Selten so gelacht

JOSEF URSCHITZ (Die Presse)

Die OeNB-Spitze wird laut deren Chef unpolitisch bestellt. Der Mann hat Humor.

Drucken Versenden
 
AAA
Schriftgröße
Kommentieren

Erst Dienstag – und schon den „Schenkelklopfer“ der Woche gehört: Die Neubesetzung der Notenbankspitze sei, sagte OeNB Alt- und Neo-Gouverneur Ewald Nowotny dem „Standard“, keine parteipolitische, also „nicht das Ergebnis eines politischen Verhandlungsprozesses“.

Der war wirklich gut. Selten so herzhaft gelacht! Wie es im staatsnahen Bereich zugeht (zu dem ja auch die „unabhängige“ Nationalbank gehört), hat man gerade erst wissenschaftlich untermauert in der gestrigen Ausgabe der „Presse“ nachlesen können.

Das muss man jetzt noch gar nicht extrem kritisch sehen: Wem die Partei ein Amt gibt, dem gibt sie zwar nicht automatisch auch Verstand. Allerdings schließen „Parteischub“ und Kompetenz einander auch nicht grundlegend aus. Man kann also davon ausgehen, dass eine Reihe von Notenbankern aller Hierarchieebenen ihren Job auch dann hätten, wenn sie diesen ausschließlich aufgrund ihrer Qualifikation nach einem objektiven Auswahlverfahren bekommen hätten.

Wovon man aber nicht ausgehen kann, ist, dass eine Personalsuche nach objektiven Kriterien so exakt ausbalancierte Rot-Schwarz-Verhältnisse auf allen Ebenen (mit ein paar eingesprenkelten Rest-Blauen aus der Schüssel/Haider-Ära) ergibt, wie wir das in der OeNB sehen.

Wir wollen hier nicht spekulieren, ob Nowotny seinen Lachschlager selbst wirklich glaubt oder ob er uns nur für ziemlich bescheuert hält. Vertrauenerweckend ist jedenfalls beides nicht.

 

josef.urschitz@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.01.2013)

 
Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo
16 Kommentare
aquilo
30.01.2013 16:57
0

S.g. Herr Urschitz!

Bitte den Herrn Nowtny für den Orden wider den tierischen Ernst vorschlagen!!!!
Oder ist das die Augsutin Auszeichung?
Spott und Satire sind die wenigen Mittel, die einem noch, wie lange noch ist fraglich, zur Verfügung stehen. Erst dann, wenn offiziell und allgemeines Gelächter erschallt, ist eine Änderung zu erhoffen!

Sueton
29.01.2013 22:38
0

Eine typische böswillige Fehlinterpretation!

Wir haben doch Fasching, und der Herr Gouverneur der OeNB (= "Österreichisches National-Brettl")wollte nur witzig sein und sich als Kabarettist betätigen!

Schmeggs
29.01.2013 17:01
0

Nowotny hat bei Interviews zwischendurch immer einen seufzenden Lacher

Und jedesmal nimmt er es dabei mit der Wahrheit nicht so genau.

So ungefähr in jedem dritten Satz.

Konnte ich schon seit Jahren beobachten.

Ophicus
29.01.2013 11:07
3

Fast

Wir können nicht AUSSCHLIESSEN, dass eine Reihe von Notenbankern aller Hierarchieebenen ihren Job auch dann hätten, wenn sie diesen ausschließlich aufgrund ihrer Qualifikation nach einem objektiven Auswahlverfahren bekommen hätten. Davon AUSGEHEN können wir aber nicht.

Antworten TheAlien
29.01.2013 16:04
1

Stochastische Welt

Formulieren wir es so: die Wahrscheinlichkeit, dass parteipolitische Kriterien bei der Postenbesetzung wichtiger waren, als echte fachliche Skills, konvergiert gegen 1.

Antworten Antworten Ophicus
29.01.2013 17:23
0

Re: Stochastische Welt

Mein Kommentar bezog sich auf die Aussage im Artikel, dass wir davon ausgehen können, dass es jedenfalls Personen gibt die zwar ihren Job dem Parteibuch verdanken, aber (zufällig) auch die bestqualifizierten Bewerber waren.

Antworten Antworten Antworten TheAlien
30.01.2013 11:04
0

Re: Re: Stochastische Welt

Wie hoch schätzen sie die Wahrscheinlichkeit ein, dass ein parteipolitisch motivierter Postenbesetzer auch gleichzeitig der bestqualifizierte Bewerber war?

Wenn ich aus den wenigen Fällen, die ich persönlich kenne, schliessen müsste, wäre diese im Promillebereich ...

Antworten Antworten Antworten Antworten Ophicus
30.01.2013 13:17
0

Re: Re: Re: Stochastische Welt

Eben.
Deswegen habe ich die Formulierung im Artikel "man kann davon ausgehen" eben kritisiert und auf "man kann es nicht ausschließen" geändert.

Kate Austen
29.01.2013 08:45
15

einmal mehr unfassbar, wie uns lachenden Auges ins Gesicht gespuckt wird, von "denen"

Danke Herr Urschitz für diesen Ihren treffenden Kommentar und daß diese Frechheit vom Herrn "Gouverneur" nicht völlig untern Tisch gekehrt wird.

Markus Trullus
29.01.2013 08:41
11

Das scheint die Regel....

Lieber Herr Urschitz.
Nowontny glaubt den Lachschlager wirklich. Macht korrumpiert nicht nur, Macht macht blind. Nur wirklich gute Führungskräfte behalten Bodenhaftung, also Realitätserhalt. In der Wirtschaft schon seltene Modelle, in der Politik beinahe unmöglich! Alle diese Leute entschweben in visionäre Träume oder in massiver Selbsttäuschung...

Reinhard FUCHS
29.01.2013 07:18
6

Alle Menschen sind gleich, nur Parteibuchbesitzer sind gleicher !!


Dabei gibt es gegen Profilierungsneurose, Karrieresucht u. Grössenwahn bereits gute Medikamente u. sehr hohe Heilungschanchen in der PRIVATWIRTSCHAFT !!

aquilo
29.01.2013 00:09
15

S.g. Herr Urschitz!

Wie hieß es beim Watschenmann?
Hereinspaziert, solche Sachen lassen sich nicht erfinden!
Realsatire nennt man das. Und noch daszu vom Feinsten!
Mn sollte dem Herrn Nowatny doch für den Humor im Fasching auszeichnen.
Da gibt es doch solche Auszeichnungen, oder?

Antworten BM.H.
29.01.2013 08:47
2

Re: S.g. Herr Urschitz!

Orden wider den tierischen Ernst....

Dkfm.Peter Stifter
28.01.2013 22:22
16

Der neutrale Herr Nowotny

Seine Herkunft als roter Wirtschafts "Experte" ist ja bekannt. Dass er uns jetzt weißmachen will, er sei kraft seiner besonderen Fähigkeiten auf dem Sessel des Chefs der Nationalbank gelandet, ist gelinde gesagt eine Chuzpe. Jedenfalls zeigt es seine Abgehobenheit von der Masse der Steuerzahler, denen er solch plumpe Lügen präsentiert.

Holmes
28.01.2013 19:06
17

In der Welt des Herrn Nowotny,

innerhalb der Paddei und außerhalb des realen Lebens, ist das eben so. Ich bin deshalb überzeugt, der glaubt das wirklich.

Antworten Oberrevident
28.01.2013 21:19
16

Re: In der Welt des Herrn Nowotny,

er glaubt ja auch ER habe die Bawag gerettet

Top-News

AnmeldenAnmelden