Wie haben wir uns darauf gefreut: Monatelang wurde sie groß angekündigt, die „Spritpreis-Datenbank“. Die Intransparenz der Tankstellenbetreiber war dem Wirtschaftsministerium nämlich ein Dorn im Auge. Also zwang es die Benzinverkäufer, ihre stets aktuellen Preise an die E-Control zu übermitteln. Diese bastelte eine Homepage daraus – spritpreisrechner.at –, die dem wissbegierigen Autofahrer die günstigsten Tankstellen anzeigt.
Oder besser: Hätte anzeigen sollen. So richtig hingehaut hat das ambitionierte Projekt nämlich nicht. Gleich am ersten Tag stürzte die Internetseite ab. „Wegen Wartungsarbeiten ist die Preistransparenz-Datenbank zurzeit leider nicht verfügbar“, wurden Interessierte Dienstagvormittag informiert.
Keine Frage, ohne regelmäßige Wartung läuft so ein Ding eben nicht. Aber gleich am ersten Tag? Projektleiter Johannes Mayer klärt auf: Der Ansturm sei größer als erwartet gewesen. Deshalb müsse man die Homepage nun erst wieder in Gang bringen. „Angenehm ist das natürlich nicht“, sagt Mayer zur „Presse“.
Da hat er durchaus recht. Angenehm ist die Sache auch für die Steuerzahler nicht, die die im Eigentum des Wirtschaftsministeriums stehende E-Control finanzieren. Also fragen wir nach, wie das passieren konnte. „150.000 Zugriffe hatten wir Dienstagvormittag zu verzeichnen“, erklärt Mayer. Das führte zur Überlastung des Servers, weshalb es zum Absturz kam. Zum Vergleich: diepresse.com bringt es an einem durchschnittlichen Werktag ebenfalls auf 150.000 Zugriffe, stürzt aber gottlob äußerst selten ab.
Die Vorbereitung, so versichert der Projektmanager, sei jedenfalls sehr gewissenhaft gewesen. Die Programmierung der Seite habe man ausgelagert und dafür 60.000 Euro in die Hand genommen. Und bei der E-Control beschäftigen sich seit Ende Juni fünf bis sechs Leute mit dem Projekt. Auch die 2600 Tankstellen in ganz Österreich haben ordnungsgemäß ihre Benzinpreise übermittelt. Nur sehen kann sie halt derzeit niemand. Aber das wird schon werden: „Wir arbeiten an der Lösung des Problems.“ Wie lange noch, konnte die Behörde am Dienstagnachmittag nicht sagen.
Wer nun ernsthaft daran denkt, der E-Control den Schwarzen Peter für den Absturz zuzuspielen, für den hat Projektleiter Mayer eine Antwort parat: „Ich glaube, dass da auch eine unkontrollierte Roboter-Technik mit im Spiel ist.“ Soll heißen: Automatisierte Computerprogramme würden wiederholt auf die Homepage klicken und so für die Überlastung sorgen.
Sie sehen also: Dass schlicht und einfach 150.000 Österreicher daran interessiert sind, wo sie günstig tanken können, damit konnte im Vorfeld wirklich niemand rechnen.
E-Mails an: stefan.riecher@diepresse.com
("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.08.2011)















