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Das Unrecht vom Land

WOLFGANG BÖHM (Die Presse)

Warum die EU-Agrarförderung Großbauern bevorzugt und kleinere Unternehmen benachteiligt?

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Eine idyllische Landschaft mit kleinen Höfen, glücklichen Hühnern und Kindern in Dirndln und Lederhosen. Das Bild, das wir in Österreich von der Welt der Bauern produzieren, entspricht immer weniger der Realität. Die Realität ist vor allem ein normales Geschäft in einem globalen Umfeld. Manchmal beinhart, manchmal ungerecht und oft absurd, wenn beispielsweise Kartoffel aus dem ärmlichen Ägypten in heimischen Supermärkten mit Erdäpfeln aus dem Waldviertel konkurrieren. Österreichs Politik hält zumindest formal dennoch gerne das Bild einer kleinbäuerlichen Struktur hoch. Wohl auch deshalb, weil sie nach wie vor der Verkaufsschlager unseres Sommertourismus ist.

Auch das ist Realität: Jahr für Jahr sperren über 1000 heimische Landwirtschaftsbetriebe zu. Meist sind es kleinere Höfe. Ein normaler Strukturwandel, könnte man meinen. Denn die globale Wirtschaft verlangt nach größeren Einheiten, um konkurrenzfähig zu sein. Das wäre theoretisch logisch, würde nicht das System der EU-Agrarförderung dabei auch seine erhebliche Rolle spielen. Es bringt nämlich zuwege, auf der einen Seite den globalen Markt zu behindern und auf der anderen Seite dennoch die kleinbäuerliche Struktur zu zerstören. Sie ist ein Kompromiss aus zwei völlig widersprüchlichen Ansätzen.

Es sind Ansätze, die sich auch in der Verteilung der EU-Gelder widerspiegeln. Wenngleich das aktuell diskutierte „Schwarzbuch Landwirtschaft“ von Hans Weiss die Agrarstatistiken schmerzhaft ausreizt, kommt es doch zum richtigen Schluss. Nämlich, dass es eine Ungerechtigkeit in der Verteilung der Agrarförderungen gibt. In Österreich erhalten 15 Prozent der Betriebe – das sind bäuerliche Mittel- und Großbetriebe – fast die Hälfte (46%) aller EU-Förderungen. Die restlichen 85Prozent der Betriebe müssen sich mit der anderen Hälfte begnügen. Ein solches System läuft dem Ziel des Erhalts einer kleinstrukturierten Kulturlandschaft entgegen.

Die EU-Agrarförderung, die bis 2013 sowieso reformiert werden muss, ist ganz auf eine Agrarstruktur wie in Frankreich zugeschnitten, mit größeren Einheiten. Wer mehr produziert, erhält eben auch mehr. Das ist an sich kein Nachteil. Doch nimmt dieses Modell nicht darauf Rücksicht, dass größere Betriebe natürlich weit wirtschaftlicher produzieren können als kleine. Denn natürlich rechnet sich eine viele Hektar große Agrarfläche im Marchfeld leichter als ein kleiner Acker im steirischen Hügelland. Es nimmt auch nicht darauf Rücksicht, dass kleinere Betriebe denselben bürokratischen Aufwand betreiben müssen, um an die Förderungen zu kommen. Der kostet sie in Relation deutlich mehr als Großbetriebe.

Jahr für Jahr werden neue Auflagen produziert, Kontrollen eingeführt. Landwirte, die einen kleinen Hof bewirtschaften, sind allein von der Flut an Formularen oft völlig überfordert. Der Präsident der Landwirtschaftskammer, Gerhard Wlodkowski, hat zuletzt in einem „Presse“-Interview bestätigt, dass die Bürokratie in der Landwirtschaft von Jahr zu Jahr steigt, weil neue EU-Auflagen hinzukommen, gleichzeitig aber alte, nationale Regeln erhalten bleiben. Dazu kommt, dass aufgrund der vielen Auflagen kleinere Betriebe in manchen Jahren mehr Geld für Produktionsmittel (z.B. Spritzmittel und maschinelle Bearbeitung) ausgeben, als sie durch den Verkauf ihrer Produktion erhalten. Weil sie beispielsweise für ihre Äpfel nicht einmal zehn Prozent des Ladenpreises bezahlt bekommen, leben sie dann allein von den Förderungen. Das ist absurd und hat nichts mit einem funktionierenden Markt zu tun.

Das öffentlich hochgehaltene Ziel der heimischen Landwirtschaftspolitik, die kleinbäuerliche Kulturlandschaft zu erhalten, ist schlicht ein Etikettenschwindel. Österreich ist eines der Länder in der EU, die eine Reform der produktbezogenen Agrarförderung bisher verhindert haben. Zwar wurde dank des früheren EU-Agrarkommissars Franz Fischler auch eine zweite Schiene an Förderungen – nämlich die Subvention der ländlichen Entwicklung – eingeführt, doch sie konnte die Verzerrung zwischen großen und kleinen Bauern nur teilweise reduzieren.

Wenn in den nächsten Jahren wieder eine Reform der EU-Agrarförderung ansteht, wird wohl auch Österreich Farbe bekennen müssen: Will es die Landwirtschaft abseits von Produktionsmengen fördern, um seine kleinstrukturierte Kulturlandschaft zu erhalten, oder will es – auch das wäre ein Ansatz – wirklich mit der globalen Konkurrenz mithalten und auf das ländliche Idyll pfeifen?

Großbauern im Visier Seite 1


wolfgang.boehm@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.09.2010)

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12 Kommentare
Gast: Luzifer
02.09.2010 12:03
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Tut man den Bauern wirklich etwas Gutes, wenn man

die "Schrebergärten" (copyright by Gerd Schröder) aufrecht erhält? Da auch die agrarischen Produkte im globalen Wettbewerb stehen, sollte man sich auch im Inland an die Marktwirtschaft halten. Sonst könnte es passieren, daß man - wie vor dessen EU-Betritt in Polen geschehen - feststellt, daß ein Großteil der Resourcen des Landes durch eine unproduktive Landwirtschaft verschwendet wird.

Das heißt für mich, daß die Subventionen nach Leistungskriterien zu vergeben sind; nicht aber, daß damit soziale Leistungen bzw. der Umstieg in zeitgemäßere Produktionsformen nicht finanziell abgefedert werden sollen. Wie wäre es etwa mit der Förderung von Maschinenringen, die den Arbeitsaufwand im eigenen Betrieb erleichtern und den Landwirten einen Zuerwerb ermöglichen würden? Man sollte auch ohne Tabus über die Schaffung von Großbetrieben durch Zusammenlegung kleinerer Bauernhöfe zu Produktionsgenossenschaften nachdenken. In dieser Form könnte man den Dorfgemeinschaften auch die an Bedeutung ständig gewinnende Landschaftspflege übertragen.

Der Fantasie sollte man da freien Lauf lassen! Dies nur als kleine Anregung!

Gast: Luzifer
02.09.2010 11:38
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Bitte feinsäublich zwischen Flächenförderung und Sozialpolitik unterscheiden!

Die Flächenförderung beruht auf dem Leistungsprinzip, dh. je mehr von einer bestimmten Leistung erbracht wird, umso höher die Subvention, während es Aufgabe der Sozialpolitik ist, Arme zu unterstützen!

Wenn die EU etwa die europäische Zuckerindustrie (samt den damit verbundenen Arbeitsplätzen) durch Subventionen unterstützt, dann wird logischerweise die Subvention umso höher ausfallen, je mehr vom "europäischen" Zucker verwendet wird.

Andererseits bleibt auch für die Bauern weniger Geld für Subventionen, wenn der "soziale Kuchen" etwa durch hohe Subventionen an die ÖBB oder an reformunwillige Gemeindebedienstet der STadt Wien "geschmälert" wird. Auch bei einer "Verschlankung" der Verwaltung bliebe für andere Zwecke mehr Geld.

Jedenfalls sollte - abseits von jeder "Neiddebatte" - im Auge behalten, daß nur wenige landwirtschaftl. Großbetriebe in Österreich, die im klimatisch begünstigten Osten gelegen sind, ohne Subventionen gegenüber den übermächtigen osteuropäischen Großbetrieben konkurrenzfähig blieben. Eine Kürzung der Subventionen würden - abgesehen von diesen - die wenigsten Betriebe, ob groß od. klein, überleben. Weiters ist darauf hinzuweisen, daß die Förderungen großteils aus der EU kommen, was also bedeutet, daß wir bei der "Neiddebatte" Gefahr laufen, daß diese Mittel gekürzt werden und unsere Netto-Zahlungen an die EU noch weiter anwachsen?

Wollen die Linken das wirklich risikieren?

galli leo
02.09.2010 07:38
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"...wird wohl auch Österreich Farbe bekennen müssen: Will es die Landwirtschaft ..."


achtung herr böhm, ein 'kleiner' tippfehler hat sich eingeschlichen:

wenn es um die landwirtschaft geht, dann gilt nicht was ÖSTERREICH will .
in dieser frage zählt nur und ausschließlich der wille der VP !

und diese will das kreuzerl des kleinbäuerlichen stimmviehs und die zuwendungen der großagrarier und agrarindustrie.

preisfrage: was zählt mehr in diesem land?
- ein prall gefülltes kuvert oder die interessen von eh gesicherten wählern?

Gast: von landwirtschaft stammend
01.09.2010 22:50
0 0

auch bei Klein- und Mittelbauern

gibt es enorme Unterschiede in der Förderung. Nach einer Prüfung der Transparenzdatenbank gibt es auch "Phantasieförderungen", Dinge um die angesucht und auch genehmigt werden obwohl sie nicht zutreffen.

Offensichtlich geht es auch zum Grossteil darum möglichst viel an Förderungen - auch ungerechtfertigt - rauszuholen

- Möglichst viel vom Staat (von den Anderen)
- Möglichst viel von der (weit entfernten) EU.

die Förderabwickelnden Strukturen (ÖPUL etc) sind fest in Bauernbundhand und fördern diesen Missbrauch bzw. kontrollieren nicht die Angaben aus den Förderanträgen.

Dreht sich alles im Kreis.

Die Dummen sind vor allem die kleinen Bauern die ehrlich sind und sich auch in der Förderlandschaft auskennen und auch niemanden bei den Förderorganisationen.

Gast: Gast: Leser
01.09.2010 15:56
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Deutsche Grammatik

Die Mehrzahl von "Kartoffel" ist "KartoffelN". Dies ist eine kostenlose Grammatik-Information für Herrn Böhm.

Luzius
01.09.2010 14:10
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derartige Agrarförderungen zerstören nachweislich längst heimische Bauern

samt deren Erträgen, welche oft sogar biologisch wertvoller wären zugunsten der Grossindustrie, welche ihre eigenen Gesetze erschafft !

Schlachttiere samt Getreide und Zucker dürfen tausende Kilometer durch sämtliche Länder gekarrt werden, um dafür Förderungen geltend machen zu können ?!

Kleinbauern werden dadurch aber weiterhin bewusst gewollt ? zum Sterben verurteilt, um Managern und gewissenlosen Parteien in grossen Industriellen Betrieben ihr fettes Einkommen sichern zu können ?


Gast: meco
01.09.2010 11:47
1 0

Man sollte aber noch etwas weiter differenzieren:

Da es eine Vielzahl von Minibauern gibt, die dies ohnehin nur im Nebenerwerb betreiben, ist eine gewisse Bereinigung durchaus richtig, denn wir wollen ja erstens Lebensmittel, die von fachlich gut ausgebildeteten LandwirtInnen produziert werden und die zugleich ein "Herz" dafür haben bzw. die auch die erforderliche Zeit aufwenden können. Vor allem sollen diese Vollerwerbsbauern nicht in Konkurrenz treten müssen mit ihren Nebenerwerbskollegen, die aufgrund ihres außerlandwirtschaftlichen Einkommens den Wettbewerb verzerren bzw. mit ihnen nicht auch noch die Förderungen teilen müssen.
Zudem wäre es wichtig, vermehrt die tatsächlich anfallende Arbeitszeit bei Förderungen zu berücksichtigen.

Gast: Burgenländer
01.09.2010 09:47
1 0

Lobbyismus

Der Ideologismus, andere -ismen bis hin zum Idealismus, wurde vom Lobbyismus abgelöst. Dieser Lobbyismus ist aber vor allem eine Frage von finanziellen Möglichkeiten, da dafür auch ein hoher Informationsstand - vor allem über geltende aber auch zukünftige Gesetze - notwendig ist. Wer über mehr finanzielle Möglichkeiten verfügt, die "Kleinen" oder die "Großen", darüber müssen wir wohl nicht diskutieren.

Gast: Kleinwinzer
01.09.2010 07:29
1 0

Wer ist SCHULD ?

Zit.: "Das öffentlich hochgehaltene Ziel der heimischen Landwirtschaftspolitik, die kleinbäuerliche Kulturlandschaft zu erhalten, ist schlicht ein Etikettenschwindel." --

Jawohl, weil man ja unabhängig von der ach so bösen EU - die eigentlichen "Programme" in Österreich erarbeitet und diese dann in Buxelles zur "Genehmigung" vorleget;
man könnte also mit wesentlich weniger "Maßnahmen" innerhalb einzelner Projekte auch weinger "Bürokratie" haben, aber es wäre für Aussenstehende (und Sozi´s wie Wirtschaftsbündler) leichter zu durchschauen.

Jawohl ,weil man die Kleinbetriebe in der Bauernsozialversicherung masivst benachteiligt.
Man ermittelt unabhängig vom tatsächlichen Ertrag über DEGGRESIVE Prozentsätze einen gigantischen Versicherungswert und Beiträge, die oft über den tatsächlichen Einkommen liegen.
Beispiel (1 ha Weingarten Mindesbeiträge dh 1400,-- Jahresbeitrag zur SVB; Ertrag 9000 kg zu €0,30 (2009) ist 2.700 Rohertrag und nach Bauernbund-Finanzamt-Packelei 70:30 Regel wäre da ein "Gewinn" von ca. € 1.000,-- zur ESt. hinzu zu rechnen! = Faktum: der hört auf so schnell er kann !)

Gast: Edmund Sackbauer
01.09.2010 07:08
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Romatik-Doddln

Zitat: "Das Bild, das wir in Österreich von der Welt der Bauern produzieren, entspricht immer weniger der Realität. - ?????
--- eigentlich stimmt: es entsprach NIEEEE !!!

Die alte Form der SUBSISTENZ-wirtschaft (Selbstversorgung der Menschen die am Hof und vom Hof leben) - hat sich zunehmend bereits seit 1850 in Richtung MARKT-Produktion verändert,
wenn auch langsam, und das nahm in den letzten Jahrzehntenb dramatisch zu!

Vielzu-Viele vielzu-kleine Gehöfte mit unrentablen Methoden und wenig fachlicher und gar keiner kaufmännischen Sichtweise fuhrwerken herum und jammern über zu wenig Einkommen und zuviel Arbeit (dabei erreichten die wenigsten 1600 produktive Arbeitsstunden im Jahr - da ist nicht "Tätig sein" gemeint sondern zielgerichtete zweckmäßige Arbeit)

Der BAUERNBUND /die ÖVP hat bis in die 1990-iger Jahre den Strukturwandel behindern wollen - mit viel Fördergeld - aus Angst um die Stammwähllerschaft! - jetzt wird flott darauf "strukturwandelt" aber das Fördergeld lassen die Bauernbundbonzen nicht liegen und leiten es zu den Großbetrieben um

2009 jubelte ein Agrarblattl "das höchste Agrarbudget aller Zeiten" und ich sagte dazu:"bei gleichzeitig den wenigsten Bauern aller Zeiten" - aber es kann nie genug sein!

(Wiener Strizzi-Spruch: "A Baua und a Hua, kriagt net gmua!" - irgendiwe böse und irgendwie ja trifft es auf die Bauern-FUNKTIONÄRE auch zu!)

Gast: buzz
31.08.2010 22:07
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Sie vergessen eines...

... nur ein geringer Prozentsatz der österreichischen Bauern ist dazu bereit Maschinen- und Wirtschaftsgemeinschaften zu bilden, was man auch an den MEGA Traktoren vor MINI-Betrieben (<20ha) sehen kann. Es ist also auch der österreichische Sturkopf, und das Streben nach dem "größeren Traktor als der Nachbar", zuzuschreiben...

Antworten Gast: secco
01.09.2010 07:16
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Re: Sie vergessen eines...

Die Bauern hatten immer und haben auch heute einen Sinn für zusammenschlüsse, Gemeinschaftsproduktion, etc.
zwei Dinge stehen dem entgegen, erstens der Geiz und die Gier und die Prahlsucht einzelner, die es den anderen zeigen wollen
zweitens dass die Betriebe immer weniger "zusammenpassen".
einst hatten alle in einem Dorf dieselben Kulturen, dieselbe Kulturtechnik und eine ähnliche Größe, da war die Gemeinschaftsdreschmaschine möglich-
heute sind die Betriebe sehr unterschiedlich in ihrer produktpalette und Größe !
(ich habe noch erlebt wie die anschaffung eines einfachen Maismulchers daran gescheitert ist weil die Wünsche der Einzelnen nach Leistung der Maschine (Arbeitsbreite) und die Stärke der eingesetzten Traktore zum Ausschluß einiger Kleinbetriebe geführt hat, die daraufhin den Maisbau beendet haben und heute nicht mehr existieren!)

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