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Die Inder lieben ihr digitales Schweizer Messer

30.08.2012 | 18:20 |  ANNA-MARIA WALLNER (Die Presse)

US-Wahlkampfstrategen entdecken das Smartphone zur Wählermobilisierung. Weit größere Fans des Mobiltelefons sind aber die Inder, zeigt eine Umfrage des „Time Magazine“.

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Sie heißen „Obama for America“, „2012 Obama“ und „Mitt's VP“ und sie sind die jüngsten, aber effektivsten Wahlhelfer im aktuellen Präsidentenschaulauf. Mit einem Tapser lassen sich in den Applikationen für Smartphones oder Tablets Wählerlisten aufrufen, Wahlkundgebungen suchen und Spenden an die Kandidaten überweisen – all das ist zwar noch mit sozialen Netzwerken verbunden, ersetzt diese aber zunehmend.

„Wahlen werden nicht mehr dasselbe sein“, schreibt das „Time Magazine“ in seiner Ausgabe zum Thema „Wireless“ und nennt damit den ersten von zehn Belegen dafür, dass „die Mobiltechnologie die Welt verändern wird“. Noch vor vier Jahren, als Obama das erste Mal als Präsident kandidierte, waren die USA technologisch gesehen ein anderes Land: Damals nutzten erst 40 Millionen Amerikaner Facebook (heute sind es 160 Millionen) und Smartphones waren ein Luxus, den sich nur wenige Manager leisteten. Heute besitzen beinahe neun von zehn Amerikanern eines.

Kein Wunder, dass die Wahlkampfstrategen der Demokraten wie Republikaner das Smartphone zur digitalen Wunderwaffe erklären, ein Wahlhelfer preist es gar als ähnlich vielseitig wie das Schweizer Taschenmesser. Dabei sind die Amerikaner trotz des technologischen Fortschritts im internationalen Vergleich nur mäßig an diesen technischen Geräten interessiert. Das zumindest legt die Umfrage des „Time Magazine“ für seine „Wireless Issue“ nahe. Die Befragung von 4700 Menschen aus acht Ländern bestätigt vage Vermutungen: Nicht die Amerikaner sind der kabellosen Internetnutzung via Mobiltelefon kritiklos verfallen, sondern – weit vor Brasilianern und Chinesen – die Inder.

Während nur einer von zehn verheirateten Amerikanern angab, per SMS die Kinderbetreuung zu koordinieren, tut das bereits ein Drittel aller Inder. Und während Inder (94Prozent) und Brasilianer (92Prozent) davon überzeugt sind, dass ständige Erreichbarkeit eigentlich eine gute Sache ist, sind nur 76Prozent der Amerikaner dieser Meinung. Stets die neueste Technologie besitzen wollen 75Prozent der Inder, aber nur 18Prozent der Amerikaner.

Auch sonst gibt die Umfrage Aufschluss über den Umgang des modernen Menschen mit seinem Mobiltelefon: 68Prozent der Befragten platzieren es nachts neben sich auf dem Nachttisch; 65Prozent glauben, die Technologie hilft ihnen, bessere Eltern zu sein; 26Prozent fühlen sich schuldig, wenn sie außerhalb ihrer Dienstzeiten nicht sofort arbeitsbezogene Nachrichten beantworten, und immerhin 17Prozent sehen bei jeder Mahlzeit auf ihr Telefon – egal, mit wem sie am Tisch sitzen. „Die Daumen sind stärker, die Aufmerksamkeit kürzer geworden und überall lauern die digitalen Verlockungen“, bilanziert die „Time“ erste Veränderungen einer multimobilen Welt, in der längst mehr Menschen Zugang zu einem Mobiltelefon haben als zu einer Toilette oder fließendem Wasser.

Nicht bei jeder Frage sind die Amerikaner Schlusslicht, bei der Missachtung von Verkehrsregeln bleiben sie Punktesieger: 32Prozent geben zu, ihr Mobiltelefon beim Autofahren zu benützen. So gering kann das Interesse daran doch nicht sein.

 

anna-maria.wallner@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 31.08.2012)

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