25.05.2012 23:32 | Meine Presse Merkliste 0

Unbestimmte „Empörte“

CHRISTIAN ULTSCH (Die Presse)

Proteste, die kein Ziel haben, verlaufen sich rasch. Das wird auch für Spanien gelten.

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Die Protestwelle in Spanien kommt nicht überraschend. Verwunderlich ist vielmehr, dass ein Land mit einer Jugendarbeitslosigkeit von fast 45 Prozent nicht schon eher von sozialer Unruhe erfasst wurde. „Indignados“ – „Empörte“ – nennen sich die Demonstranten, die in Madrid und anderen Städten ihrem Ärger Luft machen. Die Selbstbezeichnung erinnert an das in jeder Hinsicht dünne Pamphlet „Empört euch“, in dem der 93-jährige Franzose Stéphane Hessel Europas Jugend zuletzt mit großer Geste (und Beliebigkeit) zum Widerstand aufrief.

Ähnlich unbestimmt wie die Protestschrift des Alten ist nun die Protesthaltung der Jungen. Und deshalb wird sich die Bewegung im Gegensatz zum Arabischen Frühling, der nun gern als Vergleich herangezogen wird, relativ schnell verlaufen. In Kairo und Tunis verdichtete sich die Wut zu einem konkreten Ziel: dem Sturz eines Diktators. Die spanischen Rufe nach einem „neuen politischen System“ werden ebenso verhallen wie die pauschalen Parolen gegen Banker, solange keine ernsthaften Alternativen zu Demokratie und Kapitalismus genannt werden können.

Was jedoch nicht so rasch verfliegen wird, ist die Frustration einer ganzen Generation, die keine Aussicht auf Jobs hat. Auch wenn schon bald keine Massen mehr durch europäische Städte ziehen sollten, birgt diese Konstellation zwei Gefahren: gesellschaftlichen Stillstand und Radikalisierung. Beides könnte unangenehme Folgen haben.

 

christian.ultsch@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.05.2011)

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12 Kommentare
Gast: aus spanien
24.05.2011 18:00
0 0

viel ahnung

von der Situation in Spanien und der Natur der Protestbewegungen hat der Autor dieser Zeilen nicht wirklich...

Gast: Lindovska
24.05.2011 13:49
0 0

Hellseher oder Journalist?

Man könnte meinen, der Herr Ultsch hat für seinen Kommentar in seine Kristallkugel geschaut statt zu recherchieren.

Gast: Hinweis__
24.05.2011 13:33
1 0

Ultsch

is back (!!!) - schlechter als je zuvor :-)))))))))))

0 0

Das soll ein Kommentar sein ???

Diese paar nichtssagenden Zeilen als Kommentar zu bezeichnen ist "kühn". Außerdem hat die protestierende Jugend nie die Demokratie in Frage gestellt. Scheinbar kann Herr Ultsch nicht Spanisch lesen.

Bevor man einen "Kommentar" schreibt sollte man sich wenigsten mit der kommentierten Sache beschäftigen.

derpradler
24.05.2011 10:01
0 0

Die Proteste richten sich

gegen die EU, gegen den "freien Markt"!Da kann die systemtreue, neoliberale Presse dagegen kläffen so lange sie will!

Antworten Gast: Gast: Leser
24.05.2011 11:44
0 0

Re: Die Proteste richten sich

Vielleicht wollen sie gar den Franco zurück?

Antworten freeman
24.05.2011 10:19
0 0

Mag sein,

dann sind die "Protestler" aber nur noch Idioten.


Gast: Reflector
23.05.2011 23:01
3 1

Ein dünnes Brett ...

... mit ein paar Schlagworten gebohrt.

Nur auf Schlagworte wie Demokratie und Kapitalismus hinzuweisen ist wohl zu wenig wenn diese unbeleuchtet bleiben, denn genau diese sind de facto gar nicht mehr so vorhanden wie dies sein sollte und damit werden den Jungen die Chancen erst geraubt.

Schon seit Jahren wird immer mehr versucht den 'Kapitalismus' zu regeln der damit immer mehr in Planwirtschaft abdriftet, wo sich dann zwangsläufig die 'Demokratie' mit dem 'Kapitalsmus' zu einem Sozial Industriellen Komplex vermengt.

Also welche Demokratie:
Eine die nur umverteilt und damit Ihre Klientel bedient?
Deren Parlamente zu Zentralkommitees der Parteien entartet sind?
Mit Medien und Körperschaften die alle abhängig sind vom Schuldgeld?
Von beamteten Richtern die sich selbst dann nicht rühren wenn einige schon laut Hochverrat schreien?
Einer mit Zwangsinteressensvertretungen die alle nur ein Interesse wirklich vertreten, nämlich Ihrer Klientel die Macht zu erhalten?

Also welcher 'Kapitalismus':
Einer mit einer 'ZENTRALbank'?
Einer mit Betrug=Schuldgeld=Sklavengeld aus dem Nichts?
Einer mit festgelegten Zinsen eines Kommitees anstatt mit Marktermittlung?
Einer mit Interventionsgruppen aus der Regierung zur 'Markt'Stützung?
Einer wo es 'too big to bail' Teilehmer gibt die man nicht sterben läßt?
Einer wo diesen big playern der Konkurs bezahlt wird auf Kosten der kleinen und mittleren?

Nein!

Die Bewegungen werden wohl hoffentlich weitergehen ...

gms_
23.05.2011 20:38
3 0

Re.: ".. solange keine ernsthaften Alternativen zu Demokratie und Kapitalismus genannt werden können."


Wir leben aktuell in besagter Alternative -- sie hört auf die klingenden Namen "Parteiendiktatur", "Fiat-Money", "Gängelung der Wirtschaft durch inkompente Zauberlehrlinge" und "Gleichmacherei per Guillotine".

Ein Leben in Demokratie und Kapitalismus wäre eine wunderbare und willkommene Alternative zur derzeit erzwungenen Verhaustierung im Augiasstall.

Antworten galli leo
24.05.2011 10:12
0 0

Re: Re.:

ich kann jetzt auch keine alternative benennen.

aber eines MUSS bez. demokratie und kapitalismus angemerkt werden:
beiden fehlt völlig die nachhaltigkeit.

in der wirtschaft zählt kaum noch das aktuelle jahr, wichtiger ist das aktuelle quartal! wenn der eigene erfolg mit viel schwerer wiegenden nachteilen für andere 'erkauft' wird, ist das im kapitalistischen system sogar lobenswert.

und bez. demokratie:
auch hier zählt der nächste wahltermin allemal am meisten.
und dem souverän=wähler in der demokratie ist nahezu immer ein aktueller vorteil und eventuell langfristiger nachteil lieber als umgekehrt.

wenn mal in tausenden jahren ein archäologe (sofern es dann überhaupt noch menschen geben sollte) ausgrabungen macht und auf unsere zeit rückschlüsse ziehen sollte, dann wird er zur erkenntnis kommen: diese zivilisation ist untergegangen WEGEN nichtberücksichtigung von nachhaltigkeit im system von demokratie und kapitalismus.


Antworten Antworten freeman
24.05.2011 10:36
1 1

Keine (erfolgreiche) Gesellschaft war je "nachhaltig".

Nachhaltigkeit heißt Stagnation und in letzter Konsequenz Untergang.

Das gute am Kapitalismus ist, daß ein Gut wahrscheinlich nie ausgehen wird solange es Menschen gibt - die Kreativität.

Es ist absurd, im Sinne der "Nachhaltigkeit" heute die vermuteten Probleme von morgen lösen zu wollen - Probleme löst man dann, wenn sie auftreten.

Den impliziten Vorwurf, der Kapitalismus würde die Zukunft für die Gegenwart verkaufen gebe ich zurück - die Nachhaltigkeitsideologen verkaufen die Gegenwart für eine vermutete Zukunft.

Wenn es eine Verpflichtung zukünftigen Generationen gegenüber gibt, dann die, die materiellen und geistigen Ressourcen für deren Wohlergehen zu schaffen - welche natürlichen Ressourcen sie dazu verwenden werden können wir heute unmöglich wissen.

BTW: Es gibt auch im Kapitalismus ein massiv auf die Zukunft gerichtetes Element, das die Behandlung von Gegenwart und Zukunft in einer Gleichung erlaubt - den Zins. Interessanterweise ist dies auch gleichzeitig einer der Hauptangriffspunkte einer Handvoll Vulgärantikapitalisten...

Gast: radius
23.05.2011 19:42
0 0

Doch es gibt ernsthafte Alternativen und

das sind Planwirtschaft und Diktatur.

Warum sollte Europa davor gefeit sein?

Die EU zeigt es vor, die will alle Macht ohne Wahlen und weiter keynesianische Umverteilungspolitik. Wir sollten von oben bemuttert werden und die Kuh brav füttern.

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