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„Pussy Riot“ versus Putin: Wer wird durchkommen?

10.08.2012 | 10:49 |  NORBERT MAYER (Die Presse)

Die angeklagten Punk-Künstlerinnen hielten bewegende Plädoyers. Sie stellen sich in die Tradition berühmter Freiheitskämpfer.

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Es war der Schlachtruf der Verteidiger der Republik im Spanischen Bürgerkrieg: „¡No pasarán!“ haben die Gegner General Franco nach dessen Putsch gerufen, wenn es in den Freiheitskampf ging: „Sie werden nicht durchkommen!“ Dolores Ibárruri Gómez, besser bekannt unter ihrem Nom de Guerre, La Pasionaria,soll diesen Slogan als Erste ausgerufen haben, jene spanische Revolutionärin, die nicht nur das Schlachten von 1936 bis 1939, sondern auch noch die Diktatur und El Caudillo überleben sollte.

Als Eurokommunistin starb sie im Jahr der Wende 1989 mit 93 in Madrid. Und behielt beinahe recht. Weder Faschismus noch Kommunismus sind in halbwegs zivilisierten Ländern durchgekommen. Ihr Spruch aber war eben bei einem Gerichtsprozess zu sehen, ausgerechnet in Moskau, jener Stadt, in die sie 1939 geflüchtet war, zu Stalin: „¡No pasarán!“ prangte auf dem T-Shirt von Nadjeschda Tolokonnikowa, Mitglied der Punkband Pussy Riot,die schon mit dem radikalen Kunstkollektiv Voina (Krieg) politisch aneckte. Nun droht den Bandmitgliedern wegen Rowdytums Arbeitslager. Die Botschaft auf dem Shirt ist klar: Nachgeben werden die drei Freigeister gegen den Autokraten Putin ebenso wenig wie einst die wilde Dolores gegen den Faschismus. Es gab bewegende Plädoyers für die Toleranz, es wurde an den sowjetischen Schauprozess gegen den Dichter Joseph Brodsky erinnert. Das mächtige System gegen drei Mädchen – „Hat es so viel Angst vor der Wahrheit?“, höhnten sie. Sogar hinter Gittern seien sie freier als ihre Verfolger: „Wir können sagen, was wir wollen, während die nur sagen dürfen, was die Zensur erlaubt.“ Geben Sie Gedankenfreiheit, Sire!

Pussy Riot hatten im Februar einen spektakulären Auftritt in der Erlöser-Kathedrale. Vermummt flehten die Frauen zur Gottesmutter, das Land zu befreien von Präsidentschaftskandidat Putin, für den sich die Orthodoxie zuvor massiv eingesetzt hatte. Das Regime schlug zurück: Der religiöse Hass der Künstlerinnen habe die Gläubigen tief verletzt, behauptet die Anklage. Am 17.August soll das Urteil erfolgen. Schon jetzt aber steht fest, dass die Nomenklatura zumindest moralisch und in der öffentlichen Wirkung verloren hat. Randalieren? Es geht um viel mehr! Selbst Madonna hat sich beim Konzert in Moskau schnell noch für die Kolleginnen in der Kunst der Provokation eingesetzt. Pussy Riot ist Kult.

Die Aktion im Februar war laut Verteidigung nicht gegen Gläubige gerichtet, sondern gegen das herrschende politische System. Es wird nicht durchkommen! – hoffen die Künstler. Langfristig. Auch in der Sowjetunion hätten die Dissidenten schließlich recht behalten, meinen die Frauen. Menschen, die die Wahrheit sagen, seien frei, nicht jene, die nur Befehle ausführten. Bei so viel Aufklärung hilft nur milder Pragmatismus, wie schon Frankreichs Staatschef de Gaulle erkannte, als es um den unbequemen Denker Sarte ging. Das Urteil des Generals: „Voltaire verhaftet man nicht!“

 

E-Mails an: norbert.mayer@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.08.2012)

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20 Kommentare
Gast: Freiheit
10.08.2012 15:40
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Heldinnen

Also für mich sind diese Damen Heldinnen. Sie waren mutig genug, um gegen ein tyrannisches Regime von Kleptokraten aufzumüpfen. Das Putin Regime ist eine Katastrophe für Russland in jeder Hinsicht; vor allem auch aus wirtschaftlicher Perspektive. Und für die Leute in diesem Forum, die meinen Pussy Riot hätten sich doch lieber um ihre Kinder kümmernt sollen kann ich nur erwidern: Warum glauben Sie haben sich die Damen in so öffentlicher Weise gegen die Putin-Kleptokraten-Gang gestellt? Natürlich weil sie wollen, dass ihre eigenen Kinder und alle Menschen in Russland eines Tages ein besseres Leben haben werden und frei sein werden. Interessant find auch auch, warum sich gläubige Menschen von dem Auftritt beleidigt fühlen. Schließlich wurde doch zur Mutter Gottes gebetet. Die Heilige Mutter Gottes war und ist im orthodoxen Glauben sehr wichtig und Anlaufstelle für die Gebete der Leidenden und Unterdrückten.

Antworten Gast: Su Nuraxi
10.08.2012 19:27
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Re: ad:"Schließlich wurde doch zur Mutter Gottes gebetet"

Sie haben wahrscheinlich das Video von diesem Auftritt nicht gesehen. Wenn doch, muss ich annehmen, dass auch Sie beim Beten zur Mutter Gottes herumhupfen und dazu die Beine hochschmeißen wie beim Can-Can-Tanzen.

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Re: Heldinnen

So dümmlich-naiv, daß man nur mehr lachen kann.

Antworten Antworten Gast: Freiheit
10.08.2012 18:38
2 2

Re: Re: Heldinnen

Schön, dass ich Sie zum Lachen gebracht habe. So vergiftet und verbittert wie Sie klingen, haben Sie es ja sehr nötig mal wieder herzlich zu lachen. Finden Sie übrigens Nelson Mandela oder Mahatma Ghandi dümmlich-naiv? Auch diese Herren haben gewaltfreien Widerstand gegen Unterdrücker geführt, viel Leid ertragen müssen und letztlich doch den übermächtigen Feind in die Knie gezwungen. Zwar möchte ich Pussy Riot nicht auf eine Stufe mit den genannten Herren stellen, allerdings haben alle gemein, dass sie gegen einen übermächtigen und unterdrückerischen Gegner aufbegehren.
Ich freue mich auf weitere Beschimpfungen von Ihnen.
Herzlichst
Die Freiheit

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Re: Re: Re: Heldinnen

sie führen, meiner Statistik nach, die Liste der dümmsten Beiträge heute

Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: Freiheit
10.08.2012 21:37
1 1

Re: Re: Re: Re: Heldinnen

Das fängt ja an, richtig Spaß zu machen! Jedesmal wenn ich etwas schreibe, höre ich wie dumm und dämlich mein Beitrag ist, allerdings nie warum. Argumentationsführung dürfte keine Stärke der meisten hier anwesenden Poster sein.
Bitte noch mehr Beschimpfungen! Oder vielleicht doch einmal ein paar Argumenten? Na ja ich will Sie ja nicht überfordern, es ist ja schon spät.

Herzlicht
Die Freiheit

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Re: Re: Re: Re: Re: Heldinnen

ich gehe einfach mal so davon aus, dass Sie es nicht verstehen od. akzeptieren würden. Irgendwann werden Sie selber schon drauf kommen.

"Herzlicht"

"Herzlicht" ist ein symphatischer lapsus calami!

2 Jahre Arbeit in einem Stahlwerk

Das wäre für ihre Kampfmoral bildet. Die bunten Hauben werden aber gegen die Hitze ein wenig deplaziert.
Die Gleichberechtigung wäre damit auch gleich erfüllt.

4 10

Deren hohes Aggressionspotential ...

... wird beim Steineklopfen hilfreich sein.

Gast: mens sana
10.08.2012 11:50
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si que pasaran!

Es ist eine Unverschämtheit, dass diese Hooligans sich in die Tradition eines Dostojewski oder Joseph Brodsky stellen.

Es gibt gewiss viele Missstände in Putins Russland. Dass Leute bestraft werden, die eine Kirche schänden um sie zum Schauplatz für politische Manifestationen zu machen, ist jedoch kein solcher Missstand. Die Damen hätten auf dem Roten Platz demonstrieren sollen, das geht ja auch.

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Re: si que pasaran!

Troll

Antworten Antworten Gast: Sergej
11.08.2012 10:02
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Re: Re: si que pasaran!

Auf den Roten Platz sind sie schon aufgetreten. Diese Aktion ist aber ohne jegliche Reaktion geblieben.

Re: si que pasaran!

Ich stimme Ihnen zu. Und man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, die drei jungen Frauen sonnen sich in der medialen Aufmerksamkeit.

Wahre Widerstandskämpfer und Helden schauen anders aus.

Und wo bleibt da die Mutterliebe?

Schon seit einem halben Jahr sitzen die 3 jungen Frauen in U-Haft, vermutlich werden sie eine nicht unerhebliche Freiheitsstrafe ausfassen.

Zwei von ihnen sind Mütter von Kleinkindern: wer kümmert sich um die?

Pussy Riot besteht aus ca. 10 jungen Frauen; waren da keine weiteren Kinderlose darunter, die sich statt der beiden Mütter an dieser provokanten Aktion hätten beteiligen können?

Bei allem Respekt vor der kritischen Haltung der Aktivistinnen gegenüber der restriktiven Politik Putins: sie hätten zuerst an ihre kleinen Kinder denken müssen!

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Re: Und wo bleibt da die Mutterliebe?

Pardon, wen interessiert in der modernen Welt die Mutter? Wen interessieren die Kinder? Selbstverwirklichung ist wichtiger. Vornehmlich bei Frauen.

Re: Und wo bleibt da die Mutterliebe?

mittelalterliche frauenbilder habens so in sich...

ein kind hat in allen mir bekannten fällen ebenso einen vater. soll der sich die paar jahre darum kümmern..

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Re: Re: Und wo bleibt da die Mutterliebe?

tja, wenns nur einen gäbe. Alle Ki aus der Retorte, schient es.

Re: Re: Und wo bleibt da die Mutterliebe?

Troll?

Re: Re: Und wo bleibt da die Mutterliebe?

Ein Kind braucht seine Mutter. Was daran ist da bitte mittelalterliches Denken?

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