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Wenn der ÖVP-Chef lustig sein will, sorgt das für eine Krise

07.09.2012 | 18:45 |  NORBERT RIEF (Die Presse)

Seit Frank Stronach meinte, er gehe gern auf das Angebot von Michael Spindelegger ein und kaufe die ÖBB, gehen in Österreichs Innenpolitik die Wogen hoch.

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Es war als kleiner Gag gedacht, den Michael Spindelegger in den ORF-„Sommergesprächen“ machen sollte: Weil sich Frank Stronach in der Vergangenheit einmal für den Kauf der ÖBB interessiert hatte, schlugen Berater dem ÖVP-Chef vor, genau das zu thematisieren: Wenn Stronach dem Land wirklich dienen wolle, solle er doch die budgetbelastende Bundesbahn kaufen.

So weit, so skurril. Noch skurriler wurde es aber, als Stronach in einem Mail aus Kanada meinte, er nehme das Angebot gern an. Dem Vizekanzler blieb also nichts anderes übrig, als seinen vermeintlichen Gag jetzt selbst ernst zu nehmen und am Freitag im „Morgenjournal“ für Gespräche mit Stronach einzutreten.

Kriege sind schon geführt worden, weil jemand einen Witz falsch verstanden hat. So weit ist es zwar noch nicht, die Idee sorgt aber für eine heftige innenpolitische Debatte. Von Verkehrsministerin Doris Bures über ÖBB-Chef Christian Kern bis hin zum Verkehrsexperten Sebastian Kummer erklärten viele sehr ernsthaft, warum die ÖBB nicht verkauft werden können.

Der Infrastrukturbereich eigne sich beispielsweise „überhaupt nicht für eine Privatisierung“, meinte Kummer. Kern verwies darauf, dass man auf einem sehr erfolgreichen Gesundungskurs sei „und ein Jahr früher als angekündigt, nämlich heuer, schwarze Zahlen schreiben“ werde.

ÖBB-Betriebsratsvorsitzender Roman Hebenstreit mahnte die ÖVP, doch an die öffentlichen Aufgaben der Bahn zu denken: „Wir bringen die Leute jeden Tag in die Arbeit, in die Schule, in den Urlaub oder ins Krankenhaus.“ Nicht immer pünktlich, aber bitte. Neu ist auf jeden Fall, dass Krankenhäuser Bahnhöfe haben.

Nur Josef Ackerl bedachte die Diskussion mit der gebührenden Aussendung: Er glaube ja, meinte der oberösterreichische SPÖ-Chef, dass Spindelegger Stronach nicht die ÖBB verkaufen wollte, sondern vielmehr die ÖVP. So falsch liegt Ackerl damit vielleicht gar nicht: Welcher Parteichef möchte solche Parteifreunde nicht los sein? Hier wie da ist der Sanierungsbedarf jedenfalls enorm.

In der ÖVP verfolgt man die aufgeregte Diskussion amüsiert und freut sich über das Thema: „Die SPÖ muss erst einmal erklären, warum sie ein für den Steuerzahler teures Unternehmen nicht abtreten will, wenn es dafür einen potenziellen Käufer gibt.“

Bures versuchte es in einer Aussendung seriös und verwies auf die „Desaster“, in denen Privatisierungen der Bahn geendet hätten, etwa in Großbritannien. Und überhaupt: „Die österreichischen Bundesbahnen stehen nicht zum Verkauf.“ Mal sehen, wie der Koalitionspartner auf diese apodiktische Aussage reagiert.

Zu Missverständnissen gibt es übrigens eine peinliche Geschichte: Als die USA 1898 Krieg gegen Spanien führten, feuerte die USS Charleston Schüsse auf die spanische Garnison auf der Insel Guam. Dort wusste man noch nichts vom Ausbruch des Krieges und hielt die Schüsse für einen Salut. Ein Boot ruderte hinaus zur Charleston, um entschuldigend festzustellen, dass man den Salut leider nicht erwidern könne, weil man kein Schwarzpulver mehr für die Kanonen habe. Die Boten waren die ersten Kriegsgefangenen Guams.

Es steht jedem frei, der Charleston und den Boten österreichische Politiker gegenüberzustellen.

 

E-Mails an: norbert.rief@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.09.2012)

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106 Kommentare
 
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Gast: Humerus
09.09.2012 19:48
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Die ÖBB sind ein roter Dreckshaufen

der von unserem Geld mit (JÄHRLICH!!!) mehrern Milliarden finanziert wird.
Prost Genossen!

stronach erhofft sich ein a la "aua" geschenk:

wie erinnerlich hat die österr.pröll-regierung die aua mit einer morgengabe von 500 millionen euro versehen, bis die lufthansa gnädig das von den öiag managern abgewirtschaftete unternehmen übernommen hat.
bei stronach nichts anderes: um einen pappenstiel womöglich noch mit unglaublichen förderungen (darin hat er ja erfahrung!) sich die öbb unter den nagel reissen und dann "sanieren", d.h. kündigen, filet verkaufen, und die pensionen weiterhin vom staat bezahlen lassen.

Meischberger

Eine ÖBB Privatisierung ist zu Zeit völlig unmöglich, da die Privatisierungsprofis wie Meischberger gerade unter verstärkter staatlicher Aufsicht stehen. Auch der Consiliere der Truppe ist zur Zeit etwas angeschlagen. Das Ganze kann auch insoweit nicht funktionieren, wenn ein Störfeuer durch einen Naivling entsteht - ja Freunde, das mit dem uninformierten Strohmann funktioniert nicht immer - vor allem wenn ein Strohsack auf den Strohmann fällt. Aber Freunde - seit der Katastrophe Anfang der 70-iger Jahre arbeitet ihr an eurem Masterplan - immer wieder mit neuen Akteuren (von Schüssel usw.) in der vorderen - sichtbaren Reihe - wann zeigt sich mal die erste Reihe ?

Gast: hannking
09.09.2012 08:23
3 0

öbb in den konkurs, sofort


Solange Milliarden und Abermilliarden an Steuergeld......

......nach Griechenland,Portugal und Irland gehen,hat Spindelegger absolut kein Recht,die gesellschaftlichen Kosten der Bahn,die UNSER ALLER Infrastrukturbetrieb ist,zu kritisieren bzw. zur Disposition zu stellen. Eine Volksbahn ist keine Firma,die immer nur Profit einbringen kann,Herr Witzekanzler !

Gast: ökono-mist
08.09.2012 21:55
1 0

Die Wiederbelebung des ins Koma gefallenen Korruptions-Untersuchungsausschusses könnte Leben retten!


Sollte der Betriebsratschef mit dem Ins-Krankenhaus-Bringen die schon beinahe zur Alltäglichkeit gewordenen Unfälle auf (anachronistischen) schienengleichen Bahnübergängen gemeint haben, dann wäre dem entgegenzuhalten: solche Unfälle enden wohl eher auf dem Friedhof denn im Krankenhaus...

Jede eingesparte Korruptions(berater)million aber, die nicht (u. a.) in generalverkehrsplanlosen Geisterbahnhöfen versickert, könnte - in Bahnunter- und -überführungen angelegt - nicht nur die Bauwirtschaft SINNVOLL beschäftigen, sondern im wahrsten Sinne des Wortes Leben retten!

P. S.: Mit dem Aufgreifen solcher Themenkomplexe und -konnexitäten könnten Politiker einmal konkret beweisen, daß es ihnen tatsächlich um vernünftige, nachhaltige und menschenfreundliche Politik geht - und nicht nur um Wahlkampf-Gags und das Bedienen höchstpersönlicher (Strukturkonservierungs- und Legislaturperiodenaussitz-)Interessen. Eine in Hinterzimmern ausgemauschelte Legislaturperiodenverlängerung und die "Meuchelmordversuche" an parlamentarischen Untersuchungsausschüssen deuten jedoch eher auf eine fieberhafte Suche nach verbalen Politiker-Rettungsgassen hin...

Re: Die Wiederbelebung des ins Koma gefallenen Korruptions-Untersuchungsausschusses könnte Leben retten!

"zur Alltäglichkeit gewordenen Unfälle auf (anachronistischen) schienengleichen Bahnübergängen"

Es ist also die Schuld der Bahn, wenn Autofahrer zu blöd sind, eine rote Warnlampe richtig zu interpretieren und auf weit einsehbaren Bahnübergängen (bestes Beispiel: St. Georgen bei Wilhelmsburg) gerade noch vor dem Zug durchzukommen versuchen.

0 3

dazu

war früher ein wahres Inserat: Bahn würgt, eh wirkt.
ausserdem versteht anscheinend niemand den hinterfotzigen Stronach , der nur den SchwindelDecker einfahren lässt, und nie die ÖBB kaufen würde - könnte sich jemand eventuell bessere Geldanlagen vorstellen?

Gast: 7zk
08.09.2012 15:18
1 3

Spindelegger ist lustig

Er soll sich selber privatisieren :-----))
Noch besser: vom Grasser und Schüssel privatisieren lassen. ;---------)

Viel interessanter wäre es, die Schulen zu privatisieren.

Darunter würde die ÖVP zwar nur ein Verschenken an die katholische Kirche verstehen.
Aber eine echte Privatisierung mit möglichst vielen verschiedenen Schulerhaltern würde wirklich frischen Wind in unser untragbares Bildungssystem bringen.
Die Schüler bekommen einen Bildungsscheck und suchen sich damit eine Schule aus. Gute Schulen können entsprechend mehr kassieren bzw. sich die besseren Schüler aussuchen.
Das wär schon was.

Re: Viel interessanter wäre es, die Schulen zu privatisieren.


dumm - dümmer - am dümmsten - bürgerlich-liberales Gestammel

Re: Re: Viel interessanter wäre es, die Schulen zu privatisieren.

Regen Sie sich wieder ab, ihre Obergenossen schicken ohnehin schon ihre Kinder nur mehr in Privatschulen, weil sie die öffentlichen zu Grunde gerichtet haben!!!

Re: Re: Re: Viel interessanter wäre es, die Schulen zu privatisieren.

Elisabeth Gehrer ist eine Politikerin der ÖVP und war in den Bundesregierungen Vranitzky IV bis Schüssel II zwischen 1995 und 2007 österreichische Bundesministerin für Bildung, Wissenschaft und Kultur.

Antworten Antworten Antworten Gast: Gast Lupo
09.09.2012 17:57
4 0

Re: Re: Re: Viel interessanter wäre es, die Schulen zu privatisieren.

Und werden auch noch mit Dienstautos zur Schule chauffiert.

TRAGIKOMÖDIE

Es ist sehr komisch um die ÖVP. Und 2013 wird es sehr traurig.

Gast: serenissimus
08.09.2012 13:01
1 6

da muss man schon fragen,

hatte er da sein Hirn ein-oder ausgeschaltet?

Re: da muss man schon fragen,

Die Frage erübrigt sich.

Re: Re: da muss man schon fragen,

Da ist sogar sehr viel Hirn dabei! Schließlich ist es das allererste griffige Wahlkampfthema der ÖVP......

Gast: ehschowurscht
08.09.2012 12:51
5 1

lustig

Na gut!

Gelacht haben wir jetzt, manche sich sogar vor Lachen zerkugelt!

Wird höchste Zeit diese lachhaften Gestalten, die angeblich das österreichische Volk vertreten, mit einem herzhaften Lacher aus ihren Pfründen zu entfernen und als Wiedergutmachung ihrer "Scherzchen" auf Mindestpension zu setzen!

Wer würde da wohl als Letzter lachen?

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Die Biotopbetreiber und -Bewohner verstehen da keinen Spass


Leute, kein Mensch kann die ÖBB kaufen wollen.

Und auf die Variante des Splittings in Soll und Haben, d.h. die Republik behält die Verpflichtungen und Verbindlichkeiten, wäre der Status Quo.

Der Bürger bedanke sich bei der SPÖ, deren Wählerpool er seit Jahrzehnten sponsern muss, mit steigender Tendenz.

Gast: Radla
08.09.2012 11:38
2 13

Geht die Hetze wieder los?

So wie für die FPÖ immer die Ausländer für die Probleme herhalten müssen, bedient sich die ÖVP in Vorwahlzeiten immer am Thema ÖBB. Das Spindelegger der farbloseste Kanditat ist, ist eine Seite, dass aber eine Traditionspartei wie die ÖVP keine Erfolge bzw. Visionen vorzuweisen hat und stattdessen solche populistischen Mittel ergreift, stimmt mich sehr nachdenklich.

Antworten Gast: Hetzer Hilde
08.09.2012 12:01
8 1

Re: Geht die Hetze wieder los?

Bei der ÖVP ist es bedenklich, dass sie keine Visionen vorzuweisen hat. Bei der SPÖ ist es nicht bedenklich, da ist man es gewöhnt.

die amis

einfach die lieben spanier gefangen nehmen :(

Gast: Fakt ist
08.09.2012 10:43
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Das wahre Problem der ÖBB ist die mächtige Gewerkschaft



Sie sorgt dafür, dass weiter völlig ineffizient Dienst geleistet wird.

Das vorsintflutliche Privilegien weiter bestehen bleiben. Und die Allgemeinheiten dafür finanziell bluten muss.

Die ÖBB ist ein Privilegienstadl sondergleichen. Leider sind zu viele daran beteiligt, als dass sich ein Politiker traut, hier einmal auszumisten.

Die SPÖ sorgt leider dafür, dass frau nur als durchsetzungsunfähiges Leichtgewicht Verkehrsministerin werden darf. Um die mächtige Gewerkschaft nicht zu verärgern. Zum Schaden Österreichs.

0 2

Re: Das wahre Problem der ÖBB ist die mächtige Gewerkschaft

Mich würde interessieren WELCHE Privilegien?
Vorsintflutliche Privilegien, WELCHE?
Ineffiezient Dienst, WIE geht das?

Das sind Fragen die mich schon brennend interessieren.

Blah, blah, blah.......

Brav auswendig gelernt,was? Von welchen Privilegien fantasierst du da? Schalt erstmal dein Hirn ein bevor du einen Kommentar abgibst.........

 
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