25.05.2012 23:35 | Meine Presse Merkliste 0

Das ungeliebte Wunderland

FRANZ SCHELLHORN (Die Presse)

Deutschlands Exportkraft wird gern verflucht. Dabei ist sie ein wahrer Segen.

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Irgendwie müssten einem die Deutschen ja schon fast leidtun: Haften sie mit Milliardenbeträgen für Schulden insolventer Inselstaaten, werden ebendort deutsche Fahnen abgefackelt und die vermeintlichen Retter als „Zuchtmeister im Stechschritt“ durch die Gazetten gejagt. Ziehen sie mit hohen Ausfuhren Europas Konjunktur aus dem Sumpf, werden sie als unsolidarische Leistungsmonster angefeindet.

Würden nämlich deutsche Betriebe höhere Löhne zahlen, ginge es allen besser: Deutsche Verbraucher hätten mehr Geld, um Waren aus anderen Ländern anzuschaffen, gleichzeitig wären deutsche Erzeugnisse auf den Weltmärkten weniger konkurrenzfähig, womit die Anbieter anderer Länder mehr Platz bekämen und aus eigener Kraft wachsen könnten.

Das sehen nicht nur Redakteure der „Sendung mit der Maus“ so, sondern hochrangige Ökonomen und Politiker. Wie IWF-Chefin Christine Lagarde, die in der Leistungsfähigkeit deutscher Exporteure ein ganz großes Problem sieht.

Dabei dürfte das Problem die eigentliche Lösung sein: Deutschland ist nämlich ein ziemlich gutes Beispiel dafür, wie Hochlohnländer auf den Weltmärkten reüssieren. Zum Beispiel mit vernünftigen Gewerkschaften und plausiblen Lohnabschlüssen, die hunderttausende Menschen in Arbeit halten. Dieses Modell ist vielleicht weniger sympathisch, dafür deutlich nachhaltiger als jenes seiner Kritiker, die mit geliehenem Geld Konjunktur „machen“ und so für fiktives Wachstum sorgen.

 

franz.schellhorn@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.02.2012)

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33 Kommentare
 
1 2
Gast: Karl Schlosser
09.02.2012 18:14
0 0

Würden die Chinesen höhere Löhne zahlen ?

Würden die Chinesen höhere Löhne zahlen, dann hätten wir im Burgenland noch Textilindustrie.
Und die Chinesen hätten "nichts".
Die Tüchtigen sind schuld am Unglück der Untüchtigen !
Jeder der sich mehr anstrengt ist also ein Verbrecher.
Oder sind die Untüchtigen vielleicht doch selbst schuld ?

Gast: Wie geht das eigentlich?
09.02.2012 16:40
2 0

So einfach ist es

Alle Länder der Welt nehmen sich an Deutschland ein Beispiel und erwirtschaften Exportüberschüsse.
Äh, hab' ich da einen Denkfehler?
Hilfe, Schellhorn, wie geht sich das aus?

Antworten periskop
09.02.2012 18:52
1 1

Re: So einfach ist es

Gefragt wurde zwar Schellhorn, ich weiß die Antwort aber auch:
Wenn sich alle an den Deutschen ein Beispiel nehmen und so tüchtig werden wie diese, dann verschwinden die Exportungleichgewichte und alle werden reicher!

periskop
09.02.2012 16:06
3 1

Es sind nicht die Löhne, die Deutschland zum Exportweltmeister machen!

Deutsche Maschinen sind ja gar nicht billiger als die aus anderen Ländern, sondern einfach besser! Dass das bei Autos so ist, sieht jeder, es gilt aber auch für sehr viele andere Maschinen!

Der (nicht hier, aber anderswo gemachte)Vorwurf, die Deutschen würden Lohndumping machen, ist einfach lächerlich. Das deutsche verarbeitende Gewerbe zahlt hinter Belgien die höchsten Löhne der Welt!

Dass die deutschen Verbraucher mehr Geld hätten, wenn die Löhne noch höher wären, stimmt nicht. Wenn "deutsche Erzeugnisse auf den Weltmärkten weniger konkurrenzfähig [wären], womit die Anbieter anderer Länder mehr Platz bekämen", gibt es in Deutschland mehr Arbeitslose und die Deutschen können nicht mehr, sondern weniger kaufen als jetzt!

Die Deutschen zu behindern, würde nicht zu mehr Wachstum anderer europäischer Länder führen, sondern nur zu abnehmender Bedeutung Europas auf den Weltmärkten.

Wer mehr wachsen will, muss den technischen Fortschritt vorantreiben, damit die eigenen Produkte besser werden und ihr Geld wirklich wert sind, dann werden sie auch öfter gekauft und die Wirtschaft wächst!

Antworten Dr.Schwejk
09.02.2012 16:48
1 1

Re: Es sind nicht die Löhne, die Deutschland zum Exportweltmeister machen!

Tatsache ist auch, dass zwischen 2000 und 2007 die Löhne in Deutschland - inflationsbereinigt - nicht gestiegen sind, was dazu geführt hat, dass der Binnenkonsum stagniert.
Vom Aufschwung in diesen Jahren haben nur die obersten 10% profitiert:
http://www.youtube.com/watch?v=CFrn2JYAdJw

Antworten Antworten periskop
09.02.2012 18:46
0 0

Re: Re: Es sind nicht die Löhne, die Deutschland zum Exportweltmeister machen!

Diese Zurückhaltung der deutschen Gewerkschaften ist einer der Gründe, weshalb die Arbeitslosigkeit klein ist und Deutschland vom kranken Mann Europas zum reichen Zahlmeister Europas werden konnte!
Die Löhne in Deutschland gehören trotzdem immer noch zu den höchsten der Welt!

Antworten Antworten Antworten Dr.Schwejk
09.02.2012 19:11
1 0

Re: Re: Re: Es sind nicht die Löhne, die Deutschland zum Exportweltmeister machen!

Und dazu, dass vom Aufschwung nur die obersten 10% profitiert haben und zwar auf Kosten des Mittelstandes, fällt Ihnen nichts ein?

Antworten Antworten Antworten Antworten periskop
09.02.2012 22:35
1 0

Re: Re: Re: Re: Es sind nicht die Löhne, die Deutschland zum Exportweltmeister machen!

Wenn Arbeitslosigkeit vermieden wurde, haben nicht die obersten 10% profitiert.
Wenn sich eine Gruppe, die begriffen hat, dass überzogene Forderungen ihren eigenen Interessen schaden, eine Zeit lang zurückhält, kann man nicht kritisieren, dass sie in dieser Zeit hinter den anderen zurückbleibt.
Jetzt, wo Deutschland wieder gut dasteht, werden die Gewerkschaften sicher nicht versäumen, ihren Anteil am gewachsenen Kuchen einzufordern!

Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Dr.Schwejk
10.02.2012 00:31
0 0

Die obersten 10% haben gewaltig profitiert!

Das Vermögen der obersten 10% ist zwischen 2002 und 2007 um über 1000 Milliarden Euro gewachsen, während der gehobene Mittelstand einer Vermögensverlust in der gleichen Größenordnung verkraften musste.
Und Sie sagen, dass die obersten 10% nicht profitiert hätten.
Realitätsverweigerung!

Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten periskop
10.02.2012 09:22
0 0

Re: Die obersten 10% haben gewaltig profitiert!

Ich weiß zwar nicht, aus welcher Population ihre obersten 10 % stammen und wie man auf 1000 Milliarden gekommen ist, ich weiß aber, dass es eine gewaltige Wertpapierblase gegeben hat, die 2008 geplatzt ist. Wie sich die künstlichen Derivate mit ihren Fantasiepreisen entwickelt haben, kann ich nicht sagen, aber der ATX hatte Mitte 2007 einen Höchststand von 4981,87 und stürzte dann auf 1411,95 ab. Aktienbesitzer haben also nach 2007 einen Verlust von 72 % erlitten, der sich zwar bis heute auf 55 % verringert hat aber immer noch gewaltig ist! Das müsste man auch dazusagen, wenn man über die "Reichen" spricht!

Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Dr.Schwejk
10.02.2012 18:45
0 0

Re: Re: Die obersten 10% haben gewaltig profitiert!

Ich weiß nicht genau, was Sie mit "Population" genau meinen.
Herkunft, Staatsbürgerschaft?
Es handelt sich um das letzte Dezil einer Vermögensstatistik aus Deutschland.
Und was soll der Hinweis auf Aktienverluste?
Glauben Sie, dass der gehobene Mittelstand (7., 8, und 9. Dezil) keine Aktien hat?
Genau dieser gehobene Mittelstand hat während der Aufschwungphase 2002 bis 2007 Vermögensverluste zu verzeichnen gehabt.
Die "kleinen Leute" sind mit plus/minus Null aus der Aufschwungphase herausgegangen.
Von ihnen war auch nicht die Rede.

Gast: exp123
09.02.2012 12:56
1 1

Gott erhalt den deutschen Export

Im EU Binnenmarkt (45%) sind sie unschlagbar wettbewerbsfähig, weil ohne Abwertung die schwachen EU Länder der deutschen Konkurrenz hilflos ausgeliefert sind.

Auf den Weltmärkten haben sie leichtes Spiel, weil die PIGS den Euro drücken. Eine DM wäre ähnlich stark wie Yen und Franken.

Zu normalen Zeiten hieß es: VW muss 3 Autos verkaufen um das selbe zu verdienen wie Toyota mit einem Auto.
Müsste VW und der übrige deutsche Außenhandel heute zu Yen-Kosten produzieren, wäre wahrscheinlich noch etwas drauf zulegen um exportieren zu können.

Ewig werden diese günstigen Rahmenbedingung (no free lunch) nicht zu halten sein. Entweder sie zahlen kräftiger in die EU Kasse, oder sie messen sich mit neuer DM mit den wirklich Starken.


Antworten periskop
10.02.2012 15:47
0 0

Re: Gott erhalt den deutschen Export

Die Euro-Einführung gegen alle wirtschaftliche Vernunft (sie erfolgte ja nur, weil Frankreich die starke DM nicht mehr ausgehalten hat) zeigt jetzt ihre Nachteile. Dabei ist der deutsche Exporterfolg das geringste Übel, das meiste geht ja in die EU, wo der Eurokurs keine Rolle spielt. Viel schlimmer ist, dass die schwachen Länder nicht abwerten können, was sie in eine ausweglose Situation bringt. So viel Geld kann man mit sinnlosen Rettungsschirmen gar nicht verbraten, um hier einen Ausweg zu finden!

Helvetier
09.02.2012 09:16
4 3

Lobeshymne auf Deutschland?

Ich bin wahrlich kein Experte (höchstens Hobbyökonom), verstehe den ganzen "Positivhype" um Deutschland jedoch keineswegs:

1. Sind denn die Belastungen, die D zu tragen hat und seine ohnehin horrenden Schulden von über 80% des BIP (Tendenz steigend) vernachlässigbar?

2. Weshalb wandern Zehntausende von deutschen Staatsbürgern jedes Jahr ins Ausland (vorwiegend CH) ab?

3. Weshalb fehlen gleichzeitig Fachkräfte und die Bevölkerung wird laut Prognosen in den nächsten Jahrzehnten drastisch schrumpfen?

Wohl keine Signale und Zeichen, die darauf schliessen lassen, dass in D alles rund läuft, oder?

Antworten Gast: exp123
09.02.2012 14:30
3 0

Re: Lobeshymne auf Deutschland?

ein paar Fragezeichen darf man anfügen:

1) Warum wird in Deutschland so wenig investiert, obwohl die Unternehmen doch so gut verdienen??
Sehen sie keine gute Zukunft für sich?.

2) Warum wird in Deutschland so wenig konsumiert? Haben sie Angst vor der Zukunft?

Re: Lobeshymne auf Deutschland?

zu 2 + 3 kann ich ihnen eine Antwort geben: Deutschland verlässt sich darauf dass andere Staaten die Ausbildung ihrer Akademiker übernehmen, was sie für besonders schlau halten; übersehen aber dabei dass diese Leute in den Ländern wo sie die Ausbildung machen oft Bindungen entwickeln und dann in diesen Ländern bleiben

1 10

es gibt NUR DREI möglichkeiten



#1
ein land wie deutschland erhöht seine stückkosten (zb durch höhere löhne) und reduziert seinen exportüberschuss.

oder
#2
ein land wie deutschland teilt seine gewinne. auch jene, die als käufer für diese gewinne sorgen, bekommen einen (kleinen) teil davon ab = der in allen bereichen menschlichen zusammenlebens, schon bei der kleinfamilie beginnend, übliche transfer.

oder
#3
wir packen wieder die keulen aus, und schlagen uns solange gegenseitig auf den kopf, bis berge von toten und zerstörung rundherum da sind: damit wir wieder von vorn beginnen können.

eine #4 gibt es nicht.

Antworten periskop
09.02.2012 15:18
4 0

Re: es gibt NUR DREI möglichkeiten

Hohe Lohnstückkosten bedeuten mehr Handarbeit, weniger Maschinenarbeit und geringere Löhne.
Das wird doch niemand in Deutschland wollen!

Antworten anloko
09.02.2012 11:19
6 0

Re: es gibt NUR DREI möglichkeiten

Wenn Deutschland seine Lohnstückkosten anhebt, dann wird man in Griechenland und auch im Rest der Welt statt Mercedes und VW, Toyota und Ford fahren!

Wir leben in einer globalisierten Welt! Wir befinden uns in einem globaler Wettbewerb und nicht in einem inner-europäischen!
Daraus folgt: wenn Deutschland an Wettbewerbsfähigkeit verliert, führt das nicht dazu dass die Problemländer an Wettbewerbsfähigkeit gewinnen. Es würde nur bewirken das Deutschland auch seine Industrie verliert und selbst zum Pleitekanditaten mutiert!

Die griechische Industrie ist zu fast gar nichts mehr fähig, und ohne Reformen wird das auch so beleiben!

Antworten wmaurer
09.02.2012 09:21
7 2

Re: Glühwein am Morgen


bringt Kummer und derartige Kommentare

5 1

Re: es gibt NUR DREI möglichkeiten

Absurd - warum sollen die Deutschen, die ihre Gewinne durch Effizienz und wohlüberlegte ökonomische Planung erzielen, mit jenen Teilen, die einfach zu dumm oder unwillig sind, ähnliche Maßnahmen zu setzen?

Bestes Beispiel die ewig besserwisserischen und dabei schon lange nur noch peinlichen Franzosen: mit einer dermaßen kurzen Wochenarbeitszeit darf man sich nicht wundern, wenn die Industrie ächzt. Und jetzt sollen auf einmal die deutschen Arbeiter ihre französischen Kollegen, die 10-20% weniger arbeiten, subventionieren?

In dem Fall: ich arbeite ab jetzt nur noch 30h die Woche und verlange von allen, die 40h die Woche arbeiten, dass sie mir gefälligst das, was sie mir verdienen abtreten - ist ja nichts anderes als der übliche Transfer, oder?

1 14

Re: Re: es gibt NUR DREI möglichkeiten

bleiben sie sachlich und ersparen sie sich bitte diese tiefe polemik.

es ist doch keine rede davon, dass ein 30 stunden arbeitender gleich viel bekommt wie einer mit 40.
aber es geht eben auch nicht, dass der lohn für 30 stunden 3000 beträgt und der für 40 4000.
warum das nicht geht: weil der 40stünder seine zeit nur deshalb abarbeiten kann, solange ihm der 30stünder sein produkt abkauft bzw abkaufen kann!

transfer ist DAS grundelement menschlichen zusammenlebens: der steinzeitjäger hat sein erlegtes mammut nicht allein gegessen, weil er genau wusste, dass er als solo-jäger nichts erlegen würde.
in einer familie werden arbeiten nach jeweiliger möglichkeit verteilt und nicht nach einkommen.
in einem land wie ö gibt es einen finanzausgleich, weil EIN bundesland, EINE stadt bzw DER bund allein nicht existieren können.

wenn sie diese grundregeln ignorieren --> möglichkeit #3 ! viel spaß dabei.

4 1

Re: Re: Re: es gibt NUR DREI möglichkeiten

Große Teile meines Postings waren durchaus ernst gemeint: Solidarität basiert darauf, dass jeder exakt so viel beiträgt, wie er beitragen KANN - der solo-jäger hat ziemlich sicher nichts mit jemandem geteilt, der um 16:30 gesagt hat, "so, das wars, das Mammuth steht zwar de facto vor uns, aber ich mach Schluss, jetzt ist Feierabend"

Und Frankreich ist das Idealbeispiel für ein pervertiertes Verständnis von "Arbeitnehmerrechte" - dort wurde ein "Recht auf so wenig Arbeit wie möglich" gesellschaftlich erfolgreich installiert. Dem ist energisch entgegen zu treten und sicher nicht auch noch mit Transfers zu begegnen.

In anderen Staaten sind größere Lohnunterschiede außerdem auch durch das Preisniveau bedingt, hier müsste man Reallöhne vergleichen. Transfers können da nach hinten los gehen. Siehe zB Ostdeutschland. Der "echte" Ostblock hat sich mit schmerzhaften Maßnahmen weitaus besser saniert, als Ostdeutschland mit all den Transfers vom Westen.

0 6

"Dieses Modell ist vielleicht weniger sympathisch, dafür deutlich nachhaltiger als jenes seiner Kritiker, die mit geliehenem Geld Konjunktur „machen“ und so für fiktives Wachstum sorgen."

und dieses modell bricht wie ein kartenhaus zusammen, sobald sich genügend nachahmer finden!

Antworten wmaurer
09.02.2012 09:23
2 3

Re: Glühwein .....


5 3

Ökon. halbgebildete STAATSANBETER können die


Symbiose von STARKEM (nicht aufgeblääht wie in Österreich !!) Staat u. STARKER Wirtschaft einfach nicht verstehen.

Über 300 deutsche Mittelständler sind WELTMARKTFÜHRER.

Österreich produziert dafür Frühpensionisten, Transferempfänger u. "her mit dem Zaster"- Gehirnwäsche.

 
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