25.05.2012 23:31 | Meine Presse Merkliste 0

Schreibt die Lehrbücher um!

HANNA KORDIK (Die Presse)

Die Börse gilt als große Errungenschaft des Kapitalismus. In Deutschland ist das offenbar anders.

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Wir leben in wirtschaftlich unsicheren Zeiten, und da ist zweifellos ein höchstes Maß an Flexibilität gefragt: Was gestern laut hinausposaunt wurde, kann heute dank geschickter 180-Grad-Wende völlig abwegig sein. Prinzipien sind halt vor allem dann hochzuhalten, wenn sie einem gerade ins (wirtschaftliche) Konzept passen.

Am Beispiel jener Arbeitnehmer, die gestern in Eschborn bei Frankfurt ihren Protest lautstark auf der Straße kundtaten: Sie sind höchst besorgt, weil ihr Unternehmen mit einem anderen fusioniert werden soll. Und da fürchten die rund 3400 Mitarbeiter um ihre Jobs. Also demonstrierten sie für die „Absicherung der Arbeitsplätze“.

Das ist natürlich ihr gutes Recht, und so etwas kommt auch durchaus häufig vor. Schließlich kann man nicht von allen Arbeitnehmern verlangen, dass sie den tieferen Sinn einer Fusion verstehen. Da geht es in erster Linie um Effizienzsteigerungen – was sich mit Arbeitsplatzgarantien nur schwer vereinbaren lässt.

Mitarbeiter der Deutschen Börse wissen das wohl nur zu gut. Lustigerweise waren es aber gerade sie, die gestern auf die Straße gingen, weil ihr Unternehmen mit der New Yorker Börse fusioniert werden soll. Schon originell: Aus dem Herzstück des Kapitalismus kommen Proteste gegen dessen Spielregeln. What's next? Gewerkschafter, die das enge Korsett der Kollektivverträge anprangern? Wir sind flexibel – und harren der Dinge.

 

hanna.kordik@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.03.2011)

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14 Kommentare
krawuzl
10.03.2011 19:59
0 0

Frau Hanna Kordik!

Wirklichkeit (und auch Wahrheit) ist immer das, das wir dafür halten und auch die Lehrbücher sind nicht gescheiter, auch wenn die, die sie geschrieben haben das naturgemäß anders sehen.
Der Beweiß dafür sind die Postings hier und auch sonstige Äußerungen im www.

Eine ganz andere Sache ist die Meinungsmacht (das haben Sie in Ihrem Kommentar nicht sauber getrennt), und die wird nicht durch vollkommen atomisierte Stellungnahmen in Zeitungen oder durch Meinungsäußerungen von betroffenen Mitarbeitern bestimmt, sondern ausschließlich durch ökonomische Interessen. Und dies bedeutet, dass die ökonomische Atmungsfähigkeit bestimmt, was wirklich und richtig ist. Daran haben weder Religionen noch sonstige philantropische Veranstaltungen in der Menscheitsgeschichte etwas geändert.

Gast: PAN1
10.03.2011 12:45
2 3

Da doziert einer über...

... das Wesen des Kapitalismus, der in erster Linie von PresseFÖRDERUNG lebt...

Bringt auch nur ein Schreiberling der Presse zusammen, Existenzängste von Arbeitnehmern mit Platitüden aus dem Presse-Handbuch "Wir und der Kapitalismus" zu beantworten...

Aber wenns bei der Presse mal kapitalistisch eng wird trotz Förderungen, kann man sich ja immer noch bei der ÖVP, der Bauernkammer, dem ÖAAB, dem Wirtschaftsbund, der Industriellenvereinigung etc um Werbung (i.e versteckte Zusatzförderungen) anstellen...

Verlogenes Pack...

Antworten Tom93
10.03.2011 17:50
0 1

Re: Da doziert einer über...

marktwirtschaft, wettbewerb, rationalisierung und lohnkürzung ist immer nur für die anderen gut - aber nie für fix angestellte presse-wirtschaftsredakteure mit kollektivvertrag!

Re: Da doziert einer über...

Sie bekämpfen "Platitüden" mit wirklichen Platitüden aus der Mao-Bibel…
Und damit passen sie zu den geschilderten Misstädnen…

komajo
10.03.2011 07:41
1 2

Nicht gegen Fusionen

und Effizienzsteigerungen - aber mit den Amis, diesen Gelddruckern und Luftschlossverkäufern?

Tom93
09.03.2011 18:44
0 0

was hat der titel mit dem rest des kommentars zu tun?


Antworten Dagobert
10.03.2011 12:38
1 0

Re: was hat der titel mit dem rest des kommentars zu tun?

Ich habe mir diese Frage auch gestellt.

Ich reihe diesen Beitrag in die Rubrik Unterhaltung ein.

Antworten Gast: Martin_S
09.03.2011 19:28
1 2

Re: was hat der titel mit dem rest des kommentars zu tun?

Lesen ist NICHT Ihre Stärke. Wie wär's mit Murmel-Spielen??

Antworten Antworten Tom93
09.03.2011 21:19
1 1

Re: Re: was hat der titel mit dem rest des kommentars zu tun?

ich finde schon, dass lesen meine stärke ist. darum ja meine frage an die geschätzte journalistin.

in welchem lehrbuch steht, dass es sinnvoll ist für mitarbeiter eines unternehmens sich wegrationalisieren zu lassen? nur weils eine börse ist sollen die sich alles gefallen lassen? eine profitable und gut gehende noch dazu?

kurz gesagt: kordiks kommentar ist non.sense.

Antworten Antworten Antworten freeman
10.03.2011 16:05
1 0

In jedem guten...

Es ist auch für einen Arbeitnehmer nicht sinnvoll, seinen eigentlich obsolet gewordenen Posten als "Sesselfurzer" weiter zu besetzen.

Neue Herausforderungen dort zu suchen, wo man gebraucht wird, ist ökonomisch und psychologisch wohl die bessere Alternative.

0 1

Re: Re: was hat der titel mit dem rest des kommentars zu tun?

wer Karl May- äh Marx als Bettlektüre hat, ist nicht gerade der begandete Leser

Antworten Antworten Antworten Tom93
09.03.2011 21:21
1 2

Re: Re: Re: was hat der titel mit dem rest des kommentars zu tun?

sowohl karl may als auch karl marx haben ein gewaltiges oeuvre hinterlassen. insoferne kann ich mit ihrer behauptung, meine bettlektüre bestünde NUR aus marx und may ganz gut leben...es gibt üblere nachreden.

ps: was ist denn ihre bettlektüre?

Antworten Antworten Antworten Antworten freeman
10.03.2011 16:02
2 1

Quantität bietet auch das Wiener Telefonbuch

Der praktische Nutzen ist wahrscheinlich sogar höher als bei Marx.

Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Tom93
10.03.2011 17:49
0 0

Re: Quantität bietet auch das Wiener Telefonbuch

sie sind ja wirklich ein freund der schönen literatur! gratuliere!

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