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Der Klang von etwas, das nicht da ist

Ärgernis Sound Composer: Wie artifizieller Motorklang die Atmosphäre an Bord stört.

Moderne Autos entfachen motorisch ja nicht mehr viel Krach, auch wenn die meisten Diesel immer noch ziemlich störend rattern, zumal im städtischen Betrieb. Doch in Dezibel gemessen sinkt die Lärmbelästigung durch den Verbrennungsmotor (die Reifenabrollgeräusche, speziell bei großrädrigen SUVs, sind ein anderes Thema), und das muss sie von Gesetzes wegen auch. Bei den heutigen Benzinmotoren dient schon die obligate Turboaufladung als eine Art natürliche Geräuschdämmung – von ihnen ist tatsächlich nicht mehr viel zu hören.

Das haben Marktstrategen schon vor einigen Jahren als Problem für ein sportliches Fahrgefühl ausgemacht – und die Techniker um Abhilfe gebeten. Die kamen mit einem ganzen Bündel an Lösungen, wie man wieder zu einem sportlichen Sound kommt.

So ermöglicht ein Arsenal an Ventilen und Klappen die akustische Teilnahme am Geschehen in den Brennräumen, in Ansaug- und Abgastrakt. Die Auspufftaste gehört zur Bordeinrichtung in besonders PS-starken Vehikeln.

Die Schmalspurvariante solcher mechatronischen Systeme ist der sogenannte Sound Composer, der Motorgeräusche über die Lautsprecher in den Innenraum überträgt – mit einem durchwegs artifiziellen Klangcharakter, der mehr an Computergames erinnert denn an die Klangdynamik eines Hochleistungsmotors. Und genau diese Einrichtung greift um sich.

 

Kein Ausschaltknopf

Meist wird die akustische Krücke über die Sporttaste aktiviert – unabhängig von dieser besteht meist keine Möglichkeit, sie auszuschalten. Und daran leidet zuweilen die Atmosphäre.

Was hat derlei in einem BMW M3 verloren? Und was im Porsche Macan, der in Basismotorisierung nun einmal nicht nach Hockenheimring klingt, sondern mehr nach Stubenring? Jüngst gehört ward das Klangwölkchen im Mercedes E-Coupé, dessen Vierzylinder halt kein Pavarotti ist. Es wird so nicht besser.

E-Mails an: timo.voelker@diepresse.com

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.03.2017)

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