Gute Idee: Ein Opernhaus für zeitgenössische Musik!

Jeder Fünfer, der in Musical-Produktionen investiert wird, ist verbranntes Geld. Anderswo funktioniert dieses Genre privatwirtschaftlich.

Ein Opernhaus für zeitgenössisches Musiktheater zu fordern, das grenzt in Zeiten wie diesen an Irrwitz, möchte man meinen. Und doch: Die in unregelmäßigen Abständen zu erwartenden diesbezüglichen Vorstöße des Leiters des verdienstvollen Wiener „Klangforums“, Sven Hartberger, haben Methode.

Heißt es in der Wirtschaft nicht immer, man möge „antizyklisch“ investieren – und zwar, wenn möglich, in USP-Faktoren: „Unique“ müssen sie sein und einen deutlichen Startvorteil mit sich bringen? Insofern ist die Anmutung, die heimische Kulturpolitik möge sich doch einmal ans Durchrechnen machen, vielleicht sogar weniger verrückt als hellsichtig, wenn auch von einiger Kühnheit getragen.

Immerhin: Die Stadt Wien hat mit der Rückwidmung des Theaters an der Wien ja ein Beispiel gegeben, wie Kultursubventionen richtig, nämlich dem internationalen Ruf einer „Musikstadt“ zuträglich, umgemünzt werden können. Dächte man hier noch weiter, dann würde zutage treten, dass man bei uns nach wie vor Dinge, die anderswo privatwirtschaftlich erfolgreich vermarktet werden können, mit öffentlichen Geldern unterstützt. Jeder Fünfer, der in Musical-Produktionen investiert wird, ist verbranntes Geld.

Statt dieses zu verheizen, könnte man zumindest überlegen, damit utopisch wirkende Unternehmungen zu finanzieren. Tatsächlich, da muss man Hartberger recht geben, klafft in den Wiener Klangsammlungen eine erstaunliche Lücke. Dokumentiert hat das Museum namens „Musikstadt Wien“ das ganze Repertoire von Mozart bis Alban Berg – und zwar in den ständig neu durchbluteten Sammlungen von Musikverein, Konzerthaus, Staats- und Volksoper sowie dem schon erwähnten Theater an der Wien, das (wie jüngst auch das Haus am Ring) mittlerweile sogar zu einer Ausweitung der ständigen Schau-und-Hörsammlung in Richtung Barockmusik beiträgt.

Fehlt in diesem weltweit bestaunten und als Touristenattraktion beliebten Musiktheatermuseum also wahrhaftig lediglich die Abteilung für die Moderne und Postmoderne. Das Moma zum Hören.

Wie dieses im Konzertsaal funktionieren kann, demonstriert das Klangforum (nebst anderen einschlägig engagierten Ensembles) seit Jahr und Tag. Wie unrealistisch ist er also tatsächlich, der Wunsch nach entsprechender Aufstockung des Angebots?

Wie viel gibt man für die Imagewerbung hierzulande aus? Wie effektiv wäre eine einzigartige Bereicherung des immerwährenden Musikmuseums unter Einbeziehung der jüngsten Vergangenheit und der Zeitgenossen?

Und sei es nicht zuletzt, um zu erkunden oder zu kontrollieren, wie lebendig sich Opernhelden unseres Äons neben Mozarts ewig frischen Charakteren Susanna und Figaro ausnehmen...

 

E-Mails an: wilhelm.sinkovicz@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.09.2012)

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