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Mündelsichere Pleiteanleihen

FRANZ SCHELLHORN (Die Presse)

Staatliche Regulatoren haben die Krise in Griechenland nicht ausgelöst. Aber verschärft.

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Was wollten wir nicht alles aus der Finanzkrise lernen. Nie wieder sollten Steuerzahler für spekulierende Banken zahlen müssen. Nicht einmal zwei Jahre später ist klar, dass genau das passieren wird. Vor der Pleite zu bewahren ist zwar auf den ersten Blick keine Bank, sondern Griechenland. Ein Staat, der es nach dem Eurobeitritt richtig krachen ließ und alle Schleusen öffnete, um sein Volk einmal richtig zu verwöhnen.

Wird Athen nicht geholfen, fallen europäische Großbanken und deren Kunden um jene Gelder um, die sie den Hellenen geliehen haben. Warum sie das getan haben? Weil sie von staatlichen Regulatoren gedrängt wurden, Geld aus riskanten Veranlagungen abzuziehen und es in „sichere“ Staatspapiere zu stecken.

Vergeben Banken Kredite an florierende Firmen wie Volkswagen, müssen sie rund acht Prozent der ausgeliehenen Summen mit Eigenkapital abdecken. Leihen sie das Geld Griechenland oder Portugal, müssen sie keinen Cent zur Seite legen. Mit der Generalhaftung der Eurostaaten wurden die Anleihen maroder Länder auch noch zu einer „mündelsicheren“ Anlage.

Womit sich der Teufelskreis schließt: Wird nicht gezahlt, schlittert Griechenland in die Pleite und mit ihr einige Banken, die dann von den Steuerzahlern aufzufangen wären. Wird gezahlt, büßen die Steuerzahler in den Geberländern für die prassenden Pleitestaaten. Genau so haben wir uns eine staatliche Regulierung der Finanzmärkte schon immer vorgestellt.

 

franz.schellhorn@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.04.2011)

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14 Kommentare

populismus auch im wirtschaftsteil!

"..Griechenland. Ein Staat, der es nach dem Eurobeitritt richtig krachen ließ und alle Schleusen öffnete, um sein Volk einmal richtig zu verwöhnen."

falsch!
gr hat keine türen geöffnet. diese wurden von der europäischen exportwirtschaft eingedrückt.
firmen auch in ö haben tolle profite gemacht, indem sie auf den gr-markt drängten und dortige erzeuger verdrängten.
der gr-regierung ist der vorwurf zu machen, dass sie sich dagegen nicht gewehrt hat.
jedoch: rufe wie "protektionisten", "fortschrittsverweigerer", "verräter an der europäischen idee" usw wären den griechen sicher gewesen.

die piigs-krise hat ihren ursprung nicht in der finanzwirtschaft genommen (die hat die probleme potenziert) sondern in der stinknormalen warenwirtschaft.

und so ist es auch bei den ganzen lösungsmodellen:
engstirnige denken dauernd darüber nach, welche bank vielleicht zusperren muss, wieviel % von anleihen verloren gehen, usw.
das wirklich wichtige aber ist: was muss getan werden, um mit diesen ländern auch in zukunft (etwas weniger ertragreiche, aber immerhin!) geschäfte zu machen!

und, mal den sektor wirtschaft beiseitelassend: können eine krise in diesen ländern und von uns angeordnete suboptimale lösungen auch zu politischen verschiebungen führen?
kann es sich europa wünschen, zb in GR wieder mal die junta marschieren zu lassen? oder in portugal?


Gast: VoltaireXXX
23.04.2011 18:38
0 0

Mündelsicher?

Die Argumentation von Herrn Schellhorn ist nicht nachvollziehbar:
Riskante Staatsanleihen werden mit hohen Zinsen verliehen, in den hohen Zinsen ist das Risiko, dass die Anleihen nicht zurückbezahlt werden bereits eingepreist.
Für hochverzinste Staatsanleihen auch noch 100% Garantien, entweder vom Schuldner oder vom Steuerzahler zu verlangen oder erwarten, ist wohl nicht nachvollziehbar.
Das Banken auf jeden Fall vom Steuerzahler gerettet werden müssen steht nirgendwo geschrieben - in der Schweiz z.B. sind während der Immobilienkrise in den 80er Jahren reihenweise Banken pleite gegangen.
Herr Schellhammer argumentiert wie ein Bankbeamter..., aber nicht unbedingt im Interesse der Banken.

Antworten Gast: niederösterreicher
25.04.2011 08:51
1 0

Re: Mündelsicher?

Die griechischen Staatsanleihen wurden erst hochverzinst als das Risiko bekannt wurde - davor rendierten Griechenbonds max. 80 Bp über Bund.

Investoren: muß man aber auch sagen, dass der ausufernde Sozialsstaat in Griechenland, der die Krise verursacht hat bekannt war trotzdem hat man ohne Risikozuschlag in Griechenbonds investiert.

sehr richtig

leider wird an diesem unsinn nichts geändert. das erinnert an mittelalter bis absolutismus: der von gott eingesetzte fürst, könig oder kaiser, nimmt seinen untertanen ihr vermögen ab, stellt dafür einen schuldschein aus, der je nach kriegsglück nichts oder noch etwas wert ist. wenn einer zuviele schuldscheine hat, konnte passieren, dass er irgendwo in einem gefängis verschwindet. zumindest heute bleibt den gläubigern dieses schicksal erspart. seit die staaten gelernt haben, ihre bürger mittels inflation zu betrügen.

die Lösung ist einfach

lasst die maroden Staaten pleite gehen und die Zockerbanken ebenfalls pleite gehen. Dem österreichischen Staat gehts nicht so gut dass er für jeden dahergelaufenen Idi.ten dessen selbstverschuldete Finanzprobleme löst.

Antworten Gast: Österreicher in Frankfurt/Main
25.04.2011 08:52
0 0

Re: die Lösung ist einfach

Zockerbanken? Welche?

Re: die Lösung ist einfach

Ja so stellt sich der kleine Franzi mit volkswirtschaftlichen Kenntnissen auf Krone-Niveau das so vor. Das Leben kann ja so einfach sein.

Re: Re: die Lösung ist einfach

das ist die einzige Lösung, denn besser ein Ende mit Schrecken als Schrecken ohne Ende. Sehen sie sich die USA an. Die hat zwar einmal ein Bankenrettungspacket beschlossen, und zwar mit einem weit geringerem Betrag pro Kopf als Österreich und andere EU-Staaten, seither allerdings retten sie keine Banken mehr. Dort sind in den letzten 2 Jahren mehr als 300 Banken in Konkurs gegangen, und ich habe nichts davon gehört dass dort alles zusammengebrochen wäre, im Gegenteil das Wirtschaftswachstum der USA ist besser als das der Eurozone

Re: Re: Re: die Lösung ist einfach

Ja das Leben kann so einfach sein. Nur so viel Sie Volkswirtschaftsexperte. Die 300 Banken die in der USA in Konkurs gegangen sind waren alles kleine und mittlere Banken. Eine systemrelevante Bank hätten sie nie und nimmer in Konkurs gehen lassen.

Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: Österreicher in Frankfurt
25.04.2011 09:22
1 0

Re: Re: Re: Re: die Lösung ist einfach

oft ist die Bauernschläue nicht die dümmste Bildung!
Ein Grund, warum das Defizit der USA mit deutlich über 100% über BIP weniger bedrohlich ist als die Verschuldung in EU-Europa: Die USA ist näher an der freien Marktwirtschaft als wir - und das ist ein Vorteil!

Re: Re: Re: Re: die Lösung ist einfach

sie dürften allerdings auch keine sehr umfassenden volkswirtschaftlichen kenntnisse haben. denn sie nennen sich zwar österreicher, kennen aber offensichtlich nicht die lösung der österreichischen schule der nationalökonomie für die derzeitigen probleme in den usa und der eu.

mit dem halben keyensianismus und dem angewandten marxismus, der uns in die misere gebracht hat, werden wir uns nämlich nicht am eigenen kragen aus dem sumpf ziehen können.

Re: Re: Re: Re: Re: die Lösung ist einfach

Die Lösung der österreichischen Schule der Nationalökonomie? Der Witz war gut.

Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: apercus
23.04.2011 17:07
0 0

Re: Re: Re: Re: Re: die Lösung ist einfach

Sie dürften diese Ansätze aber auch nicht unbedingt besser kennen. Was Hayek unter einer idealen VW versteht ist auch nicht unbedingt die Lösung aus den momentanen "Sumpf". Oder wie viel Gold und Silber haben Sie denn so gebunkert?

Antworten Antworten Gast: apercus
23.04.2011 09:53
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Re: Re: die Lösung ist einfach

Aber auch der Herr univ.Prof. Franzi mit volkswirtschaftlichen Kenntnissen auf akademischen Niveau sollte wissen, dass der status quo längst Eingriffe in die gesamtvolkswirtschaftliche Struktur der PIIGS-Staaten verlangen würde. Pleite gehen lassen wäre ein - wenn auch ein sehr radikaler - Vorschlag. Wo bliebt Ihrer, Herr Professor?

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