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Englische Zeitungen warnten schon vor dem Beginn der Sommerspiele, dass das Internationale Olympische Komitee die unrechtmäßige Verwendung der Olympischen Symbole mit zivilgerichtlichen Strafen ahnden würde. Ähnliche Methoden kennt man von der Euro 2008. Damals wurden große Flächen der acht Ausrichterstädte in Österreich und der Schweiz geräumt, um Platz für den exklusiven Verkauf der Sponsorartikel zu schaffen. So weit wie das IOC ging die Uefa damals freilich nicht, aber das ist nur verständlich. Auch globale Sportkonzerne lernen dazu.
In London wurden Würstelstandln, die ihre Erzeugnisse in Form der olympischen Ringe aufgehängt hatten, unter Androhung saftiger Schadenersatzklagen dazu aufgefordert, die Verzierung abzumontieren. Die olympischen Ringe gehören nämlich nicht der Jugend, wie das IOC gern tönt, sie gehören dem IOC und seinen Partnern. Wie das britische Magazin „The Spectator“ („Censorship Olympics“) schrieb, blieb es allein offiziellen Sponsoren vorbehalten, mit den Symbolen für sich und die Spiele Werbung zu betreiben.
Das IOC verbreitet bis nach Österreich Furcht und Zittern. Unternehmen, die lukrative Lieferaufträge für London 2012 abgewickelt hatten, wollten nicht darüber reden. Weil ein Vertragspassus besagt, es sei bei Strafe untersagt, ihre Leistungen für die Sommerspiele öffentlich zu kommunizieren. Das IOC wahrte die Propaganda-Hoheit seiner Sponsoren.
Eine konsequente Auslegung des Begriffes olympischer Friede? Es ergibt für das IOC und die ihm assoziierten Konzerne durchaus Sinn, die Redefreiheit und Teile der Sprache, insofern sie die Worte London in Verbindung mit der Zahlenfolge 2-0-1-2 und womöglich der metallurgischen Begriffe Gold, Silber oder Bronze betrifft, unter Beobachtung zu stellen. Der Sommer 2012 war der Zeitpunkt, als die Friedensbewegung Olympismus das öffentlichste Gut der Menschheit, ihre Freiheit der Äußerung, unter Teilkuratel stellte.
Solche Maßnahmen werden normalerweise mit einer Diktatur assoziiert. Aber in einem totalitären System herrscht nicht diese Buntheit der Leiberln und Fröhlichkeit in den Augen. In britischen Medien wird diskutiert, ob die Kriminalisierung von Alltagssprache und Geschäftsinteressen den in den Verfassungen der westlichen Welt verankerten Gleichheitsgrundsatz verletzt. Wer gedankenlos vom IOC geschützte Worte im unpassenden Zusammenhang verwendet, muss mit einer Anzeige rechnen. Und wo steht, dass öffentlicher Raum den Geschäftsinteressen der IOC-Partner ausgeliefert werden muss? Die olympischen Organisatoren bezeichnen Geschäftsleute, die sich an die Spiele anhängen, als „Parasiten“. So reden Leute, die von McDonald's und Coca Cola hunderte Millionen Dollar nehmen, um Kindern und Jugendlichen deren Zeug schmackhaft zu machen.
Entweder die Regierungen raffen sich dazu auf, das IOC und die nach gleichem Muster agierenden Uefa und Fifa in die Schranken zu weisen. Oder Politiker übernehmen die Methoden der Gute-Laune-Maschinen zur Einschränkung der zivilen Freiheiten. Das wird allerdings nicht leicht, denn ohne nationale Feierstimmung geht gar nichts. Wähler und Steuerzahler wollen fürs Goschenhalten und Händefalten mit Anbetungsangeboten entschädigt werden. Nationale Helden und Heldentaten sind das Mindeste. Diesbezüglich ist Österreichs Meinungs- und Redefreiheit sicher. Bevor ÖOC, ÖFB und Bundesliga Euphorie verbreiten, macht Kärnten einen Budgetüberschuss.
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("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.08.2012)















