Mit den Vertretern der österreichischen Zwangskammer für Arbeitnehmer inhaltlich auf einer Linie zu liegen, ist etwas, was Journalisten dieser Zeitung nicht allzu oft passiert. Gerade deshalb wollen wir eine dieser raren Gelegenheiten nicht ungenützt verstreichen lassen und der Arbeiterkammer (fast) vorbehaltslos zu einer von ihr getroffenen Feststellung gratulieren: Ja, das allgemeine Preisniveau in Österreich ist zu hoch. Das gilt vor allem für die Güter des täglichen Bedarfs und die Versorgung mit Strom und Gas.
Und ja, die von der Statistik Austria ausgewiesene Inflationsrate steht unter dem dringenden Tatverdacht, die tatsächlich relevante Teuerungswelle zu verschleiern. Vielmehr scheint die „gefühlte“ Inflation (von knapp fünf Prozent pro Jahr) deutlich näher an der Realität zu liegen als die tatsächlich ausgewiesene. Oder kennen Sie viele Menschen, die nur vier Prozent ihres Einkommens für Wohnungsmieten ausgeben? Eben.
Womit wir auch schon wieder am Ende des gemeinsamen Weges mit der AK angekommen wären. Denn dass der Teuerung mit Spekulationsverboten und staatlichen Preiskontrollen beizukommen wäre, glaubt mittlerweile nicht einmal mehr Fidel Castro. Funktionierender Wettbewerb und niedrige Steuern erledigen das nämlich viel besser.
franz.schellhorn@diepresse.com
("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.06.2012)















