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Wenn ein Autor sein E-Book signieren will

Was wird aus der guten alten Widmung? An Ersatzmitteln ohne Stift und Papier wird getüftelt, auch Bilder lassen sich damit einfügen.

 (Die Presse)

 

Wie fühlt sich ein Autor, wenn die Leser Schlange für ein Autogramm stehen und er nichts zu signieren hat? „Verlegen“, weiß der amerikanische Schriftsteller Evan Jacobs. Er präsentierte einmal auf einer Buchmesse in Seattle sein neues E-Book und hatte dann als Einziger keine Bücher, in die er seinen Fans etwas hineinschreiben konnte.

Widmungen sind wichtig. Auch wenn es nicht viel rationaler als Reliquien- oder Fetischkult ist – viele Leser sind bereit, stundenlang Schlange zu stehen, um von ihrem geliebten Autor etwas in ihr Buch gekritzelt zu bekommen. Diese (pseudo-)persönlichen Autogramme sind Bestandteil unserer Lesekultur und ein unbestreitbarer Vorteil, den das gedruckte Buch derzeit gegenüber dem E-Book hat.

„Wird die handschriftliche Widmung aussterben? Oder wird sich die Rückseite des gerade bevorzugten Lesegerätes mit Autogrammen füllen?“, postete vor zwei Jahren ein deutscher Internet-User, die Mitdiskutanten waren allesamt ratlos. Offenbar ist das Problem aber den E-Book-Verlagen und Autoren längst bewusst. Wie die amerikanische Kinderbuchverlegerin Beth Bacon auf digitalbookworld.com erzählt, werden schon alle möglichen Ersatzmittel ausgetüftelt.

Der bereits erwähnte Evan Jacobs etwa fand eine Lösung: Er entwickelte die Autogramm-Software AutorGraph. Dort können Autoren neue Buchtitel posten und Leser dann elektronische Autogramme anfordern, die per E-Mail kommen. Die Nutzung von AutorGraph ist für beide Seiten gratis.

Die Firma Autography wiederum hat ein Programm entwickelt, das elektronische Bücher mit personalisierten Widmungen versieht. Damit sollen Autoren E-Bücher ebenso leicht signieren können wie normale, verspricht der Hersteller. Auf die eingefügte Seite kann man auch Bilder geben, etwa ein Veranstaltungsfoto, auf dem Autor und Leser einander die Hände schütteln.

Sogar eine App für iPads gibt es schon: MyWrite. Der Autor schreibt bei Veranstaltungen seine Signatur auf den Handybildschirm des Lesers, der das Autogramm ins Internet auf den MyWrite-Server lädt. Dort wird ein personalisiertes E-Book daraus gemacht und dem Leser gemailt.

Die Möglichkeiten, Bücher zu personalisieren, verschwinden also nicht, im Gegenteil, sie erweitern sich, auch wenn sie sich ebenso „entkörperlichen“ wie das Buch. Freilich, Liebhaber des Papierbuchs werden auch weiterhin Widmungen mit Stift und auf Papier wollen. Aber die wird es ohnehin weiterhin geben – zumindest so lange wie das gedruckte Buch.

 

Mails: anne-catherine.simon@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.07.2013)

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