Die wunderbare Geldvermehrung

WOLFGANG BÖHM (Die Presse)

Der Markt lässt sich nicht täuschen. Eine „Hebelung“ des Euro-Rettungsschirms wird das Problem nicht lösen, sondern höchstens aufschieben.

Drucken Versenden AAA
Schriftgröße
Kommentieren

Mehr zum Thema:

Wie beschafft sich Europa Geld ohne schwierige politische Beschlüsse? Wie beschafft es sich die gewaltige Summe von zwei Billionen Euro, ohne dass es jemandem wehtut? Das sind die Hauptfragen, die derzeit die Vorbereitung auf den EU-Gipfel dominieren. Die wunderbare Geldvermehrung wird „Hebelung“ genannt. Sie ist ein virtuelles Instrument für virtuelle Märkte. Sie hat aber letztlich nur einen Zweck: Zeitgewinn.

Mehr zum Thema:

Ein auf diese Weise aufgeblähter Euro-Rettungsschirm soll die Finanzmärkte beruhigen und den Verkauf von Staatsanleihen wieder erleichtern. Doch die Märkte werden sich nicht lange täuschen lassen. Es gibt deshalb nicht mehr reales Geld. Und es wird dadurch eher weniger als mehr reale Anstrengungen geben, das eigentliche Schuldenproblem zu lösen.

Wir sollten uns nichts vormachen: Die Geldvermehrung für verschuldete Staaten wird durch Geldentwertung, höhere Steuern und schmerzhafte Kürzungen von Sozialleistungen kommen. Es gibt keine Wunder. Auch den Haupttreffer einer Lotterie zahlen jene, die Woche für Woche leer ausgehen. Nur mit einem Unterschied: Bei der Lotterie kann jeder selbst entscheiden, ob er mitmacht.

 

E-Mails an: wolfgang.boehm@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.10.2011)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Lesen Sie hier weiter zum Thema:

Mehr aus dem Web

1 Kommentare

Bitte

Können sie das mal den Politikern ERKLÄREN Bitte ich auch VERSTANDEN obwohl ich nur meinen Namen schreiben kann.
Vieleicht SCHAFFEN sie es ja denn dann ist IHNEN ein Denkmal sicher.

Top-News

  • Migration: 40.000 Asylwerber prognostiziert
    2014 brachten 28.064 Anträge das System aus dem Gleichgewicht. 2015 dürften es nach internen Berechnungen 43 Prozent mehr sein. Bisher lag die Schwelle für einen stabilen Gesamtapparat bei 18.000.
    Bures: „Geschwärzte Akten sind unzulässig“
    Nationalratspräsidentin Doris Bures will die neuen U-Ausschuss-Regeln mit Leben erfüllen. Zu ihren Aussagen zu ÖBB-Chef Kern steht sie weiter.
    Casinos werden voll verstaatlicht
    "Die Presse" exklusiv. Die Staatsholding ÖBIB hat den Anteilseignern der Casinos Austria erklärt, alle Anteile übernehmen zu wollen. Der entsprechende Beschluss soll kommende Woche erfolgen.
    Im Namen der Republik
    Urteilsveröffentlichung in der Sache Dr. Herbert Stepic gegen diepresse.com wegen eines Kredits bei der Hypo Alpe Adria.
    VW: Die Niederlage des mächtigen Patriarchen
    Eigentlich wollte er die Karriere von Vorstandschef Martin Winterkorn beenden. Doch nach dem Machtkampf an der Konzernspitze steht VW-Aufsichtsratsvorsitzender Ferdinand Piëch als Verlierer da.
    Meinl-Anklage: Zurück an den Start
    Die Staatsanwaltschaft muss auf Anweisung des Oberlandesgerichts die Klage gegen fünf Meinl-Banker nachbearbeiten – eine seltene Niederlage.
AnmeldenAnmelden