem „Standard“, keine parteipolitische, also „nicht das Ergebnis eines politischen Verhandlungsprozesses“.

Der war wirklich gut. Selten so herzhaft gelacht! Wie es im staatsnahen Bereich zugeht (zu dem ja auch die „unabhängige“ Nationalbank gehört), hat man gerade erst wissenschaftlich untermauert in der gestrigen Ausgabe der „Presse“ nachlesen können.

Das muss man jetzt noch gar nicht extrem kritisch sehen: Wem die Partei ein Amt gibt, dem gibt sie zwar nicht automatisch auch Verstand. Allerdings schließen „Parteischub“ und Kompetenz einander auch nicht grundlegend aus. Man kann also davon ausgehen, dass eine Reihe von Notenbankern aller Hierarchieebenen ihren Job auch dann hätten, wenn sie diesen ausschließlich aufgrund ihrer Qualifikation nach einem objektiven Auswahlverfahren bekommen hätten.

Wovon man aber nicht ausgehen kann, ist, dass eine Personalsuche nach objektiven Kriterien so exakt ausbalancierte Rot-Schwarz-Verhältnisse auf allen Ebenen (mit ein paar eingesprenkelten Rest-Blauen aus der Schüssel/Haider-Ära) ergibt, wie wir das in der OeNB sehen.

Wir wollen hier nicht spekulieren, ob Nowotny seinen Lachschlager selbst wirklich glaubt oder ob er uns nur für ziemlich bescheuert hält. Vertrauenerweckend ist jedenfalls beides nicht.

 

josef.urschitz@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.01.2013)

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