12.02.2012 01:29 | Meine Presse Merkliste0

Maulkörbe in Zeiten des Fiaskos

HANNA KORDIK (Die Presse)

Die Bundesbahnen sind für die SPÖ sakrosankt. Wer Kritik übt, macht sich des „ÖBB-Bashings“ schuldig.

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Jetzt hat er es schon wieder getan. ÖVP-Finanzstaatssekretär Reinhold Lopatka hat gestern die ÖBB kritisiert. Wenn das nicht kühn ist: Immerhin ist erst vor einer Woche ein großkoalitionärer „Pakt“ geschlossen worden, wonach sich die Regierungsparteien zu den Staatsbetrieben „bekennen“. Was immer das auch heißen mag. Für SPÖ-Infrastrukturministerin Doris Bures war's jedenfalls klar: Die ÖVP sei „nun bereit, die schwachsinnige Kampagne gegen die ÖBB zu stoppen“.

„Schwachsinnig“ ist in dem Zusammenhang das absolut richtige Wort. Es mag schon sein, dass Lopatka dem Koalitionspartner mit seiner fast wöchentlichen Kritik an den ÖBB ordentlich auf die Nerven geht. Klar ist auch, dass er deswegen so wortgewaltig daherkommt, weil die Bundesbahnen ein tiefrotes Unternehmen sind – ein „schwarzes“ Unternehmen würde von Herrn Lopatka sicher pfleglicher behandelt werden.

Tatsache ist aber auch – und das sollte den Harmoniebedürftigen in der SPÖ vielleicht doch allmählich dämmern –, dass die ÖBB im Eilzugstempo auf ein wirtschaftliches Desaster zusteuern. Davor kann man nicht genug warnen.

Das „ÖBB-Bashing“ werde das Unternehmen, die heimische Wirtschaft und die Steuerzahler teuer zu stehen kommen, warnte gestern SPÖ-Bundesgeschäftsführer Günther Kräuter. Richtig drollig ist das. Und mit Politik à la „Hände falten, Goschn halten“ wird wohl alles wieder gut?
(Bericht: Seite 15)


hanna.kordik@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.09.2010)

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12 Kommentare
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back to the roots

Früher gab es für die gesamte ÖBB einen Generaldirektor und einen Stellvertreter, die beide "gewachsene" Eisenbahner waren, also aus dem Unterhemen selbst kamen. Die hatten noch Ahnung von dem, was geschieht und wussten auch warum manches so geschieht.

Heute, Dank der letzten schwarz/braunen, ups, sorry, schwarz/blau/orangen Regierung, ist dieses Unternehmen zerschlagen, insgesamt haben wir nicht mehr 2 sondern knapp 30 Direktoren und diese verdienen heute jeweils so ca. das dreifache von damals. (Inflation berücksichtigt!)

Was kann man tun?

Ok, dank der EU muss die Infrastruktur getrennt vom Betrieb sein, aber das wars dann auch schon. Und es sagt auch keiner, dass teure Möchtegern-Manager an der Spitze stehen müssen.

Also, back to the roots, legt die Firmen wieder zusammen, unfähige Manager bekommen einen Tritt in den A..., ohne Bonuszahlungen natürlich, und setzt an die Spitze wieder eine handvoll Leute, die aus dem Betrieb kommen und Ahnung haben von dem was sie tun!

Gast: ökono-mist
07.09.2010 17:36
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Allfinanz-Fraternität statt Infrastruktur?


Wenn immer wieder der Verdacht an die Öffentlichkeit dringt, daß angeblich aus einem Schuldenfaß ohne Boden die kuriosesten Dinge (z.B. millionenschwere Beraterverträge mit offenbar leistungsunabhängigen einseitigen Erfüllungs-Zwangsgarantien des Steuerzahlers) finanziert werden sollen, dann muß man das doch hinterfragen dürfen!

Bei offensichtlichem Vorhandensein eines solchen Dunstkreises von undurchsichtigen Kuriositäten würde sicher so mancher ganz gern wissen, ob
z. B. "die ÖBB" der Meinung gewesen sein könnten, daß die Einzeltäter-Theorie in der Causa Kampusch als Fundament erscheint, auf dem man millionenteure (Beamten-)Häuser bauen kann...

Ja, auf solche absurden Fantasien könnten die Leute nämlich glatt kommen angesichts einer solchen - auf den ersten Blick absurd erscheinenden - milionenschweren "Allfinanz-Praxis", bei der das zur Bedeckung der Forderungen erforderliche Geld in der Folge erst in der Zukunft Generationen von Steuerzahlern weggenommen werden muß...

Antworten Hokii
08.09.2010 13:14
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Re: Allfinanz-Fraternität statt Infrastruktur?

Zwischenfrage: Die Beraterverträge stammen alle aus der schwarz/blau/orangen Ära der ÖBB. Warum zeigte der damals hiefür zuständige SS Kukacka wenig Engagement diese Zustände an die Öffentlichkeit zu bringen?

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Re: Re: Allfinanz-Fraternität statt Infrastruktur?

Richtig! Aber das wäre ja nicht im Interesse der schwarzen Schmarotzer.

Es war bei der AUA nicht viel anders. Zuerst runterwirtschaften, dann schlechtreden und dann wurde die AUA an die Lufthansa verschenkt. Wie wurde da gesagt? Österreich müsse froh sein, dass es die Lufthansa gibt und sie die AUA nehmen will. Und weil wir so froh waren, durfte der Steuerzahler noch weitere 500 Mio. Euros drauflegen, damit es der Lufthansa auch ein wenig Spaß macht.

Tja, auch das war ein Ziel der schwarzen Brut, nur, dass sie dieses leider auch erreicht haben.

Gast: Basher der Politiker
07.09.2010 13:28
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nun ja

Mich nervt das ewige negative Gerede auch an, denn wer was sagt, sollte auch wirklich umsetzbare Verbesserungsvorschläge machen, aber Politiker sehen doch auch nur auf ihren eigenen Vorteil! Ganz ehrlich es gibt nun mal Großprojekte die umgesetzt werden müssen und man muss generell wirtschaftlicher agieren, darum bemüht sich die ÖBB jedoch.

3 2

Toll

Zuerst hat die ÖVP die Bundesbahn in neun Gesellschaften zerschlagen um entsprechend viele Direktionsposten für ihre Politzombies zu schaffen, und nun fordert das schwarze Staatssekret Einsparungen bei den gemeinen ÖBBlern. Toll!
http://gedaunknsplitta.blog.de

Antworten Gast: pensionär
07.09.2010 20:48
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Re: Toll

Richtig erkannt, aber was nützt es! Früher war der Generaldirektor der ÖBB ein "alter Eisenbahner", heute ist er ein moderner Abzocker-Manager mit fürstlichem Einkommen.
Tempora mutantur

Gast: Parteiloser
07.09.2010 09:52
7 0

Das ist doch erst der frühe Anfang!

Das "bashing" wie es auf Neudeutsch so heißt, wird noch in alle Bereiche vorstoßen, wo die Organisationen nur mit den Geldern der Steuerzahler am Leben erhalten werden. Je weniger das abgelieferte (gestohlene?) Geld der Masse der Österreicher wird, und je größer der Bedarf der geschützten Bereiche wird, desto härter wird der Kampf werden. Bisher wurden die fehlenden Mittel ja immer nur durch noch mehr Schulden für die Kinder Österreichs kompensiert. Diese Möglichkeit wird zwar heute noch genutzt, es ist aber absehbar, dass auch diese Möglichkeit langsam zu Ende geht. Wenn die Möglichkeit zu Ende geht das eigene Versagen auf die Kinder Österreichs zu schieben, dann geht auch die Finanzierung des Versagens zu Ende.

Mit Zusatzsteuern geht auch nicht mehr viel, weil das strukturelle Defizit schon bei ca. 20 Mrd. Euro pro Jahr liegt, mit Steuern maximal 3-5 Mrd. Euro geholt werden können. Diese Tatsache kommt ganz langsam in das Bewusstsein der Bonzenmanager.

Es ist doch nur logisch, dass der Kampf der geschützten Bereiche langsam härter werden muss, weil die gewünschten Mittel nicht mehr zur Verfügung stehen werden.

Auf die Idee, dass die geschützten Bereiche so umgestellt werden, dass es ein brauchbares Kosten- Nutzenverhältnis geben kann, auf diese Idee kommen die Bonzenversager niemals.

Österreich braucht keine Betonierer und keine Parteibonzen, Österreich bracht Sanierer und zwar in Massen.

Es wird noch viel härter kommen müssen!

Steininger
07.09.2010 03:34
1 6

Es gibt halt "one trick monkeys" auch in der Politik.

Will sagen der Mann kann halt nicht anders. Er muss auf die ÖBB schimpfen weil ihm der Zugang zur Geldverschwendung der eigenen Partei fehlt.

Gast: PAN1
06.09.2010 20:28
1 5

Nur mal so dahin gefragt:

Gab es eigentlich von der Presse - der selbsternannten Expertin für Einsparungen in allen Bereiche - auch nur irgendeinen ähnlichen Kommentar zu der skandalösen Geldverschwendung seit Jahrzehnten im Agrarbereich? Hat bei der Presse schon irgendeiner was vom "Schwarzbuch Landwirtschaft" gehört? Oder sind wir auf DEM Ohr taub???

Antworten Gerald
07.09.2010 07:27
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Re: Nur mal so dahin gefragt:

Gerade erst wieder am Samstag ein Artikel zur Zuckerrübensubvention:

http://diepresse.com/home/wirtschaft/economist/592276/index.do

und auch in der Woche davor:

http://diepresse.com/home/wirtschaft/economist/diebilanz/591596/index.do

Antworten Gast: Martin_S
06.09.2010 22:57
3 1

Re: Nur mal so dahin gefragt:

Ja. Wenn Sie lesen könnten, hätten Sie solche Artikel vor einigen Tagen hier lesen können...

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