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Das Internet, UPC, A1, Äpfel und auch ein paar Birnen

26.06.2012 | 18:22 |  NORBERT RIEF (Die Presse)

Seit Tagen bekriegen sich die größten TV- und Internetanbieter Österreichs in vergleichenden Inseraten. Jetzt reicht es UPC, man will klagen.

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Manchmal kommt Weihnachten früh, und für einige Geschäftsführer von Zeitungen und Magazinen kam es heuer schon im Juni. Die unter Anzeigenschwund leidende Medienbranche konnte sich über eine einzigartige Werbekampagne freuen: Zum ersten Mal in der erinnerlichen Geschichte Österreichs attackierte ein Unternehmen in ganzseitigen Inseraten direkt seinen Konkurrenten – und der schoss in ähnlichem Umfang zurück.

A1 gegen UPC entwickelte sich in den vergangenen Tagen zu einem Werbekrieg im Kleinen, wie ihn im Großen in den USA einst Pepsi Cola gegen Coca Cola führte.

Um neue Kunden zu gewinnen, griff A1 tief in die Trickkiste: In Wiener Straßenbahnen hing „pflückbare“ Werbung an den Haltestangen, man startete eine Internetkampagne und in Inseraten wies man auf das für viele Österreicher entscheidende Kaufkriterium hin: „Sparen Sie mit A1 ganze 169 Euro.“

Und das geht so: Man bestellt bei A1 den Internetanschluss plus 115 TV-Sender und bezahlt dafür pro Jahr nur 582 Euro. Bei UPC, wie die Inserate detailliert auflisten, kosten Internet und 78 TV-Sender dagegen 751,65 Euro. Keine Frage: Die eine Zahl ist kleiner, die andere ist größer. Dass meist auf 115 TV-Sendern gleich viel Schwachsinn läuft wie auf 78, ist bei solchen Vergleichen nebensächlich.

UPC ließ das nicht auf sich sitzen und legte sogar noch eins drauf: „Mit UPC 215,10 Euro sparen.“ Und das geht so: Beide Unternehmen bieten Internet und 115 TV-Sender – UPC noch zusätzlich sechs in HD und 36 statt 31 Premium-TV-Kanäle. Bei A1 bezahlt man für dieses Paket 1206,50 Euro, bei UPC nur 991,40 Euro.

Wie schafft man solche Preisvorteile? Natürlich nur, indem man Äpfel mit Birnen vergleicht. Sagt A1. Sagt auch UPC. „Der Konter von UPC ist nicht fair, weil man verschiedene Produkte darstellt“, betonte eine A1-Sprecherin. „Wir vergleichen dagegen die zwei Basisprodukte.“

Tue man eben nicht, sagt UPC. Das A1-Produkt bestehe nur aus zwei Diensten, das UPC-Paket dagegen inkludiere auch noch Telefonie, so ein Sprecher. Doch statt mit einer großen Werbekampagne zu kontern, will man jetzt wegen der „verzerrenden Darstellung“ klagen.

Vor einigen Jahren war A1, damals noch als Mobilkom, der Spaßverderber: Weil Telering mit einem dicken Männchen in Farben der Mobilkom und dem Spruch „Weg mit dem Speck“ warb, klagte man. Auch im Namen der Dicken, weil die nämlich lächerlich gemacht werden würden.

Vergleichend werben darf man übrigens seit 1988 – Hartlauer setzte das mit seiner Brillenwerbung durch –, seit 2007 wurde die Möglichkeit des direkten Vergleichs mit dem Konkurrenten sogar noch ausgeweitet.

Möglicherweise haben sich beide Unternehmen mit der Kampagne aber ein Eigentor geschossen: Denn erst dank der Werbung bemerkten einige UPC- und A1-Kunden, dass sie für ihre Pakete eigentlich zu viel bezahlen.

 

E-Mails an: norbert.rief@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.06.2012)

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