Keine Freunde fürs Leben

OLIVER PINK (Die Presse)

Meinl zeigt Grasser an. Das traurige Ende einer erfolgversprechenden Beziehung.

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Es ist ein wenig wie mit dem Papst und Fidel Castro. Warum dem gegen Ende seines Lebens möglicherweise reuigen Sünder nicht ein wenig mit freundlicher Miene das Händchen tätscheln, noch dazu, wenn er optisch wie ein Mönch daherkommt, mag sich das Oberhaupt der katholischen Kirche gedacht haben.

Auch die profanere Meinl-Bank hat sich nun spät, aber doch – aber eben noch nicht zu spät – vertrauensvoll in die Hände der Geldwäschemeldestelle im Innenministerium begeben. Sechs Jahre zuvor hatten Meinl-Mitarbeiter nach Kassaschluss noch Bargeld im Wert von mehreren 100.000 Euro vom damaligen Minister Karl-Heinz Grasser entgegengenommen. Jenem Karl-Heinz Grasser, der später für Meinl tätig sein sollte.

Die Bank rechtfertigt sich damit, dass sie erst jetzt vom Brief der Schwiegermutter Grassers Kenntnis erlangt hat, dass nicht sie die Begünstigte sei. Man wird der Bank das einmal glauben müssen. Zumal ihr wahrscheinlich rechtlich gar nichts anderes übrig geblieben ist, als Anzeige zu erstatten. Welche Rolle es gespielt hat, dass Julius Meinl V. mittlerweile nicht mehr im Vorstand, sondern im Aufsichtsrat der Bank sitzt, weiß man nicht.

Sicher ist nur, dass Karl-Heinz Grasser nach Walter Meischberger einen weiteren Freund verloren haben dürfte.

 

oliver.pink@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.03.2012)

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2 Kommentare

Der KHG hat seine Schuldigkeit getan,

der KHG kann gehen.

Sagt der Mohr.

Gast: moischi
29.03.2012 19:18
3

Meischi bleibt Freund

Denn sonst hätte er schon längst gesungen.

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