Ökonomen und ihre Fake News

Flüchtlingsausgaben als Konjunkturprogramm? Geh bitte!

Gerade noch rechtzeitig vor Neujahr haben uns zwei renommierte deutsche Wirtschaftsforschungsinstitute die frohe Botschaft gebracht: Das deutsche Bruttoinlandsprodukt ist 2016 wegen der Flüchtlingsausgaben um 0,3 Prozentpunkte stärker gewachsen, als es das ohne Migrationskrise getan hätte.

Überrascht uns ehrlich gesagt nicht: Wenn mehr Leute konsumieren, erhöht das eben das BIP. Auch wenn der Mehrkonsum auf Regimentsunkosten läuft.

Interessant ist aber die Interpretation dieser Zahl durch deutsche Starökonomen. Der Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung meinte beispielsweise, die Mehrausgaben wirkten wie ein „kleines Konjunkturprogramm“. Der Boss des Münchner Ifo-Instituts sieht einen „Impuls für die Binnenkonjunktur“.

Echt jetzt? Wo ist denn nur der Taschenrechner? Ah, da: Deutschland hat 2016 an die 20 Mrd. Euro Zusatzkosten für die zwischenzeitig unkontrollierte Zuwanderung gehabt. Das sind über den Daumen gepeilt an die 0,66 Prozent des BIPs. Damit hat man ein zusätzliches Wirtschaftswachstum von 0,3 Prozent des BIPs generiert. Etwas plastischer: Man hat 20 Mrd. Euro Staatsgeld eingesetzt, um damit die Wirtschaftsleistung um zehn Mrd. Euro zu steigern.

Tolles Konjunkturprogramm, muss man schon sagen. Und ein wirklich fetter Impuls. Da wird der bei Keynesianern so beliebte Multiplikator (ein Euro Staatsinvestition löst so und so viele Euro Staatseinnahmen aus) gleich neu interpretiert.

Im Ernst: Deutschland hat sich, so wie auch Österreich, durch den zwischenzeitlichen Kontrollverlust an den Grenzen ein veritables Problem aufgehalst, das man jetzt anständig lösen muss. Das wird mühsam und teuer. Alle wissen das.

Es ist also wirklich kontraproduktiv, hier mit Fake-Jubelmeldungen über die konjunkturellen Vorzüge ungezügelten Zuzugs Stimmung zu machen.

Übrigens: Das Pro-Kopf-BIP, die eigentlich relevante Zahl, ist in Deutschland heuer trotz dieses „Konjunkturprogramms“ um deutlich weniger als ein Prozent gewachsen. Hat also quasi stagniert. So schaut es aus, das Wirtschaftswunder, meine Herren Ökonomen.

josef.urschitz@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 31.12.2016)

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