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Schuldenschnitt 2.0: Anonymous droht der griechischen Regierung

22.02.2012 | 18:34 |  NIKOLAUS JILCH (Die Presse)

„Operation Greece“: Anonymous fordert den Abzug des IWF aus Griechenland – und will die Steuerschulden der Bürger „einfach löschen“.

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Schuldenschnitt? Welcher Schuldenschnitt? Die Reduzierung der griechischen Staatsschulden gilt als Voraussetzung dafür, dass das Land wieder auf die Beine kommt. Trotz der positiven Schlagzeilen der vergangenen Tage ist über eine endgültige Einigung zwischen dem Land und seinen Gläubigern aber noch nichts bekannt. Eine Reihe von Hedgefonds wehrt sich seit Wochen gegen die Beschneidung ihrer Forderungen. Auch Charles Dallara, der Direktor des Bankenverbandes IIF, räumte am Dienstag in einem Interview mit der BBC ein: Diese Hedgefonds könnten das Auslösen der Kreditausfallversicherungen CDS erzwingen, was ihnen – theoretisch – nicht nur einen Teil, sondern das ganze investierte Geld wiederbringen würde. Theoretisch, weil niemand wirklich weiß, was passiert, wenn die CDS schlagend werden. Dallara blieb gegenüber der BBC in dieser Frage kryptisch bis apokalyptisch: „Wenn zu viele Gläubiger in diese Richtung gehen, dann bricht das ganze System zusammen.“

Und die Hedgefonds sind nicht die einzige Gefahr für „das System“. Im Kampf gegen den umstrittenen Acta-Vertrag griff das Hackerkollektiv Anonymous schon Anfang Februar die Website des griechischen Justizministeriums an. Nachdem die griechische Polizei wegen dieser Attacke am Dienstag drei Teenager verhaften ließ, legte Anonymous noch eines drauf. Im Rahmen der „Operation Greece“ wurde wieder die Seite des Justizministeriums „entstellt“. Diesmal fand Anonymous recht harsche Worte: „Wir beobachten jeden Tag, wie die Regierung die Verfassung abschafft. Wir sehen, wie ihr das Land an den IWF und die Banken ausliefert. Wir wissen alles.“

In Griechenland herrschen seit Monaten chaotische Zustände. Hunderttausende demonstrieren gegen die Sparpläne der Regierung. Immer mehr wächst auch die Wut auf jene Institutionen, die dieses Programm vorschreiben: EU, IWF und EZB – die sogenannte „Troika“. Erst vor zwei Wochen drohte sogar die Polizeigewerkschaft den Vertretern der Troika Haft an. Aber was das Hackerkollektiv jetzt vorhat, könnte alle bisherigen Rettungs- und Sparpakete für Griechenland platzen lassen. Weil die Sparpakete auch stetig steigende Steuern bringen, droht Anonymous jetzt, „das System abzuschalten“ und die „Steuerschulden aller Griechen einfach zu löschen“. Das Kollektiv richtet seine Forderungen direkt an die Regierung: „Wir werden der griechischen Bevölkerung keine weiteren Qualen zumuten. Wir verlangen euren sofortigen Rücktritt und Neuwahlen. Wir verlangen, dass ihr euren Gläubigerfreunden keinen Cent zahlt. Wir verlangen den sofortigen Rückzug des IWF aus Griechenland. Das Justizministerium ist nur ein Vorgeschmack auf das, wozu wir in der Lage sind. Ihr habt den vollen Zorn von Anonymous noch nicht erlebt.“

Niemand weiß, ob die Hacker wirklich in der Lage sind, die griechischen Steuerdaten zu „löschen“. Aber ein solcher „Schuldenschnitt 2.0“ würde der Regierung die Möglichkeit nehmen, zumindest theoretische Steuereinnahmen zu errechnen – und die verhassten Sparpakete wohl komplett aushebeln.

 

E-Mails an: nikolaus.jilch@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.02.2012)

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3 Kommentare
periskop
23.02.2012 08:59
0 0

Mephisto nennt sich jetzt Anonymous?!

Mephisto ist "Ein Teil von jener Kraft, die stets das Böse will und stets das Gute schafft."
Das passt doch auf Anonymous! Böse ist es, wenn Steuerdaten gelöscht werden, wenn dadurch aber die Sparpakete ausgehebelt werden, so wird Gutes geschaffen!

Die den Griechen von der EU aufgezwungenen Sparpakete erreichen ja genau das Falsche! Sie schwächen die Kaufkraft der breiten Masse, was einerseits zur Verelendung führt und andererseits die schwache griechische Wirtschaft vollends abwürgt. Im letzten Jahr wurde dadurch ein Wirtschaftseinbruch von 5,5 Prozent ausgelöst, heuer werden es um die 7 Prozent sein. Damit ist es für Griechenland völlig aussichtslos, wieder zahlungsfähig zu werden. Jetzt müssen die Griechen, wenn sie ihr Volk nicht verhungern lassen wollen, immer mehr neue Schulden machen. Schon im letzten Jahr war die Neuverschuldung Griechenlands höher denn je, in Zukunft wird alles nur noch schlimmer!

Warum sich die Griechen diese EU-Politik, die nur die ausländischen Gläubigerbanken und niemals die Griechen retten will, aufzwingen lassen, ist völlig unverständlich!
Der einzige und bewährte Weg aus der Schuldenkrise ist vor allem Abwertung der Währung gegenüber den Nachbarn um die Neuverschuldung wegzubekommen und Wirtschaftswachstum zu erreichen, so dass das Land wieder zahlungsfähig wird. Alte Schulden müssen ganz erlassen werden, auch wenn dann die Kreditversicherer zu Recht pleite gehen.

Das ist der einzige und vielfach bewährte Weg aus der Schuldenfalle!

Antworten freeman
23.02.2012 10:54
0 0

Vielleicht wirklich Mephisto...

Nur glaube ich nicht, daß es Bevölkerung bei einem Verzicht auf Sparprogramme und auf die ewige "Rettung" der Gläubigerbanken kurzfristig besser ginge - damit wäre Griechenland auch de iure zahlungsunfähig, und die Frage "wo sparen" würde sich erübrigen.

Trotzdem wäre dieses Szenario langfristig besser als das absurde Rettungs-/Sparpaketstheater.

Gast: calafati
23.02.2012 07:46
0 1

Anonymus das Fallbeil des Volkes

Da wir für die herrschende Elite nur mehr als Daten existieren,wird es Zeit die Delete Taste zu betätigen,ein Ende wird auch ein neuer Anfang sein

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