Wenn Frau Fekter aus dem Nähkästchen poltert

30.09.2011 | 18:24 |  KARL GAULHOFER (Die Presse)

Manager hätten das Defizit im Nu weggespart, glaubt Immofinanz-Chef Zehetner. Unser aller Schatzmeisterin schenkt ihm dafür deftig ein.

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Ein gestandener Finanzmanager wie Eduard Zehetner kann über die Miniprobleme des Fiskus nur den Kopf schütteln. Warum, sinnierte der Immofinanz-Chef Donnerstagabend vor dem handverlesenen Publikum einer KPMG-Veranstaltung, kommt eine schwarze Finanzministerin nicht auf eine schwarze Null in ihrem Haushalt? Eine Lücke von drei Prozent, das „ist ja nicht mehr als der Kassaskonto“. In einem Unternehmen senkt man da die Kosten, „da wird nicht diskutiert, das wird einfach gemacht“. Da hatte Zehetner die Rechnung freilich ohne die solcherart provozierte Ministerin gemacht. Zwar streute ihr IHS-Chef Bernhard Felderer kalmierend Rosen („Maria Fekter will sich als Thatcher bewähren, und wenn das irgendwer schafft, dann sie“). Aber da war die Thatcher aus dem Hausruck, die man erst im April etwas hau ruck zur Schatzmeisterin der Republik erkoren hatte, schon voll in Fahrt. Und siehe da: Die Probleme sind nicht mini, sondern durchwegs mega.

„Wie gerne hätte ich nach der Klausur in Loipersdorf die Ausgaben gesenkt. Aber was da für ein Mega-Zinnober losgegangen wär!“ Natürlich „tun wir uns jetzt megaschwer“. „Dabei bin i eh ane, die mords was auf der Bremsn steht“, beteuerte Fekter, dem Hochdeutschen längst entrückt. Aber Zehetner solle einmal miterleben, wie megahaft das „Wünsch-dir-was von allen Seiten“ auf sie einprasselt.

Zuweilen aber bleibt die Lady eisern: Einen „uralten Hut“ wie die Vermögenssteuer lässt sie sich von der SPÖ nicht aufsetzen. Damit würden selbst Paradefirmen in wenigen Jahren „oba-enteignet“. Dann schon eher ein entrümpeltes Steuersystem mit einer „Flatrate“. Das klang in Fekter-Englisch zwar wie ein Loblied auf eine flache Ratte, aber die versammelten Steuerberater wussten, dass sie an dieser Stelle schlucken mussten. Den Rest des Abends kicherten sie mit Bankdirektoren leise um die Wette über die rurale Diktion der Ministerin. Sie taten ihr unrecht. Mit Fekter im Gepäck kommt selbst bei einem Elite-Event bald Bierzeltgaudi auf. So authentisch können Politiker sein, wenn sie sich nicht zu Tode coachen lassen. Und dank ihrer Offenheit sind wir um eine Erkenntnis reicher: Auch für eine Schotter-Mitzi ist es megaschwer, den Schotter der Steuerzahler beisammenzuhalten.

 

E-Mails an: karl.gaulhofer@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.10.2011)

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3 Kommentare
Gast: Moses III
02.10.2011 18:38
0 0

Qualifikation

Man stelle sich das Gelächter vor wenn sich bei einem Großkonzern wie Exxon, Apple oder Rio Tinto eine Frau Fekter als CFO oder gar ein Faymann als CEO bewerben würden.

Es reicht schon wenn sich jeder Österreicher im Ausland für solche Leute schämen muss.

BM Fekter ist wirklich sehr qualifiziert für diesen Job!

Wer die Ministerin näher kennt, weiß, dass die in Wien nicht immer goutierte "rurale Diktion" keineswegs heißt, dass sie unfähig ist! Das "Weanarische" gewisser männlicher Politgranden in früheren Zeiten hat Journalisten nie gestört, seltsam. Für viele Meinungsbildner und Entscheidungsträger scheint Österreich an der Wiener Stadtgrenze aufzuhören!

Wenn es jemand in der derzeitigen schwierigen Finanzsituation schafft, den Karren einigermaßen auf Linie zu halten, dann ist das Fekter! Warum sie von manchen Kreisen unterschätzt wird, weiß ich nicht, entweder weil sie eine Frau ist, die sich denn Mund nicht verbieten lässt und gradeheraus sagt, was sie denkt oder weil sie nicht den Wiener Stallgeruch hat?

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Ein gestandener Finanzmanager wie Eduard Zehetner kann über die Miniprobleme des Fiskus nur den Kopf schütteln.

na toll; dann soll der doch auch Problemlösungen aufzeigen, welche aber selbst die Immofinanz (ehemals unter einer heutigen Bidungsministerin Schmidt) bekanntlich gar nicht abgeben kann ?!

Klar aber ist auch; das eine Fekter in ihrem alten Ministerium besser aufgehoben war als dieses Fiasko auch nicht lösen zu können/dürfen/wollen !

Solange die Steuereinnahmen sprudeln wird es auch keine Verwaltungsreform geben wollen/dürfen, da man sonst das eigene Wählerpotentional verärgern könnte; und das will und kann man sich scheinbar weiterhin nicht leisten, auch wenn man selbst schon als dritte Partei gehandelt wird.

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