26.05.2013 10:55 Merkliste 0

Die EU ist eine Transferunion

WOLFGANG BÖHM (Die Presse)

Es ist von der Realität längst überholt, dass der Euro eine No-Bail-out-Klausel hat.

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Das Spezialgebiet von EU-Ratstreffen ist das Biegen von Formulierungen. Ohne kreative Auslegung von Recht, ohne verbale Tricks würde nie ein politischer Kompromiss zustande kommen. Doch zum Problem wird dies, wenn die Exponenten eines solchen Kompromisses behaupten, dass sie um keinen Millimeter nachgegeben hätten. Wenn etwa der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) dieser Tage behauptet, die EU habe sich trotz De-facto-Ausweitung des Euro-Rettungsschirms, trotz höherer Haftungen für Länder wie Deutschland und Österreich nicht noch stärker in eine Transferunion verwandelt, ist das schlicht unwahr. Das Flussbett von Reich zu Arm ist tiefer ausgehoben worden. Jetzt muss nur noch das Geld eingeleitet werden.

Dieser Schritt wäre durchaus argumentierbar, weil sich die Euroländer dazu entschlossen haben, andere Länder gemeinsam aufzufangen (von wegen No-Bail-out). Immerhin gibt es gemeinsam ein hohes Interesse daran, dass der Euro stabil bleibt. 440Milliarden Euro wird der Rettungsschirm umfassen. Das klingt nach viel Geld. Aber das ist kein einzigartiges Ereignis. 350 Milliarden Euro hat die EU zwischen 2007 und 2013 über ihre Strukturpolitik umverteilt. Hier fließt Geld ganz real und anerkannt von reicheren Regionen in ärmere. Ostdeutschland und auch das Burgenland haben lange Jahre massiv davon profitiert. Umso seltsamer klingt da der Aufschrei der bayrischen CSU, die EU habe sich in eine Transferunion verwandelt. Die Wahrheit ist, die EU war das immer schon.

 

wolfgang.boehm@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.03.2011)

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34 Kommentare
 
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Re: Re: An der Peripherie des EURO-Gebiets,

@ galli leo

Dass Italien damals immer wieder abwertete war zu erwarten.

Gelitten darunter haben vor allem etliche Unternehmen aber nicht alle österr. Unternehmen.

Heute muss JEDER österr. Steuerzahler den Kopf hinhalten für die Zustände in Südeuropa:

GR: Die Eisenbahn in Griechenland hat jährliche Einnahmen von 100 Millionen... dem gegenüber stehen Löhne in Höhe von 400 Millionen und weitere 300 Millionen an Ausgaben.

Obwohl Österreich selber schon das Wasser bis zum Hals steht:
www.staatsschulden.at

Gast: Na und?
15.03.2011 07:03
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Das ist eine Lüge!

Nicht arme Staaten haben die Eurokrise verursacht!!!! Ist Irland arm?! Griechenland, Portugal, Spanien, Italien?!?!?!?

Es waren Finanztricksereien und Überschuldung von Staaten und Banken in Amerika und Europa!

Gast: radius
14.03.2011 22:56
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So ein Blödsinn, Herr Böhm, echt traurig,

wie Sie die Bevölkerung für dumm verkaufen wollen. Das wird Ihnen nicht mehr gelingen.

Wir bezahlen Beiträge in die EU und bekommen Teile davon wieder als Subvention zurück. Umverteilungsbürokratie.

Doch beim Garantieschirm werden die Nettozahler einzahlen und nichts zurückbekommen, kapiert Herr Böhm.

Re: So ein Blödsinn, Herr Böhm, echt traurig,

die für den garantieschirm zahlenden haben schon kassiert!
und zwar um einiges mehr, als die garantien heute ausmachen.

Antworten Antworten Gast: radius
16.03.2011 10:23
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Es ist echt interessant, dass gerade die,

die seit Jahrzehnten Netto-EMPFÄNGER der EU sind, Transferzahlungen aus dem Garantieschirm brauchen. Das passt irgendwie nicht und passt überhaupt nicht zu Ihrer Argumention.

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Re.: "Ohne kreative Auslegung von Recht, ohne verbale Tricks würde nie ein politischer Kompromiss zustande kommen."


Daß die Verträge glatt gebrochen wurden (und eben nicht nur gebeugt), ist doch zwischenzeitlich sogar von Legarde (fr. Wirtschaftsministerin) unwidersprochen konzediert worde.

Was Böhm mit dem Beispiel der Strukturhilfe als seit jeher bestende Transferunion verkauft, ist ein a) seit Anfang an bekannter und b) demokratisch beschlossener Umstand.

Die jüngsten Vertragsbrüche damit zu vergleichen ist bestenfalls ein Klassiker für Euphemie. Man erkennt die Absicht und ist verdammt verstimmt.

Gast: garstig?
14.03.2011 21:45
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wenn das so ist



dann WEG damit ! niemand will für fremde staaten zahlen, für leute, die nichts für einen tun-nebenbei, auch nichts für sich selbst.

Gast: Vogel Strauss
14.03.2011 20:50
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Die verbalen Verbiegungen ...

... nach den EU-Räten wurden aber bei den Pressekonferenzen (National Briefings) noch nie von irgendeinem Journalisten angesprochen - oder fliegt man dann automatisch raus??

Gast: Keintraumtänzer
14.03.2011 19:46
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Bail out ist nicht mit Umverteilung gleichzusetzen.

Dass es gut ist von Reichen zu Armen (in Massen ) umzuverteilen. Was nicht toleriert werden soll ist "für die selbstverursachten Schulden eines anderen Staates zu haften.

Dies war in den Verträgen verboten und wird mit Schwindeltricks unterlaufen.

 
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