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Eine Informationskampagne zum Wohlfühlen

27.07.2012 | 18:27 |  CHRISTIAN HÖLLER (Die Presse)

Quer durch Österreich: Bis September sind Mitarbeiter der Nationalbank im Bus unterwegs, um die Bevölkerung über den Euro aufzuklären.

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Alle Jahre wieder tourt im Sommer ein Bus der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) durch die Bundesländer. Der Start war am gestrigen Freitag am Wiener Michaelerplatz, nächste Woche geht es nach Vorarlberg und Tirol. In den vergangenen Jahren lag der Schwerpunkt unter anderem beim Einsammeln alter Schilling-Restbestände. Dies ist auch heuer möglich.

Laut Nationalbank-Experten Martin Taborsky sind noch immer knapp neun Milliarden Schilling im Umlauf – drei Prozent des ursprünglichen Bestands. Wer noch alte Münzen oder Banknoten zu Hause hat, kann diese kostenlos im Infobus oder in der OeNB eintauschen. Auch am Michaelerplatz gab es vor allem ältere Menschen, die zufällig altes Geld gefunden haben – wie in der Innentasche eines Mantels oder unter dem Fußboden.

Doch heuer geht es der Nationalbank weniger um das Schilling-Eintauschen, sondern sie will die Bevölkerung mit Schautafeln und Broschüren über die Bedeutung des Euro aufklären. „Wir haben den Schilling als etwas Gutes in etwas noch Besseres getauscht“, sagte OeNB-Experte Taborsky vor Journalisten. Doch wer eine fundierte Auseinandersetzung mit der Schuldenkrise erwartet: Fehlanzeige.

Die Milliardenhaftungen Österreichs für Griechenland und der neue europäische Schutzschirm ESM werden ausgeblendet. Stattdessen zählt die Nationalbank plump alle Vorteile der Gemeinschaftswährung auf – ohne auch nur ein negatives Wort über die aktuelle Krise zu verlieren. Gleich auf dem ersten Schaubild heißt es: „Der Euro sichert Preisstabilität.“ Von 1999 bis 2011 sei die durchschnittlich jährliche Inflationsrate in Österreich bei nur 1,9 Prozent gelegen. Nicht erwähnt wird, dass die gefühlte Teuerung wesentlich höher ist. Selbst die Statistik Austria räumte ein, dass der sogenannte „Mini-Warenkorb“, der den wöchentlichen Einkauf abbildet und vor allem Nahrungsmittel und Treibstoffkosten beinhaltet, im Vorjahr um 6,7 Prozent teurer geworden ist. „Der Euro bringt Vorteile für alle“, steht auf dem zweiten Schaubild. Der Euro habe „unmittelbare Vorteile für jeden Einzelnen“ gebracht – wie keine Wechselspesen im Urlaub oder eine bessere Vergleichbarkeit der Preise. Nirgends findet sich ein Hinweis, dass Sparen aufgrund der krisenbedingten Niedrigzinsphase zum Verlustgeschäft geworden ist.

Und auch die Kritik an den neuen 20-stelligen EU-Kontonummern scheint für die OeNB nicht zu existieren. Mit der Umstellung werden Überweisungen schneller und sicherer, wird betont. Mit den langen Nummern werden sich ältere Menschen schwer tun, kontern Pensionistenverbände. Die Caritas befürchtet deswegen einen Spendenrückgang von bis zu 30 Prozent. Die Bevölkerung werde täglich mit negativen Meldungen über die Schuldenkrise konfrontiert, daher habe die Nationalbank einen anderen Zugang gewählt, so Taborsky. Dem steht das Zitat des britischen Schriftstellers Aldous Huxley gegenüber: „Tatsachen schafft man nicht dadurch aus der Welt, dass man sie ignoriert.“

 

E-Mails an: christian.hoeller@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.07.2012)

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1 Kommentare
Gast: Test Again
27.07.2012 18:56
0 0

...nicht schon wieder

Wenn die rüstigen, der Frühpension noch gerade nicht gerechten ALT-ÖSTERREICHER herumfahren wollen, dann auf diese Art...und das Direktorium freut sich im Sonnenschein

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