Kommentar

Das internationale Weltbild der FPÖ

Die Kritik an Wiens Bewerbung für die EU-Arzneimittelagentur sagt viel über diese Partei aus.

Umwegrentabilität ist nicht unbedingt das Wort, das im Sprachgebrauch von FPÖ-Politikern eine große Rolle spielt. Deshalb wird der EU-Nettobeitrag auch gern von der Teilnahme am EU-Binnenmarkt isoliert betrachtet. Deshalb negiert die FPÖ, dass ausländische Arbeitskräfte sowohl zur Wirtschaftsleistung des Landes als auch zur Sozialversicherung einen Beitrag leisten. Über Grenzen hinweg zu denken und zu kalkulieren ist nicht Sache einer Partei, die das Land am liebsten als isolierte Insel à la Albanien unter Enver Hoxha sehen würde.

Das wurde nun auch bei der Kritik an Wiens Bewerbung für die EU-Arzneimittelagentur (EMA) deutlich. Da wird Österreichs finanzielles Entgegenkommen (z. B. gratis Büroraumkosten) kritisiert. Mit verlässlicher Eindimensionalität wird gegen 900 Arbeitskräfte aus dem EU-Ausland polemisiert, die freilich ihren Arbeitsplatz in diesem Fall selbst mitbringen. Die Agentur hat London jährlich Tausende Hotelübernachtungen, zusätzliche Konferenzen, Konsum- und Dienstleistungsgeschäfte gebracht. 19 Städte bewerben sich mit ähnlichen – mehr oder weniger attraktiven – Angeboten um die „Eurokraten“. In der Denkweise der FPÖ sind sie alle bloß zur „Verschwendung“ bereit.

E-Mails an: wolfgang.boehm@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.09.2017)

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