Wir leben in wirtschaftlich unsicheren Zeiten, und da ist zweifellos ein höchstes Maß an Flexibilität gefragt: Was gestern laut hinausposaunt wurde, kann heute dank geschickter 180-Grad-Wende völlig abwegig sein. Prinzipien sind halt vor allem dann hochzuhalten, wenn sie einem gerade ins (wirtschaftliche) Konzept passen.
Am Beispiel jener Arbeitnehmer, die gestern in Eschborn bei Frankfurt ihren Protest lautstark auf der Straße kundtaten: Sie sind höchst besorgt, weil ihr Unternehmen mit einem anderen fusioniert werden soll. Und da fürchten die rund 3400 Mitarbeiter um ihre Jobs. Also demonstrierten sie für die „Absicherung der Arbeitsplätze“.
Das ist natürlich ihr gutes Recht, und so etwas kommt auch durchaus häufig vor. Schließlich kann man nicht von allen Arbeitnehmern verlangen, dass sie den tieferen Sinn einer Fusion verstehen. Da geht es in erster Linie um Effizienzsteigerungen – was sich mit Arbeitsplatzgarantien nur schwer vereinbaren lässt.
Mitarbeiter der Deutschen Börse wissen das wohl nur zu gut. Lustigerweise waren es aber gerade sie, die gestern auf die Straße gingen, weil ihr Unternehmen mit der New Yorker Börse fusioniert werden soll. Schon originell: Aus dem Herzstück des Kapitalismus kommen Proteste gegen dessen Spielregeln. What's next? Gewerkschafter, die das enge Korsett der Kollektivverträge anprangern? Wir sind flexibel – und harren der Dinge.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.03.2011)















