Schon wieder?“, werden sich viele fragen, wenn sie auf die Forderung der OECD stoßen, das Pensionsantrittsalter in Europa anzuheben. „Nicht schon wieder“, denkt sich der Politiker. Man hat sich gut arrangiert: Die Jungen zahlen für die Pensionen der Älteren. Umlageverfahren nennt man das. Man könnte es auch Generationenraub nennen. Junge Arbeitnehmer zahlen heute mehr als je zuvor in den Pensionstopf ein und bekommen dafür weniger als je zuvor.
Egal. Will man als Politiker wiedergewählt werden, darf man es sich mit der größer werdenden Gruppe der Pensionisten nicht verscherzen. Schade ist, dass die Bevölkerung die Märchen der Politik glaubt. Etwa jenes, dass eine höheres Antrittsalter den Sozialstaat Geld koste. Weil sich die Arbeitslosigkeit erhöhe.
Jedes Jahr, das die Österreicher später in Pension gingen, brächte dem Pensionssystem eine Ersparnis von 1,2 Mrd. Euro. Stiege die Arbeitslosigkeit dadurch um 50.000 Personen oder einen Prozentpunkt – ein hoch angesetzter Wert –, könnte das Sozialsystem die Betroffenen problemlos auffangen. Ohne Mehrkosten.
Solche Berechnungen sind aber schwierig zu verkaufen. Bis zur nächsten Wahl werden die Staatsfinanzen das schon noch aushalten. Und die OECD? Wird auch in 20 Jahren noch nach einem höheren Antrittsalter schreien. Wenn es bis dahin nicht zu spät ist.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.06.2012)















