Besserwessi aus den USA

WOLFGANG BÖHM (Die Presse)

US-Finanzminister Geithner will wissen, wie Europa zu helfen ist: mit noch höheren Schulden.

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Er flog ein, um die EU-Finanzminister zu treffen, gab gute Ratschläge und war wieder dahin. Der Auftritt von US-Finanzminister Timothy Geithner im polnischen Wroclaw (Breslau) war schlicht eine Farce. Der US-Politiker erinnerte an „Besserwessis“, Westdeutschen, die einst in die Ex-DDR zogen, um Wirtschaftstreibende zu beraten. Sie beschafften Förderungen und billige Kredite, woraufhin in Ostdeutschland viel Steuergeld in sinnlose Reformverhinderung floss. Natürlich muss gerade in Krisenzeiten die Finanzpolitik der großen Wirtschaftsmächte USA und EU abgestimmt werden. Doch die Rezepte, die Geithner den Europäern mitgebracht hat, laufen allein auf eine weitere Aufstockung des Euro-Rettungsschirms und weitere Konjunkturprogramme hinaus. Es sind Rezepte, die noch höhere Schulden zur Folge hätten.

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Fast könnte man glauben, die USA haben ein Interesse daran, Europa an ihr eigenes, höheres Schuldenniveau heranzuführen. Hochgerechnet auf Einwohner ist jeder Bürger der Eurozone mit 21.500 Euro verschuldet, US-Bürger tragen eine Last von 33.600 Euro – also ein gutes Stück mehr.

Es wird für Europa schwer genug, seine Schulden abzubauen, ohne das Wachstum abzuwürgen und eine tiefe Wirtschaftskrise zu riskieren. Aber es gibt einen breiten gesellschaftlichen Konsens, die Last verantwortungsvoll zu reduzieren – auch um künftigen Generationen eine Chance zu lassen. Teure Hilfsaktionen wie jene für Griechenland zeigen nämlich, dass es hier sowieso eher um die Rettung von Banken als um Volkswirtschaften oder gar Arbeitsplätze geht. Geithner aber will, dass wir noch mehr Schulden in dieses System stecken, um es möglichst lange zu erhalten.

 

wolfgang.boehm@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.09.2011)

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14 Kommentare

wir wollen nur ihr bestes

attac,(youtube)

attac


Gast: dagobert besenginster
17.09.2011 14:55
0

Der Oberboss schaut nach dem rechten

Dass der US-Finanzminister nach Europa kommt, ist in Wahrheit ein seltenes Ereignis, welches uns Normalbürgern für einen kurzen Moment die WAHREN Machtverhältnisse enthüllt: Der Finanzminister des Imperium Americanum verlässt seine Zentrale und schaut in der Provinz Europa nach dem rechten.

Gast: g749+
17.09.2011 10:05
0

die größten besserwisser

sind immer noch schellhorn und fleischhacker

Gast: Blaubeere
17.09.2011 08:42
0

Peinlicher Kommentar

Geht es der Presse wirklich schon so dreckig, dass sie nur mehr die Vorurteile ihrer Leser bestätigen muss, anstatt sie zu informieren? Und da wundert sich irgend jemand über die Qualität unseres politischen Systems?

Antworten Gast: g749+
17.09.2011 10:06
0

Re: Peinlicher Kommentar

richtig das ist das resultat der beiden spitzenjournalisten schellhorn fleischacker die elite unter den schreiberlingen so wie unsere politiker alles top leute und echte leistungsträger

Gast: Migranz
17.09.2011 07:33
0

Überheblichkeit

Die Amerikaner versuchen sich da wichtig zu machen und eine Dominanzstellung aufzubauen. Was die wohl sagen würden wenn europäische Finanzminister ihre Regierung "beraten " würden.

Nachdem,

nachdem die USA ihre Gelddruckmaschine in Gang gebracht haben und die FED Kredite zum Nulltarif ausgibt, ist massig viel wertloses Geld im Umlauf.
Natürlich wissen die USA über Wirtschaftskraft und Schuldenproblematik genauestens bescheid.
Also schickt man flugs den Timothy auf Reisen um die verschuldeten Europäer dazu zu bewegen weitere Kredite zu nehmen und wo?
Natürlich über USA geführte Hedgefonds.
Und oh Wunder man hat das PIP gesteigert in den USA und keinen Inflationsschub und vor allem - Einnahmen für die nächsten 30 Jahre-
Da sage doch einer es gibt nicht die biblische Brotvermehrung, halt über Umwege.

Na ja ...


>Hochgerechnet auf Einwohner ist jeder Bürger der Eurozone mit 21.500 Euro verschuldet, US-Bürger tragen eine Last von 33.600 Euro – also ein gutes Stück mehr.<

Das BIP/USA/Kopf entspricht ungefähr der Verschuldung/Kopf/USA.

Das BIP der EU 27 pro Kopf beträgt ungefähr 25.000 Euro bei einer Verschuldung/Kopf/EU 27 von 21.500 Euro.

Verhältnis BIP/Kopf/Verschuldung:

USA: 100%

EU: 86%

Das "gute Stück mehr" macht nicht viel her.


Timmy

hat den Mund aufgemacht und seine unfaehigkeit wieder bestaetigt. Leider glauben er und Obama was die von sich geben. Ein Trauerspiel, eine griechische Tragoedie.
“The first rule of politics, never believe anything until it is officially denied.”
Euro breakup gefaellig?

"Besserwessi" aus den USA

ist eine nette und verharmlosende Umschreibung für "Präpotzenzler" auf gut wienerisch.


Gast: tigerzahn
16.09.2011 19:57
2

ja, logisch werden die USA alles unternehmen

damit die Euro EU vor den USA an ihren staatsschulden verreckt.

jeder, der besser dasteht als die USA, wird einerseits als zahlungskräftiger kunde und investor gebraucht, damit die US wirtschaft nicht erlahmt, die privaten milliardäre gieren ja weiterhin nach milliardengewinnen,
und muß andererseits so massiv geschwächt werden, daß die USA als stärkste macht überbleiben.

also alles in allem nichts neues aus dem wilden westen.

Gast: netter gast
16.09.2011 19:45
1

jeder Bürger der Eurozone mit 21.500 Euro verschuldet

Schade dass ich
keine Bank bin
und zumindest 1000 €
von jedem Europäer bekommen könnte

Die 21.500 , vom Kind bis zum Greis ,
ist aber nur die Summe ,die die Banken
per Staat vom Bürger wollen .

Dann kommen noch die Privatschulden
und indirekt die Zinsen für die Schulden der Wirtschaft .

Das große Problem unserer Gesellschaft sind die Zinsen .
Die Zinsnehmer verlangen auf die summierten Schulden bereits etwa 30% der Wirtschaftsleistung eines Staates als Zinsen.

Was ist die Gegenleistung der Zinsnehmer ?

Gast: gast01
16.09.2011 19:22
2

...

Schön langsam sollte eigentlich klar werden dass die gesamte Europeripherie und einige Kernländer hoffnungslos überschuldet oder insolvent sind, und dass das weder durch kurzfristige Zwischenfinanzierung noch 2 Jahre sparen gelöst werden kann. Es wird nichts daran vorbeiführen das nötige deleveraging durch erhöhte Inflationsraten zu beschleunigen wenn ein völliges Implodieren der Wirtschaft vermeiden will.

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