Wie schön: 3000 Euro für jeden von der EZB

Als letzte Verzweiflungstat wird jetzt „Helicopter Money“ diskutiert.

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APA/BARBARA GINDL

Die EZB flutet und flutet– und trotzdem rutscht die Eurozone immer stärker in Richtung Deflation. Das Problem: Das viele frisch gedruckte Geld oszilliert zwischen Banken und EZB und kommt nicht dort an, wo es gebraucht wird – im Konsum.

Die Euro-Notenbank wird im März also wohl eine weitere Lockerung ihrer Geldpolitik beschließen, aber sehr viel geht nicht mehr: Stärkere Negativzinsen lassen sich nur mittels Bargeldverbots durchsetzen. Und das geht (noch) nicht. Nicht nur wegen halblustiger Aktionen wie der innerösterreichischen Diskussion darüber, ob ein Land ohne eigene Währung Bargeld per Verfassung schützen soll. Da gäbe es wohl europaweit Widerstand.

Kein Wunder also, dass derzeit als letzte Verzweiflungstat der Notenbank die 37 Jahre alte Milton-Friedman-Idee des „Helicopter Money“ diskutiert wird: Statt auf dem Sekundärmarkt Staatsanleihen zu kaufen, überweist die Zentralbank einfach jedem Bürger Geld, um damit direkt den Konsum anzukurbeln. Die Billion, die die EZB derzeit wirkungslos in Staatsanleihen investiert, könnte auf diese Weise jedem Eurozonenbürger 3000 Euro zum auf den Kopf stellen bescheren.

Eine selten dämliche Schnapsidee? Leider nein. Derzeit geistert gerade der prominente Hedgefondsmanager Ray Dalio mit seiner Prophezeiung, dass es mittelfristig wohl dazu kommen werde, durch die europäischen Medien – von der „Financial Times“ bis zur „NZZ“. Und es gibt eine Reihe von durchaus prominenten Ökonomen, die das ebenfalls ernsthaft diskutieren.

Geld sozusagen aus dem Helikopter abzuwerfen wäre, das weiß klarerweise auch Dalio, allerdings wirklich die letzte Verzweiflungstat vor dem Systemzusammenbruch.

Natürlich gäbe es noch eine andere Möglichkeit, den Karren flott zu bekommen: Strukturreformen, Wettbewerbsstärkung und solch exotische Dinge. Dafür müssten wir aber nicht nur hierzulande so etwas wie konsistente Wirtschaftspolitik haben. Eine Tragödie, dass es diese nicht zu geben scheint – während die Alternativmethoden der Zentralbanken gleichzeitig eindrucksvoll versagen.

josef.urschitz@diepresse.com

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.02.2016)

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