Die Vorstadt bleibt dreckig

KolumneAlle Jahre wieder: Die Reste vom Silvesterfest halten sich in den Wiener Außenbezirken länger.

Grundsätzlich gehört das ja dazu. Die Hülsen abgeschossener Raketen und Böller, die Flaschen, die nach dem Anstoßen vergessen wurde – und Dinge, bei denen man sich doch fragt, was genau damit in einer Silvesternacht angestellt wird: etwa mit einem zu einem Packerl zusammengetretener alter Kinderwagen, umwickelt mit Absperrband.

Aber dann, wenn am Neujahrstag ein regelrechter Teppich aus Mist den Gehsteig bedeckt, schachtelweise Reste von Böllern genauso achtlos liegen gelassen wurden wie Glasscherben und zerbrochene Flaschen, bleibt es nicht aus, dass sich die innere Spießerin doch über die Manieren der Mitbewohner des Bezirks aufregt. Die Wutbürgerin wird spätestens dann laut, wenn die erste Radfahrt des Jahres mit einem Patschen endet.

Was dabei generell auffällt, und zwar am Tag danach – und voriges Jahr noch Wochen nach Silvester: Während die inneren, schöneren und teureren Bezirke am Neujahrstag, spätestens aber am 2. Jänner, sauber sind, liegt in Ottakring, in Rudolfsheim-Fünfhaus oder in Meidling der Silvesterdreck stellenweise noch lang.

Hinterlassen die Bewohner der Bezirke innerhalb des Gürtels weniger Mist? Oder schießen sie ihre Raketen von ihren Dachterrassen aus ab, während die Ottakringer den Jahreswechsel mangels privater Freifläche an der nächsten Straßenecke begehen?

Darauf hat man bei der für Entsorgung zuständigen MA 48 auch keine Antwort. Wo zu Silvester, abgesehen vom Silvesterpfad in der Innenstadt, am meisten Dreck anfällt, wird nicht erfasst. Eine soziale Staffelung, dass „bessere“ Bezirke öfter gereinigt würden, gibt es offiziell jedenfalls nicht, so eine Sprecherin der MA 48.

Welcher Bezirk bzw. welche Straße wie schnell gekehrt wird, das hänge nicht vom sozialen Status seiner Bewohner, sondern vor allem von der Zahl der Passanten ab. Wo mehr Leute – das inkludiert freilich auch die Frequenz von Touristen – unterwegs sind, wird öfter gekehrt als in ruhigeren Wohngegenden, in denen die Mistkübel vielleicht nur ein Mal pro Woche voll werden. Überhaupt gebe es ein System von Parametern, nach denen festgelegt werde, welcher der 13 „Kehrbezirke“, in die Wien unterteilt wird, (bzw. sind es 14, es gibt auch einen „Kehrbezirk Nacht“) gereinigt werden.

Das hänge von Passantenfrequenz, Jahreszeit, Erfahrungswerten der Verunreinigung usw. ab. Wenn im Winterdienst viel zu tun ist, wird der Mist aber vielleicht auch seltener von der Straße gekehrt.

Eine Rechnung stimmt jedenfalls: Der schönste Bezirk ist als erster wieder sauber: Entlang des Silvesterpfades sind in der Nacht auf 1. Jänner ab zwei Uhr früh 134Mitarbeiter der MA48 unterwegs, die Ringstraße muss ab fünf Uhr frei sein, rechtzeitig zum Neujahrskonzert ab elf Uhr ist die Innenstadt gereinigt. In Summe werden zum Jahreswechsel rund 400Kubikmeter Müll von der MA48 beseitigt. Das klingt – und ist – viel, aber tendenziell wird der Silvestermist in Wien weniger: seit es nämlich keine Einwegbecher auf dem Silvesterpfad gibt.

E-Mails an: christine.imlinger@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.01.2017)

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