Beginnt die Filetierung der Museumskonzerne?

Die neue Belvedere-Spitze wird am Montag vorgestellt. Um das Winterpalais muss sie sich nicht mehr sorgen.

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Das Belvedere in Wien – (c) APA (HANS KLAUS TECHT)

Es war von Beginn an keine glückliche Geschichte: 2013 trotzte Belvedere-Direktorin Agnes Husslein der damaligen Finanzministerin, Maria Fekter (ÖVP), sozusagen ihr Büro ab, das Winterpalais des Prinzen Eugen in der Himmelpfortgasse. Es sind wundervolle Räume, verschwendet für Büros, mit ihrem ganzen Prunk und Gold fast ironisch in ihrer Verwendung für das Finanzministerium, immerhin schon seit mariatheresianischen Zeiten.

Husslein wollte das ändern, diese extraordinäre Zimmerflucht wieder der Öffentlichkeit zugänglich machen und gleichzeitig eine historische Zusammenführung des Eugen'schen Sommer- und Winterpalais schaffen. Klingt logisch, war es auch. Und ging am Ende doch nicht auf: Erst gab es Neid und Unverständnis der Direktorenkollegen, bekam Husslein die Räume doch vom Finanzministerium nicht nur renoviert, sondern auch noch mit 2,5 Mio. Euro jährlich subventioniert. Dann geriet das Programm als Showcase für „Siegerkünstler“ in Verruf. Schließlich blieben in der schmalen Himmelpfortgasse meist auch die Besuchermassen aus. Oft aber war es auch großartig hier. Denkt man an die Ausstellung von Olafur Eliasson. Oder an Tobias Natters kunsthistorische Aufarbeitung der Kunstsammlungen in ihrer Repräsentationsfunktion für die Mächtigen.

Das Winterpalais bleibt weiterhin eine Spielwiese dieser Mächtigen. Schickte man nun gestern als Vorbote der neuen Belvedere-Doppelspitze, die Minister Drozda (SPÖ) am Montag bekannt geben wird, die Botschaft voraus, dass das Winterpalais mit 2017 ans Finanzministerium retourniert wird. Auf Wunsch von Minister Hans Jörg Schelling (ÖVP), betonte Drozda.

Was hinter Schellings angeblichem Wunsch steht, was er mit diesen so teuer adaptierten und renovierten Räumlichkeiten machen will, blieb man allerdings schuldig. Man erfuhr nur, dass zumindest 2017 das geplante Ausstellungsprogramm noch durchgezogen werde. Welche Taktik steckt hinter diesem Zug? Ist das nun der Beginn der Redimensionierung aufgeblasener Museumskonzerne wie Belvedere und Albertina? Die nur durch Ausnahmemanager mit großem Gestaltungs- und Expansionswillen wie Husslein oder Schröder gestemmt werden können und konnten? Mehr dazu wohl am Montag.

E-Mails an: almuth.spiegler@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.10.2016)

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