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Huch! Thomas Pynchons Romane gibt's ab jetzt auch digital!

14.06.2012 | 18:48 |  BETTINA STEINER (Die Presse)

Darf ein Autor, der sich dem Medienrummel entzieht, seine Zustimmung zur digitalen Vermarktung seiner Bücher geben?

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Ach, die Welt steht nicht mehr lange. Ach, ein Heulen kommt über den Himmel: Thomas Pynchon, ja, ausgerechnet dieser stets nobelpreisverdächtige Einsiedler der zeitgenössischen Literatur, dieser wahnwitzige Schreiber, von dem es nur einige wenige Fotos gibt (und die zeigen den Künstler als jungen Mann), ja, genau der hat zugestimmt, dass seine Bücher künftig auch digital erscheinen dürfen.

Pynchon zum Herunterladen also. Das deutsche Feuilleton jault auf: „Ich bin ein E-Book“ titelt die „FAZ“ und zitiert den vor Kurzem verstorbenen Ray Bradbury, der gemeint hatte, elektronische Bücher röchen wie „verbranntes Benzin“. Willi Winkler konstatiert in der „Süddeutschen Zeitung“ „fast einen Skandal“. Unvorstellbar sei es: Komplexe Wunderwerke wie „Die Enden der Parabel“ sollen künftig „von müßigen U-Bahn-Kunden vom Tablet weggeschlotzt werden können, ihre Lektüre jeweils unterbrochen durch aufplatzende U-Bahn-Türen, iPod-Dissonanzen und den zufälligen Blick auf die ebenmäßigen Beine der Nachbarleserin, die sich indes an einer Ausgabe von Julia gütlich tut“.

Aber ist Pynchon tatsächlich so hehr? So sakrosankt, dass man ihn keinem U-Bahn-Getümmel aussetzen kann? Zu kostbar, um auf Retina-Display oder in e-ink gelesen zu werden? Pynchon und das digitale Buch – ist das wirklich ein Widerspruch?

Wir wissen es nicht. Was wir wissen, ist nur, dass Thomas Pynchon nicht will, dass wir wissen, was er will. Seit den frühen Sechzigerjahren lebt er versteckt, gibt keine Interviews und meldet sich auch nicht zu Wort. Mit einer Ausnahme: Da rief er bei CNN an und beklagte sich über das Kamerateam, das ihm aufgelauert hatte. So gierig wartet die literarische Fangemeinde auf eine Äußerung des Dichters, dass CNN diesen empörten Anruf prompt als „Interview“ verkaufte.

Was Pynchon von E-Books hält, können wir also nur mutmaßen: Angeblich besitzt der Dichter ein Fax. Das spricht nicht eben dafür, dass er besonders technikaffin ist. Er hat einen Sohn. Der wird ihn wohl ans eine oder andere elektronische Gadget herangeführt haben. Und Pynchon trat dreimal in der Zeichentrickserie „Die Simpsons“ auf, er sprach den Text, seine Figur trug eine Papiertüte über dem Kopf. Er hat also nichts gegen Populärkultur.

Vor allem aber bedeutet die Tatsache, dass ein Künstler sich der medialen Öffentlichkeit entzieht, nicht gleichzeitig, dass er am liebsten für eine kleine, erlesene Fangemeinde schreiben will. Wir zitieren Pynchons Verlegerin, Ann Godoff – und alle die immer „huch!“ rufen, wenn vom E-Book die Rede ist, sollten sich ihre Worte zu Herzen nehmen: „Ich glaube“, sagte sie, „er will mehr Leser haben.“

 

E-Mails: bettina.steiner@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.06.2012)

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