Verwandte kann man sich nicht aussuchen, Freunde schon. Diese Lebensweisheit ist falsch – zumindest im Bereich von Parteien und Parteifreunden, was zu durchaus skurrilen Situationen führt.
Ein Beispiel gefällig? „Das BZÖ war ein Zufall, es war nie meine Welt. Ich will mit denen nichts zu tun haben – ich war sowieso nie wirklich dabei.“ Das sagt nicht irgendein ein Wiener, der sich auf dem Nachhauseweg vom Viktor-Adler-Markt in einem schwachen Moment eine BZÖ-Mitgliedschaft andrehen hat lassen, sondern der ehemalige Parteichef (!) des Wiener BZÖ, Dietmar Schwingenschrot. Heute ist Schwingenschrot nur mehr einfaches Parteimitglied – allerdings der SPÖ und Fan von Bürgermeister Michael Häupl; wie viele jener BZÖ-Funktionäre, die sich mit Schwingenschrot abgespalten haben: „Wir werden den Bürgermeister unterstützen. Wir werden für Häupl im Wahlkampf laufen. Wir unterstützen die SPÖ“, erklärt Schwingenschrot. Viele Ex-BZÖler sammeln sich übrigens in der „Initiative Wiener Bürger“, die sich als angeblich überparteiliche Initiative für Bürgeranliegen einsetzt. „Unsere Initiative hat 800 Unterstützer – das ist mehr als das offizielle BZÖ Unterstützer hat“, meint der Ex-BZÖ-Parteichef glücklich. Ob andere Teile der SPÖ über den neuen, ungewöhnlichen Anhang ebenso glücklich sind, bleibt offen.
Michael Häupl hat also neue Freunde gefunden – nicht zum ersten Mal. Nach der Auflösung des Liberalen Forums wechselten zahlreiche Wiener LIF-Vertreter ebenfalls zur SP – was weniger mit der Bewunderung Häupls, als mit Einfluss, Posten und Geld zu tun hatte, über die die mächtige Bürgermeisterpartei verfügt. Schwingenschrot beispielsweise wurde vor zwei Monaten in die Wirtschaftskammer gewählt – auf einem SPÖ-Ticket.
Das Wiener BZÖ dagegen bekommt direkte Konkurrenz – von einer weiteren BZÖ-Abspaltung, dem „echten“ BZÖ, wie es Helmut Stubner nennt. Die ehemals rechte Hand vom derzeit aktuellen Wiener Parteichef Michael Tscharnutter hat (wie „Die Presse“ bereits am 1.April berichtete) eine neue Partei gegründet – am Montag wurde der Namen bekannt gegeben: Nach FPÖ, BZÖ, FPK kommt jetzt FBZ – das Freie Bündnis Zukunft, das am 10.Oktober (auf der Bezirksebene) antreten will. Stubner wurde am 16.März von der Partei ausgeschlossen, nachdem er mit einer außerordentlich hohen Motivation am Sessel des Wiener BZÖ-Chefs Michael Tscharnutter gesägt hatte.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.04.2010)
















